Appeal struck off as moot after withdrawal of building application

1C_304/2013Federal Supreme Court / Public Law Division ISep 5, 2013Dismissed

Extracted by Omnilex

Omnilex summary

Helvetia Nostra appealed against a cantonal decision that had upheld a municipal building permit and rejected its objection. After the respondent withdrew the building application, the Federal Supreme Court held the appeal to be moot and struck it off. It imposed the reduced federal costs of CHF 300 on the respondent, upheld the cantonal costs of CHF 1,033 against the respondent, denied party compensation to both the appellant and the municipality, and remitted the file to the municipality only for the remaining issue of municipal procedural costs.

Omnilex headnote

Art. 32 Abs. 2 BGG, Art. 66 BGG, Art. 68 Abs. 4 BGG; becomes moot due to withdrawal of the contested building application: where the object of the dispute lapses during the federal proceedings, the appeal is struck off as moot. Procedural costs are allocated to the party that caused the proceedings to become moot; if the withdrawal occurs at an early stage, the federal fee may be reduced analogically. No party compensation is due to an unrepresented appellant or to a municipality acting in its official capacity. If the basis of the lower-court decision has changed, the Federal Supreme Court may redetermine the cost allocation itself and remit only the residual municipal cost question (consid. 2-3).

Full text

{T 0/2}

1C_304/2013

Urteil vom 5. September 2013

I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,
Bundesrichter Aemisegger, Merkli,
Gerichtsschreiber Bopp.

Verfahrensbeteiligte
Helvetia Nostra,
Beschwerdeführerin,

gegen

Erbengemeinschaft X.________,
Beschwerdegegnerin,

Gemeinde Vaz/Obervaz.

Gegenstand
Baueinsprache,

Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden, 5. Kammer,
vom 19. Februar 2013.

Erwägungen:

1.

Die Helvetia Nostra erhob gegen ein von der Erbengemeinschaft X.________ am 17. Oktober 2012 eingereichtes Baugesuch Einsprache. Die Gemeinde Vaz/Obervaz bewilligte das Bauvorhaben am 20. Dezember 2012 unter Auflagen und trat gleichzeitig auf die Einsprache nicht ein. Dagegen wandte sich die Helvetia Nostra mit einer Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Dieses trat mit Urteil vom 19. Februar 2013 auf die Beschwerde nicht ein und auferlegte die auf Fr. 1'033.-- bestimmten Gerichtskosten der Beschwerdeführerin. Gegen das verwaltungsgerichtliche Urteil gelangte die Helvetia Nostra mit Beschwerde vom 18. März 2013 ans Bundesgericht.

Gemäss Schreiben vom 22. Juli 2013 hat die Beschwerdegegnerin ihr Baugesuch zurückgezogen.

2.

2.1. Durch den Rückzug des Baugesuchs ist die vorliegende Beschwerde gegenstandslos geworden. Sie ist daher als erledigt abzuschreiben (Art. 32 Abs. 2 BGG), wobei mit summarischer Begründung über die Prozesskosten zu entscheiden ist (Art. 72 BZP in Verbindung mit Art. 71 BGG).

Die Beschwerdegegnerin hält im Hinblick darauf dafür, sie gehe davon aus, dass sie nun die Kostenfolgen zu tragen habe. Dabei möchte sie aber festhalten, dass sie mit dem Einreichen des Baugesuchs nichts Ungesetzliches getan habe. Es sei unverständlich, wenn sie, die Erbengemeinschaft, nun mit weiteren Kostenfolgen bestraft werde, nachdem sie ja bereits die Fr. 6'750.-- betragende Gebühr für die Baubewilligung bezahlt habe.

2.2. Die Verfahrenskosten werden derjenigen Partei auferlegt, die sie verursacht hat (Art. 66 Abs. 1 und 3 BGG). Demgemäss rechtfertigt es sich, der Beschwerdegegnerin die Kosten der durch den Baugesuchsrückzug gegenstandslos gewordenen Rechtsmittelverfahren aufzuerlegen. Aufgrund des Rückzugs des Baugesuchs in einem frühen Stadium des bundesgerichtlichen Verfahrens sind die diesbezüglichen Kosten indes auf eine reduzierte Gerichtsgebühr von Fr. 300.-- festzusetzen (Art. 66 Abs. 2 BGG analog).

Die Beschwerdeführerin ist nicht anwaltlich vertreten und hat daher praxisgemäss keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.

Ebenso steht der in ihrem amtlichen Wirkungskreis tätigen Gemeinde keine Parteientschädigung zu (Art. 68 Abs. 4 BGG; s. dazu BGE 134 II 117).

3.
Wie ausgeführt, ist das vorliegende Verfahren mit dem Baugesuchsrückzug gegenstandslos geworden.

Durch die am 22. Mai 2013 ergangenen Urteile des Bundesgerichts betreffend Beschwerdebefugnis der Helvetia Nostra und unmittelbare Anwendbarkeit der Art. 75b und 197 Ziff. 9 BV (BGE 139 II 243, 263 und 271) ist die Basis des dem bundesgerichtlichen Verfahren zugrunde liegenden verwaltungsgerichtlichen Urteils vom 19. Februar 2013 und des ursprünglichen kommunalen Entscheids vom 20. Dezember 2012 massgebend verändert worden, was selbstredend Auswirkungen auf deren Kostenregelungen zur Folge hat.

Insoweit ist es angezeigt, dass das Bundesgericht diese Regelung wie schon in früheren Verfahren sogleich selber neu trifft. Nachdem die Beschwerdegegnerin ihr Baugesuch zurückgezogen hat, rechtfertigt es sich, ihr die verwaltungsgerichtlichen Kosten, gemäss Urteil vom 15. Januar 2013 ausmachend Fr. 1'033.--, aus denselben Gründen wie die bundesgerichtlichen Kosten aufzuerlegen. Ebenso steht der Beschwerdeführerin auch für das kantonale Verfahren keine Parteientschädigung zu, da sie auch damals nicht anwaltlich vertreten war.

Auf welche Weise die Gemeinde Vaz/Obervaz den nunmehrigen Abschluss des kommunalen Bauverfahrens im Kostenpunkt gemäss ihren Verfahrenstarifen zu regeln haben wird, lässt sich hier nicht abschätzen. Die Sache geht daher insoweit zurück an die Gemeinde.

Demnach wird erkannt:

1.

Die Beschwerde im Verfahren 1C_304/2013 wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

Es wird festgestellt, dass der am 20. Dezember 2012 ergangene kommunale Baubewilligungs- und Einspracheentscheid und das verwaltungsgerichtliche Urteil vom 19. Februar 2013 gegenstandslos geworden sind. Die Sache geht zurück an die Gemeinde Vaz/Obervaz zur Prüfung der Kostenfrage hinsichtlich des nunmehrigen Abschlusses des kommunalen Verfahrens.

2.

Der Beschwerdegegnerin Erbengemeinschaft X.________ werden die auf Fr. 1'033.-- festgesetzten verwaltungsgerichtlichen Kosten und die bundesgerichtlichen Kosten von Fr. 300.-- auferlegt.

3.

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

4.

Dieses Urteil wird den Parteien, der Gemeinde Vaz/Obervaz und dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden, 5. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 5. September 2013

Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Fonjallaz

Der Gerichtsschreiber: Bopp

Keywords

mootnessbuilding permitcost allocationparty compensationwithdrawalplanning appeal

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the federal appeal became moot after withdrawal of the building application

Extracted holding

The appeal had become moot and had to be written off.

Extracted reasoning

Once the building application was withdrawn, there was no longer a live dispute; the case was therefore to be discontinued as moot.

Key legal question

Allocation of costs in the moot federal proceedings

Extracted holding

The respondent had to bear the federal costs because it caused the proceedings to become moot; the fee was reduced due to the early withdrawal.

Extracted reasoning

Under Art. 66 BGG, costs are borne by the party causing them. Because the application was withdrawn at an early stage, the court reduced the federal fee to CHF 300.

Key legal question

Whether party compensation was owed

Extracted holding

No party compensation was awarded to either the appellant or the municipality.

Extracted reasoning

The appellant was not represented by counsel, and the municipality acted within its official functions.

Key legal question

Whether the cantonal cost allocation had to be revised and remitted to the municipality

Extracted holding

The cantonal costs of CHF 1,033 were imposed on the respondent, and the matter was remitted to the municipality to address the costs of the municipal procedure's closure.

Extracted reasoning

Because the legal basis of the lower decisions had materially changed, the Federal Supreme Court itself redetermined the costs and sent the matter back only for the municipal cost question.

Continue your research in ChatGPT or Claude

Connect Omnilex to search the legal corpus from your AI assistant.