Protokoll über die Rechtsstellung der Flüchtlinge

0.142.301Multilateral International TreatyMay 20, 1968

Abgeschlossen in New York am 31. Januar 1967
Von der Bundesversammlung genehmigt am 4. März 19681
Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 20. Mai 1968
In Kraft getreten für die Schweiz am 20. Mai 1968

(Stand am 28. Februar 2022)

Die Vertragsparteien dieses Protokolls

in der Erwägung, dass das am 28. Juli 19512in Genf unterzeichnete Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (in der Folge Abkommen genannt) nur auf Personen anwendbar ist, die auf Grund von Ereignissen Flüchtlinge geworden sind, die vor dem 1. Januar 1951 eingetreten sind,

in der Erwägung, dass seit der Annahme des Abkommens neue Kategorien von Flüchtlingen entstanden sind, die deshalb vom Genuss der Vorteile des Abkommens ausgeschlossen werden könnten,

in der Erwägung, dass es wünschbar ist, allen Flüchtlingen, die der im Abkommen enthaltenen Umschreibung entsprechen, ohne Rücksicht auf den Stichtag des 1. Januar 1951 die gleiche Rechtsstellung zu gewähren,

haben folgendes vereinbart:

Art. I Allgemeine Bestimmung
  1. Die Vertragsparteien dieses Protokolls verpflichten sich, die Artikel 2 bis 34 des Abkommens auf alle Flüchtlinge anzuwenden, wie sie nachfolgend umschrieben werden.
  2. Für dieses Protokoll umfasst der Begriff «Flüchtling» unter Vorbehalt von Ziffer 3 dieses Artikels jede Person, die der in Artikel 1 des Abkommens enthaltenen Umschreibung entspricht, wie wenn die Worte «die sich auf Grund von Ereignissen, die vor dem 1. Januar 1951 eingetreten sind und .» und die Worte «infolge solcher Ereignisse» in Ziffer 2, Abschnitt A des Artikels 1 nicht enthalten wären.
  3. Dieses Protokoll wird von den Vertragsparteien ohne jegliche geographische Begrenzung angewendet werden; jedoch sind die von Staaten, die dem Abkommen bereits angehören, auf Grund von Artikel 1, Abschnitt B, Ziffer 1, Buchstabea des Abkommens früher abgegebenen Erklärungen auch auf dieses Protokoll anwendbar, es sei denn, die Verpflichtungen dieser Staaten wären gemäss Artikel 1, Abschnitt B, Ziffer 2 des Abkommens erweitert worden.
Art. II Zusammenarbeit der staatlichen Behörden mit den Vereinten Nationen
  1. Die Vertragsparteien dieses Protokolls verpflichten sich, mit dem Hochkommissariat der Vereinten Nationen für die Flüchtlinge oder mit jeder anderen Institution, die ihm nachfolgen könnte, bei der Ausübung ihrer Befugnisse zusammenzuarbeiten und im Besonderen ihre Aufgabe zu erleichtern, die Anwendung der Bestimmungen dieses Protokolls zu überwachen.
  2. Um dem Hochkommissariat oder jeder andern, ihm allenfalls nachfolgenden Institution der Vereinten Nationen die Berichterstattung an die zuständigen Organe der Vereinten Nationen zu ermöglichen, verpflichten sich die Vertragsparteien dieses Protokolls, ihnen in geeigneter Form die gewünschten Informationen und statistischen Angaben zu machen über:
    1. die Rechtsstellung der Flüchtlinge;
    2. die Durchführung dieses Protokolls;
    3. die Gesetze, Verordnungen und Dekrete, die in Kraft sind oder erlassen werden und die die Flüchtlinge betreffen.
Art. III Auskünfte über die innerstaatliche Gesetzgebung

Die Vertragsparteien dieses Protokolls werden dem Generalsekretär der Vereinten Nationen den Text der Gesetze und Verordnungen mitteilen, die sie zur Anwendung dieses Protokolls erlassen.

Art. IV Beilegung von Streitigkeiten

Streitigkeiten zwischen den Parteien dieses Protokolls über seine Auslegung oder Anwendung sind auf Begehren einer der beteiligten Parteien dem Internationalen Gerichtshof zu unterbreiten, sofern sie nicht auf andere Weise beigelegt werden können.

Art. V Beitritt

Der Beitritt zu diesem Protokoll steht allen Staaten offen, die dem Abkommen angehören, und jedem andern Staat, der Mitglied der Vereinten Nationen oder einer ihrer Spezialorganisationen ist, sowie jedem Staat, der von der Generalversammlung dazu eingeladen wird. Der Beitritt erfolgt durch die Hinterlegung einer Beitrittsurkunde beim Generalsekretär der Vereinten Nationen.

Art. VI Bundesstaatsklausel

Bei Bundesstaaten oder solchen Staaten, die nicht Einheitsstaaten sind, finden nachstehende Bestimmungen Anwendung:

  1. Mit Bezug auf die Artikel des Abkommens, die gemäss Artikel I, Ziffer 1 dieses Protokolls anzuwenden sind und deren Durchführung in die Zuständigkeit der gesetzgebenden Organe des Bundes fällt, sind die Verpflichtungen der Bundesregierung die gleichen wie die von Staaten, die nicht Bundesstaaten sind;
  2. Die Artikel des Abkommens, die gemäss Artikel I, Ziffer 1 dieses Protokolls anzuwenden sind und deren Durchführung in die Zuständigkeit der Gesetzgebung jedes der Gliedstaaten, Provinzen oder Kantone fällt, die nach der Bundesverfassung nicht verpflichtet sind, gesetzliche Massnahmen zu ergreifen, wird die Bundesregierung so bald als möglich und in empfehlendem Sinne den zuständigen Behörden der Gliedstaaten, Provinzen oder Kantone zur Kenntnis bringen;
  3. Ein Bundesstaat, der diesem Protokoll angehört, wird auf das ihm vom Generalsekretär der Vereinten Nationen übermittelte Begehren jeder andern Vertragspartei dieses Protokolls eine Darstellung über die im Bunde und seinen Gliedstaaten geltenden gesetzlichen Bestimmungen und der Praxis in Bezug auf irgendeine nach Artikel I, Ziffer 1 dieses Protokolls anwendbare Bestimmung des Abkommens geben; darin soll dargelegt werden, inwieweit diese Bestimmung durch einen gesetzgeberischen Akt oder eine andere Massnahme Wirksamkeit erhalten hat.
Art. VII Vorbehalte und Erklärungen
  1. Im Zeitpunkt des Beitritts kann jeder Staat zu Artikel IV dieses Protokolls und auf Grund von Artikel I dieses Protokolls auch zur Anwendung aller Bestimmungen des Abkommens, mit Ausnahme der Artikel 1, 3, 4, 16 Ziffer 1 und 33, Vorbehalte machen, unter der Bedingung, dass diese bei Staaten, die dem Abkommen beigetreten sind, nicht auch Flüchtlinge erfassen, auf die das Abkommen Anwendung findet.
  2. Die von einer Vertragspartei des Abkommens gemäss Artikel 42 des Abkommens gemachten Vorbehalte werden sich auch auf ihre aus diesem Protokoll sich ergebenden Verpflichtungen erstrecken, es sei denn, sie würden zurückgezogen.
  3. Jeder Staat, der gestützt auf Ziffer 1 dieses Artikels einen Vorbehalt gemacht hat, kann ihn jederzeit durch schriftliche Mitteilung an den Generalsekretär der Vereinten Nationen zurückziehen.
  4. Die von einer Vertragspartei dieses Protokolls, die dem Abkommen angehört, auf Grund von Artikel 40, Ziffer 1 und 2 des Abkommens gemachten Erklärungen sind auch auf dieses Protokoll anwendbar, es sei denn, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen werde im Zeitpunkt des Beitrittes eine gegenteilige schriftliche Erklärung abgegeben. Die Bestimmungen von Artikel 40, Ziffer 2 und 3 und Artikel 44, Ziffer 3 des Abkommens sind,mutatis mutandis, auch auf dieses Protokoll anwendbar.
Art. VIII Inkrafttreten
  1. Dieses Protokoll tritt am Tage der Hinterlegung der sechsten Beitrittsurkunde in Kraft.
  2. Für jeden Staat, der diesem Protokoll nach Hinterlegung der sechsten Beitrittsurkunde beitritt, tritt das Protokoll am Tage in Kraft, an dem dieser Staat seine Beitrittsurkunde hinterlegt.
Art. IX Kündigung
  1. Jede Vertragspartei dieses Protokolls kann dieses zu jeder Zeit durch schriftliche Mitteilung an den Generalsekretär der Vereinten Nationen kündigen.
  2. Die Kündigung wird für den betreffenden Staat ein Jahr nach dem Eingang der Mitteilung beim Generalsekretär der Vereinten Nationen wirksam.
Art. X Mitteilungen durch den Generalsekretär der Vereinten Nationen

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen wird allen den in Artikel V erwähnten Staaten das Datum des Inkrafttretens, Beitritte, Hinterlegungen und Rückzüge von Vorbehalten, Kündigungen sowie Erklärungen und Mitteilungen bekannt geben, die sich auf dieses Protokoll beziehen.

Art. XI Hinterlegung des Protokolls in den Archiven des Sekretariates der Vereinten Nationen

Ein vom Präsidenten der Generalversammlung und vom Generalsekretär der Vereinten Nationen unterzeichnetes Exemplar dieses Protokolls, dessen chinesischer, englischer, französischer, russischer und spanischer Text gleicherweise verbindlich ist, wird in den Archiven des Sekretariates der Vereinten Nationen hinterlegt. Der Generalsekretär wird allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen sowie den übrigen in Artikel V genannten Staaten eine beglaubigte Abschrift übermitteln.

(Es folgen die Unterschriften)

VertragsstaatenRatifikation
Beitritt (B)
Nachfolgeerklärung (N)
Inkrafttreten
Afghanistan30. August2005 B30. August2005
Ägypten22. Mai1981 B22. Mai1981
Albanien18. August1992 B18. August1992
Algerien8. November19678. November1967
Angola*23. Juni1981 B23. Juni1981
Antigua und Barbuda7. September1995 B7. September1995
Äquatorialguinea7. Februar1986 B7. Februar1986
Argentinien6. Dezember19676. Dezember1967
Armenien6. Juli1993 B6. Juli1993
Aserbaidschan12. Februar1993 B12. Februar1993
Äthiopien* **10. November196910. November1969
Australien*13. Dezember197313. Dezember1973
Bahamas15. September1993 B15. September1993
Belarus23. August2001 B23. August2001
Belgien**8. April19698. April1969
Belize27. Juni1990 B27. Juni1990
Benin6. Juli19706. Juli1970
Bolivien9. Februar1982 B9. Februar1982
Bosnien und Herzegowina1. September1993 N6. März1992
Botsuana*6. Januar19696. Januar1969
Brasilien7. April19727. April1972
Bulgarien12. Mai1993 B12. Mai1993
Burkina Faso18. Juni1980 B18. Juni1980
Burundi*15. März197115. März1971
Chile27. April197227. April1972
China*24. September1982 B24. September1982
Macau*a3. Dezember199920. Dezember1999
Costa Rica28. März197828. März1978
Côte d’Ivoire16. Februar197016. Februar1970
Dänemark29. Januar196829. Januar1968
Deutschland**5. November19695. November1969
Dominica17. Februar1994 B17. Februar1994
Dominikanische Republik4. Januar19784. Januar1978
Dschibuti9. August1977 N27. Juni1977
Ecuador6. März19696. März1969
El Salvador*28. April198328. April1983
Estland10. April1997 B10. April1997
Eswatini*28. Januar196928. Januar1969
Fidschi12. Juni1972 N10. Oktober1970
Finnland*10. Oktober196810. Oktober1968
Frankreich**3. Februar19713. Februar1971
Gabun28. August197328. August1973
Gambia29. September19674. Oktober1967
Georgien9. August1999 B9. August1999
Ghana*30. Oktober196830. Oktober1968
Griechenland7. August19687. August1968
Guatemala22. September1983 B22. September1983
Guinea16. Mai196816. Mai1968
Guinea-Bissau11. Februar197611. Februar1976
Haiti25. September1984 B25. September1984
Heiliger Stuhl8. Juni19674. Oktober1967
Honduras*23. März1992 B23. März1992
Iran28. Juli197628. Juli1976
Irland6. November19686. November1968
Island26. April196826. April1968
Israel*14. Juni196814. Juni1968
Italien**26. Januar197226. Januar1972
Jamaika*30. Oktober198030. Oktober1980
Japan1. Januar1982 B1. Januar1982
Jemen18. Januar198018. Januar1980
Kambodscha15. Oktober1992 B15. Oktober1992
Kamerun19. September19674. Oktober1967
Kanada4. Juni19694. Juni1969
Kap Verde*9. Juli1987 B9. Juli1987
Kasachstan15. Januar1999 B15. Januar1999
Kenia13. November1981 B13. November1981
Kirgisistan8. Oktober1996 B8. Oktober1996
Kolumbien4. März1980 B4. März1980
Kongo (Brazzaville)*10. Juli197010. Juli1970
Kongo (Kinshasa)13. Januar197513. Januar1975
Korea (Süd-)3. Dezember1992 B3. Dezember1992
Kroatien12. Oktober1992 N8. Oktober1991
Lesotho14. Mai1981 B14. Mai1981
Lettland*31. Juli1997 B31. Juli1997
Liberia27. Februar198027. Februar1980
Liechtenstein20. Mai196820. Mai1968
Litauen28. April1997 B28. April1997
Luxemburg * **22. April197122. April1971
Malawi*10. Dezember1987 B10. Dezember1987
Mali2. Februar19732. Februar1973
Malta*15. September197115. September1971
Marokko20. April197120. April1971
Mauretanien5. Mai1987 B5. Mai1987
Mexiko7. Juni2000 B7. Juni2000
Moldau31. Januar2002 B31. Januar2002
Monaco16. Juni2010 B16. Juni2010
Montenegro10. Oktober2006 N3. Juni2006
Mosambik1. Mai1989 B1. Mai1989
Nauru28. Juni2011 B28. Juni2011
Neuseeland6. August19736. August1973
Nicaragua28. März198028. März1980
Niederlande* **29. November196829. November1968
Arubab29. November196829. November1968
Karibische Gebiete (Bonaire,
Sint Eustatius und Saba)
22. Juni201122. Juni2011
Niger2. Februar19702. Februar1970
Nigeria2. Mai19682. Mai1968
Nordmazedonien18. Januar1994 N17. November1991
Norwegen28. November196728. November1967
Österreich5. September19735. September1973
Panama2. August19782. August1978
Papua-Neuguinea17. Juli1986 B17. Juli1986
Paraguay1. April19701. April1970
Peru*15. September1983 B15. September1983
Philippinen22. Juli1981 B22. Juli1981
Polen27. September1991 B27. September1991
Portugal*13. Juli197613. Juli1976
Ruanda*3. Januar19803. Januar1980
Rumänien7. August1991 B7. August1991
Russland2. Februar1993 B2. Februar1993
St. Vincent und die Grenadinen*3. November2003 B3. November2003
Salomoninseln12. April1995 B12. April1995
Sambia24. September196924. September1969
Samoa29. November1994 B29. November1994
São Tomé und Príncipe1. Februar19781. Februar1978
Schweden4. Oktober19674. Oktober1967
Schweiz20. Mai196820. Mai1968
Senegal3. Oktober19674. Oktober1967
Serbien12. März2001 N27. April1992
Seychellen23. April198023. April1980
Sierra Leone22. Mai1981 B22. Mai1981
Simbabwe25. August198125. August1981
Slowakei4. Februar1993 N1. Januar1993
Slowenien6. Juli1992 N25. Juni1991
Somalia*10. Oktober1978 B10. Oktober1978
Spanien14. August197814. August1978
Südafrika12. Januar1996 B12. Januar1996
Sudan23. Mai197423. Mai1974
Südsudan10. Dezember2018 B10. Dezember2018
Suriname29. November1978 N25. November1975
Tadschikistan7. Dezember1993 B7. Dezember1993
Tansania*4. September19684. September1968
Timor-Leste*7. Mai2003 B7. Mai2003
Togo1. Dezember19691. Dezember1969
Trinidad und Tobago10. November2000 B10. November2000
Tschad19. August1981 B19. August1981
Tschechische Republik11. Mai1993 N1. Januar1993
Tunesien16. Oktober196816. Oktober1968
Türkei*31. Juli196831. Juli1968
Turkmenistan2. März1998 B2. März1998
Tuvalu7. März1986 N1. Oktober1978
Uganda*27. September197627. September1976
Ukraine4. April2002 B4. April2002
Ungarn14. März1989 B14. März1989
Uruguay22. September197022. September1970
Venezuela*19. September1986 B19. September1986
Vereinigte Staaten*1. November19681. November1968
Vereinigtes Königreich*4. September19684. September1968
Jersey20. Februar199620. Mai1996
Zentralafrikanische Republik30. August19674. Oktober1967
Zypern9. Juli19689. Juli1968
* Vorbehalte und Erklärungen.
** Einwendungen. Die Vorbehalte, Erklärungen und Einwendungen sowie die Vorbehalte und Erklärungen, die anlässlich der Erweiterung der territorialen Geltung des Protokolls gemacht wurden, werden in der AS nicht veröffentlicht. Die französischen und englischen Texte können auf der Internetseite der Vereinten Nationen: http://treaties.un.org/ eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern, bezogen werden.
a Auf Grund einer Erklärung der Volksrepublik China vom 13. April 1987 ist das Prot. seit dem 20. Dez. 1999 auf die Besondere Verwaltungsregion (SAR) Macau anwendbar.
b Am 1. Jan. 1986 erhielt die Insel Aruba, die ein Teil der Niederländischen Antillen war, die innere Autonomie innerhalb des Königreichs der Niederlande. Diese Änd. betrifft nur die internen verfassungsrechtlichen Beziehungen innerhalb des Königreichs der Niederlande

Footnotes

  1. AS 1968 1188

  2. SR 0.142.30

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