Venue determined by heavier offense; appeal dismissed

BG.2015.29Federal Criminal Court / Appeals ChamberAug 28, 2015Dismissed

Extracted by Omnilex

Omnilex summary

A. challenged the venue decision in a criminal matter, arguing that the driving-without-license offense belonged in Ticino. The Federal Criminal Court held that the Aargau proceedings concerned fraudulent bankruptcy, which carried the heavier statutory penalty and therefore determined venue under Art. 34(1) StPO. The transfer/assumption of the Ticino matters by the Aargau prosecutor was lawful. The appeal was dismissed, and court costs of CHF 500 were charged to A.

Omnilex headnote

Art. 34 Abs. 1 StPO; Gerichtsstand bei mehreren Straftaten an verschiedenen Orten: Maßgebend ist grundsätzlich der Ort der schwersten Straftat; nur bei gleicher Strafdrohung entscheidet der Ort der zuerst vorgenommenen Verfolgungshandlungen. Beträgt die Strafdrohung für die schwerste Tat eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe und für eine andere Tat nur bis zu drei Jahren oder Geldstrafe, so begründet die schwerere Tat den Gerichtsstand. Eine gerichtsstandsrelevante Beanstandung setzt konkrete Einwendungen gegen diese Anknüpfung voraus (vgl. consid. 2).

Full text

Beschluss vom 28. August 2015 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Andreas J. Keller und Tito Ponti, Gerichtsschreiber Miro Dangubic

Parteien A.,

Beschwerdeführer

gegen

  1. KANTON AARGAU,

  2. CANTONE TICINO,

Beschwerdegegner

Gegenstand Anfechtung des Gerichtsstands (Art. 41 Abs. 2 StPO)

B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l

Ges c häft s n um m er: B G .20 15 .29

  • 2 -

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:

  • die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau (nachfolgend "StA AG") seit
  1. Juni 2015 eine Strafuntersuchung gegen A. wegen betrügerischen Kon- kurses (Art. 163 Abs. 1 StGB) etc. führt (act. 1.1);
  • die Staatsanwaltschaft des Kantons Tessin (nachfolgend "StA TI") am
  1. Juni 2015 ein Strafverfahren gegen den Obgenannten wegen Fahrens ohne Führerausweis (Art. 95 Abs. 1 lit a SVG) eröffnete (act. 1.1);
  • die StA AG in der Folge am 22. Juli 2015 die Übernahme der im Kanton Tessin gegen A. hängigen Verfahren verfügte (act. 1.1);

  • A. dagegen mit Eingabe vom 28. Juli 2015 an dieses Gericht gelangte (act. 1);

  • die Beschwerdeantworten der Beschwerdegegner am 31. Juli 2015 bzw. am

  1. August 2015 erfolgten (act. 5);
  • der Beschwerdeführer von seiner Möglichkeit, eine Replik einzureichen, kei- nen Gebrauch machte (act. 6).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • sich die Parteien gegen die von den beteiligten Staatsanwaltschaften ge- troffene Entscheidung über den Gerichtsstand (Art. 39 Abs. 2) innert 10 Ta- gen bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts beschweren kön- nen (Art. 41 Abs. 2 Satz 1 StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG);

  • Art. 34 Abs. 1 StPO folgendes festhält: "Hat eine beschuldigte Person meh- rere Straftaten an verschiedenen Orten verübt, so sind für die Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Behörden des Ortes zuständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat begangen worden ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfol- gungshandlungen vorgenommen worden sind";

  • der Beschwerdeführer geltend macht, dass er in Chiasso ohne Führeraus- weis gefahren sei, mithin der diesbezügliche Tatort im Kanton Tessin liege;

  • der Tatort des ihm vorgeworfenen betrügerischen Konkurses im Kanton Aar- gau liegt;

  • 3 -

  • der Tatort des ihm vorgeworfenen Fahrens ohne Führerausweis im Kanton Tessin liegt;

  • betrügerischer Konkurs mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren (oder Geld- strafe) und Fahren ohne Führerausweis mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren (oder Geldstrafe) bestraft wird;

  • somit das schwerere Delikt im Sinne von Art. 34 Abs. 1 StPO betrügerischer Konkurs ist;

  • die Übernahme durch die StA AG folglich im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen erfolgte;

  • der Beschwerdeführer in seiner Eingabe nichts Gerichtsstandsrelevantes mehr vorbringt;

  • die Beschwerde folglich abzuweisen ist;

  • bei diesem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführer die Kosten zu tragen hat (Art. 428 Abs. 1 StPO);

  • diese auf Fr. 500.-- festzusetzen sind (Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 BStKR).

  • 4 -

Demnach erkennt die Beschwerdekammer:

  1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

  2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

Bellinzona, 31. August 2015

Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • A.
  • Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau
  • Ministero pubblico del Cantone Ticino

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Keywords

venuecriminal procedureheavier offensejurisdictionappeal dismissalcourt costs

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the Aargau prosecution was competent to take over the proceedings under the venue rules.

Extracted holding

Yes. Fraudulent bankruptcy carried the heavier statutory penalty, so the competent venue was Aargau, where that offense was committed.

Extracted reasoning

Under Art. 34(1) StPO, when offenses were committed in different places, jurisdiction lies where the most severely punishable offense was committed; if penalties are equal, the first investigative acts control. Fraudulent bankruptcy was punishable by up to five years' imprisonment or a monetary penalty, whereas driving without a license carried up to three years' imprisonment or a monetary penalty.

Key legal question

Whether the appeal against the venue decision should be upheld.

Extracted holding

No. The appellant raised no venue-relevant arguments beyond his position that the traffic offense occurred in Ticino.

Extracted reasoning

Because the heavier offense was fraudulent bankruptcy in Aargau, the challenged transfer and assumption of proceedings complied with the law.

Key legal question

Allocation of court costs.

Extracted holding

The appellant must bear the costs of the proceedings, fixed at CHF 500.

Extracted reasoning

Costs follow the outcome of the appeal under Art. 428(1) StPO; the fee was set pursuant to the court fee provisions.

Continue your research in ChatGPT or Claude

Connect Omnilex to search the legal corpus from your AI assistant.