0.515.06•Übereinkommen über das Verbot der militärischen oder einer sonstigen feindseligen Nutzung umweltverändernder Techniken
0.515.06Multilateral International Treaty05.08.1988
Abgeschlossen in New York am 10. Dezember 1976
Von der Bundesversammlung genehmigt am 18. März 19881
Schweizerische Beitrittsurkunde hinterlegt am 5. August 1988
In Kraft getreten für die Schweiz am 5. August 1988
(Stand am 15. Mai 2020)
Die Vertragsstaaten dieses Übereinkommens,
im Bestreben, den Frieden zu festigen, und vom Wunsch geleitet, einen Beitrag zur Beendigung des Wettrüstens, zur Herbeiführung einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle und zum Schutz der Menschheit vor der Gefahr des Einsatzes neuer Mittel der Kriegführung zu leisten,
entschlossen, Verhandlungen fortzusetzen, um wirksame Fortschritte in Richtung auf weitere Massnahmen im Bereich der Abrüstung zu erzielen,
in der Erkenntnis, dass wissenschaftliche und technische Fortschritte neue Möglichkeiten hinsichtlich der Umweltveränderung eröffnen können,
unter Hinweis auf die am 16. Juni 1972 in Stockholm angenommene Erklärung der Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen,
in der Einsicht, dass die Nutzung umweltverändernder Techniken für friedliche Zwecke die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur verbessern und zur Erhaltung und Verbesserung der Umwelt zum Nutzen heutiger und künftiger Generationen beitragen kann,
in der Erkenntnis jedoch, dass die militärische oder eine sonstige feindselige Nutzung derartiger Techniken äusserst schädliche Auswirkungen auf das Wohl des Menschen haben kann,
in dem Wunsch, die militärische oder eine sonstige feindselige Nutzung umweltverändernder Techniken wirksam zu verbieten, um die der Menschheit von einer solchen Nutzung drohenden Gefahren zu beseitigen, und in Bekräftigung ihrer Bereitschaft, auf die Erreichung dieses Zieles hinzuwirken,
sowie in dem Wunsch, im Einklang mit den Zielen und Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen2zur Festigung des Vertrauens zwischen den Völkern und zur weiteren Verbesserung der internationalen Lage beizutragen,
sind wie folgt übereingekommen:
Im Sinne des Artikels I bezieht sich der Begriff «umweltverändernde Techniken» auf jede Technik zur Änderung der Dynamik, der Zusammensetzung oder der Struktur der Erde – einschliesslich der Flora und Fauna, der Lithosphäre, der Hydrosphäre und der Atmosphäre – sowie des Weltraums durch bewusste Manipulation natürlicher Abläufe.
Jeder Vertragsstaat verpflichtet sich, alle ihm erforderlich erscheinenden Massnahmen nach Massgabe seiner verfassungsmässigen Verfahren zu treffen, um an jedem seiner Hoheitsgewalt oder Kontrolle unterstehenden Ort jede Tätigkeit zu verbieten und zu verhindern, welche die Bestimmungen dieses Übereinkommens verletzt.
Dieses Übereinkommen wird auf unbegrenzte Zeit geschlossen.
Dieses Übereinkommen, dessen arabischer, chinesischer, englischer, französischer, russischer und spanischer Wortlaut gleichermassen verbindlich ist, wird beim Generalsekretär der Vereinten Nationen hinterlegt; dieser übermittelt den Regierungen der Unterzeichnerstaaten und der beitretenden Staaten gehörig beglaubigte Abschriften.
Zu Urkund dessen haben die hierzu von ihren Regierungen gehörig befugten Unterzeichneten dieses Übereinkommen unterschrieben, das am 18. Mai 1977 in Genf zur Unterzeichnung aufgelegt worden ist.(Es folgen die Unterschriften)
1. Der Beratende Sachverständigenausschuss verpflichtet sich, die einschlägigen Tatsachenfeststellungen zu treffen und Gutachten zu allen Problemen abzugeben, die nach Artikel V Absatz 1 des Übereinkommens von dem Vertragsstaat aufgeworfen werden, der die Einberufung des Ausschusses beantragt.
2. Die Arbeit des Beratenden Sachverständigenausschusses ist so zu organisieren, dass er die in Absatz 1 beschriebenen Aufgaben wahrnehmen kann. Der Ausschuss entscheidet Verfahrensfragen im Zusammenhang mit der Organisation seiner Arbeit möglichst einvernehmlich; ist dies nicht möglich, so entscheidet er mit der Mehrheit seiner anwesenden und abstimmenden Mitglieder. Über Sachfragen wird nicht abgestimmt.
3. Der Depositar oder sein Vertreter wird als Vorsitzender des Ausschusses tätig.
4. Jeder Sachverständige kann bei den Sitzungen einen oder mehrere Berater hinzuziehen.
5. Jeder Sachverständige ist berechtigt, über den Vorsitzenden von Staaten und internationalen Organisationen die ihm für die Durchführung der Ausschussarbeit wünschenswert erscheinende Information und Hilfe anzufordern.
Der Ausschuss geht davon aus, dass für die Zwecke dieses Übereinkommens die Begriffe «weiträumig», «lange andauernd» und «schwerwiegend» wie folgt auszulegen sind:
Es wird ferner davon ausgegangen, dass die obige Auslegung ausschliesslich für dieses Übereinkommen bestimmt ist und nicht die Auslegung gleicher oder ähnlicher Begriffe präjudizieren soll, wenn diese im Zusammenhang mit einer anderen internationalen Übereinkunft verwendet werden.
Der Ausschuss geht davon aus, dass die folgenden Beispiele Erscheinungen veranschaulichen, die durch Nutzung der in Artikel II des Übereinkommens definierten umweltverändernden Techniken verursacht werden könnten: Erdbeben; Flutwellen, Störung des ökologischen Gleichgewichts einer Region; Änderungen von Wetterstrukturen (Wolken, Niederschläge, Wirbelstürme verschiedener Art und Tornados); Änderungen von Klimastrukturen; Änderungen von Meeresströmungen; Änderungen des Zustands der Ozonschicht sowie Änderungen des Zustands der Ionosphäre.
Es wird ferner davon ausgegangen, dass alle vorstehend aufgeführten Erscheinungen, sobald sie durch die militärische oder eine sonstige feindselige Nutzung umweltverändernder Techniken hervorgerufen werden, zu weiträumigen, lange andauernden oder schwerwiegenden Zerstörungen, Schäden oder Verletzungen führen würden oder aller Voraussicht nach führen können. Die in Artikel II definierte militärische oder eine sonstige feindselige Nutzung umweltverändernder Techniken mit dem Ziel, diese Erscheinungen als Mittel zur Zerstörung, Schädigung oder Verletzung eines anderen Vertragsstaats zu verursachen, würde damit verboten sein.
Darüber hinaus wird festgestellt, dass die obige Liste von Beispielen nicht erschöpfend ist. Andere Erscheinungen, die von der in Artikel II definierten Nutzung umweltverändernder Techniken herrühren könnten, liessen sich ebenfalls in die Liste aufnehmen. Das Fehlen derartiger Erscheinungen in der Liste bedeutet nicht, dass die in Artikel I enthaltene Verpflichtung auf sie nicht anwendbar wäre, sobald die in jenem Artikel genannten Voraussetzungen erfüllt sind.
Der Ausschuss geht davon aus, dass dieses Übereinkommen nicht die Frage behandelt, ob eine bestimmte Art der Nutzung umweltverändernder Techniken für friedliche Zwecke mit den allgemein anerkannten Grundsätzen und geltenden Vorschriften des Völkerrechts in Einklang steht oder nicht.
Der Ausschuss geht davon aus, dass ein Vorschlag zur Änderung des Übereinkommens auch auf jeder nach Artikel VIII abgehaltenen Konferenz der Vertragsparteien geprüft werden kann. Es wird ferner davon ausgegangen, dass jeder für eine derartige Prüfung bestimmte Änderungsvorschlag dem Depositar nach Möglichkeit spätestens 90 Tage vor Beginn der Konferenz vorgelegt werden sollte.
| Vertragsstaaten | Ratifikation Beitritt (B) Nachfolgeerklärung (N) | Inkrafttreten | ||
|---|---|---|---|---|
| Afghanistan | 22. Oktober | 1985 B | 22. Oktober | 1985 |
| Ägypten | 1. April | 1982 B | 1. April | 1982 |
| Algerien | 19. Dezember | 1991 B | 19. Dezember | 1991 |
| Antigua und Barbuda | 25. Oktober | 1988 N | 1. November | 1981 |
| Argentinien* | 20. März | 1987 B | 20. März | 1987 |
| Armenien | 15. Mai | 2002 B | 15. Mai | 2002 |
| Australien | 7. September | 1984 | 7. September | 1984 |
| Bangladesch | 3. Oktober | 1979 B | 3. Oktober | 1979 |
| Belarus | 7. Juni | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Belgien | 12. Juli | 1982 | 12. Juli | 1982 |
| Benin | 30. Juni | 1986 | 30. Juni | 1986 |
| Brasilien | 12. Oktober | 1984 | 12. Oktober | 1984 |
| Bulgarien | 31. Mai | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Chile | 26. April | 1994 B | 26. April | 1994 |
| China | 8. Juni | 2005 B | 8. Juni | 2005 |
| Hongkong | 8. Juni | 2005 B | 8. Juni | 2005 |
| Macau | 8. Juni | 2005 B | 8. Juni | 2005 |
| Costa Rica | 7. Februar | 1996 B | 7. Februar | 1996 |
| Dänemark | 19. April | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Deutschland | 24. Mai | 1983 | 24. Mai | 1983 |
| Dominica | 9. November | 1992 N | 3. November | 1978 |
| Estland | 14. April | 2011 B | 14. April | 2011 |
| Finnland | 12. Mai | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Ghana | 22. Juni | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Griechenland | 23. August | 1983 B | 23. August | 1983 |
| Guatemala* | 21. März | 1988 B | 21. März | 1988 |
| Honduras | 16. August | 2010 B | 16. August | 2010 |
| Indien | 15. Dezember | 1978 | 15. Dezember | 1978 |
| Irland | 16. Dezember | 1982 | 16. Dezember | 1982 |
| Italien | 27. November | 1981 | 27. November | 1981 |
| Japan | 9. Juni | 1982 B | 9. Juni | 1982 |
| Jemen | 12. Juni | 1979 B | 12. Juni | 1979 |
| Kamerun | 18. April | 2011 B | 18. April | 2011 |
| Kanada | 11. Juni | 1981 | 11. Juni | 1981 |
| Kap Verde | 3. Oktober | 1979 B | 3. Oktober | 1979 |
| Kasachstan | 25. April | 2005 B | 25. April | 2005 |
| Kirgisistan | 15. Juni | 2015 B | 15. Juni | 2015 |
| Korea (Nord-) | 8. November | 1984 B | 8. November | 1984 |
| Korea (Süd-)* | 2. Dezember | 1986 B | 2. Dezember | 1986 |
| Kuba | 10. April | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Kuwait* | 2. Januar | 1980 B | 2. Januar | 1980 |
| Laos | 5. Oktober | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Litauen | 16. April | 2002 B | 16. April | 2002 |
| Malawi | 5. Oktober | 1978 B | 5. Oktober | 1978 |
| Mauritius | 9. Dezember | 1992 B | 9. Dezember | 1992 |
| Mongolei | 19. Mai | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Neuseeland* | 7. September | 1984 B | 7. September | 1984 |
| Cook-Inseln | 7. September | 1984 B | 7. September | 1984 |
| Niue | 7. September | 1984 B | 7. September | 1984 |
| Nicaragua | 6. September | 2007 | 6. September | 2007 |
| Niederlande*a | 15. April | 1983 | 15. April | 1983 |
| Aruba | 15. April | 1983 | 15. April | 1983 |
| Curaçao | 15. April | 1983 | 15. April | 1983 |
| Karibische Gebiete (Bonaire, Sint Eustatius und Saba) | 15. April | 1983 | 15. April | 1983 |
| Sint Maarten | 15. April | 1983 | 15. April | 1983 |
| Niger | 17. Februar | 1993 B | 17. Februar | 1993 |
| Norwegen | 15. Februar | 1979 | 15. Februar | 1979 |
| Österreich* | 17. Januar | 1990 B | 17. Januar | 1990 |
| Pakistan | 27. Februar | 1986 B | 27. Februar | 1986 |
| Palästina | 29. Dezember | 2017 B | 29. Dezember | 2017 |
| Panama | 13. Mai | 2003 B | 13. Mai | 2003 |
| Papua-Neuguinea | 28. Oktober | 1980 B | 28. Oktober | 1980 |
| Polen | 8. Juni | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Rumänien | 6. Mai | 1983 | 6. Mai | 1983 |
| Russland | 30. Mai | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Salomoninseln | 19. Juni | 1981 N | 7. Juli | 1978 |
| São Tomé und Príncipe | 5. Oktober | 1979 B | 5. Oktober | 1979 |
| Schweden | 27. April | 1984 B | 27. April | 1984 |
| Schweiz* | 5. August | 1988 B | 5. August | 1988 |
| Slowakei | 28. Mai | 1993 N | 1. Januar | 1993 |
| Slowenien | 20. April | 2005 B | 20. April | 2005 |
| Spanien | 19. Juli | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Sri Lanka | 25. April | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| St. Lucia | 27. Mai | 1993 N | 22. Februar | 1979 |
| St. Vincent und die Grenadinen | 27. April | 1999 N | 27. Oktober | 1979 |
| Tadschikistan | 12. Oktober | 1999 B | 12. Oktober | 1999 |
| Tschechische Republik | 22. Februar | 1993 N | 1. Januar | 1993 |
| Tunesien | 11. Mai | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Ukraine | 13. Juni | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Ungarn | 19. April | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Uruguay | 16. September | 1993 B | 16. September | 1993 |
| Usbekistan | 26. Mai | 1993 B | 26. Mai | 1993 |
| Vereinigte Staaten* | 17. Januar | 1980 | 17. Januar | 1980 |
| Vereinigtes Königreich | 16. Mai | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| Akrotiri und Dhekelia | 16. Mai | 1978 B | 5. Oktober | 1978 |
| Anguilla | 16. Mai | 1978 B | 5. Oktober | 1978 |
| Gebiete unter territorialer Souveränität des Vereinigten Königreichs | 16. Mai | 1978 B | 5. Oktober | 1978 |
| Vietnam | 26. August | 1980 B | 26. August | 1980 |
| Zypern | 12. April | 1978 | 5. Oktober | 1978 |
| * Vorbehalte und Erklärungen. Die Vorbehalte und Erklärungen werden in der AS nicht veröffentlicht, mit Ausnahme jener der Schweiz. Die französischen und englischen Texte können auf der Internetseite der Vereinten Nationen: http://treaties.un.org/ > Enregistrement et Publication > Recueil des Traités des Nations Unies eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern, bezogen werden. | ||||
| a Für das Königreich in Europa. | ||||
| SchweizIm Hinblick auf die ihr aus dem Status eines immerwährenden neutralen Staates erwachsenden Pflichten ist die Schweiz gehalten, den allgemeinen Vorbehalt zu machen, dass ihre Mitarbeit im Rahmen dieses Übereinkommens nicht über den durch ihren Status gesetzten Rahmen hinausgehen kann. Dieser Vorbehalt bezieht sich insbesondere auf Artikel V Absatz 5 des Übereinkommens sowie auf jede analoge Klausel, welche diese Bestimmung im Übereinkommen (oder in einer anderen Vereinbarung) ersetzen oder ergänzen könnte. |
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