Non-entry for insufficient constitutional complaints and recusal request

1P.762/2003Tribunal fédéral / Ire division de droit public18 févr. 2004Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Supreme Court considered two constitutional complaints against a recusal decision of the Bern Obergericht Plenum and a criminal judgment of its 2nd Criminal Chamber. It held that the submissions did not satisfy the pleading requirements of Art. 90(1)(b) OG and disclosed no basis for recusal based on prior involvement. Because the complaints were manifestly hopeless, the requests for free legal aid were denied. The complaints were not entered into, and the complainant was ordered to pay court costs of CHF 1,000.

Regeste Omnilex

Art. 90 Abs. 1 lit. b OG, Art. 152 OG, Art. 156 OG; unzureichende Begründung staatsrechtlicher Beschwerden und Ausstandsbegehren wegen Vorbefassung. Das Ausstandsverfahren dient nicht der Überprüfung der Recht- oder Verfassungsmässigkeit früherer Entscheide mitwirkender Richter; Vorbefassung begründet nur ausnahmsweise Befangenheit. Ein Rückschluss auf Voreingenommenheit setzt wiederholte schwere Fehler oder besondere Umstände voraus. Erfüllt die staatsrechtliche Beschwerde die Begründungsanforderungen nicht, ist auf sie nicht einzutreten; bei offensichtlicher Aussichtslosigkeit ist die unentgeltliche Rechtspflege zu verweigern, und die Kosten folgen dem Ausgang des Verfahrens.

Texte intégral

{T 0/2}
1P.762/2003/whl
1P.774/2003

Urteil vom 18. Februar 2004
I. Öffentlichrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesgerichtspräsident Aemisegger, Präsident,
Bundesgerichtsvizepräsident Nay,
Bundesrichter Aeschlimann,
Gerichtsschreiber Haag.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

1P.762/2003
Obergericht des Kantons Bern, Plenum, Hochschulstrasse 17, Postfach 7475, 3001 Bern,

und

1P.774/2003
Obergericht des Kantons Bern, 2. Strafkammer, Hochschulstrasse 17, Postfach 7475, 3001 Bern.

Gegenstand
1P.762/2003
Ausstand

1P.774/2003
Strafverfahren

Staatsrechtliche Beschwerden gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern, Plenum, vom 2. Dezember 2003 (1P.762/2003), und das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, 2. Strafkammer, vom 2. Dezember 2003 (1P.774/2003).

Das Bundesgericht hat nach Einsicht
in die Eingaben von X.________ vom 17. und 22. Dezember 2003, mit welchen er den Entscheid des Plenums des Obergerichts des Kantons Bern vom 2. Dezember 2003 (1P.762/2003), und das Urteil der 2. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern vom 2. Dezember 2003 (1P.774/2003) beanstandet,

in Erwägung,
dass nach der Rechtsprechung unter Umständen ein Ausstandsgrund gegeben sein kann, wenn eine so genannte Vorbefassung vorliegt, d.h. wenn sich der Richter schon zu einem früheren Zeitpunkt mit der Angelegenheit befasst hat (BGE 126 Ia 68 E. 3c S. 73 mit Hinweisen),
dass das Verfahren über den Ausstand von Gerichtspersonen nach der Rechtsprechung nicht dazu bestimmt ist, die Recht- oder Verfassungsmässigkeit eines früheren Urteils, an dem bestimmte Gerichtspersonen mitgewirkt haben, in Frage zu stellen, und nur bei wiederholten, schweren Fehlern unter bestimmten Umständen eine Voreingenommenheit angenommen werden kann (BGE 125 I 119 E. 3e S. 124; 116 Ia 135 E. 3a S. 138),
dass sich aus den Darlegungen des Beschwerdeführers keine Gründe für den Ausstand der von ihm abgelehnten Gerichtspersonen ergeben,
dass die Beschwerden den Anforderungen gemäss Art. 90 Abs. 1 lit. b OG nicht entsprechen, weshalb darauf nicht eingetreten werden kann (BGE 127 I 38 E. 3c S. 43; 125 I 71 E. 1c S. 76, je mit Hinweisen),
dass die Gesuche um aufschiebende Wirkung mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos werden,
dass die Beschwerden von vornherein aussichtslos waren, weshalb die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen sind (Art. 152 OG),
dass die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang der Verfahren dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 156 OG),

im Verfahren nach Art. 36a OG erkannt:
1.
Auf die Beschwerden wird nicht eingetreten.
2.
Die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege werden abgewiesen.
3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.
4.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer sowie dem Obergericht des Kantons Bern, Plenum und 2. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 18. Februar 2004
Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Mots-clés

recusalprior involvementconstitutional complaintadmissibilitylegal aidcourt costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the constitutional complaints satisfied the formal requirements of Art. 90(1)(b) OG.

Solution extraite

The complaints did not meet the required substantiation standard and could not be considered.

Motifs extraits

The submissions did not set out any sufficient grounds for challenging the judges, and the complaints failed to comply with the pleading requirements.

Question juridique clé

Whether the challenged judges had to recuse because of prior involvement in the matter.

Solution extraite

No recusal ground was shown on the facts alleged.

Motifs extraits

Prior involvement may in exceptional cases create an appearance of bias, but the recusal procedure is not a vehicle to attack the correctness of earlier judgments; only repeated serious errors may justify such an inference, which was not established here.

Question juridique clé

Whether the request for free legal aid should be granted.

Solution extraite

Free legal aid was refused because the complaints had no prospects of success.

Motifs extraits

Since the complaints were manifestly unsuccessful, the prerequisite of non-frivolousness was missing.

Question juridique clé

Who bears the court costs.

Solution extraite

Costs were imposed on the complainant.

Motifs extraits

The allocation followed the outcome of the proceedings.

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