BVerfG rejects constitutional complaint and legal aid

BVerfG 1 BvR 1547/17Bverfg / 1. Senat 2. Kammer16.08.2017Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The complainant challenged social court decisions refusing legal aid in a SGB II matter. The Federal Constitutional Court did not accept the constitutional complaint for decision under § 93a(2) BVerfGG, finding neither general importance nor a need for admission to enforce fundamental rights. It therefore did not decide the reinstatement request or the subsidiary complaints concerning a special representative and the right to be heard. Legal aid and appointment of counsel were refused for lack of sufficient prospects of success, and the request for an interim injunction became moot.

Omnilex-Regeste

§ 93a Abs. 2 BVerfGG; non-acceptance of a constitutional complaint for lack of general importance and lack of necessity for fundamental-rights enforcement. If the acceptance requirements are not met, the Court need not decide ancillary procedural questions such as reinstatement, the appointment of a special representative under § 72 Abs. 1 SGG, or possible hearing defects. A request for legal aid and appointment of counsel is to be denied where the intended constitutional complaint has no sufficient prospect of success. Upon non-acceptance of the main complaint, an interim- injunction request becomes moot pursuant to § 40 Abs. 3 GOBVerfG.

Gesamter Gesetzestext

BVerfG — 1 BvR 1547/17, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2017-08-16

Aktenzeichen: 1 BvR 1547/17

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2017:rk20170816.1bvr154717

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Vorinstanz: vorgehend BSG, 26. April 2017, Az: B 14 AS 120/17 S, Beschlussvorgehend Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, 27. März 2017, Az: L 15 AS 56/17 B, Beschlussvorgehend SG Osnabrück, 16. Februar 2017, Az: S 16 AS 534/13, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Teilweise Parallelentscheidung

Tenor

Die Verfassungsbeschwerde wird, ohne dass über den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand entschieden zu werden braucht, nicht zur Entscheidung angenommen.

Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung eines Rechtsanwalts wird abgelehnt, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet.

Mit der Nichtannahme der Verfassungsbeschwerde wird der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegenstandslos (§ 40 Abs. 3 GOBVerfG).

Gründe

I.

1 Mit ihrer Verfassungsbeschwerde wendet sich die Beschwerdeführerin gegen Beschlüsse von Sozialgerichten, mit denen ihr Prozesskostenhilfebegehren in einer grundsicherungsrechtlichen Angelegenheit nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch abgelehnt wurde.

II.

2 Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil die Voraussetzungen des § 93a Abs. 2 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes nicht vorliegen. Ihr kommt weder grundsätzliche Bedeutung zu, noch ist ihre Annahme zur Durchsetzung der Grundrechte der Beschwerdeführerin angezeigt, insbesondere droht ihr kein besonders schwerer Nachteil.

3 Auf die Frage, ob das Sozialgericht und das Landessozialgericht - ausgehend von der angenommenen Prozessunfähigkeit der Beschwerdeführerin - die Bestellung eines besonderen Vertreters nach § 72 Abs. 1 SGG unter Überspannung der für eine Ausnahme hiervon geltenden Anforderungen und damit unter Beeinträchtigung von Art. 19 Abs. 4 Satz 1 GG verneint haben, kommt es danach nicht an. Gegen die Annahme, dass die Voraussetzungen vorlagen, unter denen nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSGE 5, 176 <178 f.>; BSG, Urteil vom 15. November 2012 - B 8 SO 23/11 R -, SozR 4-1500 § 72 Nr. 2 Rn. 9 f.) ausnahmsweise von der Bestellung eines besonderen Vertreters abgesehen werden durfte, bestehen allerdings Bedenken.

4 Die weiterhin mit der Verfassungsbeschwerde aufgeworfene Frage, ob die angegriffenen Entscheidungen auf Erwägungen gegründet werden durften, zu denen die Beschwerdeführerin mangels Prozessfähigkeit möglicherweise nicht in einer ihrem Anspruch auf rechtliches Gehör genügenden Weise Stellung nehmen konnte, braucht damit ebenfalls nicht entschieden zu werden.

5 Von einer Begründung im Übrigen wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Schlagwörter

constitutional complaintlegal aidnon-acceptancespecial representativeright to be heardinterim injunctionsocial security

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint should be accepted for decision under § 93a(2) BVerfGG.

Extrahierter Entscheid

The complaint was not admitted because it had neither general constitutional significance nor was admission necessary to enforce fundamental rights; no particularly serious disadvantage was shown.

Extrahierte Begründung

The statutory acceptance requirements were not met, so the Court did not need to address the underlying procedural complaints.

Kernrechtsfrage

Whether the application for legal aid and appointment of counsel before the Federal Constitutional Court should be granted.

Extrahierter Entscheid

Legal aid and appointment of counsel were denied because the intended constitutional challenge had no sufficient prospect of success.

Extrahierte Begründung

Because the constitutional complaint was not admissible for decision, the requested legal aid lacked the required chance of success.

Kernrechtsfrage

Whether the request for an interim injunction remained pending.

Extrahierter Entscheid

The request became moot once the constitutional complaint was not accepted for decision.

Extrahierte Begründung

Under § 40(3) GOBVerfG, the interim request loses its object when the main complaint is not admitted.

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