Direct federal appeal inadmissible without exhausting cantonal remedies

5A_675/2007Federal Supreme Court / Civil Division IIFeb 5, 2008Dismissed

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Omnilex summary

X.________ AG directly challenged a Zurich district court order granting Y.________ AG definitive debt-recovery release for CHF 169,241 plus interest and costs. The Federal Supreme Court held that the cantonal remedy path had not been exhausted: the district court order first had to be appealed to the Zurich Higher Court, which had to be seized before federal review. The federal complaint was therefore inadmissible. Because the legal situation regarding the appeal route was not yet clarified when the filing was made, the Court transmitted the filing and the case file to the Zurich Higher Court for possible treatment as a cantonal appeal. No court costs or party compensation were ordered.

Omnilex headnote

Art. 130 Abs. 2 BGG; admissibility of a direct federal complaint against a cantonal first-instance debt-enforcement release order. Where cantonal procedure provides an appeal to the higher cantonal court, the cantonal instance chain must be exhausted before recourse to the Federal Supreme Court. Federal review is excluded if the challenged grounds have not first been submitted to the appellate cantonal authority, particularly where that authority enjoys full or at least different cognition. If a filing was lodged before the legal remedy route was clarified, transmission to the competent cantonal court may be appropriate instead of simple dismissal. Costs may be waived and no party compensation awarded where the procedural posture so warrants and no substantive observations were obtained.

Full text

{T 0/2}
5A_675/2007/bnm

Urteil vom 5. Februar 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer,
Gerichtsschreiber von Roten.

Parteien
X.________ AG,
Beschwerdeführerin,

gegen

Y.________ AG,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Markus Aeschbacher,

Gegenstand
Definitive Rechtsöffnung,

Beschwerde gegen die Verfügung des Bezirksgerichts Bülach, Einzelrichter im summarischen Verfahren des Bezirkes Bülach, vom 18. September 2007.

Sachverhalt:

A.
Gegen den Zahlungsbefehl Nr. 70720 des Betreibungsamtes B.________ erhob die X.________ AG (fortan: Beschwerdeführerin) Rechtsvorschlag. Die Y.________ AG (hiernach: Beschwerdegegnerin) stellte daraufhin das Begehren um definitive Rechtsöffnung für Fr. 169'241.-- nebst Zins und Kosten.

B.
Das Bezirksgericht Bülach erteilte die definitive Rechtsöffnung für Fr. 169'241.-- nebst Zinsen zu 10 % seit 18. April 2007 und Kosten (Verfügung vom 18. September 2007).

C.
Dem Bundesgericht beantragt die Beschwerdeführerin zur Hauptsache, es sei das Rechtsöffnungsbegehren nur für einen in Betreibung gesetzten Betrag von Fr. 20'000.-- gutzuheissen und im Übrigen die Verfügung des Bezirksgerichts Bülach aufzuheben. Sie ersucht um aufschiebende Wirkung. Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung des Gesuchs. Der Präsident der II. zivilrechtlichen Abteilung hat der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuerkannt (Verfügung vom 6. Dezember 2007). In der Sache sind keine Vernehmlassungen eingeholt worden.

Erwägungen:

1.
Gegen bezirksgerichtliche Rechtsöffnungsentscheide ist die Nichtigkeitsbeschwerde gemäss §§ 281 ff. ZPO/ZH an das Obergericht zulässig, es sei denn, der Entscheid unterliege dem Weiterzug an das Bundesgericht und das Bundesgericht könne den geltend gemachten Mangel frei überprüfen (§ 285 ZPO/ZH). Dieser Vorbehalt kann laut Beschluss des Obergerichts vom 5. Juli 2007 nicht anwendbar sein, solange das kantonale Prozessrecht nicht an das Bundesgerichtsgesetz angepasst ist (Art. 130 Abs. 2 BGG). Das Obergericht tritt deshalb auf sämtliche Nichtigkeitsbeschwerden gegen bezirksgerichtliche Rechtsöffnungsentscheide unabhängig von deren Streitwert ein, beschränkt seine Prüfung aber auf das Vorliegen von Nichtigkeitsgründen gemäss § 281 Ziff. 1-3 ZPO/ZH (E. 3 des Beschlusses vom 5. Juli 2007).

In seinem zur Veröffentlichung bestimmten Urteil 5A_42/2007 und 5A_432/2007 vom 25. Januar 2008 hat das Bundesgericht - gestützt auf den soeben erwähnten Beschluss des Obergerichts - entschieden, dass auf direkt gegen erstinstanzliche Rechtsöffnungsentscheide des Kantons Zürich eingereichte Beschwerden, auch wenn der Streitwert Fr. 30'000.-- und mehr beträgt, mangels Ausschöpfung des kantonalen Instanzenzuges nicht eingetreten werden kann. Der erstinstanzliche Entscheid muss zuerst vor Obergericht angefochten und mit Bezug auf Rügen, die das Obergericht nicht oder mit engerer Kognition als das Bundesgericht geprüft hat, anschliessend vor Bundesgericht mitangefochten werden (E. 2, insbesondere Abs. 4).

Ungeachtet des geltend gemachten Beschwerdegrundes (Art. 95 ff. BGG), hier der Verletzung von Bundesgesetzesrecht, kann auf die Beschwerde gegen den bezirksgerichtlichen Rechtsöffnungsentscheid deshalb nicht eingetreten werden.

2.
Da im Zeitpunkt der Einreichung der vorliegenden Beschwerde zum Rechtsmittelweg noch keine veröffentlichte Rechtsprechung bestanden hat, rechtfertigt es sich, die an das Bundesgericht gerichtete Eingabe vom 16. November 2007 mitsamt Beilagen und eingeholten Akten an das Obergericht des Kantons Zürich zu überweisen, damit dieses prüft, ob es die Eingabe nachträglich als Beschwerde gegen die Verfügung des Bezirksgerichts Bülach vom 18. September 2007 betreffend Rechtsöffnung entgegennehmen kann (vgl. BGE 133 I 300 E. 2.6 S. 307).

3.
In Anbetracht der Verfahrenslage kann auf die Erhebung von Kosten verzichtet werden (Art. 66 Abs. 1 BGG). Da ihrem Gesuch um aufschiebende Wirkung entsprochen wurde, wird die Beschwerdeführerin nicht entschädigungspflichtig. In der Sache sind keine Vernehmlassungen eingeholt worden, so dass jegliche Entschädigungspflicht entfällt (vgl. Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Die Eingabe der Beschwerdeführerin vom 16. November 2007 wird mit den Beilagen und den kantonalen Akten im Sinne der Erwägungen an das Obergericht des Kantons Zürich, III. Zivilkammer, übermittelt.

3.
Es werden weder Gerichtskosten erhoben noch Parteientschädigungen zugesprochen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Bezirksgericht Bülach, Einzelrichter im summarischen Verfahren des Bezirkes Bülach, sowie dem Obergericht des Kantons Zürich, III. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 5. Februar 2008
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Raselli von Roten

Keywords

debt enforcementdefinitive releaseadmissibilitycantonal exhaustiontransfersuspensive effectcosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether a direct appeal to the Federal Supreme Court against the cantonal first-instance definitive debt-recovery order was admissible without first appealing to the cantonal higher court.

Extracted holding

The appeal was inadmissible because the cantonal instance chain was not exhausted; the first-instance decision had to be challenged before the Zurich Higher Court first.

Extracted reasoning

Under Zurich procedure, first-instance debt-recovery decisions must first be appealed to the Higher Court. Federal review is possible only after the cantonal remedies are used, especially for grounds not reviewed by the Higher Court or reviewed with narrower cognition.

Key legal question

Whether the federal filing should be transmitted to the Zurich Higher Court for possible treatment as a cantonal appeal.

Extracted holding

Yes. The filing was transmitted to the Higher Court so it could decide whether to accept it retroactively as a cantonal appeal against the district court order.

Extracted reasoning

Because the applicable appeal route had not yet been clarified by published case law when the filing was made, transmission rather than simple return was appropriate.

Key legal question

Whether court costs and party compensation should be awarded.

Extracted holding

No court costs and no party compensation were awarded.

Extracted reasoning

Given the procedural situation, costs were waived; no compensation was due, especially since the request for suspensive effect had been granted and no merits observations were obtained.

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