Complaint inadmissible for lack of present interest

BB.2011.57Federal Criminal Court / Appeals ChamberSep 9, 2011Inadmissible

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Omnilex summary

A. challenged the Federal Prosecutor's exclusion of his counsel from a co-accused's interrogation and sought annulment of the evidence. The Criminal Appeals Chamber held that the complaint was inadmissible because the alleged violation had already occurred and A. still had to first request repetition of the evidence-taking from the Federal Prosecutor under Art. 147(3) StPO. The request to strike the interrogation record also lacked an appealable object because it should have been addressed first to the procedural authority. The complaint was therefore not entered into; costs of CHF 800 were charged, with CHF 700 refunded from the advance.

Omnilex headnote

Art. 382 Abs. 1, Art. 147 Abs. 3 StPO; admissibility of a complaint against exclusion from evidence-taking. A party lacks a current legal interest in immediately challenging a completed evidentiary measure where the StPO provides a specific remedial mechanism: the excluded party must first request repetition of the evidence-taking from the authority conducting the proceedings. A complaint court will not enter into the matter before such a request and an adverse decision thereon. A request to annul an evidentiary act or remove the record from the file likewise requires a prior decision by the procedural authority; absent such an appealable object, the complaint is inadmissible (consid. 1.2).

Full text

Beschluss vom 9. September 2011 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Joséphine Contu, Gerichtsschreiberin Sarah Wirz

Parteien

A., vertreten durch Me Bogdan Prensilevich, avocat,

Beschwerdeführer

gegen

BUNDESANWALTSCHAFT,

Beschwerdegegnerin

Gegenstand Teilnahme bei Beweiserhebungen (Art. 107 Abs. 1 lit. b und Art. 147 StPO)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BB.2011.57

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Sachverhalt:

A. Die Bundesanwaltschaft (nachfolgend „BA“) führt unter anderem gegen A. seit Frühling 2010 eine Untersuchung wegen Verdachts auf qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung, Veruntreuung, Urkundenfälschung, Beste- chung fremder Amtsträger und qualifizierte Geldwäscherei (act. 5, S. 2).

B. Der Verteidiger von A. bringt vor, er habe am 9. Mai 2011 von der Einver- nahme des Mitbeschuldigten B., welche auf den 10. Mai 2011 angesetzt gewesen sei, erfahren und gleichentags dem zuständigen Assistenzstaats- anwalt des Bundes mittels E-Mail seine Teilnahme angekündigt (act. 1 und act. 1.1). Infolge dessen habe er sich am 10. Mai 2011 in Z. eingefunden, wo ihm jedoch der Einlass in den Einvernahmesaal auf Anordnung des Staatsanwaltes des Bundes verwehrt worden sei (act. 1).

C. Mit Beschwerde vom 20. Mai 2011 gelangte A. an die I. Beschwerdekam- mer des Bundesstrafgerichts und beantragt was folgt:

„A la forme

Déclarer recevable le présent recours. Au fond Annuler et mettre à néant les actes du Ministère public de la Confédération effectués en date du 10 mai 2011 en l’absence du Conseil du recourant. Condamner le Ministère public de la Confédération en tous les frais et dépens de l’instance. Débouter le Ministère public de la Confédération de toutes autres ou contraires conclu- sions."

Die BA beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 15. Juni 2011 die kos- tenfällige Abweisung der Beschwerde, sofern darauf eingetreten werden könne (act. 5). A. replizierte mit Eingabe vom 27. Juni 2011 und hält dabei an den Beschwerdeanträgen fest (act. 7). Die Beschwerdeantwort wurde der BA mit Schreiben vom 28. Juni 2011 zur Kenntnis gebracht (act. 8).

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so- weit erforderlich, in den folgenden Erwägungen eingegangen.

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Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

1.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft kann bei der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG und Art. 19 Abs. 1 des Orga- nisationsreglements vom 31. August 2010 für das Bundesstrafgericht [Or- ganisationsreglement BStGer, BStGerOR; SR 173.713.161]).

1.2 Im Rahmen der Eintretensvoraussetzungen ist zu prüfen, ob der Be- schwerdeführer zur Beschwerde legitimiert ist. Zur Beschwerde berechtigt ist gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat. Erfor- derlich ist, dass die betreffende Person durch die angefochtene Verfah- renshandlung oder Verfügung unmittelbar in ihren Rechten betroffen, d.h. beschwert ist.

Der Beschwerdeführer ist als beschuldigte Person Partei im Sinne von Art. 104 Abs. 1 lit. a StPO und somit grundsätzlich zur Beschwerde legiti- miert. Da die gerügte Teilnahmeverweigerung an der Einvernahme von B. bereits stattgefunden hat, kann diesbezüglich kein aktuelles Rechtsschutz- interesse mehr angenommen werden. Überdies sieht Art. 147 Abs. 3 StPO vor, dass die Parteien oder ihr Rechtsbeistand die Wiederholung der Be- weiserhebung verlangen können, wenn der Rechtsbeistand oder die Partei ohne Rechtsbeistand aus zwingenden Gründen an der Teilnahme verhin- dert waren. Folglich hätte der Beschwerdeführer bei der Beschwerdegeg- nerin zuerst eine Wiederholung der Einvernahme beantragen sollen; gegen einen allfälligen Ablehnungsentscheid hätte ihm dann der Weg an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts offen gestanden. Daraus ergibt sich, dass der Beschwerdeführer zurzeit nicht beschwert ist, steht ihm doch die Möglichkeit offen, die Wiederholung der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft zu beantragen. Bezüglich des Antrags des Beschwer- deführers, die am 10. Mai 2011 durchgeführte Einvernahme von B. sei zu annullieren und das entsprechende Protokoll aus den Akten zu weisen gilt es überdies festzuhalten, dass der Beschwerdeführer diesen Antrag bei der Verfahrensleitung hätte stellen müssen und erst gegen einen allfälligen Abweisungsentscheid an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafge- richts hätte gelangen können, weswegen es für das vorliegende Verfahren an einem Anfechtungsobjekt mangelt. Auf die Beschwerde kann demnach nicht eingetreten werden (vgl. auch Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2011.48 vom 5. September 2011, E. 1.2).

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  1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Ge- richtskosten zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 800.-- festgesetzt (Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und Art. 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kos- ten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]), unter Anrechung des geleisteten Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 1'500.--, womit die Bundesstrafgerichtskasse dem Be- schwerdeführer Fr. 700.-- zurückzuerstatten hat.
  • 5 -

Demnach erkennt die I. Beschwerdekammer:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

  2. Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezah- lung auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 1'500.-- verrechnet. Die Bundesstrafgerichtskasse wird angewiesen, dem Beschwerdeführer den Betrag von Fr. 700.-- zurückzuerstatten.

Bellinzona, 9. September 2011

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Zustellung an

  • Me Bogdan Prensilevich, avocat,
  • Bundesanwaltschaft

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Keywords

admissibilitystandingcurrent legal interestevidence-takinginterrogationdefense participationannulment requestcosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the complaint against the exclusion from the interrogation was admissible despite the absence of current interest

Extracted holding

No current legal interest existed; the appellant had to first request repetition of the evidence-taking before the prosecutor.

Extracted reasoning

The challenged procedural act had already taken place. Under Art. 147(3) StPO, a party excluded for compelling reasons may request repetition of the evidence-taking from the authority conducting the proceedings. A complaint to the appellate chamber was therefore premature.

Key legal question

Whether the request to annul the interrogation record and remove it from the file was admissible

Extracted holding

No. The request should have been made to the proceedings manager first, and there was thus no appealable decision before the court.

Extracted reasoning

Because no prior request and refusal by the procedural authority was shown, there was no object of challenge for the complaint proceedings.

Key legal question

Allocation of procedural costs

Extracted holding

The appellant must bear the court costs, with the advance payment offset and the balance refunded.

Extracted reasoning

Costs follow the outcome of the proceedings.

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