Strafgesetzbuch. No 44.
44. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 28. Sep-
tember 1945 i. S. Kalt gegen Staatsanwaltsehaft des Kantons
' Aargau.
Art. 217 Abs. 2 StGB.
- Der Unterhaltsbeitrag des ausserehelichen Vaters bleibt auch
geschuldet, wenn das Kind unentgeltlich bei einem Dritten
untergebracht ist und da.her den Beitrag vorläufig nicht braucht.
- Dass die rückständigen Unterhaltsbeiträge im 'Augenblick des
Urteils ein Kapital ausmachen, steht der Anwendmig des
Art. 217 StGB nicht im Wege, wenn desseμ Voraussetzungen
im Augenblick der Fälligkeit des einzelnen Beitrages erfüllt
waren.
Art. 217 al. 2 CP.
- Le pere nature! continue a devoir les aliments son enfa.nt
da.ns le cas ou celui-ci est entretenu gratuitement par un tiers
et n'a donc momentanement pas besoin du subside.
- Le fait qu'au moment du jugement les pensions arrierees repre-
sentent un ca.pital ne s'oppose pas a l'application de l'a.rt. 217 CP
pourvu que les conditions de cet artic e fussent r6alis6es a
l'echeance de chaque contribution.
Are. 217, cp. 2 CP.
- II padre naturale continua ad essere debitore degli alimenti
verso suo figlio a.nche nel ca.so in cui quest 'ultimo e ma.nte-
nuto gratuitamente da un terzo e non ha. quindi, pel momento,
bisogno del contributo.
- II fa.tto ehe, qua.ndo fu pronunciato il giudizio, i contributi in
arretra.to rappreseritano un ca.pitale non e d'ostacolo all'appli-
ca.zione dell'art. 217 CP, purche le condizioni di quest'a.rticolo
fossero soddisfa.tte alla scadenza d'ogni contributo.
Aus den Erwägungen :
Der Pflegevater Paul Burkhard. bestätigte in seiner
schriftlichen
Erklärung vom 20. Januar 1944, dass er für
Kind kein Kostgeld verlange, und eine gleiche Be-
scheinig'Ullg
hatte er dem Beschwerdeführer schon am
16 .. Oktober 1942 in einem Rechtsöffnungsverfahren aus-
gestellt.
Den Pflegeeltern steht jedoch gegenüber dem
Beschwerdeführer ein Anspruch nicht zu. Anspruchsbe-
chtigt ist das Kind, dessen gesetzlicher Vertreter der
Vormund ist. Dieser allein wä,re daher legitimiert -ob
und 'Ullter welchen Voraussetzungen auch sachlich befugt,
kann da.hingestellt bleiben-, dem Beschwerdeführer die
Unterhaltsbeiträge
zu erlassen. Die Pflegeeltern konnten
. .
Strafgesetzbuch. N° 44.
lediglich gegenüber dem Kind oder seiner Mutt.er auf die
Bezahlung
von Kostgeld verzichten. Indem sie dies ta.ten,
'WUrde der Beschwerdeführer von seiner Schuld gegenüber
dem
Kinde nicht befreit.
Unerheblich
ist auch, dass infolge des Verzichtes der
Pflegeeltern auf Kostgeld die Leistungen des Beschwerde-
führers
nicht mehr für den laufenden Unterhalt des Kindes
benötigt werden.
Der vom Richter gemäss Art. 319 ZGB
festgesetzte
Anspruch auf Unterhaltsbeiträge besteht un-
abhängig da.von, ob das Kind nach seinen :finanziellen
Verhältnissen oder denjenigen seiner Mutter tatsächlich
uf die Beiträge angewiesen ist oder nicht, und demgemäss
auch
unabhängig da.von, ob die Mutter für den Unterhalt
besondere Zuwend'Ullgen von dritter Seite erhält oder ob
er sogar ganz von Dritten übernommen wird. Auf das
Interesse am Unterhaltsbeitrag kommt es also nicht an.
Der Beitrag ist geschuldet kraft der natürlichen Verwandt-
schaft zwischen Vater und Kind, und ob das Geld für die
Kosten von Unterhalt 'Ulld Erziehung tatsächlich gebraucht
werden muss oder ob es als Spargut für das Kind beiseite-
gelegt werden
kann, geht den Pflichtigen nichts an.
Aus dem gleichen Grunde können rückständige Beiträge
auch nachgefordert werden. Dass ihre Vollstreckung dann,
wenn sie zu einem eigentlichen Kapital angewachsen smd,
an die Schranken des Art. 93 SchKG gebunden ist (BGE 58
III 78, 64 III 132), besagt hier nichts. Der Unterhalts-
pflichtige wird bestraft, weil er den einzelnen Beitrag im
Augenblick, wo er fällig wird, nicht bezahlt. Dass seine
Schuld
in jenem Augenblick den Charaktereinerfamilien-
rechtlichen Unterhaltspflicht im Sinne des Art. 217 StGB
hat, steht a.usser Frage. Ob dies auch in dem Zeitpunkt,
wo die
rückständigen Beiträge ein Kapital ausma.ch.en,
nooh zutrifft, ist belanglos.
Wie die
Vorinstanz bemerkt,. besteht im vorliegenden
Falle au,oh nicht etwa. Gewähr,. dass für das Kind bis zu
8emem achtzehnten Altersjahr von Dritten gesorgt werden
wird. Diese Gewähr bestünde nioht einmal, wenn 4a.s
Strafgesetzbuch. N° 45.
Kind vom Ehepaar Burkhard adoptiert würde, denn die
Adoptiveltern können sterben oder selber bedürftig wer-
deμ.. Dann müssten für den Unterhalt und die Ausbildung
des Kindes die zurückgelegten Beiträge des Beschwerde-
führers verwendet werden ; denn die Fr. 30.-bezw.
Fr. 35.-, die er weiterhin laufend zu bezahlen hat, würden
hiezu
nicht ausreichen. Umso weniger kann man den vor-
läufigen Verzicht der Pflegeeltern auf Kostgeld dem Be-
schwerdeführer zugute kommen lassen. Jedenfalls
aber
kann, wie erwähnt, darüber nur der Vormund des Kindes
befinden,
nicht der Pflegevater.
Die Unterhaltspflicht des Beschwerdeführers
ist dtim-
nach durch den Verzicht der Pflegeeltern auf Kostgeld
nicht berührt worden. Damit ist auch gesagt, dass dieser
Verzicht die Zahlungsverweigerung
nicht rechtfertigt.
45. Extrait de l'arrM de la Cour de cassation penale du 9 novembre
1945 dans la cause Detienne c. Procureur general du canton
de Geneve.
- Relation entre le premier et le second alinea de l'a.rt. 217 CP
(consid. 1).
Celui qui assume des obligations pecuniaires envers un enfant
nature!, alors qu'il est ou pourra.it etre en butte a une a.ction
en paternite, est repute etre le pere !fe l'enfant, sa.ns pouvoir
etre a.dmis a faire la preuve du contraire. TI a toutefois le droit,
cas echea.nt, de faire eta.t du cara.ctere non obliga.toire que son
enga.gement peut avoir, par ex. en vertu d'tm vice du consente-
ment (consid. 1).
3. TI appartient a la procedure ca.ntonale de dire si le juge pena.J
peut statuer lui-meme a titre prejudiciel sur le moyen tire de la
nullite de l'enga.gement, ou s'il doit suspendre son prononoo
jusqu'a ce que le juge civil se soit prononce (consid. 2).
1.
Verhältnis zwischen dem ersten und dem zweiten Absatz des
Art. 217 StGB (Erw. 1).
2. Wenn ein Va.terscha.ftsbeklagter oder einer, dem eine Vater-
schaftsklage droht, gegenüber dem a.usserehelichen Kinde
Vermögensleistungen auf sich nimmt, gilt er als dessen Vater,
ohne zum Gegenbeweis zugelassen zu werden. Immerhin hat er
gegebenenfalls das Recht, darzutun, dass sein Versprechen,
z.B. wegen eines Willensmangels, unverbindlich ist (Erw. l).
Strafgesetzbuch. No 45.
- Es ist Sache des kantonalen Prozes8rechts, zu sagen, ob der
Strafrichter vorfrageweise selber über den Einwand der Nich-
tigkeit der Verpflichtung entscheiden kann oder ob er sein
Urteil aussetzen muss, bis der Zivilrichter sich ausgesprochen
hat (Erw. 2).
L Relazione tl'.a il primo ed il secondo capoverso dell'art. 217 CP
(consid. 1 ).
- Chi assume obblighi pecuniari verso un infante naturale,
allorche e minacciato da un'azione di paternita, e reputato
essere il padre dell'infante, senza possibilita di fornire la prova
del contrario. Egli ha tuttavia eventualmente il diritto di
prevalersi del carattere non obbligatorio Qhe puo .avere il suo
obbligo, per es. a motivo di un vizio del consenso (consid. 1).
Spetta alla procedura. cantonale di dire se il giudice penale
possa. sta.tuire lui stesso a titolo pregiudiziale sull'eccezione
della nullita dell'obbligo o se debba. sospeildere il suo giudizio
fino a. ta.nto ehe il giudice civile si sia pronunciato (consid. 2).
A. -Le 5 aout 1942, est nee a Geneve Jacqueline-Dolly
Chauvet, fille des epoux Julien Chauvet et Edmee Chauvet-
Debugnon, tous deux de nationalite franc;aise.
Par jugement du 5 fevrier 1944, le Tribunal civil de
St-Julien (Haute-Savoie)' a admis une action en desaveu
introduite par Julien Chauvet, lequel etait prisonnier de
guerre en Allemagne depuis juin 1940.
Le recourant Maurice Detienne, Valaisan, lui-mellie
marle,
avait ete depuiS fin 1939 l'amant d'Edmee Chauvet-
Debugnon, qui est decedee a Geneve le 19 juin 1944. Le
Tuteur general de Geneve, designe comme curateur de
l'enfant, se mit en rapport avec Detienne, qui signa le
22 septembre 1944
la declaration suivante: Je declare
formellement que Jacqueline-Dolly Chauvet, nee le 5 aout
1942, est issue de mes reuvres. Le jugement franc;ais de
desaveu une fois passe en force, Detienne signa, le 7 novem-
bre 1944, une nouvelle declaration
par laquelle il recon-
naissait
etre le pere de la petite Jacqueline -qui porte
maintenant .le nom de sa mere Debugnon -et s'engageait
a pa.yer pour son enfant une pension mensuelle de 40 fr.
jusqu'a l'ä.ge de trois ans, 60 fr. de trois a dix ans, et a fr.
de dix 8. dix-huit ans.
Par la. suite, Detienne refusa. de payer sa contribution
mensuelle de
40 fr., alleguant que Jacqueline-Dolly Debu-