OGH 14Os71/98 (14Os72/98)
- Dokumenttyp: Entscheidungstext
- Entscheidungsdatum: 30.06.1998
Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 30.Juni 1998 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr.Massauer als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr.Mayrhofer, Dr.Holzweber, Dr.Ratz und Dr.Philipp als weitere Richter, in Gegenwart des Richteramtsanwärters Mag.Köberl als Schriftführer, in der Strafsache gegen Mujo D***** und Cazim D***** wegen des Verbrechens des teils vollendeten, teils versuchten gewerbsmäßig durch Einbruch begangenen schweren Diebstahls nach §§ 127, 128 Abs 1 Z 4, 129 Z 1, 130 zweiter Satz zweiter Fall und 15 StGB sowie weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Wien als Schöffengericht vom 6.März 1998, GZ 1 b Vr 338/98-62, ferner über Beschwerden gemäß § 494 a Abs 4 StPO der beiden Angeklagten nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den
Beschluß
gefaßt:
Spruch
Die Nichtigkeitsbeschwerden werden zurückgewiesen.
Zur Entscheidung über die Berufungen und die Beschwerden werden die Akten dem Oberlandesgericht Wien zugeleitet.
Den Angeklagten fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.
Begründung
Gründe:
Mit dem angefochtenen Urteil wurden Mujo D***** und Cazim D***** des Verbrechens des teils vollendeten, teils versuchten gewerbsmäßig durch Einbruch begangenen schweren Diebstahls nach §§ 127, 128 Abs 1 Z 4, 129 Z 1, 130 zweiter Fall (gemeint: zweiter Satz zweiter Fall) und 15 StGB (A) und der Vergehen der Fälschung besonders geschützter Urkunden nach §§ 223 Abs 2, 224 StGB (C) und der Urkundenunterdrückung nach § 229 Abs 1 StGB (E), Mujo D***** darüber hinaus des Vergehens der Nötigung nach § 105 Abs 1 StGB (D) und Cazim D***** weiters der Verbrechen der Hehlerei nach § 164 Abs 1 bis 4 erster Satz, zweiter Fall und zweiter Satz StGB (B) und der Verleumdung nach § 297 Abs 1 zweiter Fall StGB (F) schuldig erkannt.
Darnach haben (zusammengefaßt) in Wien
A/ Mujo D***** und Cazim D***** teils im bewußten und gewollten Zusammenwirken (zehn Fakten), teils alleine (bei Mujo D***** sechs, bei Cazim D***** vier Fakten) in der Zeit vom September 1997 bis 13. Jänner 1998 fremde bewegliche Sachen in einem 25.000 S (nicht aber 500.000 S) übersteigenden Wert (bei Mujo D***** zumindest 325.000 S, bei Cazim D***** zumindest 440.000 S) näher angeführten Inhabern von Wohnungen durch Einbruch in diese mit dem Vorsatz, sich durch die Sachzueignung unrechtmäßig zu bereichern, weggenommen und in zwei weiteren Fällen (einmal im bewußten und gewollten Zusammenwirken, einmal Mujo D***** allein) wegzunehmen versucht, wobei sie die Diebstähle durch Einbruch jeweils in der Absicht begingen, sich durch deren wiederkehrende Begehung eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen;
B/ Cazim D***** die von Mujo D***** allein gestohlenen Sachen nach den Taten an sich gebracht, wobei ihm die Einbruchsqualifikation bekannt war und er die Hehlerei gewerbsmäßig beging;
C) Mujo D***** und Cazim D***** im September 1997 an nicht
feststellbaren Grenzübertrittsstellen durch Einfügung eigener Lichtbilder verfälschte kroatische Reisepässe zum Beweis ihrer Identität und der Berechtigung zum Grenzübertritt Grenzkontrollorganen vorgelegt;
D) Mujo D***** am 13.Jänner 1998 anläßlich eines Einbruchsdiebstahls
den Gyula M***** durch Entgegenhalten eines Schraubenziehers zum Ausweichen und zur Freigabe des Fluchtwegs genötigt;
E) Mujo D***** und Cazim D***** im einverständlichen Zusammenwirken
als Mittäter am 3.November 1997 anläßlich der zu Faktum A I.3.d angeführten Tathandlung ein vinkuliertes Sparbuch des Michael F***** mit dem Vorsatz unterdrückt, zu verhindern, daß dieses im Rechtsverkehr zum Beweis der Verfügungsberechtigung gebraucht werde;
F/ Cazim D***** am 5.März 1998 durch die in der Hauptverhandlung vor dem Landesgericht für Strafsachen Wien abgelegte Äußerung, er sei "am 14. Jänner 1998 von Bezirksinspektor Gernot K***** wiederholt zu Boden geworfen worden, er habe Tatorte anläßlich seiner Ausführung nicht selbst bezeichnet, das mit ihm verfaßte Protokoll sei völlig anders, als seine stets leugnende Verantwortung protokolliert worden", diesen der Gefahr einer behördlichen Verfolgung ausgesetzt, wobei er wußte, daß die Verdächtigung (wegen Verbrechens des Amtsmißbrauches) falsch war.
Die dagegen von Mujo D***** aus Z 5 und von Cazim D***** aus Z 3, 5 und (nominell) 9 lit a des § 281 Abs 1 StPO erhobenen Nichtigkeitsbeschwerden versagen.
Der allein gegen den Schuldspruch E gerichteten Mängelrüge des Angeklagten Mujo D***** zuwider fanden die in ON 56 a (auf deren Seite 233) vom anwesenden Geschädigten Michael F***** (ident mit S 319/I) getätigten Angaben vor der Sicherheitsbehörde durch (auszugsweise) Verlesung (S 505/I) Eingang in die Hauptverhandlung.
Indem die Tatrichter die Angaben der betroffenen Zeugen im Vorverfahren als glaubwürdig und die insofern leugnende Verantwortung des Angeklagten als widerlegt erachteten (US 18), haben sie den Schuldspruch - auch im Sinne der Verpflichtung zu gedrängter Darstellung (§ 270 Abs 2 Z 5 StPO) - mängelfrei begründet.
Entgegen der Verfahrensrüge des Angeklagten Cazim D***** (Z 3) wurde er von der in seiner Abwesenheit vorgenommenen Vernehmung des Mitangeklagten in Kenntnis gesetzt (S 450/I).
Wenn Cazim D***** in der Mängelrüge (Z 5, nominell auch auf Z 9 lit a gestützt) eine unzureichende Begründung der beweiswürdigenden Erwägungen über seine bereits im September 1997 erfolgte Einreise nach Österreich releviert, ist ihm zu erwidern, daß sich die Tatrichter hiebei logisch und empirisch einwandfrei nicht nur auf seine eigenen diesbezüglichen Angaben vor der Polizei (S 161/I), welche er auch vor dem Journalrichter aufrecht erhielt (S 183/I), sondern auch auf jene seines Bruders Mujo D***** (S 151/I, bestätigt vor dem Richter S 177/I) stützen konnten.
Darüber hinaus wird die in der Hauptverhandlung gewählte, als unglaubwürdig verworfene Verantwortung, Cazim D***** sei erst am 5. Jänner 1998 in das Bundesgebiet gekommen, durch die Angaben der Zeugen Ljubinka S***** und Dobrica K***** ebenso widerlegt (US 16 f), wie dadurch, daß zahlreiche Beutestücke aus vorher stattgefundenen Einbrüchen bei den Angeklagten sichergestellt werden konnten (US 18).
Die Nichtigkeitsbeschwerden waren daher schon bei einer nichtöffentlichen Beratung sofort zurückzuweisen (§ 285 d Abs 1 StPO), woraus die Kompetenz des Oberlandesgerichtes Wien zur Entscheidung über die Berufungen und die Beschwerden folgt (§§ 285 i, 498 Abs 3 StPO).
Die Kostenentscheidung ist in § 390 a StPO begründet.