LVwG N LVwG-AV-315/001-2022

LVwG-AV-315/001-2022Tribunal administratif régional26 juil. 2022

Regest

Landwirtschaft und Natur; Naturschutz; naturschutzbehördlicher Auftrag; Wiederherstellung;

Texte intégral

Landesverwaltungsgericht Niederösterreich LVwG-AV-315/001-2022

  • Dokumenttyp: Entscheidungstext
  • Entscheidungsdatum: 26.07.2022
  • ECLI: ECLI:AT:LVWGNI:2022:LVwG.AV.315.001.2022

Begründung

IM NAMEN DER REPUBLIK

Das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich erkennt durch den Richter Hofrat Mag Gindl über die Beschwerde der A, ***, ***, gegen den Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf vom 18. Februar 2022, Zl. ***, betreffend Aufträge nach dem NÖ Naturschutzgesetz 2000, zu Recht:

Der Beschwerde wird gemäß § 28 Abs. 1 Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz -VwGVG keine Folge gegeben. Aus Anlass der Beschwerde wird die Leistungsfrist jeweils neu festgesetzt, sodass der Ausspruch „31. März 2022“ jeweils mit dem Ausspruch „15. Oktober 2022“ und der Ausspruch „15. April 2022“ durch den Ausspruch „30. Oktober 2022“ ersetzt wird.

Gegen dieses Erkenntnis ist gemäß § 25a Verwaltungsgerichtshofgesetz 1985 – VwGG eine ordentliche Revision im Sinne des Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz – B-VG nicht zulässig.

Entscheidungsgründe:

Mit dem angefochtenen Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf (in der Folge: belangte Behörde) vom 18. Februar 2022, wurde Frau A (in der Folge: Beschwerdeführerin) gemäß §§ 7 und 35 Abs. 4 NÖ Naturschutzgesetz 2000 verpflichtet auf den Grundstücken Nr. *** und ***, beide KG ***, außerhalb des Ortsbereiches Maßnahmen durchzuführen und den früheren Zustand dieses Grundstückes wiederherzustellen.

Konkret wurde der Beschwerdeführerin (mit Spruchpunkt I, und II. Folgendes vorgeschrieben:

„I.

Die Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf verpflichtet Sie, den früheren Zustand auf

dem außerhalb vom Ortsbereich liegenden Grundstück Nr. ***, KG ***,

wiederherzustellen, indem Sie die unten angeführten Gegenstände bis zum

31. März 2022 entfernen, und den Lagerplatz anschließend der natürlichen Sukzession überlassen.

A: Abgestellte Fahrzeuge und Anlagen:

Lfd. Nr.

Fahrzeug (Marke, Farbe und optische Beurteilung)

GPS-Koordinaten (***)

N***° / ***°

1

4 Lkw Anhänger (Unterbau), unverändert abgestellt

*** / ***

*** / ***

2

Spezialbaumaschinenteile der Marke Eu Rec, Farbe Grün, Dieselaggregat mit Betriebsmittel, unverändert abgestellt

*** / ***

3

Lkw Volvo FM12, Farbe Blau, Muldentransporter mit Aufrschrift „***“

*** / **

4

Spezialfahrzeug der Marke SENNEBOGEN 305, Farbe Grün, Wrack, Tropfverluste, unverändert abgestellt

*** / ***

5

Kettenbagger Komatsu PC 75, Farbe Gelb, Wrack mit starken Schmiermittelverunreinigungen, unverändert abgestellt

*** / ***

6

Mobile Brecheranlage der Marke FINTEC, Farbe Blau, starke Schmiermittelverunreinigungen

*** / ***

7

Pkw Renault Clio, Farbe Blau, Altfahrzeug

*** / ***

8

Kehrmaschine „Schafter Truck“ Nr. 6, Farbe Grün

Kehrmaschine „Schafter Truck“ Nr. 8, Farbe Grün

Schmiermittelverlust bei Kehrbürsten

*** / ***

9

Raupenbagger Neuson 1404, Tropfverluste

*** / ***

10

Radbagger Poclain, Farbe Rot, ehem. Aufschrift „***“

*** / ***

12

Mobile Siebanlage RoboTrac, Farbe Rot, Wrack

*** / ***

13

Lkw Volvo FM12, Farbe Rot,

*** / ***

14

Lkw IVECO, Straßenkehrmaschine, Farbe Orange, Altfahrzeug

*** / ***

15

Pkw Chrysler Grand Voyager SE CRD, Farbe Grau, weiße Plankette ***, gültig bis 11.2020,

auf einem Container abgestellt

*** / ***

16

Pkw Chrysler Voyager, Farbe Silber,

auf einem Container abgestellt

*** / ***

17

Pkw Hyundai, Kastenwagen, Farbe Weiß, Aufschrift „***, Altfahrzeug,

auf einem Container abgestellt

*** /***

18

Pkw Mercedes VITO 110D, Kastenwagen, Farbe Rot, Aufschrift „ ***, ***, ***, Altfahrzeug auf einem Container abgestellt

*** / ***

19

Pkw Hyundai, Kastenwagen, Farbe Weiß, Aufschrift

„***, ***, ***“, Altfahrzeug auf einem Container abgestellt

*** / ***

20

Lkw DAF ***, Sattelzugfahrzeug, Farbe Gelb, mit Sattelaufleger, Farbe Orange, optisch in Ordnung

*** / ***

21

Kettenbagger New Holland ***, Farbe Gelb

*** / ***

22

Kettenfahrzeug GOMACO (Baumaschine - Selbstfahrer), Farbe Gelb, unverändert abgestellt

*** / ***

24

Baufahrzeug Tumper der Marke neuson 3001, Farbe Rot

*** / ***

25

Radbagger CASE 50, Farbe Orange

*** / ***

26

Radlader der Marke New Holland ***, Farbe Gelb

*** / ***

27

Klein-Lkw Nissan Cabstar 35, mit blauen Kranaufbau, Aufschrift „***, ***

*** / ***

28

Lkw MAN D20 Common Rail, TGA 35.490, Farbe blau

*** / ***

29

Klein-Lkw Nissan, Farbe Weiß, Aufschrift „***, ***, ***

*** / ***

30

LKW Nissan Alteon 35.15, Farbe Silber

*** / ***

31

Lkw MAN 14.284, blau, mit Kranaufbau

*** / ***

32

Lkw MAN, Muldentransporter, Farbe Gelb, ehem. Aufschrift „***“, Altfahrzeug

*** / ***

34

Lkw MAN LE18.280, Muldentransporter

*** / ***

35

Traktor der Marke Lamborghini, Farbe Silber

*** / ***

36

Sattelaufleger, Farbe Silber, Aufschrift „***“, Niederlande, unverändert abgestellt

*** / ***

37

Kettenbagger der Marke neuson 12002, Farbe Rot,

*** / ***

38

Pkw IVECO Daily 50C13, Kastenwagen, Farbe Blau, Altfahrzeug

*** / ***

39

Mobile Siebanlage (Trommelsieb) der Marke Komteck, Farbe Grün

*** / ***

40

LKW MAN, Muldentransporter, Farbe Rot, Aufschrift „***, ***

*** / ***

41

Radlader Kramer Allrad 580T, Farbe Gelb

*** / ***

42

LKW IVECO 410, Muldentransporter, Farbe Weiß, Aufschrift ***, ***, ***

*** / ***

43

Kleinbagger neuson 3503, Farbe Rot

*** / ***

44

Hechsler Jensen A521, Farbe Orange

*** / ***

45

Stromaggregat, Farbe Grün, Marke IRMAIR 5.5

*** / ***

46

Walze klein der Marke Wacker RD15, Farbe Gelb

*** / ***

47

Walze klein der Marke Weber mt, Farbe Blau

*** / ***

48

LKW MAN 410, Farbe Weiß, weiße Plankette ***, gültig bis 9.2021; Muldentransporter

*** / ***

49

Kleinbagger (Unilader) der Marke FERMEC 526, Farbe Gelb

*** / ***

50

3 Pkw Anhänger

51

Raupenbagger klein der Marke neuson 3503

*** / ***

52

Tumper klein der Marke neuson 1001, Farbe Rot

*** / ***

53

Tumper klein der Marke neuson 1501, Farbe Rot

*** / ***

54

Kleinbagger der Marke Wacker neuson ET16, Farbe Gelb

*** / ***

55

Tieflader 6-achsig, beladen mit Siebanlagenteil (Förderband, L= 10m)

*** / ***

*** / ***

56

Sattelaufleger – Tieflader, ***, Farbe Rot

*** / ***

57

Brecheranlage „***“, Farbe Blau (neu abgesellt)

*** / ***

58

Brecheranlage mobil „RE-Liner 5700-2R“, Farbe Gelb, Wanne unter der Anlage aufgestellt, Tropfverluste

*** / ***

59

LKW MAN TGA 26.410, Sattelzugfahrzeug, Farbe Orange, Aufschrift „***“,

*** / ***

60

Raupenbagger der Marke neuson 50Z3, Farbe Rot

*** / ***

Sonstige Lagerungen Grdst. ***

61

7 Großcontainer, Farbe Grün, 8x2x3 m

62

28 Mulden (25 blaue, davon 4 mit Erde befüllt und 3 rote Mulden),

63

1 Container orange (30 m3)

64

10 Großcontainer (Farbe rot, gelb und grau)

65

3 Mulden (2x rot, 1x grau)

1 Container (blau), mit Abfällen befüllt

66

1 Purator

67

2 Mulden + 1 LKW-Ladefläche

68

1 Container blau

69

1 Mulde blau (30 m3), befüllt mit Abfällen

70

4 Großcontainer, Farbe Rot

71

Siebanlage FINTEC 640, Farbe Blau, in Verwendung

*** / ***

um 20 m nach Osten verschoben

72

3 Baucontainer, Farbe Grau

73

Maschinenteil „***“, Farbe Grau, 2 m3

*** / ***

74

2 Betonquader (je 1 m3), Eisenteile, Betonfertigteil - Kanalschacht

75

2 Container befüllt mit Dämmmaterial

6 Big Bags befüllt

Wurfgitter von Siebanlage

Fahrerkabine – Farbe Blau

76

Eisenträger (I-Träger), Länge = 12m (12 m3)

*** / ***

77

1 Mulde (Farbe Rot), befüllt mit Abfällen

*** / ***

78

3 Mulden (2x rot, 1x orange) befüllt mit Styropor und Metallteilen

*** / ***

79

4 Container bei Strommasten, davon 1 Container mit Akkus bzw. Batterien für Stromversorgung für Überwachungskamera

*** / ***

80

Lagerungen von diversen Materialien, wie Metallteile, Bauholz, Baugeräteteile, Zubehör für Bagger und Baufahrzeuge, Mulden und Container, Schneekanonen, etc.

Bedingt durch dichten Bewuchs war hier eine Begehung bzw. genaue Kontrolle nicht möglich.

*** / ***

*** / ***

*** / ***

*** / ***

*** / ***

81

Lagerungen von diversen Schalungstafeln, Eisengitter, Aggregat GP100 in grün, 2 Kleingeräte, 4 Stahlzylinder, 2 Heizkesseln, E-Motoren, 4 Mischmaschinen, 3 Hubstapler, Rüttelplatte, 1000 Liter Kunststoffkanister,

blauer Container, 3 kleine Mulden, Whirlpool

Gitterbox mit PVC-Rohre, Gerüstteile, 3 Schlauchrollen

B: Baurestmassenablagerungen:

B

245 m3 Mauerwerks- und Ziegelabbruch bei Siebanlage (14 x 7 x 2,5 m)

*** / ***

*** / ***

*** / ***

*** / ***

C: Erdaushubablagerungen:

C1

100 m3 Erdaushub (20 x 5 x 1 m)

*** / ***

*** / ***

C2

100 m3 Erdaushub (20 x 5 x 1 m)

*** / ***

D: Holzhäckselgut:

D

250 m3 Holzhäckselgut (10 x 10 x 2,5 m)

E: Deponiefläche bzw. mobile Siebanlage:

E

100 m2 Deponiefläche bzw. 60 m3 Deponievolumen (Tiefe 0,6 m)

*** / ***

*** / ***

*** / ***

*** / ***

II.

Es ergeht die Aufforderung, folgende auf Grdst. Nr. ***, KG ***, getätigten Ablagerungen und Gegenstände zu entfernen:

Radbagger der Marke „Sennebogen 818“, Farbe Grün

GPS-Koordinaten (***)

*** / ****** / ***

5 Minibagger, davon 3 auf der Betonfläche und 2 neben der Betonfläche abgestellt, augenscheinlich nicht mehr Betriebsbereit

GPS-Koordinaten (***)

*** / ****** / ***, nämlich folgende:

82

Kleinbagger GEHL 1640, Farbe Gelb

83

Kleinbagger Gase E23, Farbe Gelb

84

Kleinbagger Wacker Neuson 2503, Farbe gelb

85

Kleinbagger Neuson 1503, Farbe rot

86

Mini Radlader Neuson Kramer Allrad,

Tieflader mit 1 Minibagger und 1 Fahrzeug mit Hebebühne beladen

GPS-Koordinaten (***)

*** / ****** / ***

Container mit Gerät der Marke „Kompotech“ beladen

GPS-Koordinaten (***)

*** / ****** / ***

Ablagerungen von Baurestmassen (Mauerwerks- und Betonabbruch) im Ausmaß von etwa 300 m3

Ablagerungen von Abfällen und Holzhäckselgut nördlich vom ehem. Sickerwassersammelbecken, geschredderte Holzabfälle auf

unbefestigtem Boden im Ausmaß von ca. 525 m3

Die Ablagerungen und Gegenstände sind umgehend, spätestens jedoch bis 31. März 2022 zu entfernen und ist der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf hierüber ein entsprechender Nachweis bis zum 15. April 2022 zu übermitteln.“

Dagegen hat die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 21. März 2022 Beschwerde erhoben. In dieser führte Sie Folgendes aus:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich erhebe Beschwerde gegen den Bescheid ***, da die Zuständigkeit mit der Einreichung meines Antrages It. §37 AWG Genehmigung auf die NÖ-Landesregierung übergegangen ist.

Mit freundlichen Grüßen

A“

Auf Grund des seitens der belangten Behörde vorgelegten Verwaltungsakt ergibt sich folgender unstrittiger entscheidungsrelevante Sachverhalt:

Die verfahrensgegenständlichen Grundstücke Nr. *** und ***, beide KG ***, befinden sich sich außerhalb des Ortsbereiches. Die Beschwerdeführerin nutzt diese Grundstücke zur Lagerung der oben angeführten Fahrzeuge und Materialien.

Dies ergibt sich auf Grund der unstrittigen Aktenlage, insbesondere der Erhebungen des naturschutzfachlichen Amtssachverständigen bzw. des technischen Gewässeraufsichtsorgans der belangten Behörde und wird dies von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten.

Auch unstrittig ist, dass zum Zeitpunkt der Erlassung des angefochtenen Bescheides für einen Lagerplatz keine naturschutzrechtliche Bewilligung vorlag bzw. auch nicht vorliegt.

Das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich hat erwogen:

Gemäß Art. 130 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz erkennt das Verwaltungsgericht über Beschwerden gegen den Bescheid einer Verwaltungsbehörde wegen Rechtswidrigkeit.

Gemäß § 28 Abs. 1 VwGVG hat das Verwaltungsgericht - sofern die Beschwerde nicht zurückzuweisen oder das Verfahren einzustellen ist - über Beschwerden gemäß Art. 130 Abs. 1 Z 1 B-VG in der Sache selbst zu entscheiden. Das Verwaltungsgericht hat dann in der Sache selbst zu entscheiden, wenn der maßgebliche Sachverhalt feststeht oder die Feststellung des maßgeblichen Sachverhalts durch das Verwaltungsgericht selbst im Interesse der Raschheit gelegen oder mit einer erheblichen Kostenersparnis verbunden ist.

Gemäß § 17 VwGVG sind, soweit in diesem Bundesgesetz nicht anderes bestimmt ist, auf das Verfahren über Beschwerden gemäß Art. 130 Abs. 1 B-VG die Bestimmungen des AVG mit Ausnahme der §§ 1 bis 5 sowie des IV. Teiles, die Bestimmungen der Bundesabgabenordnung – BAO, BGBl. Nr. 194/1961, des Agrarverfahrensgesetzes – AgrVG, BGBl. Nr. 173/1950, und des Dienstrechtsverfahrensgesetzes 1984 – DVG, BGBl. Nr. 29/1984, und im Übrigen jene verfahrensrechtlichen Bestimmungen in Bundes- oder Landesgesetzen sinngemäß anzuwenden, die die Behörde in dem dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht vorangegangenen Verfahren angewendet hat oder anzuwenden gehabt hätte.

Soweit das Verwaltungsgericht nicht Rechtswidrigkeit wegen Unzuständigkeit der Behörde gegeben findet, hat es den angefochtenen Bescheid auf Grund der Beschwerde (§ 9 Abs. 1 Z 3 und 4) oder auf Grund der Erklärung über den Umfang der Anfechtung (§ 9 Abs. 3) zu überprüfen und nach § 28 Abs. 2 VwGVG grundsätzlich in der Sache zu entscheiden (§ 27 VwGVG). Relevant ist dabei im Bescheidbeschwerdeverfahren – nach h. M. (in diesem Sinn auch VwGH 21.10.2014, Ro 2014/03/0076) – regelmäßig die in seinem Entscheidungszeitpunkt geltende Sach- und Rechtslage, sodass diesbezügliche Änderungen – zum Vor- und Nachteil des Beschwerdeführers (VwGH 27.3.2007, 2007/18/0059) zu berücksichtigen sind. In seinem Verfahren hat das Verwaltungsgericht – soweit sich nicht aus dem VwGVG anderes ergibt – die Bestimmungen des AVG mit Ausnahme der §§ 1-5 sowie des IV. Teiles, und im Übrigen jene verfahrensrechtlichen Bestimmungen in Bundes- oder Landesgesetzen sinngemäß anzuwenden, die die Behörde in dem, dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht vorangegangenen Verfahren angewendet hat oder anzuwenden gehabt hätte (§ 17 VwGVG).

„Sache“ des Beschwerdeverfahrens ist – ungeachtet des durch § 27 VwGVG vorgesehenen Prüfungsumfanges – jedenfalls nur jene Angelegenheit, die den Inhalt des Spruches der vor dem Verwaltungsgericht belangten Verwaltungsbehörde gebildet hat (vgl. VwGH vom 17.12.2014, Ra 2014/03/0049).

Nach den Materialien zu § 27 VwGVG 2014 (EB RV 2009 BlgNR, 24. GP, 6) legt § 27 VwGVG 2014 den Prüfungsumfang des Verwaltungsgerichtes fest. Anders als die Kognitionsbefugnis einer Berufungsbehörde (vgl. § 66 Abs. 4 AVG) soll die Kognitionsbefugnis des Verwaltungsgerichtes durch den Inhalt der Beschwerde beschränkt sein (vgl. auch VwGH vom 5.11.2014, Ra 2014/09/0018).

Gemäß § 35 Abs. 2 NÖ Naturschutzgesetz 2000 sind unabhängig von einer Bestrafung nach § 36 Personen, die den Bestimmungen dieses Gesetzes oder aufgrund dieses Gesetzes erlassenen Verordnungen oder Entscheidungen zuwidergehandelt haben, von der Behörde zu verpflichten, den früheren Zustand wieder herzustellen oder, wenn dies nicht möglich ist, den geschaffenen Zustand den Interessen des Naturschutzes bestentsprechend abzuändern. Zu diesem Zweck kann die Behörde auch die Setzung angemessener Kompensationsmaßnahmen oder die Verpflichtung zur Erstellung eines Sanierungsplanes vorschreiben; dieser Plan ist der Behörde zur Bewilligung vorzulegen.

§ 35 Abs. 4 NÖ Naturschutzgesetz 2000 lautet:

„Wird eine verbotene oder bewilligungspflichtige Maßnahme entgegen dem Verbot, ohne Bewilligung oder abweichend davon ausgeführt und dadurch das Landschaftsbild oder das ökologische Gefüge im betroffenen Lebensraum erheblich beeinträchtigt, so hat, wenn eine Beseitigung oder Beendigung dieser Beeinträchtigung aufgrund einer anderen Bestimmung nicht angeordnet werden kann, die Behörde demjenigen, der diese Maßnahme gesetzt, veranlasst oder auf seinem Grundstück wissentlich geduldet hat, die zur Beseitigung oder Beendigung dieser Beeinträchtigung erforderlichen Maßnahmen vorzuschreiben.“

Gemäß § 7 Abs. 1 Z. 6 NÖ Naturschutzgesetz 2000 bedarf außerhalb vom Ortsbereich, das ist ein baulich und funktional zusammenhängender Teil eines Siedlungsgebietes (z.B. Wohnsiedlungen, Industrie- oder Gewerbeparks), der Bewilligung durch die Behörde:

die Errichtung oder Erweiterung von Anlagen für die Behandlung von Abfällen sowie von Lagerplätzen aller Art, ausgenommen

-in der ordnungsgemäßen Land- und Forstwirtschaft übliche Lagerungen sowie

-kurzfristige, die Dauer von einer Woche nicht überschreitende, Lagerungen.

Die Beschwerdeführerin wandte in der Beschwerde ausschließlich die Unzuständigkeit der belangten Behörde ein. Diese Unzuständigkeit würde sich nach Ansicht der Beschwerdeführerin durch einen Genehmigungsantrag lt. § 37 AWG ihrerseits begründen.

Hierzu wird ausgeführt, dass für die Erteilung einer Genehmigung einer Behandlungsanlage nach dem AWG 2002 der Landeshauptmann zuständige Behörde (vgl. § 38 Abs. 6 AWG 2002) ist. Gemäß § 38 Abs. 1 AWG 2002 sind im Genehmigungsverfahren und Anzeigeverfahren für gemäß § 37 genehmigungspflichtige Behandlungsanlagen alle Vorschriften – mit Ausnahme der Bestimmungen über die Parteistellung, die Behördenzuständigkeit und das Verfahren – anzuwenden, die im Bereich des Gas-, Elektrizitätswirtschafts-, Landesstraßen-, Naturschutz- und Raumordnungsrechts für Bewilligungen, Genehmigungen oder Untersagungen des Projekts anzuwenden sind. Hinsichtlich dieser landesrechtlichen Vorschriften hat die Behörde im selben Bescheid in einem eigenen Spruchpunkt zu entscheiden.

Im Gegenstand liegt aber keine naturschutzrechtliche Bewilligung vor. Auch liegt keine Genehmigung (einer Behandlungsanlage) durch den Landeshauptmann vor.

Der gegenständlich angefochtene Bescheid (gemäß § 35 Abs. 4 NÖ NSchG 2000) stellt eine Maßnahme zur Beseitigung der erheblichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und des ökologischen Gefüges, welche durch die konsenslose Errichtung und den konsenslosen Betrieb des Lagerplatzes entstand, dar. Die Zuständigkeit für die Vorschreibung dieser Maßnahmen liegt diesbezüglich gemäß § 24 Abs. 1 NÖ NSchG 2000 bei der belangten Behörde als örtlich zuständige Bezirksverwaltungsbehörde.

Die seitens der belangten Behörde festgesetzte Leistungsfrist war in Anbetracht der bereits vergangenen Zeit neu zu bestimmen (§ 17 VwGVG iVm § 59 Abs. 2 AVG).

Von der Durchführung einer öffentlichen mündlichen Verhandlung war gemäß § 24 Abs. 4 VwGVG abzusehen, da eine mündliche Erörterung eine weitere Klärung der Rechtssache nicht hätte erwarten lassen und einem Entfall der Verhandlung weder Art. 6 Abs. 1 der Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, BGBl. Nr. 210/1958, noch Art. 47 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union, ABl. Nr. C 83 vom 30.03.2010, S.389, entgegenstanden. Es handelt sich im vorliegenden Beschwerdeverfahren ausschließlich um Rechtsfragen, zu deren Lösung im Sinne der Judikatur des EGMR eine mündliche Verhandlung nicht geboten ist (vgl. VwGH vom 24.6.2014, 2014/05/0059, 17.4.2012, 2012/05/0029 bzw. 21.12.2012, 2012/03/0038).

Die Revision ist nicht zulässig, da sich die Entscheidung auf die zitierte und einheitliche Rechtsprechung bzw. die klare und eindeutige Rechtslage stützt (zur Unzulässigkeit der Revision bei klarer Rechtslage zB VwGH vom 15. Mai 2019, Ro 2019/01/0006) und ansonsten eine einzelfallbezogene Beurteilung vorzunehmen war (vgl. zur einzelfallbezogenen Anwendung des § 28 Abs. 3 VwGVG zB VwGH vom 08. August 2019, Ra 2018/04/0115).

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