0.106•Europäisches Übereinkommen zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe
0.106Multilateral International Treaty01.02.1989
Abgeschlossen in Strassburg am 26. November 1987
Von der Bundesversammlung genehmigt am 5. Oktober 19881
Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 7. Oktober 1988
In Kraft getreten für die Schweiz am 1. Februar 1989
(Stand am 21. Juli 2016)
Die Mitgliedstaaten des Europarats, die dieses Übereinkommen unterzeichnen,
in Anbetracht der Bestimmungen der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten2,
eingedenk dessen, dass nach Artikel 3 der genannten Konvention niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden darf,
unter Hinweis darauf, dass Personen, die sich durch eine Verletzung des Artikels 3 beschwert fühlen, die in jener Konvention vorgesehenen Verfahren in Anspruch nehmen können,
überzeugt, dass der Schutz von Personen, denen die Freiheit entzogen ist, vor Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe durch nichtgerichtliche Massnahmen vorbeugender Art, die auf Besuchen beruhen, verstärkt werden könnte,
sind wie folgt übereingekommen:
Es wird ein Europäischer Ausschuss zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (im folgenden als «Ausschuss» bezeichnet) errichtet. Der Ausschuss prüft durch Besuche die Behandlung von Personen, denen die Freiheit entzogen ist, um erforderlichenfalls den Schutz dieser Personen vor Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe zu verstärken.
Jede Vertragspartei lässt Besuche nach diesem Übereinkommen an allen ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Orten zu, an denen Personen durch eine öffentliche Behörde die Freiheit entzogen ist.
Bei der Anwendung dieses Übereinkommens arbeiten der Ausschuss und die zuständigen innerstaatlichen Behörden der betreffenden Vertragspartei zusammen.
Soll für einen Nichtmitgliedstaat des Europarats ein Mitglied in den Ausschuss gewählt werden, so lädt das Büro der Beratenden Versammlung das Parlament dieses Staates ein, drei Kandidaten vorzuschlagen, darunter mindestens zwei eigene Staatsangehörige. Die Wahl durch das Ministerkomitee erfolgt nach Konsultation mit der betreffenden Vertragspartei.3 2. Nach demselben Verfahren werden freigewordene Sitze neu besetzt. 3. Die Mitglieder des Ausschusses werden für die Dauer von vier Jahren gewählt. Sie können zweimal wiedergewählt werden.4Die Amtszeit von drei der bei der ersten Wahl gewählten Mitglieder läuft jedoch nach zwei Jahren ab. Die Mitglieder, deren Amtszeit nach Ablauf der ersten Amtsperiode von zwei Jahren endet, werden vom Generalsekretär des Europarats unmittelbar nach der ersten Wahl durch das Los bestimmt. 4. Um sicherzustellen, dass soweit wie möglich die Hälfte der Mitglieder des Ausschusses alle zwei Jahre neu gewählt wird, kann das Ministerkomitee vor jeder späteren Wahl beschliessen, dass die Amtszeit eines oder mehrerer der zu wählenden Mitglieder nicht vier Jahre betragen soll, wobei sie jedoch weder länger als sechs noch kürzer als zwei Jahre sein darf.5 5. Handelt es sich um mehrere Amtszeiten und wendet das Ministerkomitee Absatz 4 an, so wird die Zuteilung der Amtszeiten vom Generalsekretär des Europarats unmittelbar nach der Wahl durch das Los bestimmt.6
Unter Beachtung der in Artikel 11 enthaltenen Bestimmungen über die Vertraulichkeit legt der Ausschuss dem Ministerkomitee alljährlich einen allgemeinen Bericht über seine Tätigkeit vor, welcher der Beratenden Versammlung und jedem Nichtmitgliedstaat des Europarats, der Vertragspartei des Übereinkommens ist, zugeleitet und veröffentlicht wird.
Die Mitglieder des Ausschuss, die Sachverständigen und die anderen Personen, die den Ausschuss unterstützen, haben während und nach ihrer Tätigkeit die Vertraulichkeit der ihnen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben bekannt gewordenen Tatsachen oder Angaben zu wahren.
Jede Vertragspartei teilt dem Ausschuss Namen und Anschrift der Behörde, die für die Entgegennahme von Notifikationen an ihre Regierung zuständig ist, sowie etwa von ihr bestimmter Verbindungsbeamter mit.
Der Ausschuss, seine Mitglieder und die in Artikel 7 Absatz 2 bezeichneten Sachverständigen geniessen die in der Anlage zu diesem Übereinkommen bezeichneten Vorrechte und Immunitäten.
Vorbehalte zu diesem Übereinkommen sind nicht zulässig.
Der Generalsekretär des Europarats notifiziert den Mitgliedstaaten und jedem Nichtmitgliedstaat des Europarats, der Vertragspartei des Übereinkommens ist:14
Zu Urkund dessen haben die hierzu gehörig befugten Unterzeichneten dieses Übereinkommen unterschrieben.Geschehen zu Strassburg am 26. November 1987 in englischer und französischer Sprache, wobei jeder Wortlaut gleichermassen verbindlich ist, in einer Urschrift, die im Archiv des Europarats hinterlegt wird. Der Generalsekretär des Europarats übermittelt allen Mitgliedstaaten des Europarats beglaubigte Abschriften.(Es folgen die Unterschriften)
(Art. 16)
1. Im Sinne dieser Anlage bezieht sich der Ausdruck «Mitglieder des Ausschusses» auch auf die in Artikel 7 Absatz 2 bezeichneten Sachverständigen.
2. Die Mitglieder des Ausschusses geniessen bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben und auf Reisen, die sie in Wahrnehmung ihrer Aufgaben unternehmen, folgende Vorrechte und Immunitäten:
3. Im Verlauf der in Wahrnehmung ihrer Aufgaben unternommenen Reisen erhalten die Mitglieder des Ausschusses für die Zollabfertigung und Devisenkontrolle:
4. Die Papiere und Schriftstücke des Ausschusses sind, soweit sie sich auf seine Tätigkeit beziehen, unverletzlich.
Der amtliche Schriftverkehr und die sonstigen amtlichen Mitteilungen des Ausschusses dürfen nicht zurückgehalten werden und unterliegen nicht der Zensur.
5. Um den Mitgliedern des Ausschusses volle Redefreiheit und volle Unabhängigkeit bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu sichern, wird ihnen Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich der von ihnen in Wahrnehmung ihrer Aufgaben vorgenommenen Handlungen einschliesslich ihrer mündlichen und schriftlichen Äusserungen auch nach Beendigung ihrer Tätigkeit gewährt.
6. Die Vorrechte und Immunitäten werden den Mitgliedern des Ausschusses nicht zu ihrem persönlichen Vorteil gewährt, sondern um ihnen zu ermöglichen, ihre Aufgaben in voller Unabhängigkeit wahrzunehmen. Allein der Ausschuss ist befugt, die Immunität seiner Mitglieder aufzuheben: er hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die Immunität eines seiner Mitglieder in allen Fällen aufzuheben, in denen nach seiner Auffassung die Immunität verhindern würde, dass der Gerechtigkeit Genüge geschieht, und in denen sie ohne Beeinträchtigung des Zweckes, für den sie gewährt wird, aufgehoben werden kann.
| Vertragsstaaten | Ratifikation Nachfolgeerklärung (N) | Inkrafttreten | ||
|---|---|---|---|---|
| Albanien | 2. Oktober | 1996 | 1. Februar | 1997 |
| Andorra | 6. Januar | 1997 | 1. Mai | 1997 |
| Armeniena | 18. Juni | 2002 | 1. Oktober | 2002 |
| Aserbaidschan*a | 15. April | 2002 | 1. August | 2002 |
| Belgien | 23. Juli | 1991 | 1. November | 1991 |
| Bosnien und Herzegowinaa | 12. Juli | 2002 | 1. November | 2002 |
| Bulgarien | 3. Mai | 1994 | 1. September | 1994 |
| Dänemark | 2. Mai | 1989 | 1. September | 1989 |
| Deutschland | 21. Februar | 1990 | 1. Juni | 1990 |
| Estland | 6. November | 1996 | 1. März | 1997 |
| Finnland | 20. Dezember | 1990 | 1. April | 1991 |
| Frankreich | 9. Januar | 1989 | 1. Mai | 1989 |
| Georgien* | 20. Juni | 2000 | 1. Oktober | 2000 |
| Griechenland | 2. August | 1991 | 1. Dezember | 1991 |
| Irland | 14. März | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Island | 19. Juni | 1990 | 1. Oktober | 1990 |
| Italien* | 29. Dezember | 1988 | 1. April | 1989 |
| Kroatien | 11. Oktober | 1997 | 1. Februar | 1998 |
| Lettland | 10. Februar | 1998 | 1. Juni | 1998 |
| Liechtenstein | 12. September | 1991 | 1. Januar | 1992 |
| Litauen | 26. November | 1998 | 1. März | 1999 |
| Luxemburg | 6. September | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Malta | 7. März | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Moldau | 2. Oktober | 1997 | 1. Februar | 1998 |
| Monacoa | 30. November | 2005 | 1. März | 2006 |
| Montenegroa | 6. Juni | 2006 N | 6. Juni | 2006 |
| Niederlandeb | 12. Oktober | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Aruba | 12. Oktober | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Curaçao | 12. Oktober | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Karibische Gebiete (Bonaire, Sint Eustatius und Saba) | 12. Oktober | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Sint Maarten | 12. Oktober | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Nordmazedonien | 6. Juni | 1997 | 1. Oktober | 1997 |
| Norwegen | 21. April | 1989 | 1. August | 1989 |
| Österreich | 6. Januar | 1989 | 1. Mai | 1989 |
| Polen | 10. Oktober | 1994 | 1. Februar | 1995 |
| Portugal | 29. März | 1990 | 1. Juli | 1990 |
| Rumänien | 4. Oktober | 1994 | 1. Februar | 1995 |
| Russland | 5. Mai | 1998 | 1. September | 1998 |
| San Marino | 31. Januar | 1990 | 1. Mai | 1990 |
| Schweden | 21. Juni | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Schweiz | 7. Oktober | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Serbiena | 3. März | 2004 | 1. Juli | 2004 |
| Slowakei | 11. Mai | 1994 | 1. September | 1994 |
| Slowenien | 2. Februar | 1994 | 1. Juni | 1994 |
| Spanien | 2. Mai | 1989 | 1. September | 1989 |
| Tschechische Republik | 7. September | 1995 | 1. Januar | 1996 |
| Türkei | 26. Februar | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Ukraine | 5. Mai | 1997 | 1. September | 1997 |
| Ungarn | 4. November | 1993 | 1. März | 1994 |
| Vereinigtes Königreich | 24. Juni | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Akrotiri et Dhekeliaa | 30. Oktober | 2013 | 1. Februar | 2014 |
| Gibraltar | 5. September | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Guernsey | 8. November | 1994 | 1. März | 1995 |
| Insel Man | 5. September | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Jersey | 24. Juni | 1988 | 1. Februar | 1989 |
| Zypern | 3. April | 1989 | 1. August | 1989 |
| * Erklärungen siehe hiernach. a Die Ratifikation gilt für das durch die Protokolle 1 und 2 geänderte Übereinkommen. b Für das Königreich in Europa. |
|---|
Die Republik Aserbaidschan erklärt, dass sie die Anwendung der Bestimmungen des Übereinkommens in den von der Republik Armenien besetzten Gebieten erst dann gewährleisten kann, wenn diese Gebiete von der Besatzung befreit sind.
Georgien erklärt, dass es so lange nicht für Verstösse gegen das Übereinkommen und die Sicherheit der Mitglieder des Europäischen Ausschusses zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe in den Gebieten Abchasien und Zchinvali verantwortlich ist, bis die territoriale Unversehrtheit Georgiens wiederhergestellt ist und die rechtmässigen Behörden die uneingeschränkte und wirksame Kontrolle über diese Gebiete ausüben.
Die italienische Regierung erklärt, dass der Absatz 2 Buchstabe a der Anlage über Vorrechte und Immunitäten nicht so interpretiert werden kann, dass dadurch jede Polizei- oder Zollkontrolle des Gepäcks der Mitglieder des Ausschusses ausgeschlossen würde, soweit die Kontrolle die in Artikel 11 enthaltenen Bestimmungen über die Vertraulichkeit wahrt.
AS 1989 149 ↩
SR 0.101 ↩
Unterabsatz eingefügt durch gemäss Art. 1 des Prot. Nr. 1 vom 4. Nov. 1993, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2003 2581). ↩
Fassung des zweiten Satzes gemäss Art. 1 Ziff. 1 des Prot. Nr. 2 vom 4. Nov. 1993, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2003 2584). ↩
Eingefügt durch Art. 1 Ziff. 2 des Prot. Nr. 2 vom 4. Nov. 1993, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2003 2584). ↩
Eingefügt durch Art. 1 Ziff. 2 des Prot. Nr. 2 vom 4. Nov. 1993, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2003 2584). ↩
SR 0.101 ↩
SR 0.518.12 , 0.518.23 , 0.518.42 , 0.518.51 ↩
SR 0.518.521 , 0.518.522 ↩
Eingefügt durch Art. 3 des Prot. Nr. 1 vom 4. Nov. 1993, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2003 2581). ↩
Wort gemäss Art. 4 des Prot. Nr. 1 vom 4. Nov. 1993, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2003 2581). ↩
Worte gemäss Art. 4 des Prot. Nr. 1 vom 4. Nov. 1993, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2003 2581). ↩
Worte gemäss Art. 5 des Prot. Nr. 1 vom 4. Nov. 1993, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2003 2581). ↩
Fassung gemäss Art. 6 Ziff. 1 des Prot. Nr. 1 vom 4. Nov. 1993, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2003 2581). ↩
Worte gemäss Art. 6 Ziff. 2 des Prot. Nr. 1 vom 4. Nov. 1993, in Kraft seit 1. März 2002 (AS 2003 2581). ↩
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