No right to postpone interrogation for defense counsel availability

BB.2008.35,BP.2008.21Federal Criminal Court / Appeals ChamberApr 14, 2008Dismissed

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Omnilex summary

A. challenged the investigating authority's refusal to postpone his interrogation of 23 April 2008 because his lawyer was unavailable. The Federal Criminal Court held that there is no general entitlement to a postponement; timely notice is sufficient and counsel must ensure effective defense, including substitution when necessary. The complaint was dismissed without exchange of submissions. The request for suspensive effect became moot, and the appellant was ordered to pay a CHF 500 court fee.

Omnilex headnote

Art. 118, 214 Abs. 1, 218, 219 Abs. 1 BStP; right of the accused to have defense counsel present at interrogation and no general entitlement to postponement of the hearing date. The presence of counsel at an interrogation depends on procedural law and on the condition that the investigation is not impaired. Persons entitled to attend must be notified in time, but they cannot as a rule demand a rescheduling. The principle of effective defense requires counsel, in case of irresolvable scheduling conflicts, to secure substitute representation; an interrogation does not require special preparation. A complaint that is manifestly unfounded may be dismissed without prior exchange of submissions (consid. 2).

Full text

Entscheid vom 14. April 2008 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, Tito Ponti und Alex Staub, Gerichtsschreiber David Heeb

Parteien

A., vertreten durch Rechtsanwalt B.,

Beschwerdeführer

gegen


Vorinstanz

BUNDESANWALTSCHAFT,

Beschwerdegegnerin

EIDGENÖSSISCHES UNTERSUCHUNGSRICH- TERAMT,

Gegenstand Verschiebung der Einvernahme (Art. 214 Abs. 1 BStP), aufschiebende Wirkung (Art. 218 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BB.2008.35 Nebenverfahren: BP.2008.21

  • 2 -

Die I. Beschwerdekammer zieht in Betracht, dass

  • das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt (nachfolgend „Untersuchungs- richteramt“) gegen A. und weitere Angeschuldigte eine Voruntersuchung (VU.2005.6) wegen Verdachts der Beteiligung an bzw. Unterstützung einer kriminellen Organisation (Art. 260 ter StGB) sowie allfälliger weiterer Delikte führt (act. 1.2);

  • das Untersuchungsrichteramt mit Schreiben vom 6. Oktober 2005 den Par- teivertretern mitteilte, angesichts der grossen Zahl von 17 Beschuldigten gestalte sich die Terminabsprache mit den Parteivertretern im vorliegenden Verfahren als äusserst schwierig, und eine vorherige Terminabsprache mit den Parteien könne vom Untersuchungsrichter nicht gefordert werden (act. 1.4);

  • das Untersuchungsrichteramt in einem weiteren Schreiben vom 31. Oktober 2006 den Parteivertretern erneut mitteilte, dass die Verhandlungstermine ohne vorherige Absprache mit den Parteien festgelegt würden, dass diese jedoch den Parteien rechtzeitig, d.h. mindestens mit einer Vorlaufzeit von zwei Wochen mitgeteilt würden (act. 1.8);

  • der Vertreter von A. mit Schreiben vom 1. November 2006 dem Untersu- chungsrichteramt mitteilte, er sei mit dem Schreiben des Untersuchungsrich- teramtes vom 31. Oktober 2006 nicht einverstanden und darauf hinwies, er sei während der Zürcherischen Schulferien grundsätzlich nicht verfügbar, und dem Schreiben seinen Terminplan für die Monate November/Dezember 2006 und Januar 2007 beifügte (act. 1.9);

  • das Untersuchungsrichteramt dem Vertreter von A. mit Schreiben vom

  1. November 2007 erneut mitteilte, die Verhandlungen würden auch in Zu- kunft ohne vorherige Absprache, unter Einhaltung einer angemessenen Vor- laufzeit angesetzt (act. 1.16);
  • A. vom Untersuchungsrichteramt mit Schreiben vom 25. März 2008 zu einer Einvernahme auf den 23. April 2008 vorgeladen wurde, und die Kopie der Vorladung beim Vertreter von A. am 27. März 2008 einging (act. 1.17);

  • der Vertreter von A. mit Schreiben vom 31. März 2008 ein Verschiebungs- und Wiedererwägungsgesuch stellte, unter anderem mit dem Hinweis, er be- finde sich am 23. April 2008 auf hoher See (act. 1.18, S. 2);

  • 3 -

  • das Untersuchungsrichteramt das Verschiebungs- und Wiedererwägungsge- such mit Verfügung vom 2. April 2008, beim Vertreter von A. eingegangen am 3. April 2008, abwies (act. 1.2);

  • der Vertreter von A. gegen die Verfügung des Untersuchungsrichteramtes vom 2. April 2008 mit Eingabe vom 8. April 2008, rechtzeitig zur Post gege- ben am 8. April 2008, Beschwerde erhebt und beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, der Einvernahmetermin sei vorsorglich aufzuhe- ben, und das Untersuchungsrichteramt sei anzuweisen, Termine zukünftig mit dem Vertreter von A. abzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungs- folgen (act. 1).

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass

  • die Beschwerde rechtzeitig erfolgt, mit der Ablehnung des Verschiebungsan- trages eine Beschwer gegeben, und deshalb auf die Beschwerde einzutreten ist;

  • die Möglichkeit des Beschuldigten, zu seiner Einvernahme einen Verteidiger beizuziehen, sich nach dem anwendbaren Verfahrensrecht bestimmt und weder aus Art. 8 Abs. 1 BV noch aus Art. 32 Abs. 2 BV oder aus Art. 6 EMRK hergeleitet werden kann (BGE 104 Ia 17 E. 4; HAUSER/SCHWERI/ HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, S. 393 N. 12);

  • gemäss Art. 118 BStP der Untersuchungsrichter dem Verteidiger gestatten kann, bei der Einvernahme des Beschuldigten anwesend zu sein, sofern da- durch die Untersuchung nicht beeinträchtigt wird;

  • die zur Anwesenheit berechtigten Personen von Verhandlungsterminen rechtzeitig zu benachrichtigen sind, jedoch keinen Anspruch auf Verschie- bung der Tagfahrt haben (vgl. HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, a.a.O., S. 396 N. 20; TPF BB.2006.122 vom 15. November 2006; TPF BB.2006.43 vom

  1. September 2006 E. 5.2; TPF BB.2006.63 vom 20. September 2006 und BK_B 016/04 vom 27. Mai 2004 E. 3.5);
  • dieser Grundsatz indessen dem Untersuchungsrichter die Möglichkeit offen lässt, je nach Begründetheit des Verschiebungsgesuches einzelfallgerecht und mit der nötigen Flexibilität zu entscheiden;

  • 4 -

  • A. vorliegend vom Untersuchungsrichteramt über die vorgesehene Einver- nahme vom 23. April 2008 rund vier Wochen vorher und mithin rechtzeitig in Kenntnis gesetzt wurde;

  • A. keinen Anspruch auf Verschiebung der Einvernahme vom 23. April 2008 hat, zumal eine Einvernahme keiner besonderen Vorbereitung - insbesonde- re auch nicht des Verteidigers - bedarf;

  • der Verteidiger nach dem Grundsatz der effektiven bzw. effizienten Verteidi- gung die Interessen des Angeschuldigten in ausreichender und wirksamer Weise wahrnehmen muss, es ihm daher obliegt, für eine angemessene Ver- teidigung von A. anlässlich der Einvernahme vom 23. April 2008 besorgt zu sein;

  • der Grundsatz der effizienten Verteidigung die Pflicht des Verteidigers bein- haltet, bei unlösbaren Terminkollisionen für die Terminwahrung eine Stellver- tretung zu beauftragen, wozu er vorliegend gemäss des mit dem Beschuldig- ten abgeschlossenen Auftragsverhältnisses ausdrücklich ermächtigt ist (act. 1.1);

  • sich die Beschwerde nach dem Gesagten sofort als unbegründet erweist und ohne vorgängigen Schriftenwechsel abzuweisen ist (Art. 219 Abs. 1 BStP);

  • das Gesuch um aufschiebende Wirkung bzw. vorsorgliche Terminaufhebung somit gegenstandslos wird;

  • bei diesem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführer die Gerichtskos- ten zu tragen hat (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG), wobei die Gerichtsgebühr auf Fr. 500.-- festgesetzt wird (Art. 3 des Reglements vom

  1. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32).
  • 5 -

Demnach erkennt die I. Beschwerdekammer:

  1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

  2. Das Gesuch um aufschiebende Wirkung wird als gegenstandslos von der Geschäftskontrolle abgeschrieben.

  3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

Bellinzona, 15. April 2008

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt B.
  • Bundesanwaltschaft
  • Eidg. Untersuchungsrichteramt

Beilage

  • 1 Einzahlungsschein

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Keywords

interrogationpostponementdefense counseleffective defensesuspensive effectprocedural timingcourt costs

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the interrogation had to be postponed because defense counsel was unavailable

Extracted holding

The appellant had no entitlement to a postponement; timely notice of the interrogation was sufficient, and the defense had to secure adequate representation, including substitution if needed.

Extracted reasoning

The right to have counsel present at an interrogation is governed by procedural law, not directly by constitutional or ECHR provisions. Persons entitled to be present must be notified in time, but they have no general right to a postponement. Here, A. was informed about four weeks in advance, and an interrogation requires no special preparation.

Key legal question

Whether the request for suspensive effect and provisional cancellation of the hearing date should be granted

Extracted holding

The request became moot once the complaint was rejected on the merits.

Extracted reasoning

Because the complaint was manifestly unfounded and dismissed without prior exchange of submissions, there was no remaining basis for interim relief.

Key legal question

Who bears the court costs

Extracted holding

The appellant must bear the court fee.

Extracted reasoning

Costs follow the outcome of the proceedings.

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