Art. 59 Abs. 1 BV; Gerichtsstand des Wohnortes und Adhäsionsprozess gegen Drittpersonen: Die bundesgerichtliche Praxis lässt die adhäsionsweise Verfolgung von Zivilansprüchen nur zu, soweit sie als Accessorium der gegen den Beschuldigten gerichteten Strafklage erscheinen. Gegenüber Dritten, die von der Strafklage nicht betroffen sind, ist die Zivilforderung stets als selbständiger, vom Bestand eines Strafanspruchs unabhängiger privatrechtlicher Anspruch zu behandeln und fällt unter den Schutz des Wohnsitzgerichtsstandes. Dies gilt auch dann, wenn mit der Zivilklage die Aufhebung eines vom Dritten mit dem Angeklagten abgeschlossenen Vertrages wegen Gläubigerbenachteiligung bezweckt wird (vgl. Erw. 1–2).
382 A. Staatsrechtliche Entscheidungen. I. Abschnitt, Bundesverfassung. les cas prévus aux art. 1 litt. b et h de la même loi, à savoir aux militaires revêtus de leur habit militaire en dehors du service, et à ceux qui, astreints au service militaire, n'obéis sent pas à l'ordre qui leur est donné de se rendre au service. Or Monod ne se trouvait incontestablement ni dans l'un ni dans l'autre de ces cas exceptionnels. Il résulte de ce qui précède que, pour être justiciable des autorités disciplinaires militaires, un citoyen doit être au ser vice actif, et qu'il ne suffit pas que le fonctionnaire militaire vis-à-vis duquel ce citoyen aurait commis une inconvenance se trouve, lui, au service. 4° L art. 190 de la loi fédérale de 1851 édicte, il est vrai, que les cantons peuvent statuer des peines contre les infrac tions à leurs lois et ordonnances sur l'organisation militaire, mais il n est point établi, et il n'a point été même prétendu que le canton de Vaud ait usé de cette faculté pour légiférer sur cette matière. 5° L ordonnance du Département militaire fédéral, figu rant dans le livret de service à page 62, et datée de Juin 1883, prévoit, il est vrai, que seront punies les fautes de disci pline suivantes qui ne sont pas spécialement mentionnées par le code pénal, à savoir : d) une conduite inconvenante de la part d hommes as treints au service, dans leurs rapports de service avec les autorités et fonctionnaires militaires, même dans le cas où les uns ou les autres se trouveraient en tenue civile, - mais, outre que les dispositions de la loi sur la justice pénale pour les troupes fédérales ne sauraient être modifiées ni éten dues par le Département militaire au moyen et à l'occasion de l'introduction des livrets de service, le texte de l'ordonnance susvisée n'a point la portée que le défendeur au recours veut lui attribuer et ne peut être étendu à des militaires ne se trouvant pas dans les cas énumérés à l'art. 1er de la loi fédé rale précitée. 6° Il suit de tout ce qui précède que la peine infligée au sieur Monod ne se justifie à aucun point de vue, et qu elle ne III. 2. Gerichtsstand des Wohnortes. No 64. saurait subsister en présence des garanties constitutionnelles plus haut invoquées. Par ces motifs, Le Tribunal fédéral prononce. Le recours est admis, et la décision par laquelle le Dépar tement militaire vaudois a infligé au sieur Monod une peine de 24 heures d arrêts est déclarée nulle et de nul effet. 2. Gerichtsstand des Wohnortes. 64. Urtheil vom 21. November 1887 in Sachen Teissier. A. In einer bei dem Amtsgerichte Biel anhängigen Straf sache gegen Louis Monnet daselbst wegen betrügerischen, even tuell leichtsinnigen, Bankerottes wurde zur Hauptverhandlung, auf Begehren einer Anzahl, als Civilparteien aufgetretener Gläubiger des Louis Monnet, auch der Kaufmann Florentin Teissier, gebürtig aus Frankreich, wohnhaft in Genf, als civil rechtlich verantwortliche Person vorgeladen; diese Ladung geschah weil die Gläubiger beabsichtigten, einen vom Kridaren als Ver käufer und Teissier als Käufer abgeschlossenen Kauf über einen Bazar in La Chaux de Fonds als Scheingeschäft bezw. als betrügerische Machenschaft anzufechten. Wegen eines ähnlichen Geschäftes wurde auch ein Henri Monnet, wohnhaft in Prun trut, als zivilrechtlich verantwortliche Person vorgeladen. So wohl Teissier als H. Monnet bestritten die Kompetenz des Amtsgerichtes Biel und dieses sprach ihnen durch Entscheidung vom 8. November 1886 ihre Kompetenzeinrede zu. Hiegegen appellirten Fürsprecher Moser in Biel im Namen von 17 als Civilpartei aufgetretenen Gläubigern des L. Monnet und (soweit es die Einrede des H. Monnet anbelangt) auch Fürsprecher Pezolt in Bern, Namens der Civilpartei Klaus und Courtaut XIII 1887
384 A. Staatsrechtliche Entscheidungen. I. Abschnitt. Bundesverfassung. in Besangon, an die Polizeikammer des Appellations und Kassationshofes des Kantons Bern. Dieser erkannte am 16. April 1887:
weil in den betreffenden Fällen der gegen diese dritten Personen geltend gemachte Civilpunkt nicht als ein Accessorium des Straf punktes sondern als ein selbständiger Anspruch erschienen sei. Es ergebe sich demnach, daß bis jetzt der Art. 59 Abs. 1 B. V. nie strikte nach seinem Wortlaute interpretirt, sondern daß von der allgemeinen Regel desselben im Adhäsionsprozesse eine wich tige, in der Natur der Sache begründete, Ausnahme zugelassen worden sei. Es sei unterschieden worden, ob der persönliche nspruch ein selbständiger oder ein Accessorium des Strafpunktes sei. Gegenüber dem Rekurrenten Teissier handle es sich nun nicht um einen selbständigen, nur äußerlich an den Strafpunkt anknüpfenden, Civilanspruch, sondern um ein Accessorium des Strafpunktes. Die Civilparteien beabsichtigen, den von Teissier mit dem Angeklagten Monnet abgeschlossenen Kauf gemäß Art, 228 des bernischen Strafgesetzes kassiren zu lassen. Nach diesem Artikel sei die Kassation derartiger Geschäfte die nothwendige Folge der Verurtheilung, sofern unter den obwaltenden Um ständen alle Betheiligten bei einiger Aufmerksamkeit die Unred lichkeit des Geschäfts einsehen mußten. Dies zu entscheiden könne aber nicht Sache eines besondern Verfahrens sondern nur Sache des Strafverfahrens sein. Wie bei Konsiskation von Gegenständen, die zu Verübung einer strafbaren Handlung gedient haben, wie bei Nichtigerklärung gefälschter Wechsel oder bei Restitution gestohlener Gegenstände, so haben auch bei der Kassation betrü gerischer Rechtsgeschäfte dritte Personen, deren Interessen dabei engagirt seien, vor dem Strafrichter Recht zu nehmen. Denn die Kassation sei im wahren Sinne des Wortes ein Accessorium des Strafurtheils. B. Gegen diese (am 26. Juli 1887 eröffnete) Entscheidung ergriff F. Teissier mit Rekursschrift vom 25. September 1887 den staatsrechtlichen Rekurs an das Bundesgericht. In seiner Rekursschrift beantragt er unter Berufung auf Art. 58 und 59 Abs. 1 B. V. und den französisch-schweizerischen Niederlassungs vertrag von 1864: Plaise au haut Tribunal fédéral annuler le jugement rendu par la chambre de police de Berne sous suite des dépens et renvoyer les demandeurs à s'adresser aux Tribunaux compétents.
386 A. Staatsrechtliche Entscheidungen. I. Abschnitt. Bundesverfassung. C. Fürsprech Moser in Biel Namens der Rekursbeklagten trägt auf Abweisung des Rekurses unter Kostenfolge an, indem er zur Begründung einfach auf das angefochtene Urtheil ver weist. Die Polizeikammer des Appellations und Kassations hofes des Kantons Bern verweist ebenfalls einfach auf ihr Urtheil. Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
IV. Vollziehung kantonaler Urtheile. N° 65. liche Sammlung IX, S. 142 u. ff. und die dortigen Allegata). Es folgt dies auch, insbesondere soweit es dritte, strafrechtlich überhaupt nicht verfolgte, Personen anbelangt, unmittelbar daraus, daß die diesen gegenüber im Adhäsionsprozesse erhobene Civil klage niemals als ein bloßes Accessorium einer, gegen sie ja gar nicht erhobenen, Strafklage bezeichnet werden kann, sondern vielmehr stets als selbständige Verfolgung eines vom Bestande eines Strafanspruches gegen den eivilrechtlich beklagten unab hängigen Civilanspruches erscheint. Dies gilt für alle Fälle dieser Art, mag nun der dritte belangt werden, weil er civil rechtlich für die Folgen des vom Angeklagten begangenen Delikts verantwortlich sei (etwa als Dienstherr desselben u. dgl.) oder mag die Civilklage, wie im vorliegenden Falle, auf Aufhebung eines von ihm mit dem Angeklagten abgeschlossenen Vertrages wegen widerrechtlicher Verkürzung der Gläubiger u. s. w. ab zwecken. Auch in letzterem Falle handelt es sich dem Dritten gegenüber um einen selbständigen, rein privatrechtlichen Anspruch, dessen Bestand davon abhängt, ob gegenüber dem Dritten die privatrechtlichen Voraussetzungen der paullianischen Klage gege ben seien. Nach diesen Grundsätzen muß der vorliegende Rekurs als begründet erklärt werden. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Der Rekurs wird als begründet erklärt und es wird mithin die angefochtene Entscheidung der Polizeikammer des Appella tions und Kassationshofes des Kantons Bern vom 16. April 1887, soweit dieselbe den Rekurrenten betrifft, aufgehoben. IV. Vollziehung kantonaler Urtheile. Exécution de jugements cantonaux. 65. Urtheil vom 5. November 1887 in Sachen Barell. A. G. Barell, Kaufmann, in Wyl (St. Gallen) hatte s. Z. gegen Johann Baptist Schmid, Schreinermeister, in Appenzell