Witness complaint against order fine requires representation before BFH

BFH V B 42/16Bfh / Division 5Apr 13, 2016Dismissed

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Omnilex summary

The BFH dismissed as inadmissible a witness’s complaint against a lower-court order fining him for failing to appear. The Court held that the mandatory representation rule before the BFH applies also to a complaint under Sec. 128(1) FGO against an order fine under Sec. 82 FGO in conjunction with Sec. 380 ZPO. The fact that the tax court’s legal remedies instruction was not fully correct only affected the filing period under Sec. 55(2) FGO, not the requirement that the remedy be filed and supported by a qualified representative. The complainant had to bear the costs.

Omnilex headnote

§ 62 Abs. 4 S. 2 FGO; Vertretungszwang vor dem BFH auch für Rechtsmittel, mit denen ein Verfahren vor dem BFH eingeleitet wird, insbesondere für die beim FG eingelegte Beschwerde gegen die Festsetzung eines Ordnungsgelds gegen einen ausgebliebenen Zeugen nach § 82 FGO i.V.m. § 380 ZPO. Fehlt die Einlegung und Begründung durch eine postulationsfähige Person trotz Belehrung, ist das Rechtsmittel unzulässig. Eine unvollständige Rechtsmittelbelehrung des FG über die Frist nach § 55 Abs. 2 FGO berührt den Vertretungszwang nicht, sondern nur die Fristberechnung (vgl. Erw. 2 und 3).

Full text

BFH — V B 42/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-04-13

Aktenzeichen: V B 42/16

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 62 Abs 4 S 2 FGO, § 82 FGO, § 55 Abs 2 FGO, § 128 Abs 1 FGO, § 129 Abs 1 FGO, § 380 ZPO

Vorinstanz: vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg, 25. Februar 2016, Az: 4 K 4156/14, Beschluss

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Vertretungszwang für Beschwerde eines Zeugen gegen die Festsetzung eines Ordnungsgelds

Leitsatz

  1. NV: Auch eine gegen die Festsetzung eines Ordnungsgelds gegen einen nicht erschienenen Zeugen gemäß § 82 FGO i.V.m. § 380 ZPO statthafte Beschwerde nach § 128 Abs. 1 FGO unterliegt dem Vertretungszwang vor dem BFH.

  2. NV: Wird die Beschwerde trotz wiederholter Belehrung des Zeugen nicht von einer postulationsfähigen Person eingelegt, ist die Beschwerde als unzulässig zu verwerfen. Dies gilt auch, wenn sich die Frist zur Einlegung der Beschwerde mangels nicht ganz ordnungsgemäßer Belehrung durch das FG nicht nach § 129 Abs. 1 FGO, sondern nach § 55 Abs. 2 FGO bestimmt, weil das FG in seiner Rechtsmittelbelehrung nicht ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass auch schon bei Einlegung der Beschwerde vor dem FG bereits der Vertretungszwang gilt.

Tenor

Die Beschwerde des Beschwerdeführers gegen den Beschluss des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 25. Februar 2016 4 K 4156/14 wird als unzulässig verworfen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Beschwerdeführer zu tragen.

Gründe

1 Das Rechtsmittel ist unzulässig.

2 1. Vor dem Bundesfinanzhof (BFH) muss sich --wie dem Beschwerdeführer in der Rechtsmittelbelehrung mitgeteilt worden ist-- jeder Beteiligte, sofern es sich nicht um eine juristische Person des öffentlichen Rechts oder um eine Behörde handelt, durch einen Rechtsanwalt, Steuerberater, Steuerbevollmächtigten, Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer als Bevollmächtigten vertreten lassen; zur Vertretung berechtigt sind auch Gesellschaften i.S. des § 3 Nr. 2 und 3 des Steuerberatungsgesetzes, die durch solche Personen handeln (§ 62 Abs. 4 i.V.m. Abs. 2 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung --FGO--). Der Vertretungszwang gilt gemäß § 62 Abs. 4 Satz 2 FGO auch für Prozesshandlungen, durch die ein Verfahren vor dem BFH eingeleitet wird, also auch für die Einlegung von Rechtsmitteln beim Finanzgericht --FG-- (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 12. Januar 2011 IV B 73/10, BFH/NV 2011, 811). Damit unterliegt auch die gegen die Festsetzung eines Ordnungsgelds gegen einen nicht erschienenen Zeugen gemäß § 82 FGO i.V.m. § 380 der Zivilprozessordnung statthafte Beschwerde nach § 128 Abs. 1 FGO dem Vertretungszwang (vgl. BFH-Beschluss in BFH/NV 2011, 811 m.w.N.). Nachdem die Beschwerde trotz entsprechender erneuter Belehrung durch den BFH nicht von einer der genannten Personen oder Gesellschaften eingelegt und begründet worden ist, ist die Beschwerde als unzulässig zu verwerfen.

3 Dies gilt ungeachtet dessen, dass sich die Frist zur Einlegung der Beschwerde mangels nicht ganz ordnungsgemäßer Belehrung durch das FG nicht nach § 129 Abs. 1 FGO, sondern nach § 55 Abs. 2 FGO bestimmt. Denn das FG hat in seiner Rechtsmittelbelehrung nicht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auch schon bei Einlegung der Beschwerde vor dem FG bereits der Vertretungszwang gilt.

4 2. Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 2 FGO.

Keywords

representation requirementwitness fineinadmissibilitylegal remedy instructiontax procedurecosts

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Key legal question

Whether a complaint against an order fine imposed on a non-appearing witness is subject to mandatory representation before the BFH.

Extracted holding

Yes. The representation requirement also applies to the filing of this complaint before the tax court.

Extracted reasoning

Under Sec. 62(4) sentence 2 FGO, the representation requirement applies to procedural acts initiating proceedings before the BFH, including filing remedies at the lower court. A complaint under Sec. 128(1) FGO against an order fine under Sec. 82 FGO in conjunction with Sec. 380 ZPO is therefore also covered.

Key legal question

Whether the complaint is admissible despite defective legal remedy instructions and a filing period governed by Sec. 55(2) FGO rather than Sec. 129(1) FGO.

Extracted holding

No. The defective instruction affected only the time limit, not the mandatory representation requirement.

Extracted reasoning

The missing explicit notice that representation is already required when filing the complaint before the tax court does not remove the obligation to be represented by a qualified representative; the complaint still had to be filed and reasoned by such a person.

Key legal question

Costs of the appeal proceedings.

Extracted holding

The appellant must bear the costs.

Extracted reasoning

Costs follow from the dismissal of the inadmissible complaint under Sec. 135(2) FGO.

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