Refusal of conditional release from preventive detention upheld

6A.59/2003Tribunal fédéral / Division pénale8 déc. 2003Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The appellant challenged the Basel-Stadt Administrative Court’s confirmation of the refusal to grant conditional release from preventive detention. The Federal Supreme Court held that the filing was to be treated as an administrative law appeal, but complaints about appointed counsel’s conduct were outside the scope of review. It found no appearance of bias arising from judges’ membership in a prison oversight commission, rejected the complaint about lack of a personal interview with the psychiatric expert, and upheld the assessment that the appellant remained dangerous. The request for free legal aid was denied and costs of CHF 800 were imposed on the appellant.

Regeste Omnilex

Art. 45 Ziff. 1 StGB; administrative law appeal against refusal of conditional release from preventive detention; scope of review and arbitrariness. Preventive detention is a security measure and its duration is not measured against the length of the original custodial sentence, but by the time required to reduce the detainee’s dangerousness. A right to be heard under Art. 45 Ziff. 1 StGB is directed to the competent deciding authority, not to an expert institution. Membership of judges in a supervisory commission does not by itself establish bias; a concrete indication of impairment of judicial independence is required (consid. 2-4). Manifestly hopeless submissions justify refusal of free legal aid and allocation of costs to the appellant.

Texte intégral

{T 0/2}
6A.59/2003 /kra

Urteil vom 8. Dezember 2003
Kassationshof

Besetzung
Bundesrichter Schneider, Präsident,
Bundesrichter Kolly, Ersatzrichterin Pont Veuthey,
Gerichtsschreiber Borner.

Parteien
E.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt als Verwaltungsgericht, Bäumleingasse 1, 4051 Basel.

Gegenstand
Bedingte Entlassung aus der Verwahrung; Willkür (Art. 42/45 StGB; Art. 9/29 BV),

Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen das Urteil des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt als Verwaltungsgericht vom 16. Mai 2003.

Sachverhalt:
A.
E.________ wurde mit Entscheid vom 23. April 1991 auf den 25. Mai 1991 bedingt aus der Verwahrung entlassen (Art. 42 StGB). Am 28. November 1996 widerrief der Präsident der Strafvollzugskommission Basel-Stadt die bedingte Entlassung wegen Rückfalls während der Probezeit und versetzte E.________ in die Verwahrung zurück.

Am 20. November 1997 verweigerte die Strafvollzugskommission die bedingte Entlassung aus dem Verwahrungsvollzug, welcher Entscheid vom Verwaltungsgericht des Kantons Basel-Stadt und vom Bundesgericht bestätigt wurde.
B.
Im Rahmen der jährlichen Überprüfung lehnte die Strafvollzugskommission letztmals am 25. November 2002 eine bedingte Entlassung E.________s ab. Einen Rekurs gegen diesen Entscheid wies das Verwaltungsgericht am 16. Mai 2003 ab.
C.
E.________ führt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Antrag, der Entscheid des Verwaltungsgerichts sei aufzuheben.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Der Beschwerdeführer betitelt seine Eingabe als "Staatsrechtliche- und Verwaltungsgerichtsbeschwerde".

Gegen einen letztinstanzlichen kantonalen Entscheid betreffend Verweigerung der bedingten Entlassung aus dem Verwahrungsvollzug ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht zulässig. Im Rahmen der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann auch die Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt werden, da zum Bundesrecht im Sinne von Art. 104 OG auch die Bundesverfassung gehört (BGE 122 IV 8 E. 2a). Die Eingabe des Beschwerdeführers ist somit als Ganzes als Verwaltungsgerichtsbeschwerde entgegenzunehmen.
1.2 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist ausschliesslich der vorinstanzliche Entscheid. Soweit der Beschwerdeführer das Verhalten seines amtlichen Verteidigers im kantonalen Verfahren kritisiert (er habe seine Rekurseingabe an die Vorinstanz blockiert, ihm keine Akteneinsicht gewährt und mit ihm kein persönliches Gespräch geführt), kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden.
2.
Der Beschwerdeführer rügt, die Richter der Vorinstanz und der Sekretär der Strafvollzugskommission hätten wegen Befangenheit in den Ausstand treten müssen. Zur Begründung führt er einzig an, etliche Verwaltungsrichter des Kantons Basel-Stadt, insbesondere Verwaltungsrichter Dr. F.________, seien Mitglieder der Paritätischen Aufsichtskommission der IKS Bostadel Zug.

Die Hauptaufgabe einer derartigen Kommission liegt regelmässig darin, darüber zu wachen, ob die Anstalt gesetz- und zweckmässig geführt wird. Inwiefern ein Richter, der solche Überwachungsfunktionen ausübt, dadurch in seiner richterlichen Unabhängigkeit beeinträchtigt sein könnte, legt der Beschwerdeführer nicht dar und ist auch nicht ersichtlich.
3.
Der Beschwerdeführer beanstandet, der Gutachter der Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK) habe mit ihm kein einstündiges Gespräch geführt, bevor er das Gutachten erstellt habe.
Die zuständige Behörde prüft, ob die bedingte oder probeweise Entlassung aus der Verwahrung anzuordnen ist. Dabei hat sie vor dem Entscheid den zu Entlassenden oder seinen Vertreter anzuhören (Art. 45 Ziff. 1 StGB). Aus dem Gesetzestext geht klar hervor, dass der Betroffene einen Anspruch hat, von der zuständigen Behörde angehört zu werden. Zuständige Behörde im Verfahren des Beschwerdeführers war die Strafvollzugskommission und nicht die PUK. Damit erweist sich die Rüge als unbegründet.
4.
Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei nun seit mehr als zehn Jahren in Haft, und diese sehr lange Haft sei unverhältnismässig zur ausgefällten Strafe von zwei Jahren.

Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, ist die Verwahrung keine Strafe, sondern eine sichernde Massnahme, deren Zweck im Schutz der Öffentlichkeit vor einem gefährlichen Straftäter liegt. Dementsprechend stehe ihre Dauer nicht in einem bestimmten Verhältnis zur Dauer einer allfälligen Strafe, sondern hänge in erster Linie von der Zeit ab, die zur Besserung des Täters, namentlich zur Verringerung seiner Sozialgefährlichkeit, erforderlich sei.

Insbesondere gestützt auf das Gutachten der PUK und die Empfehlung der Fachkommission kommt die Vorinstanz zum Schluss, der Beschwerdeführer sei immer noch gemeingefährlich. Gegen diese Beurteilung bringt der Beschwerdeführer nichts Wesentliches vor. Seine Ausführungen, er pflege mit seiner Exfrau und anderen Leuten Kontakte, sein Verhalten in der Anstalt sei gut, er sei im Verwahrungsvollzug verletzt und zum Teil schlecht behandelt worden, und in der Strafanstalt Pöschwies sei ihm die Fortsetzung der Psychotherapie verweigert worden, sind für die Frage der Gemeingefährlichkeit nicht von entscheidender Bedeutung. Damit erweist sich die Beschwerde als unbegründet.
5.
Der Beschwerdeführer stellt ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Da seine Begehren von vornherein aussichtslos erschienen, ist das Gesuch abzuweisen (Art. 152 OG).

Folglich wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 156 Abs. 1 OG). Bei der Bemessung der Gerichtsgebühr ist jedoch seinen finanziellen Verhältnissen Rechnung zu tragen.
Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.
3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.
4.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer und dem Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt als Verwaltungsgericht sowie dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 8. Dezember 2003
Im Namen des Kassationshofes
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Mots-clés

preventive detentionconditional releasedangerousnessrecusalright to be heardlegal aidcourt costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the federal appeal was admissible as a whole despite its mixed label and the complaints against appointed counsel.

Solution extraite

The filing was treated entirely as an administrative law appeal, but objections directed at the conduct of appointed counsel in the cantonal proceedings were outside the scope of review.

Motifs extraits

A final cantonal decision on refusal of conditional release from preventive detention is subject to administrative law appeal, which also allows constitutional complaints. However, only the challenged judgment itself can be reviewed.

Question juridique clé

Whether the cantonal judges and the commission secretary had to recuse themselves for bias because some judges sat on an oversight commission for a prison.

Solution extraite

No disqualifying appearance of bias was shown.

Motifs extraits

An oversight role in a prison commission normally concerns supervision of lawful and proper administration; the appellant did not explain, and it was not evident, how this would impair judicial independence.

Question juridique clé

Whether the appellant had a right to a one-hour interview with the psychiatric expert before the report was prepared.

Solution extraite

No such right against the expert was established; the right to be heard lay before the competent authority, which was the Strafvollzugskommission.

Motifs extraits

Under Art. 45 No. 1 StGB, the authority deciding on release must hear the detainee or his representative. The expert clinic was not the competent hearing authority.

Question juridique clé

Whether continued preventive detention was disproportionate because it had lasted more than ten years compared with the original two-year sentence.

Solution extraite

The detention was not shown to be disproportionate.

Motifs extraits

Preventive detention is a security measure, not a punishment, and its duration depends primarily on the time needed for treatment and reduction of dangerousness. The appellant did not materially refute the finding that he remained dangerous.

Question juridique clé

Whether the appellant was entitled to free legal aid.

Solution extraite

Free legal aid was refused because the appeal had no prospects of success.

Motifs extraits

Claims that are manifestly hopeless do not satisfy the statutory conditions for free legal aid.

Question juridique clé

How the costs of the federal proceedings should be allocated.

Solution extraite

Court costs were imposed on the appellant, taking his financial situation into account.

Motifs extraits

As the appeal failed, the appellant was made liable for costs under the procedural rules.

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