0.142.311•Vereinbarung über Flüchtlingsseeleute
0.142.311Multilateral International Treaty12.03.1963
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"title": "Accordo del 23 novembre 1957 concernente i marinai rifugiati",
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}Abgeschlossen in Den Haag am 23. November 1957
Von der Bundesversammlung genehmigt am 28. September 19622
Schweizerische Beitrittsurkunde hinterlegt am 12. Dezember 1962
In Kraft getreten für die Schweiz am 12. März 1963
(Stand am 22. Juli 2014)
Präambel
Die Regierungen des Königreichs Belgien, des Königreichs Dänemark,
der Bundesrepublik Deutschland, der Französischen Republik, des Vereinigten Königreichs Grossbritannien und Nordirland, des Königreichs der Niederlande,
des Königreichs Norwegen und des Königreichs Schweden,
als Regierungen von Vertragsstaaten des Abkommens vom 28. Juli 19513über die Rechtsstellung der Flüchtlinge,
in dem Wunsche, das Problem der Flüchtlingsseeleute einer Lösung im Geiste des Artikels 11 des genannten Abkommens näher zu bringen und insbesondere nach Massgabe des Artikels 35 des genannten Abkommens mit dem Hochkommissar der Vereinten Nationen für die Flüchtlinge bei der Erfüllung seiner Aufgaben weiterhin zusammenzuarbeiten,
sind wie folgt übereingekommen:
Im Sinne dieser Vereinbarung bezeichnet
Hat ein Flüchtlingsseemann keinen rechtmässigen Aufenthalt und keine Aufenthaltsbewilligung, ausser im Hoheitsgebiet eines Staates, in dem er die begründete Befürchtung hegt, wegen seiner Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung verfolgt zu werden, so gilt für die Anwendung des Artikels 28 des Abkommens als Gebiet seines rechtmässigen Aufenthalts:
Hat bei Inkrafttreten dieser Vereinbarung ein Flüchtlingsseemann keinen rechtmässigen Aufenthalt und keine Aufenthaltsbewilligung ausser im Hoheitsgebiet eines Staates, in dem er die begründete Befürchtung hegt, wegen seiner Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung verfolgt zu werden, und hat er auch keinen rechtmässigen Aufenthalt gemäss Artikel 2 dieser Vereinbarung im Hoheitsgebiet einer Vertragspartei,
so gilt für die Anwendung des Artikels 28 des Abkommens als Gebiet seines rechtmässigen Aufenthalts:
Sofern eine Vertragspartei nicht anders entscheidet, gilt der Aufenthalt eines Flüchtlingsseemanns in ihrem Hoheitsgebiet nicht mehr als rechtmässig, wenn dieser Seemann nach dem letzten Zeitpunkt, in dem ihm gemäss Artikel 2 oder 3 die Aufenthaltsberechtigung zustand:
Um die Lage einer möglichst grossen Anzahl von Flüchtlingsseeleuten zu verbessern, wird jede Vertragspartei wohlwollend die Möglichkeit prüfen, die Vergünstigungen dieser Vereinbarung auch Flüchtlingsseeleuten zu gewähren, denen sie auf Grund der Vereinbarung nicht zustehen.
Jede Vertragspartei gewährt einem Flüchtlingsseemann, der im Besitz eines von einer anderen Vertragspartei ausgestellten und ihn zur Rückkehr in deren Hoheitsgebiet berechtigenden Reiseausweises ist, in Bezug auf die Einreise in ihr Hoheitsgebiet zur Erfüllung eines bestehenden Heuervertrages oder zu einem Landurlaub die gleiche Behandlung wie den Seeleuten, die Staatsangehörige der Vertragspartei sind, welche den Ausweis ausgestellt hat, oder mindestens eine nicht weniger günstige Behandlung als ausländischen Seeleuten im allgemeinen.
Stellt ein Flüchtlingsseemann, der einen ihn zur Rückkehr in das Hoheitsgebiet einer Vertragspartei berechtigenden Reiseausweis besitzt, zur Erleichterung seiner Niederlassung in einem dritten Staat oder aus sonstigen triftigen Gründen einen Antrag auf Genehmigung einer befristeten Einreise in das Hoheitsgebiet einer anderen Vertragspartei, so wird diese den Antrag wohlwollend prüfen.
Jede Vertragspartei wird sich bemühen, dafür zu sorgen, dass ein unter ihrer Flagge Dienst tuender Flüchtlingsseemann, der keinen gültigen Reiseausweis erlangen kann, einen Identitätsausweis erhält.
Ein Flüchtlingsseemann darf, soweit es in der Macht der Vertragsparteien steht, nicht gezwungen werden, an Bord eines Schiffes zu bleiben, wenn dies seine körperliche oder geistige Gesundheit ernstlich gefährden würde.
Ein Flüchtlingsseemann darf, soweit es in der Macht der Vertragsparteien steht, nicht gezwungen werden, an Bord eines Schiffes zu bleiben, das einen Hafen anlaufen oder durch Gewässer fahren soll, wo er die begründete Befürchtung hegt, wegen seiner Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung verfolgt zu werden.
Die Vertragspartei, deren Hoheitsgebiet das Gebiet des rechtmässigen Aufenthalts eines Flüchtlingsseemanns ist oder gemäss dieser Vereinbarung für die Anwendung des Artikels 28 des Abkommens als Gebiet seines rechtmässigen Aufenthalts gilt, gestattet ihm auf Antrag der Vertragspartei, in deren Hoheitsgebiet er sich befindet, die Einreise in ihr Hoheitsgebiet.
Rechte und Vergünstigungen, die eine Vertragspartei Flüchtlingsseeleuten unabhängig von dieser Vereinbarung gewährt, werden durch diese Vereinbarung nicht berührt.
Jede zwischen den Vertragsparteien über die Auslegung oder Anwendung dieser Vereinbarung entstehende Streitigkeit, die nicht auf andere Weise beigelegt werden kann, wird auf Antrag einer der streitenden Parteien dem Internationalen Gerichtshof vorgelegt.
Diese Vereinbarung bedarf der Ratifizierung. Die Ratifikationsurkunden werden bei der Regierung des Königreichs der Niederlande hinterlegt.
Diese Vereinbarung tritt am 90. Tag nach Hinterlegung der achten Ratifikationsurkunde in Kraft.
Die Regierung des Königreichs der Niederlande unterrichtet alle in der Präambel genannten und alle beigetretenen Regierungen von den Hinterlegungen und Mitteilungen, die gemäss den Artikeln 15, 17, 18, 19 und 20 erfolgen.
Zu Urkund dessen haben die hierzu gehörig befugten Unterzeichneten diese Vereinbarung unterschrieben.Ausgefertigt in Den Haag am dreiundzwanzigsten November 1957 in einem einzigen Exemplar, dessen englischer und französischer Text gleicherweise verbindlich ist und das im Archiv der Regierung des Königreichs der Niederlande hinterlegt wird; diese übermittelt jeder in der Präambel genannten und jeder beitretenden Regierung eine beglaubigte Abschrift.(Es folgen die Unterschriften)
| Vertragsstaaten | Ratifikation Beitritt (B) Nachfolgeerklärung (N) | Inkrafttreten | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Australien | 18. April | 1973 B | 17. Juli | 1973 | |
| Norfolk-Insel | 18. April | 1973 B | 17. Juli | 1973 | |
| Belgien | 16. Mai | 1960 | 27. Dezember | 1961 | |
| Bosnien und Herzegowina | 1. Oktober | 1993 N | 6. März | 1992 | |
| Dänemark | 2. September | 1959 | 27. Dezember | 1961 | |
| Deutschland | 28. September | 1961 | 27. Dezember | 1961 | |
| Frankreich | 20. Juni | 1958 | 27. Dezember | 1961 | |
| Irland | 21. April | 1964 B | 20. Juli | 1964 | |
| Italien* | 31. Oktober | 1966 B | 29. Januar | 1967 | |
| Kanada | 30. Mai | 1969 B | 28. August | 1969 | |
| Marokko | 20. Mai | 1959 B | 27. Dezember | 1961 | |
| Mauritius | 24. August | 1970 N | 12. März | 1968 | |
| Monaco | 11. April | 1960 B | 27. Dezember | 1961 | |
| Neuseeland* | 21. Oktober | 1974 B | 19. Januar | 1975 | |
| Niederlande | 27. August | 1959 | 27. Dezember | 1961 | |
| Aruba | 1. Januar | 1986 | 1. April | 1986 | |
| Karibische Gebiete (Bonaire, Sint Eustatius und Saba) | 18. Oktober | 2010 | 16. Januar | 2011 | |
| Norwegen | 28. Mai | 1959 | 27. Dezember | 1961 | |
| Portugal* | 3. März | 1965 B | 1. Juni | 1965 | |
| Schweden | 28. Mai | 1959 | 27. Dezember | 1961 | |
| Schweiz | 12. Dezember | 1962 B | 12. März | 1963 | |
| Serbien | 4. Dezember | 1963 B | 3. März | 1964 | |
| Slowenien | 16. Juni | 1993 N | 25. Juni | 1991 | |
| Vereinigtes Königreich | 9. August | 1958 | 27. Dezember | 1961 | |
| Britische Jungferninseln | 8. Juli | 1964 | 6. Oktober | 1964 | |
| Falklandinseln | 24. Juli | 1961 | 27. Dezember | 1961 | |
| Guernsey | 14. Oktober | 1959 | 27. Dezember | 1961 | |
| Insel Man | 14. Oktober | 1959 | 27. Dezember | 1961 | |
| Jersey | 14. Oktober | 1959 | 27. Dezember | 1961 | |
| Montserrat | 17. Januar | 1964 | 16. April | 1964 | |
| St. Helena und Nebengebiete (Ascension und Tristan da Cunha) | 24. Juli | 1961 | 27. Dezember | 1961 | |
| * | Vorbehalte und Erklärungen siehe hiernach. |
1. Der Beitritt Italiens zu der Vereinbarung gilt hinsichtlich aller ihrer Bestimmungen, die nicht im Widerspruch zu dem gegenwärtig in Kraft befindlichen italienischen Schifffahrtsgesetz stehen und weder Änderungen dieses Gesetzes noch Ausnahmen davon darstellen.
2. Für alle anderen Flüchtlinge – mit Ausnahme der Seeleute – gilt weiterhin, dass in den Vertragsstaaten des Genfer Abkommens vom 28. Juli 1951 der Flüchtling den rechtmässigen Aufenthalt nach Artikel 28 des Abkommens sowie nach den Paragraphen 6 und 11 des dazugehörigen Anhangs begründet, sobald er die Genehmigung erhält, sich in dem betreffenden Staat aufzuhalten.
Die Regierung von Neuseeland hat erklärt, dass sich die Vereinbarung nicht auf die Inseln Cook, Niue und Tokelau erstreckt.
Portugal erklärt, dass die Annahme der Vereinbarung durch Portugal nicht die Verpflichtung einschliesst, den Flüchtlingsseeleuten Beschäftigung auf portugiesischen Schiffen zu gewährleisten.