No postponement based on diagnosis code in sick note

BFH VII B 43/13Bfh / Division 7Aug 7, 2013Dismissed

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Omnilex summary

The BFH dismissed the complaint. The FG had lawfully refused to postpone the oral hearing because the plaintiff had not credibly shown an important reason for postponement. A diagnosis code in the submitted sick note was not enough; the court needed a concrete description of the illness to assess whether appearing at the hearing was unreasonable. The later explanation of the code still did not establish incapacity to attend.

Omnilex headnote

§ 227 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 155 FGO; right to be heard under Art. 103 Abs. 1 GG: A request to postpone a hearing requires substantiation of an important reason sufficient to allow the court to assess the unreasonableness of attendance. A mere diagnosis code in an incapacity certificate does not satisfy this burden; the party must describe the illness concretely. The court is not obliged to decipher medical shorthand by independent internet research. A later general translation of the diagnosis is likewise insufficient unless it shows hearing incapacity or comparable unavoidability (consid. 2 f.).

Full text

BFH — VII B 43/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-08-07

Aktenzeichen: VII B 43/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 227 Abs 1 ZPO, § 155 FGO, Art 103 Abs 1 GG

Vorinstanz: vorgehend FG München, 1. Februar 2013, Az: 3 K 2372/12, Urteil

Spruchkörper: 7. Senat

Titelzeile

Anforderungen an die Begründung des Antrags auf Terminsverlegung - Keine Glaubhaftmachung der Verhandlungsunfähigkeit durch Diagnosekürzel in der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Leitsatz

NV: Ein in der vorgelegten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vermerktes Diagnosekürzel (wie "J06.9G") ersetzt nicht die von der Rechtsprechung geforderte genaue Schilderung der Erkrankung, die dem FG die Beurteilung ermöglicht, ob ein Erscheinen zum Termin unzumutbar ist .

Gründe

1 Die Beschwerde ist unbegründet. Das Finanzgericht (FG) hat durch die Ablehnung des Antrags des Klägers und Beschwerdeführers (Kläger), den Verhandlungstermin wegen seiner Erkrankung zu verlegen, das rechtliche Gehör des Klägers nicht verletzt.

2 Das FG hat einen gemäß § 227 Abs. 1 der Zivilprozessordnung i.V.m. § 155 der Finanzgerichtsordnung (FGO) die Verlegung eines Verhandlungstermins gebietenden erheblichen Grund in zutreffender Anwendung der dazu ergangenen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs --BFH-- (vgl. den vom FG referierten BFH-Beschluss vom 21. November 2012 VIII B 144/11, BFH/NV 2013, 240, m.w.N.) verneint.

3 Bei der gebotenen Gesamtschau der vom Kläger mit dem Verlegungsantrag und dessen ergänzendem Schreiben dem FG unterbreiteten Informationen ist die Würdigung des FG nicht zu beanstanden, der Kläger habe einen Verlegungsgrund nicht glaubhaft gemacht. Das in der vorgelegten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vermerkte Diagnosekürzel "J06.9G" ersetzt nicht die von der Rechtsprechung geforderte genaue Schilderung der Erkrankung, die dem FG die Beurteilung ermöglicht, ob ein Erscheinen zum Termin unzumutbar ist. Anders als der Kläger meint ist es nicht Aufgabe des FG, durch eigene Internetrecherche die Auflösung des Kürzels herauszufinden. Abgesehen davon ergibt sich auch aus der vom Kläger mit E-Mail vom folgenden Tag mitgeteilten "Übersetzung" dieser Diagnose ("nicht näher bezeichnete akute Infektion der oberen Atemwege") nicht die Verhandlungsunfähigkeit des Patienten. Keinesfalls musste das FG daraus folgern, dass die Erkrankung so ansteckend und schwerwiegend sein könne, dass ein Aufsuchen des Gerichts wegen Ansteckungsgefahr und Körperschwäche oder ein kurzfristiges Aufsuchen einer Arztpraxis wegen Bettlägerigkeit nicht in Betracht komme.

Keywords

hearing postponementright to be heardincapacity for workdiagnosis codecredibilityoral hearing

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Key legal question

Whether refusing to postpone the hearing violated the complainant's right to be heard.

Extracted holding

No violation occurred because the complainant did not make the need for postponement sufficiently credible.

Extracted reasoning

A diagnosis code in a sick note does not replace a concrete description of the illness enabling the court to assess whether attendance would be unreasonable. The court had no duty to decipher the code by internet research; the later explanation still did not show incapacity to appear.

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