0.790.2•Übereinkommen über die völkerrechtliche Haftung für Schäden durch Weltraumgegenstände
0.790.2Multilateral International Treaty22.01.1974
Abgeschlossen in London, Moskau und Washington am 29. März 1972
Von der Bundesversammlung genehmigt am 26. November 19731
Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 22. Januar 1974
In Kraft getreten für die Schweiz am 22. Januar 1974
(Stand am 14. Juli 2023)
Die Vertragsstaaten,
in Anerkennung des gemeinsamen Interesses der gesamten Menschheit an der Förderung der Erforschung und Nutzung des Weltraums zu friedlichen Zwecken;
eingedenk des Vertrags2über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschliesslich des Mondes und anderer Himmelskörper;
unter Berücksichtigung dessen, dass trotz der von den mit dem Start von Weltraumgegenständen befassten Staaten und internationalen zwischenstaatlichen Organisationen zu treffenden Vorsichtsmassnahmen gelegentlich Schäden durch derartige Gegenstände verursacht werden können;
in Erkenntnis der Notwendigkeit, wirksame völkerrechtliche Regeln und Verfahren hinsichtlich der Haftung für durch Weltraumgegenstände verursachte Schäden zu erarbeiten und insbesondere die rasche Leistung eines vollständigen und angemessenen Schadensersatzes nach diesem Übereinkommen an die Geschädigten sicherzustellen;
in der Überzeugung, dass die Schaffung solcher Regeln und Verfahren zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Erforschung und Nutzung des Weltraums zu friedlichen Zwecken beitragen wird,
sind wie folgt übereingekommen:
Im Sinne dieses Übereinkommens
ii) einen Staat, von dessen Hoheitsgebiet oder Anlagen ein Weltraumgegenstand gestartet wird;
d) umfasst der Ausdruck «Weltraumgegenstand» die Bestandteile eines Weltraumgegenstands sowie sein Trägerfahrzeug und dessen Teile.
Ein Startstaat haftet unbedingt für die Leistung von Schadenersatz wegen eines von seinem Weltraumgegenstand auf der Erdoberfläche oder an Luftfahrzeugen im Flug verursachten Schadens.
Verursacht ein Weltraumgegenstand eines Startstaats anderswo als auf der Erdoberfläche einen Schaden an einem Weltraumgegenstand eines anderen Startstaats oder einen Personen‑ oder Sachschaden an Bord eines solchen Weltraumgegenstands, so haftet der erstgenannte Staat nur, wenn der Schaden von ihm oder von Personen verschuldet wurde, für die er verantwortlich ist.
Dieses Übereinkommen findet keine Anwendung auf Schäden, die durch einen Weltraumgegenstand eines Startstaats folgenden Personen zugefügt werden:
Schadenersatzansprüche gegen einen Startstaat sind auf diplomatischem Wege geltend zu machen. Unterhält ein Staat zu dem betreffenden Startstaat keine diplomatischen Beziehungen, so kann er einen anderen Staat ersuchen, seinen Anspruch gegen den betreffenden Startstaat geltend zu machen oder seine Interessen nach diesem Übereinkommen in sonstiger Weise zu vertreten. Er kann seinen Anspruch auch durch den Generalsekretär der Vereinten Nationen geltend machen, sofern sowohl der anspruchstellende Staat als auch der Startstaat Mitglied der Vereinten Nationen sind.
Die Höhe des Schadenersatzes, den der Startstaat nach diesem Übereinkommen zu leisten verpflichtet ist, wird in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht und den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Billigkeit so festgesetzt, dass durch die Ersatzleistung die natürliche oder juristische Person, der Staat oder die internationale Organisation, für die der Anspruch geltend gemacht wird, so gestellt wird, als sei der Schaden nicht eingetreten.
Sofern nicht der anspruchstellende Staat und der Staat, der nach diesem Übereinkommen schadenersatzpflichtig ist, eine andere Art der Ersatzleistung vereinbaren, ist der Schadenersatz in der Währung des anspruchstellenden Staates oder auf dessen Verlangen in der Währung des schadenersatzpflichtigen Staates zu leisten.
Kommt innerhalb eines Jahres, nachdem der anspruchstellende Staat dem Startstaat notifiziert hat, dass er die Unterlagen für seinen Anspruch vorgelegt hat, eine Regelung des Anspruchs durch diplomatische Verhandlungen nach Artikel IX nicht zustande, so setzen die beteiligten Parteien auf Antrag einer der Parteien eine Schadenskommission ein.
Die Zahl der Mitglieder der Schadenskommission erhöht sich nicht dadurch, dass zwei oder mehr anspruchstellende Staaten oder zwei oder mehr Startstaaten an einem Verfahren vor der Kommission beteiligt sind. Die an einem solchen Verfahren beteiligten anspruchstellenden Staaten bestellen in derselben Weise und unter denselben Bedingungen, die für einen einzeln auftretenden anspruchstellenden Staat gelten, gemeinsam ein Kommissionsmitglied. Sind zwei oder mehr Startstaaten an einem solchen Verfahren beteiligt, so bestellen sie in derselben Weise gemeinsam ein Kommissionsmitglied. Bestellen die anspruchstellenden Staaten oder die Startstaaten ihr Mitglied nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist, so besteht die Kommission nur aus dem Vorsitzenden.
Die Schadenskommission entscheidet über den Schadenersatzanspruch dem Grunde nach und setzt gegebenenfalls die Höhe des zu leistenden Schadenersatzes fest.
Die Kosten der Schadenskommission werden von den Parteien zu gleichen Teilen getragen, sofern die Kommission nicht etwas anderes beschliesst.
Stellt der von einem Weltraumgegenstand verursachte Schaden eine Gefahr grossen Ausmasses für Menschenleben dar oder beeinträchtigt er ernsthaft die Lebensbedingungen der Bevölkerung oder das Funktionieren lebenswichtiger Zentren, so prüfen die Vertragsstaaten, insbesondere der Startstaat, die Möglichkeit, dem geschädigten Staat auf sein Ersuchen angemessene und rasche Hilfe zu leisten. Dieser Artikel berührt jedoch nicht die Rechte und Pflichten der Vertragsstaaten aus diesem Übereinkommen.
4. Schadenersatzansprüche nach diesem Übereinkommen wegen Schäden, die einer Organisation entstanden sind, die eine Erklärung nach Absatz 1 abgegeben hat, sind von einem Mitgliedstaat der Organisation geltend zu machen, der Vertragsstaat dieses Übereinkommens ist.
Jeder Vertragsstaat kann Änderungen dieses Übereinkommens vorschlagen. Änderungen treten für jeden Vertragsstaat, der sie annimmt, in Kraft, sobald die Mehrheit der Vertragsstaaten sie angenommen hat; für jeden weiteren Vertragsstaat treten sie mit der Annahme durch diesen in Kraft.
Zehn Jahre nach Inkrafttreten dieses Übereinkommens wird die Frage der Oberprüfung des Übereinkommens auf die vorläufige Tagesordnung der Generalversammlung der Vereinten Nationen gesetzt, um angesichts der Anwendung des Übereinkommens bis zu diesem Zeitpunkt zu prüfen, ob es einer Revision bedarf. Nachdem das Übereinkommen fünf Jahre in Kraft gewesen ist, wird jedoch auf Antrag eines Drittels der Vertragsstaaten und mit Zustimmung der Mehrheit der Vertragsstaaten eine Konferenz der Vertragsstaaten zur Überprüfung dieses Übereinkommens einberufen.
Jeder Vertragsstaat kann von diesem Übereinkommen ein Jahr nach dessen Inkrafttreten durch eine schriftliche, an die Depositarregierungen gerichtete Notifikation zurücktreten. Der Rücktritt wird ein Jahr nach Eingang dieser Notifikation wirksam.
Dieses Übereinkommen, dessen englischer, russischer, französischer, spanischer und chinesischer Wortlaut gleichermassen verbindlich ist, wird in den Archiven der Depositarregierungen hinterlegt. Beglaubigte Abschriften dieses Übereinkommens werden den Regierungen der Staaten, die es unterzeichnen oder ihm beitreten, von den Depositarregierungen zugeleitet.
Zu Urkund dessen haben die hierzu gehörig befugten Unterzeichneten dieses Übereinkommen unterschrieben.Geschehen zu London, Moskau und Washington am 29. März 1972 in drei Urschriften.(Es folgen die Unterschriften)
| Vertragsstaaten | Ratifikation Beitritt (B) Nachfolgeerklärung (N) | Inkrafttreten | ||
|---|---|---|---|---|
| Algerien | 17. Oktober | 2006 | 17. Oktober | 2006 |
| Antigua und Barbuda | 26. Dezember | 1988 N | 1. November | 1981 |
| Argentinien | 14. November | 1986 | 14. November | 1986 |
| Armenien | 28. März | 2018 B | 28. März | 2018 |
| Australien | 20. Januar | 1975 B | 20. Januar | 1975 |
| Bahrain | 28. August | 2019 B | 28. August | 2019 |
| Belarus | 27. Dezember | 1973 | 27. Dezember | 1973 |
| Belgien | 13. August | 1976 | 13. August | 1976 |
| Benin | 25. April | 1975 | 25. April | 1975 |
| Bosnien und Herzegowina | 15. August | 1994 N | 6. März | 1992 |
| Botsuana | 11. März | 1974 | 11. März | 1974 |
| Brasilien | 9. März | 1973 | 9. März | 1973 |
| Bulgarien | 16. Mai | 1972 | 1. September | 1972 |
| Chile | 1. Dezember | 1976 B | 1. Dezember | 1976 |
| China* | 20. Dezember | 1988 B | 20. Dezember | 1988 |
| Hongkong | 3. Juni | 1997 | 1. Juli | 1997 |
| Dänemark* | 1. April | 1977 | 1. April | 1977 |
| Deutschland | 18. Dezember | 1975 B | 18. Dezember | 1975 |
| Dominikanische Republik | 23. Februar | 1973 | 23. Februar | 1973 |
| Ecuador | 17. August | 1972 | 1. September | 1972 |
| El Salvador | 5. Juli | 2016 | 5. Juli | 2016 |
| EUMETSAT | 29. September | 2005 | 29. September | 2005 |
| Europäische Fernmeldesatelliten-organisation (EUTELSAT) | 30. November | 1987 | 30. November | 1987 |
| Europäische Weltraumorganisation (ESA) | 23. September | 1976 B | 23. September | 1976 |
| Fidschi | 4. April | 1973 B | 4. April | 1973 |
| Finnland* | 1. Februar | 1977 | 1. Februar | 1977 |
| Frankreich | 31. Dezember | 1975 B | 31. Dezember | 1975 |
| Gabun | 5. Februar | 1982 B | 5. Februar | 1982 |
| Griechenland | 27. April | 1977 | 27. April | 1977 |
| Indien | 9. Juli | 1979 B | 9. Juli | 1979 |
| Indonesien | 18. Juni | 1996 B | 18. Juni | 1996 |
| Irak | 4. Oktober | 1972 B | 4. Oktober | 1972 |
| Iran | 13. Februar | 1974 | 13. Februar | 1974 |
| Irland* | 29. Juni | 1972 | 1. September | 1972 |
| Israel | 21. Juni | 1977 B | 21. Juni | 1977 |
| Italien | 22. Februar | 1983 | 22. Februar | 1983 |
| Japan | 20. Juni | 1983 B | 20. Juni | 1983 |
| Kanada* | 20. Februar | 1975 B | 20. Februar | 1975 |
| Kasachstan | 11. Juli | 1998 B | 11. Juli | 1998 |
| Katar | 11. Januar | 1974 B | 11. Januar | 1974 |
| Kenia | 25. September | 1975 B | 25. September | 1975 |
| Kolumbien | 2. Juli | 2014 | 2. Juli | 2014 |
| Korea (Nord-) | 24. Februar | 2016 B | 24. Februar | 2016 |
| Korea (Süd-)* | 14. Januar | 1980 | 14. Januar | 1980 |
| Kuba | 25. November | 1982 B | 25. November | 1982 |
| Kuwait* | 30. Oktober | 1972 | 30. Oktober | 1972 |
| Laos | 20. März | 1973 | 20. März | 1973 |
| Libanon | 23. Mai | 2006 | 23. Mai | 2006 |
| Libyen | 20. April | 2010 B | 20. April | 2010 |
| Liechtenstein | 24. Dezember | 1979 B | 24. Dezember | 1979 |
| Litauen | 25. März | 2013 B | 25. März | 2013 |
| Luxemburg | 18. Oktober | 1983 | 18. Oktober | 1983 |
| Mali | 9. Juni | 1972 | 1. September | 1972 |
| Malta | 13. Januar | 1978 B | 13. Januar | 1978 |
| Marokko | 15. März | 1983 | 15. März | 1983 |
| Mexiko | 8. April | 1974 | 8. April | 1974 |
| Mongolei | 5. September | 1972 | 5. September | 1972 |
| Montenegro | 9. Januar | 2007 N | 3. Juni | 2006 |
| Neuseeland* | 30. Oktober | 1974 | 30. Oktober | 1974 |
| Nicaragua | 30. Juni | 2017 | 30. Juni | 2017 |
| Niederlande | 17. Februar | 1981 B | 17. Februar | 1981 |
| Aruba | 17. Februar | 1981 | 17. Februar | 1981 |
| Curaçao | 17. Februar | 1981 | 17. Februar | 1981 |
| Karibische Gebiete (Bonaire, Sint Eustatius und Saba) | 17. Februar | 1981 | 17. Februar | 1981 |
| Sint Maarten | 17. Februar | 1981 | 17. Februar | 1981 |
| Niger | 1. September | 1972 | 1. September | 1972 |
| Nigeria | 21. Dezember | 2005 B | 21. Dezember | 2005 |
| Norwegen | 3. April | 1995 | 3. April | 1995 |
| Oman | 4. Februar | 2022 | 4. Februar | 2022 |
| Österreich* | 10. Januar | 1980 | 10. Januar | 1980 |
| Pakistan | 4. April | 1973 | 4. April | 1973 |
| Panama | 5. Juni | 1974 | 5. Juni | 1974 |
| Papua-Neuguinea | 27. Oktober | 1980 N | 16. September | 1975 |
| Paraguay | 11. Juli | 2023 B | 11. Juli | 2023 |
| Peru | 6. November | 2002 | 6. November | 2002 |
| Polen | 25. Januar | 1973 | 25. Januar | 1973 |
| Portugal | 27. Juni | 2019 B | 27. Juni | 2019 |
| Rumänien | 5. März | 1980 | 5. März | 1980 |
| Russland** | 9. Oktober | 1973 | 9. Oktober | 1973 |
| Sambia | 20. August | 1973 B | 20. August | 1973 |
| Saudi-Arabien | 17. Dezember | 1976 B | 17. Dezember | 1976 |
| Schweden* | 14. Juni | 1976 B | 14. Juni | 1976 |
| Schweiz | 22. Januar | 1974 | 22. Januar | 1974 |
| Senegal | 26. März | 1975 | 26. März | 1975 |
| Serbien | 20. Oktober | 1975 B | 20. Oktober | 1975 |
| Seychellen | 5. Januar | 1978 B | 5. Januar | 1978 |
| Singapur | 19. August | 1975 | 19. August | 1975 |
| Slowakei | 7. April | 2006 N | 1. Januar | 1993 |
| Slowenien | 27. Mai | 1992 N | 25. Juni | 1991 |
| Spanien | 2. Januar | 1980 | 2. Januar | 1980 |
| Sri Lanka | 9. April | 1973 B | 9. April | 1973 |
| St. Vincent und die Grenadinen | 13. Mai | 1999 B | 13. Mai | 1999 |
| Südafrika | 14. Dezember | 2011 | 14. Dezember | 2011 |
| Syrien | 6. Februar | 1980 B | 6. Februar | 1980 |
| Togo | 26. April | 1976 | 26. April | 1976 |
| Trinidad und Tobago | 8. Februar | 1980 B | 8. Februar | 1980 |
| Tschechische Republik | 24. September | 1993 N | 1. Januar | 1993 |
| Tunesien | 18. Mai | 1973 | 18. Mai | 1973 |
| Türkei* | 15. Februar | 2007 B | 15. Februar | 2007 |
| Ukraine | 16. Oktober | 1973 | 16. Oktober | 1973 |
| Ungarn | 27. Dezember | 1972 | 27. Dezember | 1972 |
| Uruguay | 7. Januar | 1977 B | 7. Januar | 1977 |
| Venezuela | 1. August | 1978 | 1. August | 1978 |
| Vereinigte Arabische Emirate | 4. Oktober | 2000 B | 4. Oktober | 2000 |
| Vereinigte Staaten | 9. Oktober | 1973 | 9. Oktober | 1973 |
| Vereinigtes Königreich* | 9. Oktober | 1973 | 9. Oktober | 1973 |
| Anguilla | 9. Oktober | 1973 B | 9. Oktober | 1973 |
| Gebiete unter territorialer Souveräntiät des Vereinigten Königreichs | 9. Oktober | 1973 | 9. Oktober | 1973 |
| Zypern | 15. Mai | 1973 | 15. Mai | 1973 |
| * Vorbehalte und Erklärungen. ** Einwendungen. Die Vorbehalte, Erklärungen und Einwendungen werden in der AS nicht veröffentlicht. Die französischen und englischen Texte können auf der Internetseite des Europarates:www.coe.int> Deutsch > Mehr > Vertragsbüro > Gesamtverzeichnis eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern, bezogen werden. |
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