Drug-trafficking sentence: forfeiture and value-forfeiture clarified

BGH 2 StR 144/13Bgh / Criminal Chamber IIAug 14, 2013Dismissed

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Omnilex summary

The accused challenged an LG Aachen judgment for organized drug trafficking in non-negligible quantities. The BGH dismissed the revision as unfounded and held that the sentencing error concerning the applicable BtMG range did not affect the individual or overall sentence because the individual penalties were set at the lower end. The Senate also corrected the operative part of the judgment: the seized cash of EUR 3,920 is forfeited, and EUR 26,080 is subject to forfeiture of substitute value. The appellant bears the costs of the remedy.

Omnilex headnote

§ 30a Abs. 3 BtMG, § 29a Abs. 1 BtMG; sentencing in a lesser case and effect of the displaced basic offense range: the displaced provision blocks only the minimum sentence, whereas the maximum sentence is governed by the offense of conviction. A misapplication of the range warrants reversal only if it can have affected the sentence; where the individual sentences lie at the lower end and the overall sentence is unaffected, the error is harmless (consid. on sentencing review). If the operative part on confiscation is inconsistent with the reasons, the court may clarify that seized proceeds are subject to forfeiture and the remaining amount to forfeiture of substitute value.

Full text

BGH — 2 StR 144/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-08-14

Aktenzeichen: 2 StR 144/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 29a Abs 1 BtMG, § 30a Abs 3 BtMG

Vorinstanz: vorgehend LG Aachen, 1. August 2012, Az: 68 KLs 101 Js 44/11 - 19/11

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Bandenmäßiges unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge: Strafrahmen bei minder schwerem Fall

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Aachen vom 1. August 2012 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat; jedoch wird der Tenor des angefochtenen Urteils dahingehend klargestellt, dass bezüglich der sichergestellten Geldscheine im Wert von 3.920 Euro der Verfall und in Höhe eines Betrages von 26.080 Euro der Verfall von Wertersatz angeordnet wird.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Auch der Strafausspruch hält im Ergebnis revisionsrechtlicher Kontrolle stand.

Das Landgericht hat gegen den Angeklagten eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verhängt. Dabei hat es in den Fällen II. 3 bis 4, 7 bis 14, 16 bis 19, 21 und 24, in denen es den Angeklagten wegen bandenmäßigen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verurteilt hat, jeweils einen minder schweren Fall gemäß § 30a Abs. 3 BtMG angenommen, seiner Strafzumessung jedoch den Strafrahmen des § 29a Abs. 1 BtMG zugrunde gelegt. Zur Begründung hat es ausgeführt, der Strafrahmen des verdrängten § 29a Abs. 1 BtMG entfalte bei Annahme minder schwerer Fälle im Sinne des § 30a Abs. 3 BtMG gegenüber dessen Strafrahmen eine Sperrwirkung, sofern nicht auch ein minder schwerer Fall gemäß § 29a Abs. 2 BtMG vorliege.

Dabei hat die Strafkammer übersehen, dass § 29a Abs. 1 BtMG nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs insoweit lediglich hinsichtlich der Mindeststrafe eine Sperrwirkung entfaltet; für die Höchststrafe gilt demgegenüber die für den Schuldspruch maßgebliche Bestimmung (vgl. BGH, Urteil vom 13. Februar 2003, 3 StR 349/02, NStZ 2003, 440, 441; Beschluss vom 25. Mai 2010, 1 StR 59/10, NStZ 2011, 98, 99). Das Landgericht hätte demnach einen Strafrahmen von einem Jahr bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe und nicht einen solchen von einem Jahr bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe zugrunde legen müssen. Ob dieser Rechtsprechung, mit der Wertungswidersprüche in der Anwendung der Strafrahmen des Betäubungsmittelgesetzes nur an der Strafrahmenuntergrenze beseitigt werden, stets zu folgen ist, kann hier dahinstehen. Der Senat schließt jedenfalls aus, dass sich der Rechtsfehler in den vorgenannten Fällen auf die Höhe der verhängten Einzelstrafen, die sich sämtlich im unteren Bereich des zur Verfügung stehenden Strafrahmens bewegen, ausgewirkt hat. Damit ist zugleich ein Beruhen des Gesamtstrafenausspruchs auf dem aufgezeigten Rechtsfehler ausgeschlossen.

Soweit das Landgericht den Verfall eines Geldbetrages in Höhe von 30.000 Euro angeordnet und den bei dem Angeklagten sichergestellten Geldbetrag von 3.920 Euro angerechnet hat, ergibt sich aus den Urteilsgründen, dass es sich hierbei um ein Fassungsversehen handelt. Die bei dem Angeklagten sichergestellten Geldscheine im Wert von 3.920 Euro unterliegen dem Verfall (§ 73 StGB); in Höhe eines Betrages von 26.080 Euro war demgegenüber der Verfall von Wertersatz (§ 73a StGB) anzuordnen. Der Senat hat daher den Tenor entsprechend klargestellt.

Fischer Appl Eschelbach

Ott Zeng

Keywords

drug traffickingminor casesentencing rangeforfeiturevalue forfeiturerevisionharmless errorcosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the conviction and sentence were infected by applying the wrong drug-law sentencing range in minor cases under § 30a Abs. 3 BtMG.

Extracted holding

The error did not affect the individual sentences or the overall sentence; the revision therefore failed on the merits.

Extracted reasoning

For § 29a Abs. 1 BtMG, only the minimum sentence is blocked in relation to the lesser range; the maximum follows the offense of conviction. Because the individual sentences were imposed at the lower end, the Senate excluded any impact on the sentence.

Key legal question

Whether the confiscation order for cash had to be clarified as forfeiture versus value-forfeiture.

Extracted holding

Yes. The seized banknotes worth EUR 3,920 were subject to forfeiture, and EUR 26,080 had to be ordered as forfeiture of substitute value.

Extracted reasoning

The judgment reasons showed a drafting error in the tenor. The seized cash itself was to be forfeited; only the remaining amount could be covered by substitute-value forfeiture.

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