0.822.725.0•Übereinkommen Nr. 150 über die Arbeitsverwaltung: Rolle, Aufgaben, Aufbau
0.822.725.0Multilateral International Treaty03.03.1982
Abgeschlossen in Genf am 26. Juni 1978
Von der Bundesversammlung genehmigt am 16. Dezember 19801
Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 3. März 1981
In Kraft getreten für die Schweiz am 3. März 1982
(Stand am 29. April 2025)
Die Allgemeine Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation,
die vom Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes nach Genf einberufen wurde und am 7. Juni 1978 zu ihrer vierundsechzigsten Tagung zusammengetreten ist,
verweist auf die Bestimmungen bestehender internationaler Arbeitsübereinkommen und Empfehlungen, insbesondere des Übereinkommens über die Arbeitsaufsicht, 1947,2des Übereinkommens über die Arbeitsaufsicht (Landwirtschaft), 1969, und des Übereinkommens über die Arbeitsmarktverwaltung, 1948,3in denen die Wahrnehmung bestimmter Aufgaben der Arbeitsverwaltung gefordert wird;
hält es für wünschenswert, dass Urkunden angenommen werden, die Richtlinien für das Gesamtsystem der Arbeitsverwaltung festlegen;
verweist auf die Bestimmungen des Übereinkommens über die Beschäftigungspolitik, 1964, und des Übereinkommens über die Erschliessung des Arbeitskräftepotentials, 1975; verweist ferner auf das Ziel der Schaffung einer vollen und angemessen entlohnten Beschäftigung und bekräftigt die Notwendigkeit von Programmen der Arbeitsverwaltung, die es ermöglichen, auf dieses Ziel hinzuarbeiten und die in den genannten Übereinkommen dargelegten Ziele zu verwirklichen;
erkennt die Notwendigkeit an, die Unabhängigkeit der Verbände der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer voll zu wahren, und verweist in diesem Zusammenhang auf die Bestimmungen bestehender internationaler Arbeitsübereinkommen und Empfehlungen, die die Vereinigungsfreiheit, das Vereinigungsrecht und das Recht zu Kollektivverhandlungen gewährleisten – insbesondere das Übereinkommen über die Vereinigungsfreiheit und den Schutz des Vereinigungsrechtes, 1948,4und das Übereinkommen über das Vereinigungsrecht und das Recht zu Kollektivverhandlungen, 19495– und die jede Einmischung der Behörden untersagen, durch die diese Rechte beschränkt würden oder ihre rechtmässige Ausübung behindert würde, und ist der Auffassung, dass den Verbänden der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer bei der Erreichung der Ziele des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Fortschritts eine wesentliche Rolle zufällt;
hat beschlossen, verschiedene Anträge anzunehmen betreffend die Arbeitsverwaltung: Aufgaben, Befugnisse, Aufbau, eine Frage, die den vierten Gegenstand ihrer Tagesordnung bildet, und
dabei bestimmt, dass diese Anträge die Form eines internationalen Übereinkommens erhalten sollen.
Die Konferenz nimmt heute, am 26. Juni 1978, das folgende Übereinkommen an, das als Übereinkommen über die Arbeitsverwaltung, 1978, bezeichnet wird.
Im Sinne dieses Übereinkommens:
Jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert, kann gemäss der innerstaatlichen Gesetzgebung oder Praxis bestimmte Tätigkeiten der Arbeitsverwaltung nichtstaatlichen Organisationen, insbesondere Verbänden der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer – oder gegebenenfalls Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer – übertragen oder anvertrauen.
Jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert, kann bestimmte Tätigkeiten auf dem Gebiet der innerstaatlichen Arbeitspolitik als Angelegenheiten betrachten, die gemäss der innerstaatlichen Gesetzgebung oder Praxis durch direkte Verhandlungen zwischen den Verbänden der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer geregelt werden.
Jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert, hat in einer den innerstaatlichen Verhältnissen entsprechenden Weise dafür zu sorgen, dass in seinem Gebiet ein System der Arbeitsverwaltung eingerichtet wird und wirksam funktioniert und dass die ihm zugewiesenen Aufgaben und Verantwortlichkeiten ordnungsgemäss koordiniert werden.
Falls die innerstaatlichen Verhältnisse es zur Befriedigung der Bedürfnisse der grösstmöglichen Zahl von Arbeitnehmern erfordern und soweit solche Tätigkeiten noch nicht erfasst sind, hat jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert, die Ausdehnung der Aufgaben des Systems der Arbeitsverwaltung – nötigenfalls stufenweise – auf Tätigkeiten zu fördern, die in Zusammenarbeit mit anderen zuständigen Stellen durchzuführen sind und die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsleben von Erwerbstätigengruppen betreffen, die rechtlich nicht als abhängig Beschäftigte gelten, wie z. B.:
Soweit dies mit der innerstaatlichen Gesetzgebung und Praxis vereinbar ist, haben die zuständigen Stellen innerhalb des Systems der Arbeitsverwaltung an der Ausarbeitung der staatlichen Politik auf dem Gebiet der internationalen Arbeitsangelegenheiten und an der Vertretung des Staates in diesen Angelegenheiten mitzuwirken und zur Vorbereitung der auf innerstaatlicher Ebene in diesem Bereich zu treffenden Massnahmen beizutragen.
Im Hinblick auf eine angemessene Koordinierung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Systems der Arbeitsverwaltung in der durch die innerstaatliche Gesetzgebung oder Praxis bestimmten Weise muss das Arbeitsministerium oder eine andere vergleichbare Stelle über die Mittel verfügen, um feststellen zu können, ob halbstaatliche Stellen, die für bestimmte Tätigkeiten der Arbeitsverwaltung zuständig sind, und regionale oder lokale Stellen, denen solche Tätigkeiten übertragen worden sind, im Einklang mit der innerstaatlichen Gesetzgebung handeln und die ihnen gesetzten Ziele beachten.
Die förmlichen Ratifikationen dieses Übereinkommens sind dem Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes zur Eintragung mitzuteilen.
Der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes übermittelt dem Generalsekretär der Vereinten Nationen zwecks Eintragung nach Artikel 102 der Charta der Vereinten Nationen6vollständige Auskünfte über alle von ihm nach Massgabe der vorausgehenden Artikel eingetragenen Ratifikationen und Kündigungen.
Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hat, so oft er es für nötig erachtet, der Allgemeinen Konferenz einen Bericht über die Durchführung dieses Übereinkommens zu erstatten und zu prüfen, ob die Frage seiner gänzlichen oder teilweisen Abänderung auf die Tagesordnung der Konferenz gesetzt werden soll.
Der französische und der englische Wortlaut dieses Übereinkommens sind in gleicher Weise massgebend.
| Vertragsstaaten | Ratifikation Nachfolgeerklärung (N) | Inkrafttreten | ||
|---|---|---|---|---|
| Ägypten | 5. Dezember | 1991 | 5. Dezember | 1992 |
| Albanien | 24. Juli | 2002 | 24. Juli | 2003 |
| Algerien | 26. Januar | 1984 | 26. Januar | 1985 |
| Antigua und Barbuda | 16. September | 2002 | 16. September | 2003 |
| Argentinien | 20. Februar | 2004 | 20. Februar | 2005 |
| Armenien | 18. Mai | 2005 | 18. Mai | 2006 |
| Australiena | 10. September | 1985 | 10. September | 1986 |
| Belarus | 15. September | 1993 | 15. September | 1994 |
| Belgien | 21. Oktober | 2011 | 21. Oktober | 2012 |
| Belize | 6. März | 2000 | 6. März | 2001 |
| Benin | 11. Juni | 2001 | 11. Juni | 2002 |
| Burkina Faso | 3. April | 1980 | 3. April | 1981 |
| China | 7. März | 2002 | 7. März | 2003 |
| Hongkongbc | 6. Juni | 1997 | 1. Juli | 1997 |
| Macaud | 7. März | 2003 | 7. März | 2003 |
| Costa Rica | 25. September | 1984 | 25. September | 1985 |
| Côte d’Ivoire | 1. April | 2016 | 1. April | 2017 |
| Dänemark | 5. Juni | 1981 | 5. Juni | 1982 |
| Deutschland | 26. Februar | 1981 | 26. Februar | 1982 |
| Dominica | 26. Juli | 2004 | 26. Juli | 2005 |
| Dominikanische Republik | 15. Juni | 1999 | 15. Juni | 2000 |
| El Salvador | 2. Februar | 2001 | 2. Februar | 2002 |
| Finnland | 25. Februar | 1980 | 25. Februar | 1981 |
| Gabun | 11. Oktober | 1979 | 11. Oktober | 1980 |
| Ghana | 27. Mai | 1986 | 27. Mai | 1987 |
| Griechenland | 31. Juli | 1985 | 31. Juli | 1986 |
| Guinea | 8. Juni | 1982 | 8. Juni | 1983 |
| Guyana | 10. Januar | 1983 N | 10. Januar | 1983 |
| Irak | 10. Juli | 1980 | 10. Juli | 1981 |
| Israel | 7. Dezember | 1979 | 7. Dezember | 1980 |
| Italien | 28. Februar | 1985 | 28. Februar | 1986 |
| Jamaika | 4. Juni | 1984 | 4. Juni | 1985 |
| Jordanien | 10. Juli | 2003 | 10. Juli | 2004 |
| Kambodscha | 23. August | 1999 | 23. August | 2000 |
| Kirgisistan | 22. Dezember | 2003 | 22. Dezember | 2004 |
| Kongo (Brazzaville) | 24. Juni | 1986 | 24. Juni | 1987 |
| Kongo (Kinshasa) | 3. April | 1987 | 3. April | 1988 |
| Korea (Süd-) | 8. Dezember | 1997 | 8. Dezember | 1998 |
| Kuba | 29. Dezember | 1980 | 29. Dezember | 1981 |
| Lesotho | 14. Juni | 2001 | 14. Juni | 2002 |
| Lettland | 8. März | 1993 | 8. März | 1994 |
| Libanon | 4. April | 2005 | 4. April | 2006 |
| Liberia | 2. Juni | 2003 | 2. Juni | 2004 |
| Luxemburg | 21. März | 2001 | 21. März | 2002 |
| Malawi | 19. November | 1999 | 19. November | 2000 |
| Mali | 23. Januar | 2008 | 23. Januar | 2009 |
| Marokko | 3. April | 2009 | 3. April | 2010 |
| Mauritius | 5. April | 2004 | 5. April | 2005 |
| Mexiko | 10. Februar | 1982 | 10. Februar | 1983 |
| Moldau | 10. November | 2006 | 10. November | 2007 |
| Namibia | 28. Juni | 1996 | 28. Juni | 1997 |
| Niederlande | 8. August | 1980 | 8. August | 1981 |
| Niger | 29. Juni | 2015 | 29. Juni | 2016 |
| Nordmazedonien | 22. Juli | 2013 | 22. Juli | 2014 |
| Norwegen | 19. März | 1980 | 19. März | 1981 |
| Portugal* | 9. Januar | 1981 | 9. Januar | 1982 |
| Ruanda | 16. Mai | 2019 | 16. Mai | 2020 |
| Rumänien | 4. November | 2008 | 4. November | 2009 |
| Russland | 2. Juli | 1998 | 2. Juli | 1999 |
| Sambia | 19. August | 1980 | 19. August | 1981 |
| San Marino | 19. April | 1988 | 19. April | 1989 |
| Schweden | 11. Juni | 1979 | 11. Oktober | 1980 |
| Schweiz | 3. März | 1981 | 3. März | 1982 |
| Serbien | 15. März | 2013 | 15. März | 2014 |
| Seychellen | 23. November | 1999 | 23. November | 2000 |
| Sierra Leone | 25. August | 2021 | 25. August | 2022 |
| Simbabwe | 27. August | 1998 | 27. August | 1999 |
| Spanien | 3. März | 1982 | 3. März | 1983 |
| Suriname | 29. September | 1981 | 29. September | 1982 |
| Togo | 30. März | 2012 | 30. März | 2013 |
| Trinidad und Tobago | 17. August | 2007 | 17. August | 2008 |
| Tschechische Republik | 9. Oktober | 2000 | 9. Oktober | 2001 |
| Tunesien | 23. Mai | 1988 | 23. Mai | 1989 |
| Ukraine | 10. November | 2004 | 10. November | 2005 |
| Uruguay | 19. Juni | 1989 | 19. Juni | 1990 |
| Venezuela | 17. August | 1983 | 17. August | 1984 |
| Vereinigte Staaten | 3. März | 1995 | 3. März | 1996 |
| Vereinigtes Königreich* | 19. März | 1980 | 19. März | 1981 |
| Gibraltar | 11. August | 1980 | 11. August | 1980 |
| Guernsey | 12. Mai | 1981 | 12. Mai | 1981 |
| Insel Man | 12. Mai | 1981 | 12. Mai | 1981 |
| St. Helena | 11. August | 1980 | 11. August | 1980 |
| Zentralafrikanische Republik | 5. Juni | 2006 | 5. Juni | 2007 |
| Zypern | 6. Juli | 1981 | 6. Juli | 1982 |
| * Vorbehalte und Erklärungen. Die Vorbehalte und Erklärungen werden in der AS nicht veröffentlicht. Die französischen und englischen Texte können auf der Internetseite der Internationalen Arbeitsorganisation:www.ilo.org> Français > Normes du travail > NORMLEX > Instruments > Conventions et recommandations à jour eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern, bezogen werden. | ||||
| a Das Übereink. gilt nicht für die Norfolk Insel. | ||||
| b Mit Abweichungen anwendbar. | ||||
| c Vom 30. März 1981 bis zum 30. Juni 1997 war das Übereink. auf Grund einer Ausdehnungserklärung des Vereinigten Königreichs in Hongkong anwendbar. Seit dem 1. Juli 1997 bildet Hongkong eine Besondere Verwaltungsregion (SAR) der Volksrepublik China. Auf Grund der chinesischen Erklärung vom 6. Juni 1997 ist das Übereink. seit dem 1. Juli 1997 auch in der SAR Hongkong anwendbar. | ||||
| d Vom 13. Sept. 1999 bis zum 19. Dez. 1999 war das Übereink. auf Grund einer Ausdehnungserklärung Portugals in Macau anwendbar. Seit dem 20. Dez. 1999 bildet Macau eine Besondere Verwaltungsregion (SAR) der Volksrepublik China. Auf Grund der chinesischen Erklärung vom 7. März 2003 ist das Übereink. seit dem 7. März 2003 auch in der SAR Macau anwendbar. |
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