Recusal based on personal friendship with court president

BGH RiZ (R) 1/15Bgh / Dienstgericht Des BundesDec 2, 2015Granted

Extracted by Omnilex

Omnilex summary

A judge of the Federal Court of Justice, assigned to hear a revision in a judicial disciplinary matter, disclosed a long-standing private friendship with the newly appointed president of the Regional Court Karlsruhe, who represented the Land in the underlying service-supervision proceeding. The Dienstgericht des Bundes held that the relationship exceeded a mere acquaintance and created objectively justified doubts about impartiality. It therefore declared the judge's self-recusal well-founded. The court also held that it did not matter that the Land, rather than the president personally, was the formal party, because the president acted as the Land's legal representative.

Omnilex headnote

§ 42 Abs. 2 ZPO; Besorgnis der Befangenheit bei persönlicher Beziehung zu einem Verfahrensbeteiligten oder dessen gesetzlichem Vertreter. Ein Richter ist abzulehnen, wenn aus Sicht einer vernünftigen Prozesspartei bei Würdigung aller Umstände Anlass besteht, an seiner Unvoreingenommenheit zu zweifeln. Eine besondere persönliche Beziehung kann dies begründen, wenn sie über bloße Bekanntschaft oder lockere Freundschaft hinausgeht. Maßgeblich sind Intensität, Dauer und private Verflechtung der Beziehung; gemeinsame Urlaube und regelmäßige private Kontakte können die erforderliche Nähe belegen. Unerheblich ist, dass nicht der Vertreter selbst, sondern der von ihm repräsentierte Rechtsträger formeller Beteiligter ist, wenn der Vertreter im Verfahren die maßgebliche Interessenposition wahrnimmt (consid. 3 f.).

Full text

BGH — RiZ (R) 1/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-12-02

Aktenzeichen: RiZ (R) 1/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2015:021215BRIZR1.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 42 Abs 2 ZPO, § 48 ZPO

Vorinstanz: vorgehend Dienstgerichtshof für Richter beim Oberlandesgericht Stuttgart, 17. April 2015, Az: DGH 1/13, Urteilvorgehend Dienstgericht Karlsruhe, 4. Dezember 2012, Az: RDG 5/12, Urteilnachgehend BGH, 28. März 2017, Az: RiZ (R) 1/15, Beschlussnachgehend BGH, 7. September 2017, Az: RiZ (R) 1/15, Urteil

Spruchkörper: Dienstgericht des Bundes

Titelzeile

Besorgnis der Befangenheit im dienstgerichtlichen Verfahren: Persönliche Beziehung des Richters zum Präsidenten des die angefochtene dienstaufsichtsrechtliche Maßnahme erlassenden Gerichts

Tenor

Die Selbstablehnung des Vorsitzenden Richters am Bundesgerichtshof Prof. Dr. B. wird für begründet erklärt.

Gründe

I.

1 Der Antragsteller, der Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe ist, hat ein Prüfungsverfahren gegen eine Maßnahme der Dienstaufsicht der früheren Präsidentin des Oberlandesgerichts Karlsruhe beantragt. Das Dienstgericht hat dem Antrag teilweise stattgegeben und ihn im Übrigen zurückgewiesen. Gegen die Zurückweisung seiner Berufung durch den Dienstgerichtshof hat er beim Dienstgericht des Bundes Revision eingelegt.

2 Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof Prof. Dr. B. , der nach dem Geschäftsverteilungsplan des Bundesgerichtshofs als Vorsitzender des Dienstgerichts zur Mitwirkung an dem Revisionsverfahren berufen ist, hat angezeigt, dass er seit über 20 Jahren mit dem neu ernannten Präsidenten des Oberlandesgerichts Karlsruhe befreundet sei, die Familien früher mehrfach gemeinsame Sommerurlaube verbracht hätten und sie sich weiterhin regelmäßig zu Geburtstagsfeiern und ähnlichen Anlässen einladen würden.

II.

3 Auf die Selbstanzeige ist die Ablehnung für begründet zu erklären, § 80 Abs. 1 Satz 1 DRiG, § 54 Abs. 1 VwGO, §§ 48, 42 Abs. 2 ZPO. Die Besorgnis der Befangenheit führt zur Ablehnung, wenn aus der Sicht eines Verfahrensbeteiligten bei vernünftiger Würdigung aller Umstände Anlass gegeben ist, an der Unvoreingenommenheit und objektiven Einstellung des Richters zu zweifeln (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 15. März 2012 - V ZB 102/11, NJW 2012, 1890 Rn. 10; Beschluss vom 10. Juni 2013 - AnwZ (Brfg) 24/12, NJW-RR 2013, 1211 Rn. 6; Beschluss vom 24. November 2014 - BLw 2/14, MDR 2015, 608 Rn. 3). Besondere persönliche Beziehungen des Richters zu einem Verfahrensbeteiligten können geeignet sein, ein solches Misstrauen eines Verfahrensbeteiligten in die Unparteilichkeit eines Richters zu rechtfertigen (BGH, Beschluss vom 24. April 2013 - RiZ 4/12, juris Rn. 28; Beschluss vom 15. März 2011 - II ZR 237/09, WM 2011, 812 Rn. 2; Beschluss vom 15. März 2011 - II ZR 244/09, NJW-RR 2011, 648 Rn. 2). Eine Bekanntschaft oder lockere Freundschaft stellt allerdings regelmäßig noch keine für eine Besorgnis der Befangenheit ausreichende besondere persönliche Beziehung dar (vgl. BGH, Beschluss vom 29. Juni 2009 - I ZR 168/06, juris Rn. 6 f.; Beschluss vom 13. Juni 2005 - X ZR 195/03, juris Rn. 8; BAG, NZA-RR 2010, 516, 517). Die von Vorsitzendem Richter am Bundesgerichtshof Prof. Dr. B. angezeigten Umstände begründen aber die Besorgnis der Befangenheit, weil danach eine über eine Bekanntschaft oder lockere Freundschaft hinausreichende persönliche Beziehung zum Präsidenten des Oberlandesgerichts Karlsruhe besteht.

4 Dass das Land und nicht der Präsident des Oberlandesgerichts Karlsruhe im Prüfungsverfahren unmittelbar beteiligter Rechtsträger ist, steht dem nicht entgegen. Der Präsident des Oberlandesgerichts vertritt das Land im Prüfungsverfahren nach § 8 des Landesrichter- und -staatsanwaltsgesetzes Baden-Württemberg (LRiStAG BW) in der Fassung der Bekanntmachung vom 22. Mai 2000 (GBl. 2000, 503), § 11 Satz 1 der Verordnung des Innenministeriums, Finanz- und Wirtschaftsministeriums, des Kultusministeriums, des Wissenschaftsministeriums, des Umweltministeriums, des Sozialministeriums, des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, des Justizministeriums, des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur und des Integrationsministeriums über die Regelung beamtenrechtlicher Zuständigkeiten (Beamtenrechtszuständigkeitsverordnung - BeamtZuVO) vom 8. Mai 1996 (GBl. 1996, 402) in der Fassung vom 9. November 2010 (GBl. 2010, 793, 977), § 10 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BeamtZuVO (in der Fassung vom 3. Dezember 2013, GBl. 2013, 449, 475). Als gesetzlicher Vertreter steht er hinsichtlich seines Interesses am Verfahrensausgang dem unmittelbar beteiligten Rechtsträger gleich.

Mayen Drescher Menges

Koch Gericke

Keywords

biasrecusaljudicial impartialitypersonal relationshipjudicial disciplinelegal representation

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether Prof. Dr. B. must be recused for bias due to a personal friendship with the Regional Court Karlsruhe president

Extracted holding

The self-disqualification is well-founded because the described relationship goes beyond a mere acquaintance or loose friendship and can objectively justify doubts about impartiality.

Extracted reasoning

A judge must be recused if a party, from a reasonable assessment of all circumstances, may doubt the judge's neutrality. A special personal relationship to a participant can create such doubt. Here, decades-long friendship, shared family vacations, and regular private invitations showed a relationship of sufficient closeness. The fact that the Land, not the president personally, was the formal party did not matter because the president represented the Land in the proceeding and was thus to be treated as the relevant interest holder.

Continue your research in ChatGPT or Claude

Connect Omnilex to search the legal corpus from your AI assistant.