0.747.305.12•Internationales Übereinkommen über die Hohe See
0.747.305.12Multilateral International Treaty17.06.1966
Abgeschlossen in Genf am 29. April 1958
Von der Bundesversammlung genehmigt am 14. Dezember 19652
Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 18. Mai 1966
In Kraft getreten für die Schweiz am 17. Juni 1966
(Stand am 14. April 2010)
Die Vertragsstaaten dieses Übereinkommens,
vom Wunsche geleitet, die Regeln des Völkerrechts über die Hohe See zu kodifizieren,
in der Erkenntnis, dass durch die nachstehenden Bestimmungen, die von der in Genf vom 24. Februar bis 27. April 1958 abgehaltenen Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen angenommen wurden, im wesentlichen im Völkerrecht geltende Grundsätze deklaratorisch festgestellt werden,
haben folgendes vereinbart:
Unter «Hohe See» sind alle Teile des Meeres zu verstehen, die nicht zum Küstenmeer oder zu den inneren Gewässern eines Staates gehören.
Da die Hohe See allen Nationen offen steht, kann kein Staat das Recht für sich in Anspruch nehmen, einen Teil davon seiner Souveränität zu unterstellen. Die Freiheit der Hohen See wird gemäss den Bedingungen dieser Artikel und der anderen Regeln des Völkerrechts ausgeübt. Sie umfasst für Küsten- und Binnenstaaten insbesondere:
Diese sowie die anderen nach den allgemeinen Grundsätzen des Völkerrechts anerkannten Freiheiten werden von jedem Staat unter angemessener Berücksichtigung des Interesses ausgeübt, das die anderen Staaten an der Freiheit der Hohen See haben.
2. Die Staaten, die zwischen dem Meer und einem Binnenstaat liegen, regeln in Vereinbarungen mit diesem, unter Berücksichtigung der Rechte des Küsten- oder Durchgangsstaates sowie der besonderen Verhältnisse des Binnenstaates, alle den freien Durchgang und die Gleichbehandlung in den Häfen betreffenden Fragen, sofern diese Staaten nicht bereits Vertragsparteien von in Kraft befindlichen internationalen Übereinkommen sind.
Alle Staaten, ob Küsten- oder Binnenstaaten, haben das Recht, Schiffe unter ihrer Flagge auf der Hohen See fahren zu lassen.
Durch die Bestimmungen der vorstehenden Artikel wird die Frage der Schiffe, die im offiziellen Dienst einer zwischenstaatlichen Organisation stehen und deren Flagge führen, nicht berührt.
Einem Staat gehörende oder von ihm verwendete Schiffe, die im Staatsdienst stehen und ausschliesslich anderen als Handelszwecken dienen, geniessen auf Hoher See vollständige Immunität von der Hoheitsgewalt jedes anderen Staates als des Flaggenstaates.
2. Bei Anordnung dieser Massnahmen hat sich jeder Staat nach den allgemein anerkannten internationalen Normen zu richten und alle erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, um ihre Beachtung sicherzustellen.
Jeder Staat hat wirksame Massnahmen zu ergreifen, um die Beförderung von Sklaven auf Schiffen, die seine Flagge zu führen berechtigt sind, zu verhindern und zu bestrafen und die unrechtmässige Verwendung seiner Flagge zu diesem Zweck zu verhindern. Jeder Sklave, der auf ein Schiff gleich welcher Flagge flüchtet, istipso facto frei.
Alle Staaten haben soweit irgendwie möglich zusammenzuarbeiten, um die Seeräuberei auf Hoher See oder an jedem anderen Ort zu bekämpfen, der keiner staatlichen Hoheitsgewalt untersteht.
Als Seeräuberei gelten folgende Handlungen:
Begeht ein Kriegsschiff, Staatsschiff oder staatliches Luftfahrzeug, dessen meuternde Besatzung die Herrschaft an sich gerissen hat, seeräuberische Handlungen, wie sie in Artikel 15 definiert sind, so werden diese den von einem privaten Schiff begangenen Handlungen gleichgestellt.
Als Seeräuberschiffe oder -luftfahrzeuge gelten Schiffe oder Luftfahrzeuge, die von den Personen, unter deren tatsächlicher Kontrolle sie stehen, dazu bestimmt sind, zu einer der in Artikel 15 bezeichneten Handlungen verwendet zu werden. Das gleiche gilt für Schiffe oder Luftfahrzeuge, die zu derartigen Handlungen benutzt wurden, so lange sie unter der Kontrolle der Personen verbleiben, die sich dieser Handlungen schuldig gemacht haben.
Ein Schiff oder Luftfahrzeug kann seine Nationalität beibehalten, obwohl es zum Seeräuberschiff oder -luftfahrzeug geworden ist. Die Beibehaltung oder der Verlust der Nationalität bestimmt sich nach dem Recht des Staates, der diese Nationalität zuerkannt hat.
Jeder Staat kann auf Hoher See oder an einem anderen Ort, der keiner staatlichen Hoheitsgewalt untersteht, ein Seeräuberschiff oder -luftfahrzeug oder ein durch seeräuberische Handlungen erbeutetes und unter der Kontrolle von Seeräubern stehendes Schiff aufbringen, die Personen an Bord des Schiffes oder Luftfahrzeuges festnehmen und die dort befindlichen Vermögenswerte beschlagnahmen. Die Gerichte des Staates, der die Beschlagnahme durchgeführt hat, können, vorbehaltlich der Rechte gutgläubiger Dritter, über die zu verhängenden Strafen sowie über die Massnahmen entscheiden, die bezüglich des Schiffes, des Luftfahrzeuges oder der Vermögenswerte zu treffen sind.
Erfolgte die Aufbringung eines der Seeräuberei verdächtigten Schiffes oder Luftfahrzeuges ohne hinreichenden Grund, so haftet der aufbringende Staat dem Staate, dessen Nationalität das Schiff oder Luftfahrzeug besitzt, für jeden durch die Aufbringung verursachten Verlust oder Schaden.
Eine Aufbringung wegen Seeräuberei darf nur von Kriegsschiffen oder Militärluftfahrzeugen oder von anderen im Staatsdienst stehenden Schiffen oder Luftfahrzeugen vorgenommen werden, die hierzu befugt sind.
6. Die Freigabe eines Schiffes, das im Hoheitsbereich eines Staates angehalten und zwecks Untersuchung durch die zuständigen Behörden in einen Hafen dieses Staates geleitet wurde, kann nicht allein aus dem Grunde gefordert werden, dass das Schiff, weil die Umstände dies erforderlich machten, auf seiner Fahrt über einen Teil der Hohen See geleitet wurde.
7. Wurde ein Schiff auf Hoher See unter Umständen angehalten oder beschlagnahmt, welche die Ausübung des Rechts der Nacheile nicht rechtfertigen, so ist ihm jeder Verlust oder Schaden zu ersetzen.
Jeder Staat hat, unter Berücksichtigung bestehender vertraglicher Bestimmungen, Vorschriften zu erlassen, um die Verschmutzung der Meere infolge des Ablassens von Öl aus Schiffen oder Rohrleitungen oder infolge der Ausbeutung und Erforschung des Meeresgrundes und Meeresuntergrundes zu verhüten.
Jeder Staat hat die erforderlichen gesetzgeberischen Massnahmen zu treffen, damit jede vorsätzliche oder fahrlässige Unterbrechung oder Beschädigung eines unterseeischen Kabels auf Hoher See durch ein seine Flagge führendes Schiff oder durch eine seiner Hoheitsgewalt unterstehende Person, soweit dadurch die Telegrafen- oder Telefonverbindungen unterbrochen oder gestört werden könnten, sowie jede unter denselben Umständen erfolgte Unterbrechung oder Beschädigung unterseeischer Hochspannungsleitungen oder Rohrleitungen, eine strafbare Handlung darstellt. Diese Bestimmung findet keine Anwendung, wenn die Unterbrechung oder Beschädigung von Personen verursacht wurde, die lediglich das rechtmässige Ziel verfolgten, ihr Leben oder die Sicherheit des Schiffes zu schützen, nachdem sie alle erforderlichen Vorsichtsmassnahmen getroffen hatten, um eine derartige Unterbrechung oder Beschädigung zu vermeiden.
Jeder Staat hat die erforderlichen gesetzgeberischen Massnahmen zu treffen, damit die seiner Hoheitsgewalt unterstehenden Personen, die Eigentümer einer in Hoher See gelegenen Kabels oder einer Rohrleitung sind und beim Legen oder bei der Reparatur eines solchen Kabels oder einer solchen Rohrleitung die Unterbrechung oder Beschädigung eines anderen Kabels oder einer anderen Rohrleitung verursachen, die dadurch entstandenen Reparaturkosten tragen.
Jeder Staat hat die erforderlichen gesetzgeberischen Massnahmen zu treffen, damit die Schiffseigentümer, die beweisen können, dass sie einen Anker, ein Netz oder ein anderes Fischfanggerät geopfert haben, um die Beschädigung eines unterseeischen Kabels oder einer unterseeischen Rohrleitung zu vermeiden, vom Eigentümer des Kabels oder der Rohrleitung entschädigt werden, sofern sie zuvor alle angemessenen Vorsichtsmassnahmen getroffen haben.
Die Bestimmungen dieses Übereinkommens berühren Übereinkommen oder andere internationale Vereinbarungen nicht, die sich zwischen deren Vertragsparteien in Kraft befinden.
Dieses Übereinkommen wird bis zum 31. Oktober 1958 für alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen oder einer ihrer Spezialorganisationen, sowie jeden anderen Staat zur Unterzeichnung aufgelegt, der von der Generalversammlung eingeladen wird, Vertragspartei des Übereinkommens zu werden.
Diese Übereinkommen bedarf der Ratifizierung. Die Ratifikationsurkunden werden beim Generalsekretär der Vereinten Nationen hinterlegt.
Dieses Übereinkommen steht jedem Staat, der einer der in Artikel 31 bezeichneten Kategorien angehört, zum Beitritt offen. Die Beitrittsurkunden werden beim Generalsekretär der Vereinten Nationen hinterlegt.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen notifiziert allen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen und den anderen in Artikel 31 angeführten Staaten
Das Original dieses Übereinkommens, dessen chinesischer, englischer, französischer, russischer und spanischer Wortlaut gleichermassen verbindlich ist, wird beim Generalsekretär der Vereinten Nationen hinterlegt, der jedem der in Artikel 31 bezeichneten Staaten eine beglaubigte Abschrift übermittelt.
Zu Urkund dessen haben die von ihren Regierungen hierzu gehörig bevollmächtigten Unterzeichneten dieses Übereinkommen mit ihrer Unterschrift versehen.Geschehen zu Genf, am neunundzwanzigsten April neunzehnhundertachtundfünfzig.(Es folgen die Unterschriften)
| Vertragsstaaten | Ratifikation Beitritt (B) Nachfolgeerklärung (N) | Inkrafttreten | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Afghanistan | 28. April | 1959 | 30. September | 1962 | ||
| Albanien* | 7. Dezember | 1964 B | 6. Januar | 1965 | ||
| Australien** | 14. Mai | 1963 | 13. Juni | 1963 | ||
| Belarus* | 27. Februar | 1961 | 30. September | 1962 | ||
| Belgien | 6. Januar | 1972 B | 5. Februar | 1972 | ||
| Bosnien und Herzegowina | 1. September | 1993 N | 6. März | 1992 | ||
| Bulgarien* | 31. August | 1962 | 30. September | 1962 | ||
| Burkina Faso | 4. Oktober | 1965 B | 3. November | 1965 | ||
| Costa Rica | 16. Februar | 1972 | 17. März | 1972 | ||
| Dänemark** | 26. September | 1968 | 26. Oktober | 1968 | ||
| Deutschland** | 26. Juli | 1973 | 25. August | 1973 | ||
| Dominikanische Republik | 11. August | 1964 | 10. September | 1964 | ||
| Fidschi** | 25. März | 1971 | 10. Oktober | 1970 | ||
| Finnland | 16. Februar | 1965 | 18. März | 1965 | ||
| Guatemala | 27. November | 1961 | 30. September | 1962 | ||
| Haiti | 29. März | 1960 | 30. September | 1962 | ||
| Indonesien* | 10. August | 1961 | 30. September | 1962 | ||
| Israel** | 6. September | 1961 | 30. September | 1962 | ||
| Italien | 17. Dezember | 1964 B | 16. Januar | 1965 | ||
| Jamaika | 8. Oktober | 1965 | 30. September | 1962 | ||
| Japan** | 10. Juni | 1968 B | 10. Juli | 1968 | ||
| Kambodscha | 18. März | 1960 B | 30. September | 1962 | ||
| Kenia | 20. Juni | 1969 B | 20. Juli | 1969 | ||
| Kroatien | 3. August | 1992 N | 8. Oktober | 1991 | ||
| Lesotho | 23. Oktober | 1973 | 4. Oktober | 1966 | ||
| Lettland | 17. November | 1992 B | 17. Dezember | 1992 | ||
| Madagaskar** | 31. Juli | 1962 B | 30. September | 1962 | ||
| Malawi | 3. November | 1965 B | 3. Dezember | 1965 | ||
| Malaysia | 21. Dezember | 1960 B | 30. September | 1962 | ||
| Mauritius | 5. Oktober | 1970 | 12. März | 1968 | ||
| Mexiko* | 2. August | 1966 B | 1. September | 1966 | ||
| Mongolei* | 15. Oktober | 1976 B | 14. November | 1976 | ||
| Montenegro | 23. Oktober | 2006 N | 3. Juni | 2006 | ||
| Nepal | 28. Dezember | 1962 | 27. Januar | 1963 | ||
| Niederlande**a | 18. Februar | 1966 | 20. März | 1966 | ||
| Nigeria | 26. Juni | 1961 | 30. September | 1962 | ||
| Österreich | 10. Januar | 1974 | 9. Februar | 1974 | ||
| Polen* | 29. Juni | 1962 | 30. September | 1962 | ||
| Portugal** | 8. Januar | 1963 | 7. Februar | 1963 | ||
| Rumänien* | 12. Dezember | 1961 | 30. September | 1962 | ||
| Russland* | 6. Juli | 1992 | 25. Juni | 1991 | ||
| Salomoninseln | 3. September | 1981 | 7. Juli | 1978 | ||
| Schweiz | 18. Mai | 1966 | 17. Juni | 1966 | ||
| Senegal | 25. April | 1961 B | 30. September | 1962 | ||
| Serbien | 12. März | 2001 N | 27. April | 1992 | ||
| Sierra Leone | 13. März | 1962 | 30. September | 1962 | ||
| Slowakei* | 28. Mai | 1993 N | 1. Januar | 1993 | ||
| Slowenien | 6. Juli | 1992 N | 25. Juni | 1991 | ||
| Spanien* | 25. Februar | 1971 B | 27. März | 1971 | ||
| Südafrika | 9. April | 1963 B | 9. Mai | 1963 | ||
| Swasiland | 16. Oktober | 1970 B | 15. November | 1970 | ||
| Thailand** | 2. Juli | 1968 | 1. August | 1968 | ||
| Tonga | 29. Juni | 1971 | 4. Juni | 1971 | ||
| Trinidad und Tobago | 11. April | 1966 | 30. September | 1962 | ||
| Tschechische Republik* | 22. Februar | 1993 N | 1. Januar | 1993 | ||
| Uganda | 14. September | 1964 B | 14. Oktober | 1964 | ||
| Ukraine* | 12. Januar | 1961 | 30. September | 1962 | ||
| Ungarn* | 6. Dezember | 1961 | 30. September | 1962 | ||
| Venezuela | 15. August | 1961 | 30. September | 1962 | ||
| Vereinigte Staaten** | 12. April | 1961 | 30. September | 1962 | ||
| Vereinigtes Königreich* ** | 14. März | 1960 | 30. September | 1962 | ||
| Zentralafrikanische Republik | 15. Oktober | 1962 B | 14. November | 1962 | ||
| Zypern | 23. Mai | 1988 B | 22. Juni | 1988 | ||
| * | Vorbehalte und Erklärungen. | |||||
| ** | Einwendungen. | |||||
| Die Vorbehalte, Erklärungen und Einwendungen werden in der AS nicht veröffentlicht. Die französischen und englischen Texte können auf der Internetseite der Vereinten Nationen: http://untreaty.un.org/ eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern, bezogen werden. | ||||||
| a | Gilt nur für das Königreich in Europa. |
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