Attorney-representation notice required in § 58a removal orders

BVerwG 1 VR 7/17Bverwg / 1. Abteilung02.08.2017Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Administrative Court held that in a § 58a AufenthG removal order, the remedy notice must inform the addressee not only about the available remedy and the competent court, but also about the mandatory representation by counsel before the Federal Administrative Court. Because that warning was omitted, the seven-day deadline had not begun to run; the application for interim relief was therefore timely. Reinstatement under § 60 VwGO was unnecessary and denied. The court also clarified that removal may not be executed until it has decided on the interim-relief request. Costs were reserved.

Omnilex-Regeste

§ 58a Abs. 4 Satz 1 Halbs. 2 AufenthG; § 58 Abs. 1, Abs. 2 VwGO; § 67 Abs. 4 VwGO; Art. 19 Abs. 4 GG: In removal-order proceedings under § 58a AufenthG, the notice of remedies must also state that representation by a lawyer is required before the Federal Administrative Court. Omission of this information renders the notice incomplete; the seven-day period for seeking interim relief does not begin to run. Because of the special characteristics of this procedure—particularly detention of the addressee, the short deadline, and the first-instance nature of the proceedings—effective judicial protection requires this additional warning. In such a case, reinstatement in the previous position is unnecessary; instead, the general one-year period under § 58 Abs. 2 VwGO applies (consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

BVerwG — 1 VR 7/17, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-08-02

Aktenzeichen: 1 VR 7/17

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2017:020817B1VR7.17.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 58a Abs 4 S 1 Halbs 2 AufenthG, Art 19 Abs 4 GG, § 58 Abs 1 VwGO, § 67 Abs 4 VwGO

Spruchkörper: 1. Senat

Titelzeile

Rechtsbehelfsbelehrung mit Hinweis auf Anwaltszwang vor dem Bundesverwaltungsgericht

Gründe

1 Die beantragte Wiedereinsetzung nach § 60 VwGO war abzulehnen, da der Antragsteller die Frist nach § 58a Abs. 4 Satz 2 AufenthG nicht hat verstreichen lassen. Zwar ist nach dieser Vorschrift ein Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes nach der Verwaltungsgerichtsordnung innerhalb von sieben Tagen nach Bekanntgabe der Abschiebungsanordnung zu stellen. Diese Frist beginnt gemäß § 58 Abs. 1 VwGO jedoch erst zu laufen, wenn der Beteiligte über den Rechtsbehelf, die Verwaltungsbehörde oder das Gericht, bei denen der Rechtsbehelf anzubringen ist, den Sitz und die einzuhaltende Frist schriftlich oder elektronisch belehrt worden ist. Hier enthält die Rechtsbehelfsbelehrung in dem angefochtenen Bescheid zwar den Hinweis, dass der Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes innerhalb der genannten Frist beim Bundesverwaltungsgericht gestellt werden kann, es wird jedoch nicht auf das Erfordernis hingewiesen, sich hierbei vor dem Bundesverwaltungsgericht von einem Prozessbevollmächtigten gemäß § 67 Abs. 4 VwGO vertreten zu lassen. Eines solchen Hinweises bedarf es aber jedenfalls in Abschiebungsanordnungen nach § 58a AufenthG zur Gewährleistung effektiven Rechtsschutzes nach Art. 19 Abs. 4 GG. Das beruht auf den Besonderheiten dieses Verfahrens, in dem sich der Adressat der Verfügung typischerweise - und so auch hier - in Haft befindet, ihm nur sieben Tage zur Wahrung der Frist nach § 58a Abs. 4 Satz 2 AufenthG zur Verfügung stehen und es sich um ein erstinstanzliches gerichtliches Verfahren handelt, bei dem Rechtsschutz gegen eine behördliche Entscheidung begehrt wird, auf deren Erlass sich ein Antragsteller nicht aufgrund eines Verwaltungsverfahrens einstellen konnte, in dem er - typischerweise - bereits anwaltlich vertreten war (für andere Verfahren siehe hingegen Kopp/Schenke, VwGO, 23. Aufl. 2017, § 58 Rn. 10). Der in § 58a Abs. 4 Satz 1 Halbs. 2 AufenthG geforderte Hinweis auf die gegebenen Rechtsbehelfe geht insoweit über die aus § 58 Abs. 1 VwGO folgenden Anforderungen hinaus. Begann die Frist nach § 58a Abs. 4 Satz 2 AufenthG hier danach noch gar nicht zu laufen, sondern ist insoweit die Jahresfrist des § 58 Abs. 2 VwGO maßgeblich, liegen die Voraussetzungen für eine Wiedereinsetzung nach § 60 VwGO nicht vor.

2 Daraus folgt, dass der Antrag vom 1. August 2017 auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung der Klage gegen die Abschiebungsanordnung des Antragsgegners vom 27. Juni 2017 fristgerecht eingegangen ist und daher gemäß § 58a Abs. 4 Satz 3 AufenthG bis zur Entscheidung des Gerichts über den Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz eine Abschiebung des Antragstellers nicht vollzogen werden darf. Dies hat der Senat im Tenor des Beschlusses zur Klarstellung der Rechtslage festgestellt.

3 Die Kostenentscheidung bleibt der Schlussentscheidung vorbehalten.

Schlagwörter

immigrationremoval orderremedy noticemandatory counseleffective judicial protectiondeadlinereinstatementinterim relief

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the applicant was entitled to reinstatement of the missed deadline under § 60 VwGO.

Extrahierter Entscheid

No. The deadline under § 58a(4) AufenthG had not yet started to run, so reinstatement was unnecessary.

Extrahierte Begründung

The notice of remedies was incomplete: although it referred to the seven-day period and the Federal Administrative Court, it failed to mention the lawyer requirement under § 67(4) VwGO. In this special removal procedure, effective judicial protection under Art. 19(4) GG requires that warning.

Kernrechtsfrage

Whether the application for interim relief against the removal order was filed in time and blocks removal until the court decides.

Extrahierter Entscheid

Yes. Because the special appeal period had not begun, the application filed on 2017-08-01 was timely and removal may not be executed before the court decides.

Extrahierte Begründung

For § 58a removal orders, the remedy notice must also inform about mandatory legal representation before the Federal Administrative Court. Without that information, the seven-day period does not start; the general one-year period applies instead.

Kernrechtsfrage

Whether costs should be decided immediately.

Extrahierter Entscheid

No immediate costs decision was made; costs were reserved for the final decision.

Extrahierte Begründung

The court expressly left the costs issue to the final decision.

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