Recusal complaint dismissed for insufficient reasoning

1B_86/2007Tribunal fédéral / Ire division de droit public11 juin 2007Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Supreme Court declared inadmissible a criminal complaint against a cantonal refusal of recusal. The appellant had attacked the decision only in general terms and did not address the detailed reasons supporting competence of the II. Criminal Chamber or the absence of bias of Oberrichter Dr. F. Bollinger. Because the complaint lacked the required substantiation, the Court decided it under the simplified procedure. The request for free legal aid was denied as hopeless, and court costs of CHF 500 were imposed on the appellant.

Regeste Omnilex

Art. 42 Abs. 2 BGG, Art. 106 BGG, Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG; complaint inadmissible for failure to satisfy the duty of substantiation. A federal complaint must, in concise form, engage with the decisive reasoning of the challenged decision and indicate concretely why it violates federal or constitutional law; merely general or appellatory criticism is insufficient. Where the complaint is manifestly inadequately reasoned, the court may decide in the simplified procedure under Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG. A request for legal aid is to be refused if the appeal is devoid of prospects of success (Art. 64 Abs. 1 BGG).

Texte intégral

{T 0/2}
1B_86/2007 /fun

Urteil vom 11. Juni 2007
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Aemisegger, präsidierendes Mitglied,
Gerichtsschreiber Bopp.

Parteien
X.________, Beschwerdeführer,

gegen

Franz Bollinger, Oberrichter, Obergericht des Kantons Zürich, Hirschengraben 13, Postfach, 8023 Zürich,
Beschwerdegegner,
Stadtrichteramt Zürich, Gotthardstrasse 62, Postfach, 8022 Zürich,
Obergericht des Kantons Zürich, I. Strafkammer, Hirschengraben 13, Postfach, 8023 Zürich,
Obergericht des Kantons Zürich, II. Strafkammer, Hirschengraben 13, Postfach, 8023 Zürich.

Gegenstand
Ausstand,

Beschwerde in Strafsachen gegen den Beschluss
der II. Strafkammer des Obergerichts des Kantons
Zürich vom 26. März 2007.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
Mit Urteil des Einzelrichters in Strafsachen des Bezirksgerichts Zürich vom 12. September 2006 wurde X.________ - in Bestätigung einer am 29. November 2005 ergangenen Strafverfügung des Stadtrichters Zürich - der Verletzung einer Verkehrsregel im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG schuldig gesprochen und mit einer Busse von Fr. 100.-- bestraft.

Gegen das Urteil erhob X.________ am 23. Oktober 2006 Berufung. Mit Eingabe vom 11. November 2006 trug er verschiedene Beanstandungen vor. Nach Eingang der Akten am Obergericht eröffnete dessen I. Strafkammer das Berufungsverfahren (Nr. SU070010). Mit prozessleitendem Beschluss vom 15. Februar 2007 wurde das schriftliche Verfahren nach § 421 Ziff. 1 StPO/ZH angeordnet und X.________ Frist zur Einreichung seiner Berufungs- und allfälliger Beweisanträge angesetzt. Dabei wirkte auch Oberrichter Dr. F. Bollinger mit.

Mit Eingabe vom 24. Februar 2007 reichte X.________ seine Berufungsanträge ein. Gleichzeitig stellte er ein Ablehnungsbegehren gegen Oberrichter Dr. F. Bollinger. Dieser gab mit Schreiben vom 28. Februar 2007 die Erklärung im Sinne von §§ 97 ff. GVG/ZH ab, dass keine Befangenheit und auch sonst kein Ausstandsgrund vorliege. X.________ beantragte in der Folge, die Erklärung sei aus dem Recht zu weisen. Bei somit streitigem Ablehnungsbegehren wurde dieses - nach § 101 Abs. 2 GVG/ZH in Verbindung mit § 31 der Organisationsverordnung des Obergerichts und darauf abgestützter Praxis - vom Gesamtobergericht der II. Strafkammer zum Entscheid überwiesen.

Mit Beschluss vom 26. März 2007 hat die II. Strafkammer das Ablehnungsbegehren abgewiesen (Geschäfts-Nr. SF070001).
2.
Gegen dieses Urteil führt X.________ mit Eingabe vom 14. Mai 2007 "Zuständigkeits- und Ausstandsbeschwerde im Sinne von Art. 92 BGG". Der Sache nach handelt es sich dabei um eine Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff. BGG) gegen einen selbständig eröffneten Vor- bzw. Zwischenentscheid (Art. 92 ff. BGG).
3.
Nach Art. 42 Abs. 2 BGG ist in der Begründung einer Beschwerde in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt.

Der Beschwerdeführer kritisiert pauschal den ergangenen Entscheid und lehnt ebenso pauschal die Zuständigkeit der urteilenden II. Strafkammer ab, wobei er sich auf einzelne prozessuale Bestimmungen bezieht. Dabei unterlässt er es jedoch, sich im Einzelnen mit den dem angefochtenen Entscheid zugrunde liegenden ausführlichen Erwägungen auseinanderzusetzen, wonach eben die betreffende Zuständigkeit zu bejahen und ein Ablehnungsgrund gegenüber Oberrichter Dr. F. Bollinger nicht auszumachen ist. Namentlich legt er dabei nicht konkret dar, inwiefern der Entscheid bzw. dessen Begründung verfassungswidrig sein soll (vgl. Art. 106 BGG).

Mangels einer hinreichenden Begründung ist daher auf die Beschwerde nicht einzutreten, wobei über sie im vereinfachten Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG entschieden werden kann. Mit dem vorliegenden Entscheid wird das Gesuch um Gewährung aufschiebender Wirkung gegenstandslos.
4.
Wegen Aussichtslosigkeit ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen (Art. 64 Abs. 1 BGG). Die bundesgerichtlichen Kosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht
im Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 BGG:
1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen.
3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.
4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Stadtrichteramt Zürich sowie dem Obergericht des Kantons Zürich, I. und II. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 11. Juni 2007
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Das präsidierende Mitglied: Der Gerichtsschreiber:

Mots-clés

recusaladmissibilityreasoning requirementsimplified procedurelegal aidcourt costscriminal appeal

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the criminal complaint against the cantonal recusal decision was sufficiently reasoned for federal review

Solution extraite

The complaint did not meet the statutory reasoning requirement because it failed to engage with the challenged decision's specific grounds and did not show any constitutional violation.

Motifs extraits

The appellant made only general objections to the decision and to the chamber's competence, without specifically addressing the lower court's detailed reasoning or explaining why it was unconstitutional.

Question juridique clé

Whether the request for free legal aid should be granted

Solution extraite

Free legal aid was denied because the complaint had no prospects of success.

Motifs extraits

Since the complaint was inadmissible for lack of sufficient reasoning, it was considered hopeless.

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