N 21 juin 1991
1362
Interpellation Kuhn
Aufgabe, die die Delegierten des ausschliesslich aus Schwei- zerinnen und Schweizern besetzten IKRK erfüllen. Im Zusam- menhang mit der gegenwärtigen Neutralitätsdiskussion in der Schweiz stellen sich folgende Fragen:
Inwiefern ist die Neutralität der Schweiz eine Voraussetzung für die humanitäre Tätigkeit des IKRK?
Würde nicht nur die Aufgabe der Neutralität, sondern auch eine wesentliche Aenderung der Neutralitätspolitik die Hand- lungsfähigkeit des IKRK beeinträchtigen?
Welchen Umfang hat die Tätigkeit des IKRK heute ange- nommen? An wieviel Orten sind seine Leute im Einsatz? Wie beurteilt der Bundesrat die humanitären Resultate?
Wäre eine andere Institution in der Lage, die weltweiten Auf- gaben des IKRK zu übernehmen, falls eine Aenderung der schweizerischen Aussenpolitik dem IKRK den politischen Bo- den unter den Füssen wegziehen würde?
Texte de l'interpellation du 20 mars 1991
Avant, pendant et après la guerre du Golfe, le Comité interna- tional de la Croix-Rouge (CICR) a, le plus souvent dans la plus grande discrétion, accompli son activité bienfaisante. Et ce n'est là qu'une petite part de l'immense tâche humanitaire que remplissent les délégués du CICR, dans les rangs duquel on ne compte que des Suissesses et des Suisses. Dans l'optique de la discussion actuelle sur la neutralité de la Suisse, je pose les questions suivantes:
Dans quelle mesure, la neutralité de la Suisse n'est-elle pas une condition sine qua non à l'activité humanitaire du CICR? 2. Si la Suisse renonçait à sa neutralité, ou encore si elle modi- fiait notablement sa politique de neutralité, la capacité d'action du CICR n'en serait-elle pas compromise?
Quelle est l'ampleur de l'activité actuelle du CICR? En com- bien d'endroits ses délégués sont-ils engagés? Que pense le Conseil fédéral des résultats obtenus sur le plan humanitaire? 4. Une autre institution serait-elle en mesure de se charger, à l'échelle mondiale, des tâches du CICR au cas où des change- ments intervenus dans la politique étrangère de la Suisse sa- peraient le fondement politique du CICR?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Antille, Aregger, Bonny, Burckhardt, Büttiker, Couchepin, Eppenberger Susi, Frey Claude, Leuba, Loeb, Loretan, Mühlemann, Nabholz, Sager, Scheidegger, Spälti, Steinegger, Tschuppert (18)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 8. Mai 1991 Rapport écrit du Conseil fédéral du 8 mai 1991
1./2. Der Bundesrat hält eine grundsätzliche Klärung der Frage des zukünftigen Stellenwertes der dauernden Neutrali- tät für die Schweiz, für Europa und die Welt für erforderlich. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegen- heiten hat daher im März 1991 eine Studiengruppe verwal- tungsexterner und verwaltungsinterner Personen mit einer vertieften Analyse der verschiedenen mit der Neutralität und der Führung unserer Aussenpolitik verbundenen Aspekte be- auftragt. Diese Studiengruppe wird ihre Erkenntnisse noch im Verlaufe dieses Jahres dem Bundesrat zur Kenntnis bringen. In der Folge wird der Bundesrat dem Parlament einen Bericht über die Neutralität vorlegen. Darin wird auch auf die Frage eingegangen, welche Auswirkungen auf das IKRK eine allfäl- lige Aenderung oder gar ein Verzicht auf die schweizerische Neutralität hätte.
Das Budget des IKRK für 1990 betrug rund 460 Millionen Fran- ken, von denen die Eidgenossenschaft 74 Millionen Franken
finanzierte. Die Ausgaben für 1991 werden aufgrund des Kon- flikts im Mittleren Osten höher ausfallen.
Der Bundesrat beurteilt die Aktivität des IKRK angesichts der weltweiten humanitären Probleme als notwendiger denn je. Sie erfolgt nach seiner Beurteilung in kompetenter und effizi- enter Weise.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundesra- tes befriedigt.
91.3084
Interpellation Kuhn Jerusalem als Hauptstadt Israels. Verlegung der Schweizer Botschaft Jérusalem capitale de l'Etat d'Israël Transfert de l'Ambassade de Suisse
Wortlaut der Interpellation vom 20. März 1991
Nach dem Ende des Golfkrieges sucht die Völkergemein- schaft nach einer neuen, beständigen Ordnung für den Nahen Osten.
Zu einer gerechten und dauerhaften Friedenslösung gehört die Anerkennung des Existenzrechtes Israels.
Die Israeli betrachten Jerusalem als ihre Hauptstadt. In dieser Stadt befinden sich daher das Auswärtige Amt, die Knesset und der Sitz des Staatspräsidenten. Auch in der Bibel gibt es viele Hinweise auf die Zugehörigkeit Jerusalems zum Volke Is- rael.
In diesem Zusammenhang stellen wir dem Bundesrat die fol- genden Fragen:
Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass nach dem Golf- krieg und der damit verbundenen Neuordnung in der Region die Zeit gekommen ist, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzu- erkennen und deshalb die Schweizer Botschaft von Tel-Aviv nach Jerusalem zu verlegen?
Hält der Bundesrat an seiner Antwort auf die Einfache An- frage von Prof. Dr. Hans Oester, Zürich, vom 16. September 1985 fest, dass er keine Veranlassung sehe, seine Haltung der Jerusalem-Frage gegenüber zu ändern, «da sich die rechtli- chen und tatsächlichen Voraussetzungen seit damals nicht geändert haben»?
Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass sich die «tat- sächlichen Voraussetzungen» durch den Ausgang des Golf- krieges und die militärische Zurückhaltung Israels (selbst nach irakischen Raketenangriffen) wesentlich verändert ha- ben?
Falls sich der Bundesrat gegen eine Verlegung der Bot- schaft nach Jerusalem aussprechen sollte, bitten wir um Aus- kunft, warum in anderen Fällen ohne Vorbehalt Hauptstädte akzeptiert worden sind, die ebenfalls völkerrechtlich umstrit- ten waren, wie zum Beispiel Berlin-Ost als Hauptstadt der ehe- maligen Deutschen Demokratischen Republik?
Texte de l'interpellation du 20 mars 1991
Après la fin de la guerre du Golfe, la communauté internatio- nale cherche à instaurer un nouvel ordre durable au Proche
Interpellation Ruf
1363
Orient. Or une paix équitable et durable a pour préalable la re- connaissance du droit à l'existence de l'Etat d'Israël.
Les Israéliens considèrent Jérusalem comme leur capitale. C'est dans cette ville que se trouvent le Ministère des affaires étrangères, la Knesset et le siège de la présidence. La Bible fournit elle aussi des indications selon lesquelles Jérusalem appartient au peuple d'Israël.
A cet égard, je prie le Conseil fédéral de bien vouloir répondre aux questions suivantes:
Estime-t-il lui aussi qu'après la guerre du Golfe et vu l'ordre nouveau qui en découle dans la région, le moment est venu de reconnaître Jérusalem comme capitale de l'Etat d'Israël et de transférer l'ambassade de Suisse de Tel-Aviv à Jérusalem?
Maintient-il la réponse qu'il a donnée à la question ordinaire Oester, Zurich, le 16 septembre 1985, dans laquelle il disait qu'il ne voyait aucun motif de changer d'attitude face à la ques- tion de Jérusalem puisque les conditions juridiques et concrè- tes n'avaient pas changé?
Ne pense-t-il pas lui aussi que l'issue de la guerre du Golfe et la retenue d'Israël sur le plan militaire (même après les atta- ques de fusées irakiennes) ont beaucoup modifié les condi- tions concrètes?
Au cas où le Conseil fédéral se déclarerait défavorable à un transfert de notre ambassade à Jérusalem, nous le prions de nous faire savoir pourquoi, dans d'autres cas, il a accepté sans réserve des capitales qui étaient également contestables du point de vue du droit international, par exemple Berlin-Est comme capitale de l'ancienne République démocratique alle- mande?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Dünki, Widmer, Zwygart (3)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 8. Mai 1991 Rapport écrit du Conseil fédéral du 8 mai 1991
Der Bundesrat sieht auch im Lichte der neuesten Entwicklung im Mittleren Osten und nach dem Ende des Konfliktes um Irak und Kuwait keine Veranlassung, seine Haltung in der Jerusa- lem-Frage zu ändern, wie er sie zuletzt in seiner Antwort auf die Einfache Anfrage Oester vom 16. September 1985 dargelegt hat. Was die Frage einer Verlegung der Schweizer Botschaft von Tel-Aviv nach Jerusalem betrifft, haben sich die tatsächli- chen und rechtlichen Voraussetzungen auch im Lichte des Endes des Golfkrieges und der Zurückhaltung Israels nach den irakischen Raketenangriffen nicht massgeblich verändert. Wie in der Antwort auf die Einfache Anfrage Oester ausgeführt, gibt es im diplomatischen Verkehr nicht eine formelle Anerken- nung einer bestimmten Stadt als Hauptstadt durch ausländi- sche Staaten. Das Völkerrecht kennt nur die Anerkennung von Staaten als gleichwertige Völkerrechtssubjekte durch die an- deren Staaten. Welche Stadt als Hauptstadtsitz der Regie- rung, der gesetzgebenden Behörde und damit auch im Nor- malfall der dort etablierten ausländischen Vertretungen ist, be- stimmt jeder Staat grundsätzlich selbst. Es gibt auch Staaten, bei denen sich mehrere Städte in diese Funktion teilen. Pro- bleme ergeben sich bei dieser Ordnung lediglich da, wo die territoriale Zugehörigkeit einer Stadt, die zur Hauptstadt erklärt werden soll, völkerrechtlich umstritten ist. Dies ist bei Jerusa- lem der Fall.
Jerusalem samt näherer Umgebung wurde von der Uno- Generalversammlung noch vor Gründung des Staates Israel zu einer für Juden und Araber gleichermassen zugänglichen Stadt unter internationaler Schirmherrschaft bestimmt. Nach der Gründung des Staates Israel und des Waffenstillstandes, der den Kämpfen zwischen Juden und Arabern folgte, wurde der westliche Teil der Stadt von Israel, der östliche von Jorda- nien verwaltet. Nach dem Krieg von 1967 geriet auch der östli- che Teil unter israelische Kontrolle.
Am 30. Juli 1980 verabschiedete das israelische Parlament ein Verfassungsgesetz, welches das gesamte Gebiet der Stadt Je-
rusalem - West und Ost vereinigt - zur israelischen Hauptstadt erklärte. Diesem einseitigen Akt ist bis heute die internationale Anerkennung versagt geblieben, und zwar in Anwendung des völkerrechtlichen Grundsatzes, wonach gewaltsamer Ge- bietserwerb bis zum Abschluss einer friedensvertraglichen Regelung keinerlei Rechtswirkungen zu bewirken vermag. Dieser Friedensvertrag ist in bezug auf Jerusalem bis heute nicht zustande gekommen. Als Folge des umstrittenen Status von Jerusalem hat die überwiegende Mehrzahl aller Staaten, die in Israel eine diplomatische Mission unterhalten, ihre Ver- tretung in Tel-Aviv errichtet. Auch die schweizerische Bot- schaft befindet sich seit Aufnahme der diplomatischen Bezie- hungen in Tel-Aviv. Eine Verlegung wird aus den obgenannten Gründen nicht erwogen.
Währendem Jerusalem, wie angedeutet, bis heute nur von ganz wenigen Ländern als Hauptstadt akzeptiert worden ist, wurde das erwähnte Ost-Berlin von sämtlichen Staaten, die im Laufe der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg die DDR als souveränen Staat anerkannten, als Sitz ihrer Botschaften ge- wählt. Wenn die Schweiz ihre Vertretung ebenfalls in Ost-Ber- lin eröffnete, so geschah dies somit im Einklang mit der einhel- ligen Praxis der Völkergemeinschaft.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundesra- tes teilweise befriedigt.
91.3028
Interpellation Ruf Schutz des Flachmoors Saanenmöser Sauvegarde du bas-marais de Saanenmöser
Wortlaut der Interpellation vom 24. Januar 1991
Kürzlich hat der Regierungsrat des Kantons Bern eine Be- schwerde des bernischen Naturschutzverbands gegen die Er- weiterung des Golfplatzes Saanenland aus formellen Grün- den abgewiesen. Die nun immer drohendere Realisierung die- ses Projekts würde ein Flachmoor von voraussichtlich nationa- ler Bedeutung zerstören, das im provisorischen Inventar des Bundes über schützenswerte Flachmoore (Anhang zum Ver- nehmlassungsentwurf der Flachmoorverordnung) enthalten ist.
Bereits im Frühling/Sommer 1990 hatte Bundesrat Flavio Cotti die Berner Regierung wiederholt aufgefordert, das betroffene Flachmoor Saanenmöser provisorisch zu schützen, da die verfassungsmässigen Moorschutzbestimmungen gemäss Ar- tikel 24sexies Absatz 5 der Bundesverfassung direkt anwend- bar seien. Nichtsdestotrotz bewilligte der Regierungsrat Ende Mai 1990 die entsprechende Ueberbauungsordnung. Im Au- gust 1990 genehmigte sodann der Grosse Rat einen Staats- beitrag von 1,2 Millionen Franken an die Vergrösserung des Golfplatzes.
Der Bundesrat wird um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:
«Wir haben auf einen dringlichen Bundesbeschluss verzichtet, weil wir von den Kantonen Gewähr erhalten hatten, dass der provisorische - ich unterstreiche: provisorische - Schutz tat- sächlich gewährleistet wäre. Ich werde demnächst auch mit der Berner Behörde Kontakt aufnehmen; denn es geht natür- lich nicht, dass man auf Umwegen von der allgemeinen - ich möchte sagen: stillschweigenden - Vereinbarung abrückt, die in diesem Frühjahr zur allgemeinen Zufriedenheit getroffen wurde. Ich möchte Ihnen mit Genugtuung sagen, dass der
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Kuhn Jerusalem als Hauptstadt Israels. Verlegung der Schweizer Botschaft Interpellation Kuhn Jérusalem capitale de l'Etat d'Israël Transfert de l'Ambassade de Suisse
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Jahr
1991
Année
Anno
Band
III
Volume
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Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 91.3084
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 21.06.1991 - 08:00
Date
Data
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1362-1363
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20 020 087
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