Disinheritance for conduct of an insane person with natural intent

BGH IV ZR 102/09Bgh / Civil Chamber IVApr 13, 2011Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice dismissed the defendant's complaint against denial of leave to appeal in an inheritance dispute over compulsory share disinheritance. It held that no ground for revision existed under § 543(2) ZPO. The court noted that the will's reference to the incident of 13 January 1994 was sufficiently specific, but upheld the lower court's finding that the claimant had not acted with natural intent, even if he may have been insane. Because of that finding, the court did not need to resolve whether culpable conduct is also required for § 2333 No. 2 BGB a.F. or for unworthiness under §§ 2339, 2345 BGB.

Omnilex headnote

§ 2333 Nr. 1 und 2, § 2336 Abs. 2, 3, § 2339 Abs. 1 Nr. 1, § 2345 Abs. 2 BGB a.F.; Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision; natürliche Vorsatzfähigkeit bei schuldunfähigem Handeln. Die Verweisung des Erblassers auf einen bestimmten Vorfall genügt zur Begründung des Entziehungsgrundes, wenn das Geschehen hinreichend individualisiert ist (consid. 2). Für die Pflichtteilsentziehung nach § 2333 Nr. 1 BGB a.F. kann bei schuldunfähigem Verhalten natürlicher Vorsatz genügen; dessen Fehlen ist vom Tatrichter aufgrund freier Beweiswürdigung positiv festzustellen. Die strafgerichtliche Verurteilung bindet das Zivilgericht nicht. Sind die tatsächlichen Feststellungen zum fehlenden natürlichen Vorsatz tragfähig, stellen sich Fragen der Beweislast sowie der Schuldhaftigkeit bei § 2333 Nr. 2 BGB a.F. und bei der Pflichtteilsunwürdigkeit nicht mehr.

Full text

BGH — IV ZR 102/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-04-13

Aktenzeichen: IV ZR 102/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 2333 Nr 1 BGB vom 02.01.2002, § 2333 Nr 2 BGB vom 02.01.2002, § 2336 BGB vom 02.01.2002, § 2339 Abs 1 Nr 1 BGB, § 2345 Abs 2 BGB

Vorinstanz: vorgehend OLG Köln, 11. Mai 2009, Az: 2 U 77/05, Urteilvorgehend LG Köln, 8. Oktober 1998, Az: 15 O 411/95

Spruchkörper: 4. Zivilsenat

Titelzeile

Pflichtteilsrecht: Entziehung des Pflichtteils bei Handeln eines Schuldunfähigen mit natürlichem Vorsatz

Tenor

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 2. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Köln vom 11. Mai 2009 wird auf Kosten des Beklagten zurückgewiesen.

Gründe

1 Die Rechtssache hat weder grundsätzliche Bedeutung noch erfordert die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

2 Soweit das Berufungsgericht eine Pflichtteilsentziehung nach § 2333 Nr. 1 und 2 BGB a.F. bereits daran hat scheitern lassen, dass die Erblasserin in ihrem Testament vom 20. Januar 1994 den Grund der Entziehung nicht gemäß § 2336 Abs. 2 BGB a.F. angegeben hat, begegnet das allerdings Bedenken. Auf der Grundlage der Rechtsprechung des Senats (Urteil vom 27. Februar 1985 - IVa ZR 136/83, BGHZ 94, 36, 40, 42 f.) hat die Erblasserin das in Betracht kommende Geschehen am 13. Januar 1994 hinreichend deutlich durch den Verweis auf Faustschläge auf den Kopf sowie das Inkaufnehmen eines plötzlichen Todes umschrieben. Nicht zu beanstanden ist demgegenüber die Annahme des Berufungsgerichts, die Voraussetzungen für eine Pflichtteilsentziehung nach § 2333 Nr. 1 BGB a.F. lägen nicht vor, weil nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht festgestellt werden könne, dass der Kläger auf der Grundlage der Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts im Beschluss vom 19. April 2005 (1 BvR 1644/00, ZEV 2005, 301 Rn. 90, 92) zwar schuldunfähig, aber in einem natürlichen Sinn vorsätzlich gehandelt hat. Weder hat das Berufungsgericht das - für das Zivilverfahren nicht bindende - Strafurteil gegen den Kläger nicht ausreichend in seine Würdigung einbezogen noch hat es den Begriff des natürlichen Vorsatzes verkannt. Auf die Beweislast nach § 2336 Abs. 3 BGB kommt es dagegen schon deshalb nicht an, weil das Berufungsgericht keine Beweislastentscheidung getroffen, sondern den fehlenden natürlichen Vorsatz des Klägers positiv festgestellt hat. Schließlich stellt sich auch nicht die vom Bundesverfassungsgericht offen gelassene Frage (aaO Rn. 95), ob beim Pflichtteilsentziehungsgrund nach § 2333 Nr. 2 BGB a.F. sowie bei der Pflichtteilsunwürdigkeit nach §§ 2339 Abs. 1 Nr. 1, 2345 Abs. 2 BGB schuldhaftes Handeln des Pflichtteilsberechtigten erforderlich ist oder ebenfalls natürlicher Vorsatz genügt, da nach den Feststellungen des Berufungsgerichts der Kläger gerade nicht mit natürlichem Vorsatz gehandelt hat.

3 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbsatz 2 ZPO abgesehen. Der Senat hat ferner den gerügten Verstoß gegen Verfahrensgrundrechte aus Art. 103 Abs. 1 GG geprüft und für nicht durchgreifend erachtet.

4 Streitwert: 24.353,11 €

Dr. Kessal-Wulf Harsdorf-Gebhardt Dr. Karczewski

Lehmann Dr. Brockmöller

Keywords

inheritance lawforced sharedisinheritancenatural intentinsanityburden of proofrevision leavecivil procedure

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the complaint against denial of leave to appeal should be admitted.

Extracted holding

The case did not raise a question of fundamental importance, nor did legal development or uniformity require a revision decision.

Extracted reasoning

The statutory prerequisites for leave to appeal under § 543(2) ZPO were not met.

Key legal question

Whether the testament sufficiently stated the ground for disinheritance under § 2336(2) BGB a.F.

Extracted holding

The appellate court's view was doubtful; the testator's reference to blows to the head and acceptance of sudden death sufficiently described the incident.

Extracted reasoning

Under prior case law, the relevant event may be identified by an adequately clear description without exhaustive detail.

Key legal question

Whether the requirements for disinheritance under § 2333 No. 1 BGB a.F. were met despite the claimant's alleged insanity.

Extracted holding

No; the appellate court could validly find that natural intent had not been proven.

Extracted reasoning

The criminal judgment was not binding in civil proceedings, the concept of natural intent was not misconstrued, and the evidence did not establish such intent.

Key legal question

Whether the court had to decide the burden-of-proof question under § 2336(3) BGB a.F. and the requirement of culpable conduct for § 2333 No. 2 BGB a.F. and unworthiness under §§ 2339(1) No. 1, 2345(2) BGB.

Extracted holding

No; those questions were irrelevant because the appellate court positively found the absence of natural intent.

Extracted reasoning

Without natural intent, the alternative doctrinal questions did not affect the outcome.

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