Clarification request under Art. 129 BGG dismissed

2G_2/2014Federal Supreme Court / Public Law Division IIJul 7, 2014Dismissed

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Omnilex summary

X. sought clarification of Federal Supreme Court judgment 2C_455/2013, arguing that it was incomplete and contradictory because it did not expressly address cantonal party compensation and did not cite Art. 68(5) BGG. The Federal Supreme Court held that clarification under Art. 129 BGG cannot be used to seek a substantive reconsideration or a new ruling on the underlying financial consequences. The earlier judgment was sufficiently clear: its dispositive part left the cantonal compensation unchanged, and the reference to Art. 67 BGG did not create an ambiguity. The clarification request was therefore dismissed insofar as entered into, and the applicant was ordered to pay CHF 1,000 in costs.

Omnilex headnote

Art. 129 BGG; clarification is limited to removing genuine ambiguity, incompleteness, contradiction or clerical error in the operative part and may not serve to alter the judgment or reopen the merits. The court may not use clarification to obtain a new assessment of issues already finally decided (consid. 3). A decision remains sufficiently clear when the dispositive part, read as a whole, reveals the intended allocation of costs and compensation; an incomplete statutory reference in the reasoning does not in itself establish a relevant uncertainty if the operative part is unambiguous. Ancillary financial consequences of a successful appeal need not be newly regulated and may be left unchanged absent an express modification order.

Full text

{T 0/2}

2G_2/2014

Urteil vom 7. Juli 2014

II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Zünd, Präsident,
Bundesrichter Seiler,
Bundesrichter Kneubühler,
Gerichtsschreiber Zähndler.

Verfahrensbeteiligte
X.________, Gesuchstellerin,
vertreten durch Prof. Dr. Karl Spühler und Julia Gschwend, Rechtsanwälte,

gegen

Veterinäramt des Kantons Thurgau,
Departement für Inneres und Volkswirtschaft des Kantons Thurgau,
Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau.

Gegenstand
Tierhaltung; Erläuterungs- und Berichtigungsgesuch (Art. 129 BGG),

Erläuterungs- und Berichtigungsgesuch betreffend das Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts 2C_455/2013 vom 31. Januar 2014.

In Erwägung,

dass das Bundesgericht mit Urteil 2C_455/2013 vom 31. Januar 2014 eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau betreffend Hundehaltung guthiess, auf die Erhebung von Gerichtskosten im bundesgerichtlichen Verfahren verzichtete und X.________ für das bundesgerichtliche Verfahren eine reduzierte Parteientschädigung zusprach;

dass es diesen Entscheid im Wesentlichen mit einer neuen, während der Litispendenz beim Bundesgericht eingetretenen Rechtslage begründete, wogegen es die Rechtslage zum Zeitpunkt der Verfahrenseinleitung und des Urteils des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau ausdrücklich als offen bezeichnete;

dass das Bundesgericht in E. 4 des genannten Urteils 2C_455/2013 festhielt, es bestehe aus diesem Grund keine Veranlassung, die Kosten des vorangegangenen Verfahrens (vor Verwaltungsgericht) anders zu verteilen;

dass X.________ mit Eingabe vom 5. März 2014 ein Erläuterungsgesuch gestellt hat;

dass sie das Urteil 2C_455/2013 als unvollständig erachtet, da es sich lediglich zur Frage der vorinstanzlichen Kosten, nicht aber zur Frage der vorinstanzlichen Parteientschädigung äussere, zumal es in Klammern lediglich auf Art. 67 BGG und nicht auch auf Art. 68 Abs. 5 BGG verweise;

dass sie das Urteil 2C_455/2013 aus demselben Grund auch als widersprüchlich erachtet, zumal es den angefochtenen Entscheid des Thurgauer Verwaltungsgerichts einerseits vollständig aufgehoben habe (d.h. auch dessen Kosten- und Entschädigungsregelung), es jedoch andererseits nur betreffend der vorinstanzlichen Gerichtskosten und nicht auch bezüglich der Parteientschädigung im vorinstanzlichen Verfahren eine Ersatzanordnung getroffen habe;

dass die Gesuchstellerin überdies die Ansicht vertritt, das Bundesgericht hätte im Urteil 2C_455/2013 auch die Rechtslage bei Verfahrenseinleitung abschliessend beurteilen müssen, weil dies einen Einfluss auf die finanziellen Nebenfolgen gehabt hätte;

dass das Bundesgericht auf schriftliches Gesuch einer Partei oder von Amtes wegen die Erläuterung vornimmt, wenn das Dispositiv eines bundesgerichtlichen Entscheids unklar, unvollständig oder zweideutig ist, seine Bestimmungen untereinander oder mit der Begründung im Widerspruch stehen oder es Redaktions- oder Rechnungsfehler enthält (Art. 129 BGG);

dass die Erläuterung indes einzig der Hervorhebung des eigentlichen Sinns der betreffenden Entscheidung bezweckt, nicht aber zu deren Änderung dienen darf, weshalb auf sämtliche Gesuche nicht einzutreten ist, welche auf eine Abänderung des Urteils oder auf eine erneute Überprüfung der rechtskräftig erledigten Streitsache abzielen (Urteil 2G_1/2014 vom 1. Mai 2014 E. 3.2 mit Hinweisen);

dass auf das vorliegend zu beurteilende Gesuch deshalb insoweit nicht eingetreten werden kann, als damit eine nachträgliche ergänzende Beurteilung der Frage verlangt wird, wie die im Fall 2C_455/2013 streitig gewesenen Punkte vor der als entscheidend erachteten Rechtsänderung zu beurteilen gewesen wären;

dass das Bundesgericht sodann auch im Falle eines Obsiegens einer beschwerdeführenden Partei nicht dazu verpflichtet ist, die finanziellen Nebenfolgen des angefochtenen Entscheids neu zu regeln;

dass es sie vielmehr auch unverändert belassen kann, was sich - wie im Urteil 2C_455/2013 - durch das Fehlen einer Änderungsanweisung im Urteilsdispositiv äussert;

dass somit aus dem Dispositiv des genannten Urteils klar hervorgeht, dass für das kantonale Verfahren keine Parteientschädigung zugesprochen wurde;

dass die Beschwerdeführerin das Urteil 2C_455/2013 in guten Treuen auch nicht anders verstehen konnte und durfte;

dass die Erkennbarkeit der bundesgerichtlichen Anordnung auch dadurch nicht entscheidend beeinträchtigt wird, dass im Klammerverweis des letzten Satzes von E. 4 des Urteils 2C_455/2013 einzig auf Art. 67 BGG und nicht auch auf Art. 68 Abs. 5 BGG hingewiesen wurde;

dass das Erläuterungsgesuch demnach abzuweisen ist, soweit darauf eingetreten werden kann;

dass die bundesgerichtlichen Kosten im vorliegenden Gesuchsverfahren bei diesem Verfahrensausgang der Gesuchstellerin aufzuerlegen sind,

erkennt das Bundesgericht:

1.

Das Erläuterungsgesuch wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.

Die im vorliegenden Gesuchsverfahren angefallenen bundesgerichtlichen Kosten in Höhe von Fr. 1'000.-- werden der Gesuchstellerin auferlegt.

3.

Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten und dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 7. Juli 2014
Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Zünd

Der Gerichtsschreiber: Zähndler

Keywords

clarification requestoperative partcostsparty compensationincompletenesscontradictionclerical errordog keeping

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the judgment 2C_455/2013 was unclear, incomplete or contradictory so as to justify clarification under Art. 129 BGG.

Extracted holding

The request was admissible only to the extent it sought clarification of the operative part, but it could not be used to obtain a substantive reconsideration or supplementation of the merits; the request was therefore rejected insofar as entered into.

Extracted reasoning

Clarification under Art. 129 BGG serves only to make the true meaning of the decision clear, not to change it or reopen a finally decided dispute. The challenged judgment was sufficiently clear because the dispositive part showed that no cantonal party compensation was ordered, and the missing reference to Art. 68(5) BGG did not create a relevant ambiguity.

Key legal question

Whether the cantonal procedural costs and party compensation had to be newly regulated in the clarification proceeding.

Extracted holding

No; the court held that it was not obliged to revise the ancillary financial consequences and left them unchanged.

Extracted reasoning

Even when a complainant succeeds, the Federal Supreme Court may leave the financial consequences of the cantonal decision unchanged; in the earlier judgment this was reflected by the absence of any modification order.

Key legal question

Who bears the costs of the clarification proceeding.

Extracted holding

The applicant bears the Federal Supreme Court costs of CHF 1,000.

Extracted reasoning

The costs follow the outcome of the clarification request, which failed.

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