Constitutional complaint inadmissible for lack of reasoning

5D_129/2012Federal Supreme Court / Civil Division IIAug 9, 2012Inadmissible

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Omnilex summary

The Federal Supreme Court dealt with a constitutional complaint against a cantonal non-entry decision in a small-value debt enforcement matter. It held that only the subsidiary constitutional complaint was available, but the appellant failed to challenge the cantonal reasoning in a constitutionally sufficient manner. Requests concerning restoration of the cost-advance deadline were outside the Federal Supreme Court’s competence, and arguments not directed at the cantonal decision were inadmissible. Because the complaint was hopeless, legal aid was refused and costs of CHF 100 were imposed on the appellant.

Omnilex headnote

Art. 113 ff. BGG, Art. 117 i.V.m. Art. 106 Abs. 2 BGG; subsidiäre Verfassungsbeschwerde is only admissible against a cantonal decision if constitutional rights are pleaded and substantiated clearly and in detail with reference to the challenged reasoning. Matters not forming part of the cantonal decision cannot be reviewed. A request for restoration of a missed cost-advance period is to be addressed to the cantonal court under Art. 148 Abs. 1 ZPO. Legal aid under Art. 64 Abs. 1 BGG is excluded where the complaint is manifestly hopeless; costs follow defeat under Art. 66 Abs. 1 BGG.

Full text

{T 0/2}
5D_129/2012

Urteil vom 9. August 2012
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Escher, präsidierendes Mitglied,
Gerichtsschreiber Füllemann.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

Kanton Basel-Landschaft,
vertreten durch die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Definitive Rechtsöffnung,

Verfassungsbeschwerde gegen den Entscheid vom 28. Juni 2012 des Kantonsgerichts Basel-Landschaft (Abteilung Zivilrecht).

Nach Einsicht
in die Verfassungsbeschwerde gegen den Entscheid vom 28. Juni 2012 des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, das auf eine Beschwerde der Beschwerdeführerin gegen die erstinstanzliche Erteilung der definitiven Rechtsöffnung an den Beschwerdegegner (Streitwert: Fr. 545.50) nicht eingetreten ist und der Beschwerdeführerin eine Gebühr von Fr. 100.-- auferlegt hat,
in das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das bundesgerichtliche Verfahren,

in Erwägung,
dass gegen den in einer vermögensrechtlichen Angelegenheit ergangenen Entscheid des Kantonsgerichts mangels Erreichens der Streitwertgrenze (Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG) und mangels Vorliegens einer Ausnahme gemäss Art. 74 Abs. 2 BGG allein die subsidiäre Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG offen steht, weshalb die Eingabe der Beschwerdeführerin als solche entgegengenommen worden ist,
dass die Verfassungsbeschwerde zum Vornherein unzulässig ist, soweit die Beschwerdeführerin um Wiederherstellung der Kostenvorschussfrist ersucht, weil für die Behandlung eines solchen Gesuchs nicht das Bundesgericht, sondern das Kantonsgericht zuständig wäre (Art. 148 Abs. 1 ZPO),
dass sich die Verfassungsbeschwerde als ebenso unzulässig erweist, soweit die Beschwerdeführerin Rügen vorbringt, welche nicht Gegenstand des Entscheids des Kantonsgerichts vom 28. Juni 2012 bildeten und daher auch nicht Gegenstand des bundesgerichtlichen Verfahrens sein können,
dass sodann in einer subsidiären Verfassungsbeschwerde die Rüge der Verletzung verfassungsmässiger Rechte vorzubringen und zu begründen (Art. 117 i.V.m. Art. 106 Abs. 2 BGG sowie Art. 116 BGG), d.h. anhand der Erwägungen des kantonalen Entscheids klar und detailliert darzulegen ist, welche verfassungsmässigen Rechte und inwiefern sie durch diesen Entscheid verletzt sein sollen (BGE 133 II 396 E. 3.1 S. 399), ansonst auf die Beschwerde nicht eingetreten wird (Art. 117 i.V.m. Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG),
dass das Kantonsgericht im Entscheid vom 28. Juni 2012 erwog, die Beschwerdeführerin sei mit am 12. Juni 2012 zugestellter Verfügung vom 4. Juni 2012 (unter Androhung des Nichteintretens bei Säumnis) zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 225.-- innerhalb einer Nachfrist aufgefordert worden, die Beschwerdeführerin habe den Vorschuss auch innerhalb der Nachfrist nicht bezahlt, weshalb androhungsgemäss auf die Beschwerde nicht einzutreten sei (Art. 101 Abs. 3 ZPO),
dass die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe an das Bundesgericht nicht rechtsgenüglich auf die entscheidenden kantonsgerichtlichen Erwägungen eingeht,
dass es insbesondere nicht genügt, eine Kostenvorschussfrist von "minimal 6 Monaten" zu fordern und die (nicht Gegenstand des Entscheids vom 28. Juni 2012 bildende) Verweigerung der unentgeltlichen Rechtspflege wegen Aussichtslosigkeit der kantonalen Beschwerde pauschal als diskriminierend zu bezeichnen, zumal weder Art. 29 Abs. 3 BV noch Art. 6 EMKR dem Richter vorschreiben, die unentgeltliche Rechtspflege für aussichtslose Verfahren zu bewilligen (MARK E. VILLIGER, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention, 2. Auflage, Zürich 1999, Rz. 433, S. 275),
dass die Beschwerdeführerin erst recht nicht anhand der kantonsgerichtlichen Erwägungen nach den gesetzlichen Anforderungen, d.h. klar und detailliert aufzeigt, welche verfassungsmässigen Rechte und inwiefern sie durch den Entscheid des Kantonsgerichts vom 28. Juni 2012 verletzt sein sollen,
dass somit auf die - offensichtlich unzulässige bzw. keine hinreichende Begründung enthaltende - Verfassungsbeschwerde in Anwendung von Art. 117 i.V.m. Art 108 Abs. 1 lit. a und b BGG nicht einzutreten ist,
dass der Beschwerdeführerin in Anbetracht der Aussichtslosigkeit der Verfassungsbeschwerde die unentgeltliche Rechtspflege für das bundesgerichtliche Verfahren nicht gewährt werden kann (Art. 64 Abs. 1 BGG),
dass die unterliegende Beschwerdeführerin kostenpflichtig wird (Art. 66 Abs. 1 BGG),

dass in den Fällen des Art. 117 i.V.m. Art. 108 Abs. 1 BGG das vereinfachte Verfahren zum Zuge kommt und das präsidierende Abteilungsmitglied zuständig ist,

erkennt das präsidierende Mitglied:

1.
Auf die Verfassungsbeschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 100.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Basel-Landschaft schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 9. August 2012
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Das präsidierende Mitglied: Escher

Der Gerichtsschreiber: Füllemann

Keywords

debt enforcementconstitutional complaintadmissibilityreasoning requirementcost advancelegal aidnon-entrycourt costs

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the subsidiary constitutional complaint was admissible despite insufficient reasoning and challenges outside the cantonal decision.

Extracted holding

The complaint was inadmissible because it did not properly address the cantonal reasoning and partly raised matters not decided below.

Extracted reasoning

In a subsidiary constitutional complaint, constitutional rights must be pleaded and substantiated clearly and in detail against the reasoning of the cantonal decision; mere general criticism or new issues does not suffice.

Key legal question

Whether the request for extension/restoration of the cost-advance deadline could be examined by the Federal Supreme Court.

Extracted holding

No. Such a request had to be addressed to the cantonal court, not the Federal Supreme Court.

Extracted reasoning

The Federal Supreme Court lacked competence to deal with the restoration request under Art. 148 Abs. 1 ZPO.

Key legal question

Whether the applicant was entitled to legal aid for the federal proceedings.

Extracted holding

Legal aid was refused because the constitutional complaint had no prospects of success.

Extracted reasoning

Under Art. 64 Abs. 1 BGG, legal aid requires non-frivolous prospects; an obviously inadmissible complaint is hopeless.

Key legal question

Who bears the federal court costs.

Extracted holding

The appellant had to bear the court costs of CHF 100.

Extracted reasoning

Costs follow the losing party under Art. 66 Abs. 1 BGG.

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