Legal aid in child support disputes may be assessed on a family basis

ZK 2012 606Tribunal supérieur / Chambre civile2 févr. 2013Confirmed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Bern Higher Court dealt with an appeal against a regional court decision on legal aid in proceedings to reduce child maintenance and extend visitation rights. The appellant objected to the way indigence was calculated, in particular the inclusion of child maintenance in a family-wide budget. The court held that, because the dispute concerned child interests and the mother acted only as procedural representative for the children, the child maintenance could be taken into account for litigation costs within a family calculation. The appeal was therefore rejected and the lower court's approach confirmed.

Regeste Omnilex

Art. 117 ZPO; in disputes concerning child interests, the assessment of indigence for legal aid may be based on a family-wide calculation. Child maintenance and child allowances are ordinarily excluded from the parent's disposable income, as they are earmarked funds. However, where the parent litigates as procedural representative for the children and the proceedings concern child maintenance or visitation rights, amounts earmarked for the children may be used to cover litigation costs without constituting a misuse for the parent's own benefit; a global household calculation is then appropriate (consid. 4).

Texte intégral

ZK 12 606, publiziert März 2013

Entscheid der 2. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons Bern

vom 02. Februar 2013

Besetzung

Oberrichter Bähler, Oberrichterin Grütter und Oberrichter Kiener

Gerichtsschreiberin Peng

Verfahrensbeteiligte

A

Beklagte/Beschwerdeführerin

und

B

vertreten durch Rechtsanwältin X Gegenpartei im Hauptverfahren

Gegenstand

Unentgeltliche Rechtspflege

Beschwerde gegen den Entscheid des Regionalgerichts Oberland vom 01. Oktober 2012

Regeste:

Art. 117 ZPO

Sind Kinderbelange Prozessgegenstand, so dienen die Kinderunterhaltsbeiträge, soweit sie für Prozesskosten eingesetzt werden (müssen), den Interessen der Kinder und werden nicht für Belange des sorgeberechtigten Elternteils zweckentfremdet, weshalb eine Gesamt­rechnung angebracht ist.

Redaktionelle Vorbemerkungen:

Angefochten war ein teilweise gutheissender uR-Entscheid in einem Verfahren um Herab­setzung von Kinderunterhaltsbeiträgen und Erweiterung des Besuchsrechts. Bei der Be­rechnung der Prozessarmut der Beschwerdeführerin berücksichtigte die Vorinstanz im Sinne einer Ge­samt­rechnung die Einnahmen und Ausgaben der ganzen Familie, bestehend aus der Beschwerdeführerin und zwei Kindern. Dabei wurden die vom Vater geleisteten Unterhalts­beiträge für die beiden Kinder in die Rechnung eingesetzt.

Auszug aus den Erwägungen:

(...)

IV.

4. Im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen stellt sich zunächst die Frage, ob es korrekt ist, dass die Vorinstanz eine Gesamtrechnung für die Beschwerdeführerin und ihre Kinder vorgenommen hat. Gemäss BGE 115 Ia 325 sind nämlich Kinderunterhaltsbeiträge und Kinderzulagen bei der Bestimmung der Bedürftigkeit eines Elternteils nicht zum Einkommen hinzuzuzählen. Es handelt sich bei diesen Beiträgen um gebundene Mittel, welche dem sorgeberechtigten Elternteil nicht dazu dienen dürfen, eigene Schulden zu decken oder den eigenen Lebensstandard zu erhöhen. Im Gegenzug sind bei der Bestimmung des Zwangsbedarfs die Kinderzuschläge und weitere kinderbezogene Kosten, einschliesslich eines Anteils an den Wohnkosten, ausser Acht zu lassen. Eine Aufteilung der Beträge ist dann überflüssig, wenn auch bei einer Gesamtrechnung eine Unterdeckung resultiert (vgl. Entscheid des Obergerichts Luzern 3C 12 1 vom 14. Februar 2012), was vorliegend nicht der Fall ist. Indessen ist zu berücksichtigen, dass es hier um einen Streit über Kinderunterhaltsbeiträge geht, die den Kindern zustehen und dass die Beschwerdeführerin lediglich als Prozessstandschafterin für die Kinder auftritt (vgl. Art. 289 Abs. 1 ZGB). Bei der beantragten Erweiterung des Besuchsrechts sind ebenfalls Kinderbelange betroffen. Soweit Kinderunterhaltsbeiträge in einem solchen Fall für Prozesskosten eingesetzt werden (müssen), dienen sie den Interessen der Kinder und werden nicht für Belange des sorgeberechtigten Elternteils zweckentfremdet. In einem Fall wie dem vorliegenden ist somit eine Gesamtrechnung angebracht.

(...)

Hinweis:

Der Entscheid ist rechtskräftig.

Mots-clés

legal aidindigencechild maintenancefamily budgetprocedural representationvisitation rightschild interests

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the appellant's indigence for legal aid had to be assessed by a family-wide calculation including child maintenance received for the children.

Solution extraite

In disputes concerning child interests, a family-wide calculation is appropriate; child maintenance used for litigation costs serves the children's interests and is not treated as the parent's own resources.

Motifs extraits

Child maintenance and child allowances are normally excluded from the parent's income and child-related costs from the necessary expenses. But where the dispute concerns child maintenance and visitation rights, the parent acts only as procedural representative for the children, so using those funds for litigation costs is not a misuse of the parent's own means.

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