0.443.2•Europäisches Übereinkommen über die Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen
0.443.2Multilateral International Treaty01.04.1994
Abgeschlossen in Strassburg am 2. Oktober 1992
Von der Schweiz unterzeichnet1am 5. November 1992
In Kraft getreten für die Schweiz am 1. April 1994
(Stand am 13. Februar 2014)
Präambel
Die Mitgliedstaaten des Europarats
und
die anderen Vertragsstaaten des Europäischen Kulturabkommens*2*
die dieses Übereinkommen unterzeichnet haben,
in der Erwägung, dass es das Ziel des Europarats ist, eine engere Verbindung zwischen seinen Mitgliedern herbeizuführen, um insbesondere die Ideale und Grundsätze, die ihr gemeinsames Erbe bilden, zu wahren und zu fördern;
in der Erwägung, dass die schöpferische Freiheit und die Freiheit der Meinungsäusserung wesentliche Bestandteile dieser Grundsätze sind;
in der Erwägung, dass der Schutz der kulturellen Vielfalt der verschiedenen europäischen Länder eines der Ziele des Europäischen Kulturabkommens ist;
in der Erwägung, dass die Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen, ein Instrument der Gestaltung und des Ausdrucks der kulturellen Vielfalt auf europäischer Ebene, verstärkt werden sollte;
in dem festen Willen, diese Grundsätze weiter zu entwickeln, und unter Hinweis auf die Empfehlungen des Ministerkomitees über das Kino und den audiovisuellen Bereich, insbesondere die Empfehlung Nr. R (86) 3 über die Förderung der audiovisuellen Produktion in Europa;
in Anerkennung dessen, dass die Errichtung des Europäischen Fonds zur Unterstützung der Gemeinschaftsproduktion und der Verbreitung von Kino- und Fernsehfilmen, Eurimages, dem Anliegen gerecht wird, die europäische Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen zu fördern, und dass damit der Weiterentwicklung der Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen in Europa ein neuer Impuls gegeben wird;
entschlossen, dieses kulturelle Ziel durch eine gemeinsame Anstrengung zu erreichen, die Produktion zu steigern und die Regeln festzulegen, die für die europäische mehrseitige Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen insgesamt gelten;
in Erwägung, dass die Annahme gemeinsamer Regeln geeignet ist, im Bereich der Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen Beschränkungen abzubauen und die europäische Zusammenarbeit zu fördern –
sind wie folgt übereingekommen:
Die Vertragsparteien dieses Übereinkommens verpflichten sich, die Weiterentwicklung der europäischen Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen nach Massgabe der nachstehenden Bestimmungen zu fördern.
Im Fall mehrseitiger Gemeinschaftsproduktionen gehen die Bestimmungen dieses Übereinkommens den Bestimmungen bilateraler Abkommen zwischen den Vertragsparteien des Übereinkommens vor. Die Bestimmungen über zweiseitige Gemeinschaftsproduktionen bleiben in Kraft, sofern sie den Bestimmungen dieses Übereinkommens nicht zuwiderlaufen. 4. Gibt es zwischen zwei Vertragsparteien dieses Übereinkommens kein bilaterales Abkommen über die Beziehungen im Bereich der Gemeinschaftsproduktion, so findet das Übereinkommen auch auf bilaterale Gemeinschaftsproduktionen Anwendung, es sei denn, dass eine der beteiligten Vertragsparteien nach Artikel 20 einen Vorbehalt angebracht hat.
Im Sinne dieses Übereinkommens bezeichnet
Im Einklang mit den geltenden Gesetzen, sonstigen Vorschriften und internationalen Verpflichtungen erleichtert jede Vertragspartei dem technischen und künstlerischen Personal aus an einer Gemeinschaftsproduktion beteiligten anderen Vertragsparteien die Einreise, den Aufenthalt sowie die Erteilung von Arbeitserlaubnissen in ihrem Hoheitsgebiet. Ebenso erlaubt jede Vertragspartei die vorübergehende Einfuhr und die Wiederausfuhr der Ausrüstung, die für die Herstellung und den Verleih der unter dieses Übereinkommen fallenden Kinofilme erforderlich ist.
Wird ein in Gemeinschaftsproduktion hergestellter Kinofilm in einen Staat ausgeführt, in dem die Einfuhr von Kinofilmen kontingentiert ist, und hat eine der an der Gemeinschaftsproduktion beteiligten Vertragsparteien nicht das Recht, ihre Kinofilme frei in den Einfuhrstaat einzuführen,
Bei der Anerkennung als Gemeinschaftsproduktion kann die zuständige Behörde einer Vertragspartei von dem in ihrem Hoheitsgebiet niedergelassenen Gemeinschaftsproduzenten eine Endfassung des Kinofilms in einer der Sprachen dieser Vertragspartei verlangen.
Sofern die Gemeinschaftsproduzenten nichts anderes beschliessen, werden in Gemeinschaftsproduktion hergestellte Kinofilme auf internationalen Filmfestspielen von der Vertragspartei, in welcher der Mehrheitsgemeinschaftsproduzent niedergelassen ist, oder bei gleicher finanzieller Beteiligung von der Vertragspartei, die den Regisseur stellt, vorgestellt.
2. Die Ratifikations-, Annahme- oder Genehmigungsurkunden werden beim Generalsekretär des Europarats hinterlegt.
Der Generalsekretär des Europarats notifiziert den Mitgliedstaaten des Rates sowie jedem Staat und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, die diesem Übereinkommen beigetreten oder zum Beitritt eingeladen worden sind,
Zu Urkund dessen haben die hierzu gehörig gefugten Unterzeichneten dieses Übereinkommen unterschrieben.Geschehen zu Strassburg am 2. Oktober 1992 in englischer und französischer Sprache, wobei jeder Wortlaut gleichermassen verbindlich ist, in einer Urschrift, die im Archiv des Europarats hinterlegt wird. Der Generalsekretär des Europarats übermittelt den in Artikel 16 Absatz 1 bezeichneten Staaten sowie allen Staaten und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, die zum Beitritt zu diesem Übereinkommen eingeladen worden sind, beglaubigte Abschriften.(Es folgen die Unterschriften)
Um an den Vergünstigungen dieses Übereinkommens teilzuhaben, müssen die in den Vertragsparteien niedergelassenen Gemeinschaftsproduzenten zwei Monate vor Drehbeginn unter Beifügung der nachstehend aufgeführten Unterlagen einen Antrag auf Anerkennung einer Gemeinschaftsproduktion als solche stellen. Diese Unterlagen müssen den zuständigen Behörden in ausreichender Anzahl, damit sie den Behörden der anderen Vertragsparteien übermittelt werden können, spätestens einen Monat vor Drehbeginn zugehen.
– Eine Kopie des Vertrags oder ein anderer Beleg über den Erwerb der Urheberrechte für die wirtschaftliche Nutzung des Films; – ein ausführliches Drehbuch; – eine Aufstellung der technischen und künstlerischen Beiträge der beteiligten Staaten; – ein Kostenvoranschlag und ein genauer Finanzierungsplan; – ein Drehplan für den Kinofilm; – der zwischen den Gemeinschaftsproduzenten geschlossene Gemeinschaftsproduktionsvertrag. Dieser Vertrag muss Bestimmungen über die Aufteilung der Einnahmen oder der Absatzgebiete unter den Gemeinschaftsproduzenten enthalten.
Der Antrag und die anderen Unterlagen sind nach Möglichkeit in der Sprache der zuständigen Behörden vorzulegen, bei denen sie eingereicht werden.
Die zuständigen nationalen Behörden übermitteln einander die Anträge und die beigefügten Unterlagen, sobald sie eingegangen sind. Die zuständige Behörde der Vertragspartei mit finanzieller Minderheitsbeteiligung erteilt ihre Zustimmung erst, wenn die Stellungnahme der Vertragspartei mit der finanziellen Mehrheitsbeteiligung eingegangen ist.
1Ein Kinofilm ist europäisch im Sinne des Artikels 3 Absatz 3, wenn er nach dem nachstehenden Verzeichnis europäischer Bestandteile wenigstens 15 Punkte von der möglichen Höchstzahl von 19 Punkten erreicht.2Unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Drehbuchs können die zuständigen Behörden nach Abstimmung untereinander einen Film, der weniger als die üblicherweise erforderlichen 15 Punkte erhält, als Gemeinschaftsproduktion anerkennen, wenn sie der Meinung sind, dass er gleichwohl die europäische Identität widerspiegelt.
| Europäische Bestandteile | Gewichtspunkte |
|---|---|
| Schöpferischer Bereich | |
| Regisseur | 3 |
| Drehbuchautor | 3 |
| Komponist | 1 |
| 7 | |
| Darstellender Bereich | |
| Erste Filmrolle | 3 |
| Zweite Filmrolle | 2 |
| Dritte Filmrolle | 1 |
| 6 | |
| Technischer Bereich | |
| Bild | 1 |
| Ton und Mischung | 1 |
| Schnitt | 1 |
| Bauten und Kostüme | 1 |
| Studio oder Drehort | 1 |
| Ort der Postproduktion | 1 |
| 6 |
| N. B. |
|---|
| a. Für die Festlegung der ersten, zweiten und dritten Filmrolle ist die Zahl der Arbeitstage entscheidend. |
| b. Was Artikel 8 betrifft, so bezieht sich «künstlerisch» auf den schöpferischen und darstellenden Bereich, «technisch» auf den technischen Bereich. |
| Vertragsstaaten | Ratifikation Beitritt (B) Unterzeichnet ohne Ratifikationsvorbehalt (U) | Inkrafttreten | ||
|---|---|---|---|---|
| Albanien | 9. September | 2009 | 1. Januar | 2010 |
| Armenien | 17. Dezember | 2004 | 1. April | 2005 |
| Aserbaidschan | 28. März | 2000 B | 1. Juli | 2000 |
| Belgien* | 25. August | 2004 | 1. Dezember | 2004 |
| Bosnien und Herzegowina | 30. März | 2009 | 1. Juli | 2009 |
| Bulgarien | 27. April | 2004 | 1. August | 2004 |
| Dänemark | 2. Oktober | 1992 U | 1. April | 1994 |
| Deutschland | 24. März | 1995 | 1. Juli | 1995 |
| Estland | 29. Mai | 1997 | 1. September | 1997 |
| Finnland | 9. Mai | 1995 | 1. September | 1995 |
| Frankreich* | 9. November | 2001 | 1. März | 2002 |
| Georgien | 15. Oktober | 2002 | 1. Februar | 2003 |
| Griechenland | 24. Juni | 2002 | 1. Oktober | 2002 |
| Irland | 28. April | 2000 U | 1. August | 2000 |
| Island | 30. Mai | 1997 U | 1. September | 1997 |
| Italien | 14. Februar | 1997 | 1. Juni | 1997 |
| Kroatien | 6. August | 2004 | 1. Dezember | 2004 |
| Lettland | 27. September | 1993 U | 1. April | 1994 |
| Litauen* | 22. Juni | 1999 | 1. Oktober | 1999 |
| Luxemburg | 21. Juni | 1996 | 1. Oktober | 1996 |
| Malta | 17. September | 2001 U | 1. Januar | 2002 |
| Moldau | 27. September | 2011 | 1. Januar | 2012 |
| Montenegro | 6. Juni | 2006 B | 6. Juni | 2006 |
| Niederlandea | 24. März | 1995 | 1. Juli | 1995 |
| Nordmazedonien | 3. Juni | 2003 | 1. Oktober | 2003 |
| Norwegen* | 9. Juli | 2009 | 1. November | 2009 |
| Österreich | 2. September | 1994 | 1. Januar | 1995 |
| Polen* | 30. Dezember | 2002 | 1. April | 2003 |
| Portugal* | 13. Dezember | 1996 | 1. April | 1997 |
| Rumänien | 28. März | 2002 | 1. Juli | 2002 |
| Russland | 30. März | 1994 U | 1. Juli | 1994 |
| Schweden | 10. Juni | 1993 U | 1. April | 1994 |
| Schweiz | 5. November | 1992 U | 1. April | 1994 |
| Serbien | 2. Juni | 2004 | 1. Oktober | 2004 |
| Slowakei | 23. Januar | 1995 | 1. Mai | 1995 |
| Slowenien | 28. November | 2003 | 1. März | 2004 |
| Spanien* | 7. Oktober | 1996 | 1. Februar | 1997 |
| Tschechische Republik | 24. Februar | 1997 U | 1. Juni | 1997 |
| Türkei | 9. März | 2005 | 1. Juli | 2005 |
| Ukraine | 28. August | 2009 | 1. Dezember | 2009 |
| Ungarn | 24. Oktober | 1996 U | 1. Februar | 1997 |
| Vereinigtes Königreich | 9. Dezember | 1993 | 1. April | 1994 |
| Zypern | 29. November | 2000 | 1. März | 2001 |
| * Vorbehalte und Erklärungen (die Erklärungen aller Vertragsstaaten über die zuständigen Behörden, gemäss Art. 5, Abs. 5, sind im oben erwähnten Geltungsbereich nicht mit * aufgeführt). Die Vorbehalte und Erklärungen werden in der AS nicht veröffentlicht. Die französischen und englischen Texte können auf der Internetseite des Europarates: www.coe.int > Deutsch > Mehr > Vertragsbüro > Gesamtverzeichnis eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern bezogen werden. |
|---|
| a Für das Königreich in Europa. |
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