Business clothing is not deductible as advertising expense

BFH VI B 40/13Bfh / 6. Abteilung13.11.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BFH rejected the complaint against denial of leave to appeal. It held that the questions concerning deductibility of expenses for business clothing were already settled in case law and did not justify admission for fundamental importance or legal development. The lower court’s finding that the items were ordinary civilian clothing, not deductible as advertising expenses, remained binding because no errors of logic or experience were shown.

Omnilex-Regeste

Art. 9 Abs. 1 Satz 1, Art. 12 Nr. 1 Satz 2 EStG; admissibility of revision; ordinary civilian clothing as advertising expense: Expenses for ordinary civilian clothing are generally attributable to private living expenses and are therefore excluded from deduction under § 9 EStG, even in part. An allocation of mixed expenses is not available where the legislature has withheld the item from the advertising-expense regime under the rules on the tax subsistence minimum. A revision may not be admitted for fundamental importance or legal development if the relevant legal questions are already settled in BFH case law and no new aspects require reconsideration (consid. 4-9).

Gesamter Gesetzestext

BFH — VI B 40/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-11-13

Aktenzeichen: VI B 40/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 9 Abs 1 S 1 EStG 2002, § 12 Nr 1 S 2 EStG 2002, § 9 Abs 1 S 1 EStG 2009, § 12 Nr 1 S 2 EStG 2009, § 9 Abs 1 S 3 Nr 6 EStG 2002, § 9 Abs 1 S 3 Nr 6 EStG 2009, EStG VZ 2008, EStG VZ 2009

Vorinstanz: vorgehend FG Düsseldorf, 25. März 2013, Az: 8 K 2213/11 E, Urteil

Spruchkörper: 6. Senat

Titelzeile

Aufwendungen für bürgerliche Kleidung sind auch nicht anteilig Werbungskosten

Leitsatz

NV: Aufwendungen für bürgerliche Kleidung sind nach den Vorschriften über das steuerliche Existenzminimum grundsätzlich dem Anwendungsbereich des § 9 EStG entzogen. Ein --ggf. teilweiser-- Abzug als Werbungskosten scheidet daher aus (vgl. Beschluss des BFH vom 21. September 2009 GrS 1/06, BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672) .

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Weder ist die Rechtssache von grundsätzlicher Bedeutung (§ 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung --FGO--) noch ist eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Fortbildung des Rechts erforderlich (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 1. Alternative FGO).

2 1. Die Revision war nicht wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache zuzulassen.

3 Eine Rechtssache ist von grundsätzlicher Bedeutung, wenn die für die Beurteilung des Streitfalls maßgebliche Rechtsfrage das abstrakte Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts berührt. Die Rechtsfrage muss im konkreten Fall klärungsbedürftig und in einem künftigen Revisionsverfahren klärbar sein (ständige Rechtsprechung, Senatsbeschlüsse vom 24. Juli 2008 VI B 7/08, BFH/NV 2008, 1838; vom 12. Oktober 2007 VI B 161/06, BFH/NV 2008, 45; vom 10. Oktober 2007 VI B 33/07, BFH/NV 2008, 44). Eine Rechtsfrage ist nicht klärungsbedürftig, wenn sie durch die Rechtsprechung des BFH bereits hinreichend geklärt ist und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar sind, die eine erneute Prüfung und Entscheidung dieser Frage erforderlich machen (Gräber/ Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 115 Rz 28).

4 Die im Streitfall aufgeworfenen Rechtsfragen sind durch die BFH-Rechtsprechung bereits hinreichend geklärt.

5 Bei der Ermittlung der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit sind Aufwendungen als Werbungskosten (§ 9 Abs. 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes --EStG--) abzuziehen, wenn sie durch die Einkünfteerzielung veranlasst sind. Eine solche Veranlassung ist gegeben, wenn die Aufwendungen mit der Einkünfteerzielung objektiv zusammenhängen und ihr subjektiv zu dienen bestimmt sind, d.h. wenn sie damit in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen. Ob Aufwendungen der beruflichen Sphäre oder der privaten Lebensführung i.S. von § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG zuzurechnen sind, entscheidet sich unter Würdigung der Umstände des Einzelfalls. § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG enthält kein allgemeines Aufteilungs- und Abzugsverbot, so dass die Vorschrift einer Aufteilung von gemischt veranlassten, aber anhand ihrer beruflichen bzw. privaten Anteile trennbaren Aufwendungen nicht entgegensteht. Die Aufwendungen sind grundsätzlich anhand der privaten bzw. beruflichen Veranlassungsbeiträge aufzuteilen. Ist ein abgrenzbarer Teil der Aufwendungen beruflich veranlasst, ist dieser als Werbungskosten abziehbar. Zwar ist auch eine Aufteilung von Aufwendungen für bürgerliche Kleidung bei feststehender Arbeitszeit möglich. Derartige Aufwendungen sind aber nach den Vorschriften über das steuerliche Existenzminimum grundsätzlich dem Anwendungsbereich des § 9 EStG entzogen. Inwieweit gleichwohl ein beruflicher Mehraufwand zu berücksichtigen ist, bleibt in erster Linie der Entscheidung des Gesetzgebers überlassen (vgl. z.B. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG "typische Berufskleidung"; Beschluss des Großen Senats des BFH vom 21. September 2009 GrS 1/06, BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672, C.III.4.a).

6 Die Beurteilung der Abziehbarkeit der Aufwendungen für bürgerliche Kleidung entspricht damit im Ergebnis der BFH-Rechtsprechung vor Ergehen des Beschlusses in BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672 (z.B. BFH-Urteile vom 6. Juli 1989 IV R 91-92/87, BFHE 158, 221, BStBl II 1990, 49; vom 18. April 1991 IV R 13/90, BFHE 164, 419, BStBl II 1991, 751; Senatsurteile vom 20. März 1992 VI R 55/89, BFHE 168, 83, BStBl II 1993, 192; vom 27. Mai 1994 VI R 67/92, BFHE 175, 57, BStBl II 1995, 17; vgl. auch Senatsurteil vom 5. Juli 2012 VI R 50/10, BFHE 238, 405, BStBl II 2013, 282).

7 Die Vorinstanz ist in Übereinstimmung mit den angeführten Grundsätzen zu dem Ergebnis gelangt, die Aufwendungen für die vom Kläger und Beschwerdeführer als "Business-Kleidung" bezeichneten Kleidungsstücke seien solche für bürgerliche Kleidung und daher nicht als Werbungskosten bei der Ermittlung der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit zu berücksichtigen. Da insoweit Verstöße gegen Denkgesetze oder Erfahrungssätze weder vorgetragen noch sonst ersichtlich sind, ist diese tatrichterliche Würdigung revisionsrechtlich bindend (vgl. § 118 Abs. 2 FGO).

8 2. Die Revision war auch nicht zur Fortbildung des Rechts (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO) zuzulassen.

9 Der Zulassungsgrund der Rechtsfortbildung als Spezialfall der Grundsatzrevision erfordert die Darlegung einer klärbaren und klärungsbedürftigen Rechtsfrage (Senatsbeschluss vom 1. März 2007 VI B 92/06, BFH/NV 2007, 1172). Da die im Streitfall aufgeworfenen Fragen --wie oben ausgeführt-- bereits hinreichend geklärt sind, kommt eine Revisionszulassung zur Fortbildung des Rechts vorliegend nicht in Betracht.

Schlagwörter

income taxadvertising expensesbusiness clothingprivate living expensesrevision admissibilityfundamental importancelegal developmentmixed expenses

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appeal had to be admitted for fundamental importance.

Extrahierter Entscheid

No. The decisive legal questions were already sufficiently clarified by BFH case law.

Extrahierte Begründung

A question is only of fundamental importance if it affects the abstract public interest in uniform development of the law and is still in need of clarification; that was not the case here.

Kernrechtsfrage

Whether the appeal had to be admitted for development of the law.

Extrahierter Entscheid

No. Legal development requires a clarifiable and still unresolved legal question; the questions raised were already settled.

Extrahierte Begründung

Because the relevant issues were already answered by established case law, there was no basis for admission under the special ground of legal development.

Kernrechtsfrage

Whether expenses for so-called business clothing are deductible as advertising expenses.

Extrahierter Entscheid

Expenses for ordinary civilian clothing are generally excluded from the scope of advertising expenses and cannot be deducted, even proportionately.

Extrahierte Begründung

Under the rules on the tax subsistence minimum, ordinary civilian clothing is generally allocated to private living expenses. Only expressly recognized special categories, such as typical occupational clothing, may be deductible.

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