No revision for new vehicle tax rates for three- and light four-wheelers

BFH II B 136/12Bfh / 2. Abteilung19.08.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Fiscal Court dismissed the complainant’s non-admission complaint against the Fiscal Court of Baden-Württemberg. It held that § 9 Abs. 1 Nr. 2b KraftStG, as amended in 2010, applies to three- and light four-wheel vehicles with piston engines even if first registered before 2009-07-01, so no statutory gap exists. Because the alleged gap did not exist, there was also no basis for revision for fundamental importance or by analogy. The constitutional complaint based on Art. 3 GG was deemed insufficiently substantiated.

Omnilex-Regeste

§ 9 Abs. 1 Nr. 2b Buchst. a aa KraftStG; leave to appeal under § 115 Abs. 2 Nr. 1 and Nr. 2 FGO; no legal gap and no need for analogy: The amended vehicle-tax rate provision applies also to three- and light four-wheel vehicles first registered before 1 July 2009, if equipped with piston engines. The wording and statutory structure, read in light of the legislative materials, show an intentional comprehensive new regulation of the tax rates irrespective of the date of first registration. A claimed constitutional violation under Art. 3 GG must be substantiated specifically with reference to the constitutional standards and the relevant case-law; a mere assertion of unequal taxation is insufficient, particularly given the legislature’s broad discretion in choosing the tax object and fixing the tax rate, limited essentially by the prohibition of arbitrariness (consid. 3-7).

Gesamter Gesetzestext

BFH — II B 136/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-08-19

Aktenzeichen: II B 136/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 9 Abs 1 Nr 2b Buchst a DBuchst aa KraftStG 2002 vom 27.05.2010, § 115 Abs 2 Nr 1 FGO, § 115 Abs 2 Nr 2 FGO, § 116 Abs 3 S 3 FGO

Vorinstanz: vorgehend Finanzgericht Baden-Württemberg, 27. September 2012, Az: 3 K 3939/11, Urteil

Spruchkörper: 2. Senat

Titelzeile

Neuregelung der Kraftfahrzeugsteuer für drei- und leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge ab 1. Juli 2010

Leitsatz

NV: § 9 Abs. 1 Nr. 2b Buchst. a) aa) KraftStG (i. d. F. des Fünften Gesetzes zur Änderung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes vom 27. Mai 2010, BGBl I 2010, 668) ist auch auf vor dem 1. Juli 2009 erstmalig zugelassene drei- und leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge mit Hubkolbenmotoren anzuwenden; eine Regelungslücke des Gesetzes liegt insoweit nicht vor.

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Gründe für eine Zulassung der Revision i.S. des § 115 Abs. 2 Nr. 1 oder Nr. 2 Alt. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) liegen, sofern überhaupt den Darlegungsanforderungen des § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO genügt ist, nicht vor.

2 1. Hinsichtlich der vom Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) herausgestellten Frage, ob § 9 Abs. 1 Nr. 2b Buchst. a aa des Kraftfahrzeugsteuergesetzes in der hier maßgeblichen Fassung (KraftStG) "eine regelungsbedürftige Lücke" im Hinblick auf vor dem 1. Juli 2009 erstmalig zugelassene drei- und leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge mit Hubkolbenmotoren aufweist, liegen die Voraussetzungen der Revisionszulassung gemäß § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 1 FGO zur Fortbildung des Rechts nicht vor. Diese Frage ist nicht klärungsbedürftig und erfordert keine Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH).

3 Mit dem Finanzgericht (FG) ist die vom Kläger herausgestellte Frage offensichtlich dahin zu beantworten, dass eine Gesetzeslücke unter Berücksichtigung des eindeutigen Wortlauts der Vorschrift sowie der gesetzlichen Systematik nicht besteht. Aus dem Beschwerdevorbringen, das sich insoweit ohnehin im Wesentlichen auf die Behauptung beschränkt, es liege eine Regelungslücke vor oder es bestehe jedenfalls die Möglichkeit einer solchen Regelungslücke, ergeben sich keine neuen Gesichtspunkte. Zudem setzt sich die Beschwerdebegründung nicht mit der vom FG zutreffend herangezogenen Gesetzesbegründung (BTDrucks 17/717, 8 und 13) zu der auf dem Fünften Gesetz zur Änderung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes vom 27. Mai 2010 (BGBl I 2010, 668) beruhenden Neufassung des § 9 Abs. 1 Nr. 2b Buchst. a aa KraftStG auseinander. Nach dieser Gesetzesbegründung sollte ersichtlich, dem Wortlaut dieser Vorschrift entsprechend, eine Neuregelung der Steuersätze für drei- und leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt ihrer erstmaligen Zulassung erfolgen.

4 2. Aus den vorstehenden Gründen hat die Rechtssache auch keine grundsätzliche Bedeutung (§ 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO). Da es ersichtlich an einer Gesetzeslücke fehlt, kommt auch eine Revisionszulassung wegen der vom Kläger aufgeworfenen Frage, ob vor dem 1. Juli 2009 erstmalig zugelassene drei- und leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge mit Hubkolbenmotor in analoger Anwendung des § 9 Abs. 1 Nr. 2b KraftStG besteuert werden müssen, nicht in Betracht.

5 3. Der vom Kläger gerügte Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot (Art. 3 des Grundgesetzes --GG--) ist nicht schlüssig dargelegt. Der Kläger begründet diesen Gleichheitsverstoß mit der ab 1. Juli 2010 unterschiedlich hohen Kraftfahrzeugsteuer zwischen PKW einerseits und leichten vierrädrigen Kraftfahrzeugen andererseits.

6 Zur schlüssigen Darlegung der geltend gemachten Verfassungswidrigkeit des § 9 Abs. 1 Nr. 2b Buchst. a aa KraftStG hätte es einer substantiierten, an den Vorgaben des GG und der einschlägigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) und des BFH orientierten Auseinandersetzung bedurft (vgl. z.B. BFH-Beschlüsse vom 19. Dezember 2003 II B 152/02, BFH/NV 2004, 533; vom 3. Dezember 2008 VII B 65/08, BFH/NV 2009, 707, jeweils m.w.N.; vom 29. August 2011 II B 86/10, BFH/NV 2012, 286).

7 Diesen Anforderungen genügt das Vorbringen des Klägers nicht. Die Beschwerdebegründung setzt sich auch nicht ansatzweise mit der Rechtsprechung des BVerfG (z.B. Beschluss vom 12. Oktober 2010 1 BvL 12/07, BVerfGE 127, 224, m.w.N.) auseinander, wonach der Gesetzgeber im Bereich des Steuerrechts bei der Auswahl des Steuergegenstandes und bei der Bestimmung des Steuersatzes einen weitreichenden Entscheidungsspielraum hat. Diese Gestaltungsfreiheit wird, wie der BFH (Urteil vom 20. Oktober 1992 VII R 33/92, BFHE 169, 247, m.w.N.) für die Steuersatzregelungen bei der Kraftfahrzeugsteuer angenommen hat, praktisch nur durch das Willkürverbot begrenzt. Im Übrigen sind die vom Kläger herausgestellten vielfältigen Nutzungszwecke sowohl drei- als auch leichter vierrädriger Fahrzeuge unter keinem Gesichtspunkt geeignet, hinsichtlich der hier in Rede stehenden Steuersatzregelung einen Verstoß gegen das Willkürverbot zu begründen.

Schlagwörter

vehicle taxleave to appeallegal gapanalogyequal treatmentarbitrarinessstatutory interpretationfundamental importance

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether revision should be allowed for lack of a legal gap in § 9 Abs. 1 Nr. 2b KraftStG

Extrahierter Entscheid

No; the provision clearly applies to three- and light four-wheel vehicles regardless of first registration date, so there is no need for clarification.

Extrahierte Begründung

The wording, systematics, and the legislative materials show that the new tax rates were intended to apply without regard to the date of first registration.

Kernrechtsfrage

Whether the case has fundamental importance under § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO

Extrahierter Entscheid

No; because there is no legal gap, the question proposed by the complainant does not require a revision decision.

Extrahierte Begründung

The alleged issue is not in need of clarification and does not justify review.

Kernrechtsfrage

Whether analogous application of § 9 Abs. 1 Nr. 2b KraftStG is required for older vehicles

Extrahierter Entscheid

No; analogical taxation is not in issue because the statute already covers the vehicles concerned.

Extrahierte Begründung

The absence of a gap excludes any need for analogy.

Kernrechtsfrage

Whether the complaint sufficiently alleged a violation of equal treatment under Art. 3 GG

Extrahierter Entscheid

No; the constitutional challenge was not substantiated in a legally adequate manner.

Extrahierte Begründung

The complaint did not engage with constitutional case law and the legislature’s broad discretion in tax matters; the differing tax burden alone does not show arbitrariness.

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