Withdrawal of bankruptcy petition bars opening without solvency proof

PS110149Supreme CourtAug 23, 2011Partially Granted

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Omnilex summary

The debtor appealed against a bankruptcy opening. The creditor had withdrawn the bankruptcy petition by fax before the opening, but the fax was not forwarded to the competent judge because of an internal court error. The appellate court held that this prior withdrawal was not merely a ground for dismissal under Art. 172 SchKG, but a procedural withdrawal under Art. 241 ZPO, making the bankruptcy opening improper. The opening was therefore annulled without any need to examine the debtor's solvency. On costs, the debtor bore the bankruptcy court costs, no appeal costs were awarded, and the bankruptcy office costs were placed on the state treasury.

Omnilex headnote

Art. 174 Abs. 1 SchKG, Art. 241 ZPO; withdrawal of the bankruptcy petition before opening, and cost consequences of an opening that should not have been ordered. A withdrawal of the bankruptcy petition communicated before the bankruptcy is opened is a procedural withdrawal of the claim and constitutes an absolute obstacle to opening; it is not merely a dismissal ground within Art. 172 SchKG. If the withdrawal was timely brought to the court's attention but ignored because of a court-internal error, the bankruptcy opening must be annulled without examining the debtor's solvency. Where the opening should not have occurred, the costs of the bankruptcy office are not an adequate consequence of the debtor's default and are to be borne by the state; appeal costs may be waived under Art. 107 Abs. 2 ZPO.

Full text

Rückzug des Konkursbegehrens Der Rückzug des Konkursbegehrens ist kein Konkursabweisungsgrund im Sinne von Art. 172 SchKG, sondern ein Klagerückzug im Sinne von Art. 241 ZPO Kosten des Konkursamtes Wird der Konkurs aufgehoben, weil er vom Konkursgericht gar nicht hätte eröffnet werden dürfen, sind die Kosten des Konkursamtes nicht mehr adäquate Folge der Zahlungssäum ni s des Schuldners

Erwägungen: 1. Am 17. August 2011 wurde über die Schuldnerin der Konkurs eröffnet. Mit rechtzeitig eingereichter Beschwerde beantragt sie die Aufhebung des Konkurses. Die Akten des Konkursgerichts wurden beigezogen. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung wurde bewilligt, nachdem die Schuldnerin ergänzende Unterlagen beigebracht hatte. Die Schuldnerin hat der Obergerichtskasse einen Barvorschuss von Fr. 750.-- bezahlt. 2. Die Beschwerde kann mit Tatsachen begründet werden, die sich vor der Konkurseröffnung ereigneten (Art. 174 Abs. 1 SchKG). Dazu gehört insbesondere, dass das Konkursbegehren noch vor Konkurseröffnung zurückgezogen wurde. Das ist zwar kein Konkursabweisungsgrund nach Art. 172 SchKG, aber ein noch fundamentaleres Hindernis für die Eröffnung des Konkurses, nämli ch ei n Klagerückzug i m Si nne von Art. 241 ZPO. Der Konkurs kann allerdings auch aufgehoben werden, wenn das Konkursbegehren erst nach der Konkurseröffnung, aber noch während der Beschwerdefrist zurückgezogen worden ist - dann muss der Schuldner aber nicht nur diesen Umstand nachweisen, sondern zusätzlich seine Zahlungsfähigkeit glaubhaft machen (Art. 174 Abs. 2 Einleitung und Ziff. 3 SchKG). Im vorliegenden Fall zog die Gläubigerin ihr Konkursbegehren mit Schreiben vom 16., zur Post gegeben am 17. und beim Gericht eingegangen am 18. August 2011 zurück (act. 3/8). Wenn es darauf ankäme, wäre der Rückzug erst nach der

Konkurseröffnung erfolgt (denn dafür kommt es auf den Eingang beim Konkurs- gericht an), und es wäre zur Aufhebung des Konkurses die Zahlungsfähigkeit der Schuldnerin zu prüfen. Die Gläubigerin hat ihren Rückzug aber schon am 16. August 2011, also am Tage vor der Konkurseröffnung, per Fax an das Bezirks- gericht geschickt, mit dem Vermerk "Fax; Original folgt per Post". Wegen eines internen Fehlers am Bezirksgericht gelangte dieser Fax nicht bis zur zuständigen Ri chteri n. Ei ne Fax-Eingabe hat streng genommen keine prozessrechtlichen Wirkungen, sie gilt so viel oder so wenig wie eine telefonische Mitteilung. Nur: Unter den gegebenen Umständen hätte die Richterin den Fax nicht einfach unbeachtet gelassen, wenn er ihr vorgelegt worden wäre. Sie hätte entweder den Entscheid über den Konkurs informell bis zum Eingang des angekündigten Briefes ausgesetzt oder mit der Zustellung des Entscheides zugewartet oder allenfalls bei der Gläubigerin nachgefragt oder nachfragen lassen. Jedenfalls wäre es nicht zu der heute angefochtenen Konkurseröffnung gekommen. Damit ist diese aufzuheben, ohne dass Weiterungen hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit der Schuldnerin erforderlich sind. Damit erweist sich die Beschwerde als begründet. 3. Die Kosten des Konkursgerichts hat die Schuldnerin zu tragen, da das Konkursbegehren durch die Zahlungssäumnis verursacht wurde und das Verfah- ren der Konkursrichterin auch dann nicht kostenlos hätte erledigt werden können, wenn dieser der Rückzug des Konkursbegehrens rechtzeitig vorgelegt worden wäre. Hingegen ist auf das Erheben von Kosten für das Beschwerdeverfahren zu verzichten (Art. 107 Abs. 2 ZPO), und auch die Kosten des Konkursamtes sind auf die Staatskasse zu nehmen. Obergericht, II. Zivilkammer Urteil vom 23. August 2011 Geschäfts-Nr.: PS110149-O/U.doc

Anmerkung: vgl. auch PS110095-O/U vom 6. Juli 2011 für die Variante, dass das Konkursgericht von einem Konkurs- Abwei sungsgrund ni cht wusste

Keywords

bankruptcy openingwithdrawal of petitionappealsolvencycourt costsstate treasuryprocedural withdrawal

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether a withdrawal of the bankruptcy petition before opening prevents bankruptcy opening without needing proof of solvency on appeal.

Extracted holding

Yes. A withdrawal communicated before the opening is a procedural withdrawal of the petition and, if ignored due to an internal court error, the bankruptcy opening must be annulled without examining solvency.

Extracted reasoning

The appeal may rely on facts occurring before the opening. Although withdrawal is not a bankruptcy-dismissal ground under Art. 172 SchKG, it is an even more fundamental obstacle to opening because it is a withdrawal of the claim under Art. 241 ZPO. Since the fax withdrawal reached the district court before the opening, the challenged opening should never have occurred.

Key legal question

How to allocate costs after annulment of a bankruptcy opening that should not have been ordered.

Extracted holding

The costs of the bankruptcy court remain payable by the debtor, but no appeal costs are charged; the bankruptcy office costs are borne by the state treasury.

Extracted reasoning

The bankruptcy petition was caused by the debtor's payment default, and the bankruptcy judge's work would not have been free even if the withdrawal had been timely presented. However, because the opening was wrongly made, appeal costs are waived and the bankruptcy office costs are shifted to the public purse.

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