Interim relief against refusal to waive late-payment surcharges

BFH I B 86/15Bfh / 1. Abteilung30.09.2015Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Fiscal Court dismissed the taxpayer's complaint. It held that suspension of enforcement under § 69 FGO was unavailable because the refusal to waive late-payment surcharges is not an enforceable administrative act and the surcharges arise by operation of law under § 240 AO. The alternative request for an interim injunction under § 114 FGO also failed because the applicant did not credibly establish an injunction ground; the asserted liquidity crisis was insufficiently substantiated. The applicant was ordered to bear the costs of the appeal proceedings.

Omnilex-Regeste

§ 69 Abs. 3 FGO; § 114 FGO; refusal to waive late-payment surcharges is not amenable to suspension of enforcement, and interim relief requires a credible injunction ground; suspension of enforcement under § 69 FGO presupposes a reviewable, enforceable administrative act in an appealable challenge situation. Late-payment surcharges arise by operation of law under § 240 AO; a refusal under § 227 AO to waive such surcharges is not itself a suspendable act. Where suspension of enforcement is unavailable, interim protection may only be sought by injunction under § 114 FGO, which in turn requires credible showing of urgency and substantive need for protection (consid. 1-2). A merely unparticularized assertion of threatened existence does not satisfy this standard.

Gesamter Gesetzestext

BFH — I B 86/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-09-30

Aktenzeichen: I B 86/15

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 69 Abs 3 FGO, § 114 FGO, § 240 AO, § 227 AO

Vorinstanz: vorgehend FG Köln, 1. Juni 2015, Az: 10 V 506/15, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat

Titelzeile

Einstweiliger Rechtsschutz bei Ablehnung eines Antrags auf Erlass von Säumniszuschlägen

Leitsatz

NV: Gegen die Ablehnung eines Antrags auf Erlass von Säumniszuschlägen kommt als Mittel des einstweiligen Rechtsschutzes nicht die Aussetzung der Vollziehung, sondern die einstweilige Anordnung in Betracht .

Tenor

Die Beschwerde des Antragstellers gegen den Beschluss des Finanzgerichts Köln vom 1. Juni 2015 10 V 506/15 wird als unbegründet zurückgewiesen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Antragsteller zu tragen.

Tatbestand

1 I. Der Antragsgegner und Beschwerdegegner (das Finanzamt --FA--) erließ nach vorangegangener Außenprüfung und einer im gerichtlichen Klageverfahren erzielten tatsächlichen Verständigung am 22. November 2013 gegen den Antragsteller und Beschwerdeführer (Antragsteller) --einen eingetragenen Verein-- geänderte Körperschaftsteuerbescheide für die Streitjahre (2000 bis 2008). Die nach erfolglosen Einspruchsverfahren in Bestandskraft erwachsenen Änderungsbescheide weisen auch Säumniszuschläge zur Körperschaftsteuer aus, über die das FA danach verschiedene Abrechnungsbescheide erlassen hat und von denen (nach Stand vom 29. Oktober 2014) noch 822.545,91 € offen sind. Den am 28. Januar 2014 gestellten Antrag auf Erlass der Säumniszuschläge lehnte das FA ab. Hiergegen erhob der Antragsteller Klage beim Finanzgericht (FG) Köln, über die dieses noch nicht entschieden hat.

2 Der Antragsteller beantragte im Hinblick auf die Säumniszuschläge beim FA die Aussetzung der Vollziehung (AdV). Nach Ablehnung dieses Antrags beantragte er beim FG wiederum AdV, hilfsweise den Erlass einer einstweiligen Anordnung für die Dauer des Hauptsacheverfahrens. Das FG lehnte den Antrag mit Beschluss vom 1. Juni 2015 10 V 506/15 ab. Gegen den Beschluss richtet sich die --vom FG zugelassene-- Beschwerde des Antragstellers, der das FG nicht abgeholfen hat.

3 Das FA beantragt, die Beschwerde zurückzuweisen.

Entscheidungsgründe

4 II. Die Beschwerde ist unbegründet und deshalb zurückzuweisen.

5 1. Den Antrag auf AdV der Säumniszuschläge hat das FG zu Recht als unzulässig abgelehnt. Nach § 69 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) kann das Gericht der Hauptsache die Vollziehung des angefochtenen Verwaltungsakts ganz oder teilweise aussetzen. Der Antrag kann gemäß § 69 Abs. 3 Satz 2 FGO schon vor Erhebung der Klage gestellt werden. Die AdV setzt demnach eine Anfechtungssituation voraus, das heißt einen (vollziehbaren) Verwaltungsakt, den der Steuerpflichtige zumindest mit dem außergerichtlichen Rechtsbehelf (Einspruch) angefochten hat (vgl. Gosch in Beermann/Gosch, FGO § 69 Rz 113), über welchen noch nicht bestandskräftig entschieden ist.

6 Eine Anfechtungssituation liegt hier nicht vor. Die Säumniszuschläge entstehen kraft Gesetzes (§ 240 der Abgabenordnung --AO--) und können daher als solche nicht Gegenstand einer AdV sein (Gosch in Beermann/Gosch, FGO § 69 Rz 65; Gräber/ Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 8. Aufl., § 69 Rz 105). Soweit in den Änderungsbescheiden des FA konkrete Leistungsgebote in Bezug auf die jeweiligen Säumniszuschläge zu sehen waren, wäre insoweit zwar die Möglichkeit einer AdV in Betracht zu ziehen (vgl. Klein/Rüsken, AO, 12. Aufl., § 240 Rz 43). Doch sind diese Bescheide inzwischen ebenso in Bestandskraft erwachsen wie die nachfolgenden Abrechnungsbescheide. Und bei der Ablehnung des Erlassantrags (§ 227 AO) hinsichtlich der Säumniszuschläge durch das FA handelt es sich nicht um einen vollziehbaren Verwaltungsakt, der einer AdV zugänglich wäre (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 24. September 1970 II B 28/70, BFHE 100, 83, BStBl II 1970, 813; Gosch in Beermann/Gosch, FGO § 69 Rz 92). Für die von der Beschwerde für den Fall der Ablehnung von Billigkeitsanträgen befürwortete "teleologische Extension" des § 69 FGO besteht angesichts der Möglichkeit einer einstweiligen Anordnung nach § 114 FGO (vgl. BFH-Beschluss in BFHE 100, 83, BStBl II 1970, 813) kein Raum.

7 2. Den hilfsweise gestellten Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gemäß § 114 FGO hat das FG jedenfalls deshalb zu Recht abgelehnt, weil der Antragsteller keinen Anordnungsgrund glaubhaft gemacht hat (§ 114 Abs. 3 i.V.m. § 920 Abs. 2 der Zivilprozessordnung). Die pauschale und nicht weiter belegte Behauptung, der Fortbestand des Antragstellers sei wegen Erschöpfung der Liquiditätsreserven gefährdet, reicht dafür nicht aus.

8 3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 2 FGO.

Schlagwörter

late-payment surchargessuspension of enforcementinterim injunctionwaiver requesttax procedureinjunction groundliquidity

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether suspension of enforcement is available against refusal to waive late-payment surcharges and related collection acts

Extrahierter Entscheid

The application for suspension of enforcement was inadmissible because no reviewable challenge situation existed; the refusal of a waiver request is not an enforceable administrative act, and the surcharges themselves arise by operation of law.

Extrahierte Begründung

Suspension of enforcement under § 69 FGO presupposes an appealed enforceable administrative act. Late-payment surcharges arise automatically under § 240 AO; the waiver refusal under § 227 AO is not itself subject to suspension of enforcement. Any earlier assessments had already become final.

Kernrechtsfrage

Whether an interim injunction should issue in place of suspension of enforcement

Extrahierter Entscheid

The request for an interim injunction was properly rejected because the applicant failed to make a credible showing of an injunction ground.

Extrahierte Begründung

A vague, unsubstantiated assertion that the applicant's existence was endangered by depleted liquidity reserves did not suffice to establish urgency under § 114 FGO and § 920(2) ZPO.

Kernrechtsfrage

Who bears the costs of the appeal proceedings

Extrahierter Entscheid

The applicant bears the costs of the appeal proceedings.

Extrahierte Begründung

Cost allocation followed the losing party rule.

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