Deletion of servitudes under Art. 976 ZGB without hearing the beneficiary

JK 97 86/206Autre juridiction7 sept. 1997Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The appellant challenged the land registrar’s deletion of several servitudes burdening the respondent’s parcel and argued that the registrar had no basis to delete them and should have heard the beneficiary first. The court held that, under Art. 976 ZGB, a servitude that has lost all legal significance may be deleted on request of the burdened owner or ex officio. The registrar need not invite the beneficiary to comment before issuing the deletion order. The procedure of prior journal entry, deletion order with legal-remedy notice, and 30-day complaint period was upheld, as was the registrar’s ability to assess the loss of significance on the basis of a broader factual basis.

Regeste Omnilex

Art. 976 Abs. 1 und 3 ZGB; deletion of extinct servitudes; procedural guarantees in land-register deletion proceedings: if an entry has lost all legal significance, the burdened owner may demand deletion and the registrar may also act ex officio on his own assessment. The registrar is not required to hear the beneficiary before ordering deletion; the omission of a hearing right in the revised regulation is deliberate. The registrar may base the finding of extinction not only on subsequent register entries but on any reliable factual basis establishing that the original purpose has definitively ceased or the right can no longer be exercised in the foreseeable future (consid. 6.1-6.4). The complaint court may review the substantive permissibility of deletion, while the factual review remains summary (consid. 6.5).

Texte intégral

Das Grundstück des Beschwerdegegners ist mit verschiedenen Dienstbarkeiten zugunsten desjenigen des Beschwerdeführers belastet. Der Beschwerdegegner beantragte gestützt auf Art. 736 und 976 ZGB die Löschung der Dienstbarkeiten, weil diese für den Beschwerdeführer jede rechtliche Bedeutung verloren hätten. Der Grundbuchverwalter entsprach diesem Antrag und löschte die genannten Dienstbarkeiten. Der Beschwerdeführer beantragt die Aufhebung der Löschungsverfügung.

Aus den obergerichtlichen Erwägungen:

6.1. Hat eine Eintragung jede rechtliche Bedeutung verloren, so kann der Belastete deren Löschung verlangen; der Grundbuchverwalter kann die Löschung auch von Amtes wegen vornehmen (Art. 976 Abs. 1 ZGB, Neufassung in Kraft seit 1.1.1994). Ziel der Revision der Bestimmungen über die Löschung untergegangener dinglicher Rechte war es, das Grundbuch von bedeutungslosen Eintragungen zu entlasten. Mit dem neuen Art. 976 ZGB hat der Grundbuchverwalter die Kompetenz erhalten, aufgrund eigener Entscheidung über die Bedeutung des Eintrages die Löschung eines untergegangenen Rechts auf Antrag des formell Belasteten oder von Amtes wegen vorzunehmen (Botschaft zum BG über die Teilrevision des ZGB [Immobiliarsachenrecht], BBl. 1988 III S. 1087).

6.2. Hinsichtlich des einzuschlagenden Verfahrens ist mit dem eidg. Amt für Grundbuch- und Bodenrecht davon auszugehen, dass der Grundbuchverwalter die von ihm ausgehende (von Amtes wegen vorzunehmende) oder die vom Belasteten verlangte Löschung vorab ins Tagebuch einzuschreiben hat. Anschliessend hat er eine Löschungsverfügung des Inhalts zu erlassen, dass das untergegangene Recht (rückwirkend) auf den Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung (d.h. Datum der Einschreibung im Tagebuch) gelöscht wird, sofern dagegen nicht innert 30 Tagen Grundbuchbeschwerde geführt wird. Die Verfügung über die Löschung ist allen Beteiligten (d.h. den Eigentümern des berechtigten Grundstücks bzw. der berechtigten Person sowie dem Eigentümer des belasteten Grundstücks) zu eröffnen und mit einer Rechtsmittelbelehrung zu versehen. Diese umfasst einerseits den Hinweis auf die Beschwerdemöglichkeit (Art. 104 GBV). Anderseits soll die Bestimmung von Art. 976 Abs. 3 ZGB wiedergegeben und dementsprechend erläutert werden, dass der Berechtigte nach einer rechtswirksamen Löschung die Wiedereintragungsklage beim Zivilrichter anheben kann (ZBGR 77 [1996] S. 606), die - wie die Grundbuchberichtigungsklage nach Art. 975 ZGB - zeitlich nicht befristet ist (Botschaft, a.a.O.). An dieses Prozedere hat sich die Vorinstanz gehalten.

6.3. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers hat das Grundbuchamt zu Recht keine Vernehmlassung beim Beschwerdeführer eingeholt. Der Entwurf zu einer Änderung der Grundbuchverordnung sah ursprünglich ausdrücklich vor, dass die betroffene Person zur Stellungnahme einzuladen sei (Entwurf Art. 62a). Der Verband Schweizerischer Grundbuchverwalter machte in seiner Vernehmlassung geltend, der Grundbuchverwalter werde dadurch zu einem Parteienverfahren gezwungen und erhalte eine richterähnliche Funktion, was atypisch zur Grundbuchführung sei. Der vorgeschlagene Art. 62a sei daher ersatzlos zu streichen (ZGBR 75 [1994] S. 360). Diesem Antrag wurde offenbar stattgegeben, fand diese Bestimmung doch keine Aufnahme in die revidierte Grundbuchverordnung. Daraus ist zu schliessen, dass der Gesetzgeber dem berechtigten Grundeigentümer bewusst keine Gelegenheit zur Stellungnahme einräumen wollte.

6.4. Die ältere Berner Praxis vertrat den Standpunkt, der Grundbuchverwalter dürfe nur nach Art. 976 ZGB vorgehen, wenn sich die Nutz- oder Sinnlosigkeit der Dienstbarkeit unmittelbar aus den nachfolgenden Grundbucheinträgen ergebe. Diese Ansicht ist mit der Basler Praxis und Liver abzulehnen. Wenn nach der Überzeugung des Grundbuchverwalters einwandfrei feststeht, dass der ursprüngliche Zweck der Dienstbarkeit endgültig dahingefallen ist oder die Dienstbarkeit nicht mehr ausgeübt werden kann und es auf absehbare Zeit dabei bleibt, soll er dem Löschungsbegehren des Belasteten entsprechen, auch wenn seine Kenntnis des Sachverhaltes nicht oder nicht allein auf Angaben beruht, die dem Grundbuch zu entnehmen sind (Liver, ZGBR 39 [1958] S. 333ff.; Liver, Zürcher Komm., N 118 und 126a zu Art. 734 ZGB).

6.5. Entspricht der Grundbuchverwalter dem Begehren des Belasteten, so kann der Berechtigte - wie erwähnt - zunächst Beschwerde beim Obergericht führen. Nichts steht entgegen, dass sich das Obergericht als Beschwerdeinstanz in seinem Entscheid auch mit der Rechtsfrage auseinandersetzt, ob das Recht gelöscht werden dürfe oder nicht. Das Bundesgericht hat in Grundbuchbeschwerdesachen wiederholt eingehende materiellrechtliche Erörterungen über Rechtsfragen angestellt. In sachverhaltsmässiger Hinsicht bleibt das Grundbuchbeschwerdeverfahren hingegen ein summarisches (ZGBR 77 [1996] S. 406). Wird die Grundbuchbeschwerde abgewiesen, steht dem Berechtigten die Wiedereintragungsklage offen (Art. 976 Abs. 3 ZGB).

Mots-clés

servitudeland registerdeletionlegal significancehearing rightre-registrationsummary review

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the land registry may delete a servitude under Art. 976 ZGB once it has lost all legal significance.

Solution extraite

Yes. If an entry has lost all legal significance, the burdened owner may request deletion and the land registrar may also act ex officio.

Motifs extraits

Art. 976 ZGB was revised to relieve the land register of meaningless entries and gives the registrar discretion to decide, on his own assessment, whether an extinguished right should be deleted.

Question juridique clé

Whether the land registrar had to hear the beneficiary owner before issuing the deletion order.

Solution extraite

No. The legislator deliberately did not provide for a prior statement by the beneficiary in this procedure.

Motifs extraits

The omitted draft provision on a hearing was consciously not adopted in the revised ordinance, showing that no participatory right of the beneficiary was intended.

Question juridique clé

What procedural form the deletion under Art. 976 ZGB must take and whether the procedure followed below was correct.

Solution extraite

The registrar must first enter the deletion in the journal and then issue a deletion order effective retroactively to the journal date unless a land-register complaint is filed within 30 days; the order must be served on all interested parties with a proper legal remedy notice.

Motifs extraits

The procedure described by the federal land-registry authority reflects the correct sequence and legal-protection scheme, including the later action for re-registration under Art. 976 Abs. 3 ZGB.

Question juridique clé

Whether the registrar may rely on facts not directly evident from later land-register entries when assessing the loss of significance of a servitude.

Solution extraite

Yes, provided the registrar is convinced that the original purpose has definitively fallen away or the servitude can no longer be exercised and that this situation will not change in the foreseeable future.

Motifs extraits

The stricter older Bernese view is rejected; the registrar may base the assessment on a reliable overall understanding of the facts, not only on subsequent entries.

Question juridique clé

Whether the appellate court may examine the substantive legality of the deletion order in land-register complaint proceedings.

Solution extraite

Yes. The appellate court may address the substantive question whether deletion is permissible, although the facts are reviewed only summarily.

Motifs extraits

Federal complaints in land-register matters may include full legal analysis; only the factual review remains summary. If the complaint is dismissed, the beneficiary retains the right to sue for re-registration.

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