0.192.110.01•Übereinkommen über die Sicherheit von Personal der Vereinten Nationen und beigeordnetem Personal
0.192.110.01Multilateral International Treaty09.12.2007
Abgeschlossen in New York am 9. Dezember 1994
Von der Bundesversammlung genehmigt am 22. Juni 20071
Ratifikationsurkunde von der Schweiz hinterlegt am 9. November 2007
In Kraft getreten für die Schweiz am 9. Dezember 2007
(Stand am 28. Februar 2019)
Die Vertragsstaaten dieses Übereinkommens,
zutiefst besorgt über die wachsende Zahl von Todesfällen und Verletzungen durch vorsätzliche Angriffe gegen Personal der Vereinten Nationen und beigeordnetes Personal,
in dem Bewusstsein, dass Angriffe gegen Personal, das im Namen der Vereinten Nationen handelt, oder sonstige Misshandlungen dieses Personals, gleichviel von wem sie begangen werden, nicht gerechtfertigt und nicht hingenommen werden können,
in der Erkenntnis, dass Einsätze der Vereinten Nationen im Interesse der gesamten Völkergemeinschaft und im Einklang mit den Grundsätzen und Zielen der Charta der Vereinten Nationen2durchgeführt werden,
in Anerkennung des wichtigen Beitrags, den das Personal der Vereinten Nationen und beigeordnetes Personal zu den Bemühungen der Vereinten Nationen in den Bereichen vorbeugende Diplomatie, Friedensschaffung, Friedenssicherung, Friedenskonsolidierung sowie humanitäre und andere Einsätze leistet,
eingedenk der bestehenden Vereinbarungen zur Gewährleistung der Sicherheit von Personal der Vereinten Nationen und beigeordnetem Personal, einschliesslich der von den Hauptorganen der Vereinten Nationen in dieser Hinsicht unternommenen Schritte,
in der Erkenntnis jedoch, dass die bestehenden Schutzmassnahmen für Personal der Vereinten Nationen und beigeordnetes Personal unzureichend sind,
in der Erkenntnis, dass die Wirksamkeit und Sicherheit der Einsätze der Vereinten Nationen erhöht werden, wenn solche Einsätze mit Zustimmung und unter Mitwirkung des Gaststaats durchgeführt werden,
mit dem Aufruf an alle Staaten, in denen Personal der Vereinten Nationen und beigeordnetes Personal eingesetzt ist, und an alle anderen, auf die dieses Personal angewiesen ist, umfassende Unterstützung zu leisten, um die Durchführung der Einsätze der Vereinten Nationen und die Erfüllung ihres Mandats zu erleichtern,
überzeugt, dass dringend angemessene und wirksame Massnahmen zur Verhütung von Angriffen gegen Personal der Vereinten Nationen und beigeordnetes Personal und zur Bestrafung derjenigen, die solche Angriffe durchgeführt haben, getroffen werden müssen,
sind wie folgt übereingekommen:
Im Sinne dieses Übereinkommens
ii) andere Bedienstete und Sachverständige im Auftrag der Vereinten Nationen oder ihrer Sonderorganisationen oder der Internationalen Atomenergie-Organisation, die sich in amtlicher Eigenschaft in dem Gebiet aufhalten, in dem ein Einsatz der Vereinten Nationen durchgeführt wird;
b) bedeutet «beigeordnetes Personal»:
i) Personen, die von einer Regierung oder einer zwischenstaatlichen Organisation mit Zustimmung des zuständigen Organs der Vereinten Nationen zur Verfügung gestellt werden,
ii) Personen, die vom Generalsekretär der Vereinten Nationen oder von einer Sonderorganisation oder der Internationalen Atomenergie-Organisation beschäftigt werden,
iii) Personen, die von einer humanitären nichtstaatlichen Organisation oder Einrichtung im Rahmen einer Vereinbarung mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen oder mit einer Sonderorganisation oder der Internationalen Atomenergie-Organisation eingesetzt werden,
um Tätigkeiten zur Unterstützung der Erfüllung des Mandats eines Einsatzes der Vereinten Nationen durchzuführen;
c) bedeutet «Einsatz der Vereinten Nationen» einen Einsatz, der von dem zuständigen Organ der Vereinten Nationen in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen festgelegt und unter der Autorität und Kontrolle der Vereinten Nationen durchgeführt wird, i) wenn der Einsatz dem Zweck der Wahrung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit dient, oder
ii) wenn der Sicherheitsrat oder die Generalversammlung für die Zwecke dieses Übereinkommens erklärt hat, dass ein aussergewöhnliches Risiko für die Sicherheit des an dem Einsatz teilnehmenden Personals besteht;
d) bedeutet «Gaststaat» ein Staat, in dessen Hoheitsgebiet ein Einsatz der Vereinten Nationen durchgeführt wird;
e) bedeutet «Transitstaat» ein Staat, mit Ausnahme des Gaststaats, in dessen Hoheitsgebiet sich Personal der Vereinten Nationen und beigeordnetes Personal oder seine Ausrüstung im Zusammenhang mit einem Einsatz der Vereinten Nationen im Transit oder vorübergehend befindet.
Der Gaststaat und die Vereinten Nationen schliessen so bald wie möglich eine Vereinbarung über den Status des Einsatzes der Vereinten Nationen und des gesamten an dem Einsatz beteiligten Personals, die unter anderem Bestimmungen über Vorrechte und Immunitäten für militärische und polizeiliche Bestandteile des Einsatzes umfasst.
Ein Transitstaat erleichtert den ungehinderten Transit des Personals der Vereinten Nationen und des beigeordneten Personals und seiner Ausrüstung zum und vom Gaststaat.
2. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen trifft alle geeigneten Massnahmen zur Gewährleistung der Einhaltung dieser Verpflichtungen.
Sofern in einem anwendbaren Truppenstatut nichts anderes vorgesehen ist, darf Personal der Vereinten Nationen und beigeordnetes Personal, das bei der Durchführung seiner Aufgaben gefangen oder in Haft genommen wird und dessen Identität festgestellt worden ist, nicht verhört werden und muss umgehend freigelassen und den Vereinten Nationen oder anderen zuständigen Behörden zurückgegeben werden. Bis zu seiner Freilassung wird dieses Personal im Einklang mit weltweit anerkannten Menschenrechtsstandards sowie den Grundsätzen und dem Geist der Genfer Abkommen von 1949 behandelt.
wird von jedem Vertragsstaat nach innerstaatlichem Recht mit Strafe bedroht. 2. Jeder Vertragsstaat bedroht die in Absatz 1 bezeichneten Straftaten mit angemessenen Strafen, welche die Schwere der Taten berücksichtigen.
Die Vertragsstaaten arbeiten bei der Verhütung der in Artikel 9 bezeichneten Straftaten zusammen, indem sie insbesondere
Der Vertragsstaat, in dessen Hoheitsgebiet sich der Verdächtige befindet, hat, wenn er ihn nicht ausliefert, den Fall ohne irgendeine Ausnahme und ohne unangemessene Verzögerung seinen zuständigen Behörden zum Zweck der Strafverfolgung in einem Verfahren nach seinem Recht zu unterbreiten. Diese Behörden treffen ihre Entscheidung in der gleichen Weise wie im Fall einer gemeinrechtlichen strafbaren Handlung schwerer Art nach dem Recht dieses Staates.
Der Vertragsstaat, in dem ein Verdächtiger strafrechtlich verfolgt wird, teilt dem Generalsekretär der Vereinten Nationen den Ausgang des Verfahrens mit; dieser unterrichtet die anderen Vertragsstaaten.
Die Vertragsstaaten verpflichten sich, dieses Übereinkommen so weit wie möglich zu verbreiten und insbesondere das Studium ihrer Bestimmungen sowie der einschlägigen Bestimmungen des humanitären Völkerrechts in die militärischen Ausbildungsprogramme aufzunehmen.
Dieses Übereinkommen berührt nicht:
Dieses Übereinkommen ist nicht so auszulegen, als beeinträchtige sie das Recht zur Selbstverteidigung.
Auf Antrag eines oder mehrerer Vertragsstaaten und mit Genehmigung der Mehrheit der Vertragsstaaten beruft der Generalsekretär der Vereinten Nationen eine Sitzung der Vertragsstaaten zur Überprüfung der Durchführung des Übereinkommens und im Zusammenhang mit seiner Anwendung etwa aufgetretener Probleme ein.
Dieses Übereinkommen liegt bis zum 31. Dezember 1995 am Sitz der Vereinten Nationen in New York für alle Staaten zur Unterzeichnung auf.
Dieses Übereinkommen bedarf der Ratifikation, Annahme oder Genehmigung. Die Ratifikations-, Annahme- oder Genehmigungsurkunden werden beim Generalsekretär der Vereinten Nationen hinterlegt.
Dieses Übereinkommen steht allen Staaten zum Beitritt offen. Die Beitrittsurkunden werden beim Generalsekretär der Vereinten Nationen hinterlegt.
Die Urschrift dieses Übereinkommens, dessen arabischer, chinesischer, englischer, französischer, russischer und spanischer Wortlaut gleichermassen verbindlich ist, wird beim Generalsekretär der Vereinten Nationen hinterlegt; dieser übermittelt allen Staaten beglaubigte Abschriften.
Geschehen zu New York am 9. Dezember 1994.
(Es folgen die Unterschriften)
| Vertragsstaaten | Ratifikation Beitritt (B) Nachfolgeerklärung (N) | Inkrafttreten | ||
|---|---|---|---|---|
| Albanien | 30. März | 2001 B | 29. April | 2001 |
| Argentinien | 6. Januar | 1997 | 15. Januar | 1999 |
| Aserbaidschan | 3. August | 2000 B | 2. September | 2000 |
| Australien | 4. Dezember | 2000 | 3. Januar | 2001 |
| Bangladesch | 22. September | 1999 | 22. Oktober | 1999 |
| Belarus | 29. November | 2000 | 29. Dezember | 2000 |
| Belgien* | 19. Februar | 2002 | 21. März | 2002 |
| Benin | 2. November | 2017 B | 2. Dezember | 2017 |
| Bolivien | 22. Dezember | 2004 | 21. Januar | 2005 |
| Bosnien und Herzegowina | 11. August | 2003 B | 10. September | 2003 |
| Botsuana | 1. März | 2000 B | 31. März | 2000 |
| Brasilien | 6. September | 2000 | 6. Oktober | 2000 |
| Brunei | 20. März | 2002 B | 19. April | 2002 |
| Bulgarien | 4. Juni | 1998 B | 15. Januar | 1999 |
| Burkina Faso | 27. Oktober | 2008 B | 26. November | 2008 |
| Chile | 27. August | 1997 B | 15. Januar | 1999 |
| China* | 22. September | 2004 B | 22. Oktober | 2004 |
| Hongkong | 22. September | 2004 | 22. Oktober | 2004 |
| Macau | 22. September | 2004 | 22. Oktober | 2004 |
| Costa Rica* | 17. Oktober | 2000 B | 16. November | 2000 |
| Côte d’Ivoire | 13. März | 2002 B | 12. April | 2002 |
| Dänemark | 11. April | 1995 | 15. Januar | 1999 |
| Deutschland* | 22. April | 1997 | 15. Januar | 1999 |
| Dominikanische Republik | 16. März | 2012 B | 15. April | 2012 |
| Ecuador | 28. Dezember | 2000 B | 27. Januar | 2001 |
| El Salvador* | 25. Juni | 2013 B | 25. Juli | 2013 |
| Estland* | 8. März | 2006 B | 7. April | 2006 |
| Fidschi | 1. April | 1999 | 1. Mai | 1999 |
| Finnland | 5. Januar | 2001 | 4. Februar | 2001 |
| Frankreich | 9. Juni | 2000 | 9. Juli | 2000 |
| Griechenland** | 3. August | 2000 B | 2. September | 2000 |
| Guatemala | 23. September | 2008 B | 23. Oktober | 2008 |
| Guinea | 7. September | 2000 B | 7. Oktober | 2000 |
| Guyana | 21. Mai | 2004 B | 20. Juni | 2004 |
| Irland | 28. März | 2002 B | 27. April | 2002 |
| Island | 10. Mai | 2001 B | 9. Juni | 2001 |
| Italien | 5. April | 1999 | 5. Mai | 1999 |
| Jamaika | 8. September | 2000 B | 8. Oktober | 2000 |
| Japan | 6. Juni | 1995 | 15. Januar | 1999 |
| Kanada* | 3. April | 2002 | 3. Mai | 2002 |
| Kenia | 19. Oktober | 2004 B | 18. November | 2004 |
| Kolumbien | 10. Juni | 2016 B | 10. Juli | 2016 |
| Kongo (Brazzaville) | 19. Dezember | 2018 B | 18. Januar | 2019 |
| Korea (Nord-)* | 8. Oktober | 2003 B | 7. November | 2003 |
| Korea (Süd-) | 8. Dezember | 1997 B | 15. Januar | 1999 |
| Kroatien | 27. März | 2000 B | 26. April | 2000 |
| Kuwait* | 19. Juli | 2004 B | 18. August | 2004 |
| Laos* | 22. August | 2002 B | 21. September | 2002 |
| Lesotho | 6. September | 2000 B | 6. Oktober | 2000 |
| Libanon | 25. September | 2003 B | 25. Oktober | 2003 |
| Liberia | 22. September | 2004 B | 22. Oktober | 2004 |
| Libyen | 22. September | 2000 B | 22. Oktober | 2000 |
| Liechtenstein | 11. Dezember | 2000 | 10. Januar | 2001 |
| Litauen | 8. September | 2000 B | 8. Oktober | 2000 |
| Luxemburg | 30. Juli | 2001 | 29. August | 2001 |
| Malawi | 7. Oktober | 2009 B | 6. November | 2009 |
| Mali | 2. Januar | 2008 B | 1. Februar | 2008 |
| Monaco | 5. März | 1999 B | 4. April | 1999 |
| Mongolei | 25. Februar | 2004 B | 26. März | 2004 |
| Montenegro | 23. Oktober | 2006 N | 3. Juni | 2006 |
| Nauru | 12. November | 2001 B | 12. Dezember | 2001 |
| Nepal* | 8. September | 2000 B | 8. Oktober | 2000 |
| Neuseeland | 16. Dezember | 1998 | 15. Januar | 1999 |
| Niederlande*a | 7. Februar | 2002 | 9. März | 2002 |
| Aruba | 7. Februar | 2002 | 9. März | 2002 |
| Curaçao | 7. Februar | 2002 | 9. März | 2002 |
| Karibische Gebiete (Bonaire, Sint Eustatius und Saba) | 7. Februar | 2002 | 9. März | 2002 |
| Sint Maarten | 7. Februar | 2002 | 9. März | 2002 |
| Nordmazedonien | 6. März | 2002 B | 5. April | 2002 |
| Norwegen | 3. Juli | 1995 | 15. Januar | 1999 |
| Österreich | 6. September | 2000 B | 6. Oktober | 2000 |
| Palästina | 2. Januar | 2015 B | 1. Februar | 2015 |
| Panama | 4. April | 1996 | 15. Januar | 1999 |
| Paraguay | 30. Dezember | 2008 B | 29. Januar | 2009 |
| Philippinen | 17. Juni | 1997 | 15. Januar | 1999 |
| Polen | 22. Mai | 2000 | 21. Juni | 2000 |
| Portugal | 14. Oktober | 1998 | 15. Januar | 1999 |
| Rumänien | 29. Dezember | 1997 | 15. Januar | 1999 |
| Russland | 25. Juni | 2001 | 25. Juli | 2001 |
| Samoa | 19. August | 2005 | 18. September | 2005 |
| Saudi-Arabien* | 22. März | 2010 B | 21. April | 2010 |
| Schweden | 25. Juni | 1996 | 15. Januar | 1999 |
| Schweiz | 9. November | 2007 B | 9. Dezember | 2007 |
| Senegal | 9. Juni | 1999 | 9. Juli | 1999 |
| Serbien | 31. Juli | 2003 B | 30. August | 2003 |
| Singapur | 26. März | 1996 B | 15. Januar | 1999 |
| Slowakei* | 26. Juni | 1996 | 15. Januar | 1999 |
| Slowenien | 21. Januar | 2004 B | 20. Februar | 2004 |
| Spanien | 13. Januar | 1998 | 15. Januar | 1999 |
| Sri Lanka | 23. September | 2003 B | 23. Oktober | 2003 |
| Togo | 21. April | 2008 | 21. Mai | 2008 |
| Tschechische Republik | 13. Juni | 1997 | 15. Januar | 1999 |
| Tunesien* | 12. September | 2000 | 12. Oktober | 2000 |
| Türkei* | 9. August | 2004 B | 8. September | 2004 |
| Turkmenistan | 29. September | 1998 B | 15. Januar | 1999 |
| Ukraine | 17. August | 1995 | 15. Januar | 1999 |
| Ungarn | 13. Juli | 1999 B | 12. August | 1999 |
| Uruguay | 3. September | 1999 | 3. Oktober | 1999 |
| Usbekistan | 3. Juli | 1996 B | 15. Januar | 1999 |
| Vereinigtes Königreich** | 6. Mai | 1998 | 15. Januar | 1999 |
| Insel Man | 19. Februar | 2013 | 21. März | 2013 |
| Zypern** | 1. Juli | 2003 B | 31. Juli | 2003 |
| * Vorbehalte und Erklärungen. ** Einwendungen. Die Vorbehalte, Erklärungen und Einwendungen werden in der AS nicht veröffentlicht. Die französischen und englischen Texte können auf der Internetseite der Vereinten Nationen: http://treaties.un.org/ eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern, bezogen werden. a Für das Königreich in Europa. |
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