0.311.21•Übereinkommen über die Bekämpfung der Bestechung ausländischer Amtsträger im internationalen Geschäftsverkehr
0.311.21Multilateral International Treaty30.07.2000
Abgeschlossen in Paris am 17. Dezember 1997
Von der Bundesversammlung genehmigt am 9. Dezember 19992
Ratifikationsurkunde von der Schweiz hinterlegt am 31. Mai 2000
In Kraft getreten für die Schweiz am 30. Juli 2000
(Stand am 25. März 2015)
Präambel
Die Vertragsparteien
in der Erwägung, dass im internationalen Geschäftsverkehr einschliesslich der Bereiche Handel und Investitionen die Bestechung eine weitverbreitete Erscheinung ist, die in moralischer und politischer Hinsicht zu ernster Besorgnis Anlass gibt, gute Regierungsführung und wirtschaftliche Entwicklung untergräbt und internationale Wettbewerbsbedingungen verzerrt,
in der Erwägung, dass alle Staaten für die Bekämpfung der Bestechung im internationalen Geschäftsverkehr gemeinsam Verantwortung tragen,
unter Bezugnahme auf die überarbeitete Empfehlung über die Bekämpfung der Bestechung im internationalen Geschäftsverkehr, die der Rat der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am 23. Mai 1997 angenommen hat (C(97)123/FINAL) und in der unter anderem dazu aufgerufen wurde, wirksame Massnahmen zur Abschreckung vor und Vorbeugung gegen Bestechung ausländischer Amtsträger im internationalen Geschäftsverkehr sowie zur Bekämpfung dieser Bestechung zu ergreifen, insbesondere diese Bestechung umgehend in wirksamer und aufeinander abgestimmter Weise sowie im Einklang mit den vereinbarten gemeinsamen Merkmalen, die in dieser Empfehlung enthalten sind, und in Übereinstimmung mit den Grundsätzen über die Gerichtsbarkeit und mit sonstigen Rechtsgrundsätzen des jeweiligen Staates unter Strafe zu stellen,
erfreut über andere Entwicklungen der jüngsten Zeit, welche die internationale Verständigung und Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Bestechung von Amtsträgern weiter voranbringen, einschliesslich Massnahmen der Vereinten Nationen, der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds, der Welthandelsorganisation, der Organisation Amerikanischer Staaten, des Europarats und der Europäischen Union,
erfreut über die Anstrengungen von Unternehmen, Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und anderen nichtstaatlichen Organisationen zur Bekämpfung der Bestechung,
in Anerkennung der Rolle, welche die Regierungen spielen, um der Forderung von Bestechungsgeldern von Einzelpersonen und Unternehmen im internationalen Geschäftsverkehr vorzubeugen,
in der Erkenntnis, dass Fortschritte in diesem Bereich nicht nur Anstrengungen auf nationaler Ebene, sondern auch multilaterale Zusammenarbeit, Überwachung und Folgemassnahmen erfordern,
in der Erkenntnis, dass die Gleichwertigkeit der von den Vertragsparteien zu ergreifenden Massnahmen wesentliches Ziel und wesentlicher Zweck des Übereinkommens ist, was erfordert, dass das Übereinkommen ohne Abweichungen, die diese Gleichwertigkeit berühren, ratifiziert wird –
sind wie folgt übereingekommen:
Jede Vertragspartei trifft in Übereinstimmung mit ihren Rechtsgrundsätzen die erforderlichen Massnahmen, um die Verantwortlichkeit juristischer Personen für die Bestechung eines ausländischen Amtsträgers zu begründen.
Ermittlungsverfahren und Strafverfolgung wegen Bestechung eines ausländischen Amtsträgers unterliegen den geltenden Regeln und Grundsätzen der jeweiligen Vertragspartei. Sie dürfen nicht von Erwägungen nationalen wirtschaftlichen Interesses, der möglichen Wirkung auf Beziehungen zu einem anderen Staat oder der Identität der beteiligten natürlichen oder juristischen Personen beeinflusst werden.
Die für die Straftat der Bestechung eines ausländischen Amtsträgers geltenden Verjährungsfristen sehen einen angemessenen Zeitraum für die Ermittlung und Verfolgung dieser Straftat vor.
Jede Vertragspartei, welche die Bestechung ihrer eigenen Amtsträger zu einer Vortat für die Anwendung ihrer Rechtsvorschriften in Bezug auf die Geldwäscherei gemacht hat, verfährt nach den gleichen Bedingungen in Bezug auf die Bestechung eines ausländischen Amtsträgers, ungeachtet des Ortes, an welchem die Bestechung stattgefunden hat.
Für die Zwecke des Artikels 4 Ziffer 3 (über Konsultationen), des Artikels 9 (über Rechtshilfe) und des Artikels 10 (über Auslieferung) notifiziert jede Vertragspartei dem Generalsekretär der OECD eine oder mehrere für die Stellung und Entgegennahme von Ersuchen zuständige Behörden, die unbeschadet anderer Vereinbarungen zwischen den Vertragsparteien in diesen Angelegenheiten als Verbindungsstelle für diese Vertragspartei dienen.
Die Vertragsparteien arbeiten bei der Durchführung eines Programms systematischer Folgemassnahmen zur Überwachung und Förderung der vollständigen Anwendung dieses Übereinkommens zusammen. Soweit die Vertragsparteien nicht einvernehmlich etwas anderes beschliessen, geschieht dies im Rahmen der Arbeitsgruppe der OECD für Bestechungsfragen im internationalen Geschäftsverkehr und entsprechend ihrem Mandat oder im Rahmen und entsprechend dem Mandat eines ihre Aufgaben übernehmenden Nachfolgeorgans; die Vertragsparteien tragen die Kosten des Programms nach den für dieses Organ geltenden Bestimmungen.
Jede Vertragspartei kann zu diesem Übereinkommen Änderungen vorschlagen. Ein Änderungsvorschlag wird dem Verwahrer unterbreitet; dieser übermittelt ihn den anderen Vertragsparteien mindestens sechzig Tage vor Einberufung eines Treffens der Vertragsparteien zur Beratung über den Änderungsvorschlag. Eine Änderung, die von den Vertragsparteien einvernehmlich oder auf andere von den Vertragsparteien einvernehmlich festgelegte Weise beschlossen worden ist, tritt sechzig Tage nach Hinterlegung einer Ratifikations-, Annahme- oder Genehmigungsurkunde seitens aller Vertragsparteien oder unter anderen von den Vertragsparteien zum Zeitpunkt der Beschlussfassung über die Änderung genannten Bedingungen in Kraft.
Eine Vertragspartei kann durch eine an den Verwahrer gerichtete schriftliche Notifikation von diesem Übereinkommen zurücktreten. Dieser Rücktritt wird ein Jahr nach Eingang der Notifikation wirksam. Nach dem Rücktritt wird die Zusammenarbeit zwischen den Vertragsparteien und der zurückgetretenen Vertragspartei hinsichtlich aller Rechtshilfe- oder Auslieferungsersuchen fortgesetzt, die vor dem Tag, an dem der Rücktritt wirksam geworden ist, gestellt wurden und noch nicht erledigt sind.
Geschehen zu Paris am 17. Dezember 1997, in einer Urschrift in französischer und englischer Sprache, wobei jeder Wortlaut gleichermassen verbindlich ist.
(Es folgen die Unterschriften)
| 1990–1996 | 1990–1996 | 1990–1996 | |
|---|---|---|---|
| in Millionen US-$ | in % der OECD insgesamt | in % der 10 grössten | |
| Vereinigte Staaten | 287 118 | 15,9 % | 19,7 % |
| Deutschland | 254 746 | 14,1 % | 17,5 % |
| Japan | 212 665 | 11,8 % | 14,6 % |
| Frankreich | 138 471 | 7,7 % | 9,5 % |
| Vereinigtes Königreich | 121 258 | 6,7 % | 8,3 % |
| Italien | 112 449 | 6,2 % | 7,7 % |
| Kanada | 91 215 | 5,1 % | 6,3 % |
| Korea (1) | 81 364 | 4,5 % | 5,6 % |
| Niederlande | 81 264 | 4,5 % | 5,6 % |
| Belgien/Luxemburg | 78 598 | 4,4 % | 5,4 % |
| die 10 grössten insgesamt | 1 459 148 | 81 % | 100 % |
| Spanien | 42 469 | 2,4 % | |
| Schweiz | 40 395 | 2,2 % | |
| Schweden | 36 710 | 2,0 % | |
| Mexiko (1) | 34 233 | 1,9 % | |
| Australien | 27 194 | 1,5 % | |
| Dänemark | 24 145 | 1,3 % | |
| Österreich | 22 432 | 1,2 % | |
| Norwegen | 21 666 | 1,2 % | |
| Irland | 19 217 | 1,1 % | |
| Finnland | 17 296 | 1,0 % | |
| Polen (1)** | 12 652 | 0,7 % | |
| Portugal | 10 801 | 0,6 % | |
| Türkei* | 8 027 | 0,4 % | |
| Ungran** | 6 795 | 0,4 % | |
| Neuseeland | 6 663 | 0,4 % | |
| Tschechische Republik*** | 6 263 | 0,3 % | |
| Griechenland | 4 606 | 0,3 % | |
| Island | 949 | 0,1 % | |
| OECD insgesamt | 1 801 661 | 100 % | |
| Anmerkungen: * 1990–1995 ** 1991–1996 *** 1993–1996 Quelle: OECD, (1) IWF |
In Bezug auf Belgien/Luxemburg gilt: Handelsstatistiken für Belgien und Luxemburg liegen nur als gemeinsame Statistiken für beide Länder vor. Hinterlegt entweder Belgien oder Luxemburg seine Annahme‑, Genehmigungs- oder Ratifikationsurkunde oder hinterlegen sowohl Belgien als auch Luxemburg ihre Annahme–, Genehmigungs- oder Ratifikationsurkunden, so wird im Sinne von Artikel 15 Ziffer 1 des Übereinkommens davon ausgegangen, dass eines der Länder mit den zehn grössten Exportanteilen seine Urkunde hinterlegt hat, und die gemeinsamen Exporte beider Länder werden auf die für das Inkrafttreten nach dieser Bestimmung erforderlichen 60 % der zusammengerechneten Gesamtexporte dieser zehn Länder angerechnet.
| Vertragsstaaten | Ratifikation Beitritt (B) | Inkrafttreten | ||
|---|---|---|---|---|
| Argentinien | 8. Februar | 2001 | 9. April | 2001 |
| Australien | 18. Oktober | 1999 | 17. Dezember | 1999 |
| Belgien | 27. Juli | 1999 | 25. September | 1999 |
| Brasilien* | 24. August | 2000 | 23. Oktober | 2000 |
| Bulgarien | 22. Dezember | 1998 | 20. Februar | 1999 |
| Chile | 18. April | 2001 | 17. Juni | 2001 |
| Dänemark | 5. September | 2000 | 4. November | 2000 |
| Deutschland | 10. November | 1998 | 15. Februar | 1999 |
| Estland | 23. November | 2004 B | 22. Januar | 2005 |
| Finnland | 10. Dezember | 1998 | 15. Februar | 1999 |
| Frankreich* | 31. Juli | 2000 | 29. September | 2000 |
| Griechenland | 5. Februar | 1999 | 6. April | 1999 |
| Irland | 22. September | 2003 | 21. November | 2003 |
| Island | 17. August | 1998 | 15. Februar | 1999 |
| Israel | 11. März | 2009 B | 10. Mai | 2009 |
| Italien | 15. Dezember | 2000 | 13. Februar | 2001 |
| Japan | 13. Oktober | 1998 | 15. Februar | 1999 |
| Kanada | 17. Dezember | 1998 | 15. Februar | 1999 |
| Kolumbien | 20. November | 2012 B | 19. Januar | 2013 |
| Korea (Süd-) | 4. Januar | 1999 | 5. März | 1999 |
| Lettland | 31. März | 2014 B | 30. Mai | 2014 |
| Luxemburg | 21. März | 2001 | 20. Mai | 2001 |
| Mexiko | 27. Mai | 1999 | 26. Juli | 1999 |
| Neuseeland | 25. Juni | 2001 | 24. August | 2001 |
| Niederlande | 12. Januar | 2001 | 13. März | 2001 |
| Norwegen | 18. Dezember | 1998 | 16. Februar | 1999 |
| Österreich | 20. Mai | 1999 | 19. Juli | 1999 |
| Polen | 8. September | 2000 | 7. November | 2000 |
| Portugal | 23. November | 2000 | 22. Januar | 2001 |
| Russland | 17. Februar | 2013 B | 17. April | 2012 |
| Schweden | 8. Juni | 1999 | 7. August | 1999 |
| Schweiz* | 31. Mai | 2000 | 30. Juli | 2000 |
| Slowakei | 24. September | 1999 | 23. November | 1999 |
| Slowenien | 6. September | 2001 B | 5. November | 2001 |
| Spanien | 14. Januar | 2000 | 4. März | 2000 |
| Südafrika | 19. Juni | 2007 B | 18. August | 2007 |
| Tschechische Republik | 21. Januar | 2000 | 21. März | 2000 |
| Türkei | 26. Juli | 2000 | 24. September | 2000 |
| Ungarn | 4. Dezember | 1998 | 15. Februar | 1999 |
| Vereinigte Staaten | 8. Dezember | 1998 | 15. Februar | 1999 |
| Vereinigtes Königreich | 14. Dezember | 1998 | 15. Februar | 1999 |
| * Die Vorbehalte und Erklärungen werden mit Ausnahme derjenigen der Schweiz in der AS nicht veröffentlicht. Die französischen und englischen Texte können auf der Internetseite der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD): www.oecd.org eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern bezogen werden. |
Schweiz
Die schweizerischen Behörden haben das Bundesamt für Justiz zur Verbindungsstelle nach Artikel 11 das Übereinkommens bestimmt.
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