N 2 juin 1992
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Motion du groupe socialiste
Zweite Sitzung - Deuxième séance
Dienstag, 2. Juni 1992, Vormittag Mardi 2 juin 1992, matin
08.00 h
Vorsitz - Présidence: Herr Nebiker
90.543
Motion der sozialdemokratischen Fraktion Spezialkarteien. Benachrichtigung der verzeichneten Personen
Motion du groupe socialiste Fichiers spéciaux. Notification d'office aux personnes enregistrées
Wortlaut der Motion vom 8. Juni 1990
Aufgrund des Ergänzungsberichtes der PUK 1 steht fest, dass in diesen Karteien Personen verzeichnet sind, deren Registrie- rung grotesk ist. Dazu kommt, dass die registrierten Personen und Inhalte mit denen der Hauptkartei nicht in allen Fällen deckungsgleich sind. Aus diesen Gründen wird der Bundesrat beauftragt, seine Verordnung in dem Sinne zu ändern, dass analog der Benachrichtigungspraxis des EMD die in Spezial- karteien erfassten Bürgerinnen und Bürger über die Tatsache der Registrierung von seiten des Fichendelegierten automa- tisch benachrichtigt werden.
Texte de la motion du 8 juin 1990
Il ressort du rapport complémentaire de la CEP 1 que l'enregis- trement de certaines personnes dans des fichiers spéciaux du Ministère public de la Confédération atteint les limites du ridi- cule. A cela s'ajoute que les personnes fichées et les contenus des fichiers spéciaux ne concordent pas toujours avec les élé- ments correspondants du fichier principal. Pour ces motifs, le Conseil fédéral est chargé de modifier son ordonnance de ma- nière que les citoyens et citoyennes enregistrés dans les fi- chiers spéciaux du MPC en soient informés d'office par le pré- posé, à l'instar de la pratique adoptée au DMF.
Sprecher - Porte-parole: Hubacher
Schriftliche Begründung Die Urheber verzichten auf eine Begründung und wünschen eine schriftliche Antwort.
Développement par écrit Les auteurs renoncent au développement et demandent une réponse écrite.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 24. September 1990
Die im Februar 1990 in Archivräumen der Bundesanwaltschaft entdeckten und von der PUK nachträglich überprüften Spezi- alkarteien sind allesamt seit Jahren nicht mehr nachgeführt worden. Da nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein Akteneinsichtsrecht ausserhalb laufender Verfahren nur in Fällen besteht, in denen ein schutzwürdiges Interesse glaub- haft gemacht wird oder die Daten von den Behörden künftig noch verwendet werden, besteht auf die Benachrichtigung Be- troffener von Amtes wegen kein Rechtsanspruch.
Auch abgesehen von den rechtlichen Erwägungen wäre die Benachrichtigung von Amtes wegen nur für einen kleinen Teil der Registrierten möglich, weil die Adressen der Personen ent- weder nicht vorhanden oder nicht nachgeführt sind. Die Motio- näre verkennen zudem, dass in mehreren Spezialkarteien die meisten aufgenommenen Personen Ausländer sind, deren gegenwärtiger Aufenthaltsort auch mit den bestmöglichen Nachforschungen nicht eruiert werden kann.
An dieser rechtlichen und tatbestandlichen Beurteilung ändert auch der Umstand nichts, dass es möglicherweise in den aus- geschiedenen Karteien einzelne Personen gibt, die nicht in der Hauptregistratur, sondern nur in einer Spezialkartei der Bundesanwaltschaft aufgenommen sind. Es könnte sich da- bei durchaus um Personen handeln, deren Fiche als nicht mehr aktuell aus der Hauptkartei ausgeschieden wurde. Vor der Anordnung des Vorstehers des EJPD, dass keine Akten der Bundesanwaltschaft vernichtet werden dürfen, hätte es durchaus einer berechtigten Forderung des Datenschutzes entsprochen, wenn definitiv unnötige Akten archiviert oder ver- nichtet wurden. Es ist gerade ein zu Recht gerügter Mangel, dass dies von der Bundesanwaltschaft nicht konsequent ge- handhabt wurde.
Eine Ausnahme von dieser Regelung wird für die Terroristen- und Jurakartei, welche erst nachträglich in den Fichenindex aufgenommen worden sind, bei jenen Personen gemacht, welche ihr Einsichtsgesuch vor dem 15. Februar 1990 gestellt haben. Personen, die keinen Eintrag in der Hauptkartei hatten, wurde mitgeteilt, sie seien nicht in der Hauptkartei, jedoch un- ter Umständen in der Terroristen- oder Jurakartei verzeichnet. Sie würden nach Abschluss der Fichenindexierung von Amtes wegen benachrichtigt, wenn sie in einer der beiden erwähnten Karteien verzeichnet seien.
Der Bundesrat ist zusammenfassend weiterhin der Auffas- sung, dass die Information der Betroffenen auf Gesuch hin sachgerecht und verfassungskonform ist.
Rapport écrit du Conseil fédéral du 24 septembre 1990
Les fichiers spéciaux découverts en février 1990 dans les archives du Ministère public de la Confédération et examinés par la suite par la CEP n'ont tous plus été mis à jour depuis des années. Selon la jurisprudence du Tribunal fédéral, il n'existe un droit de consulter des données personnelles en dehors d'une procédure que si l'intéressé fait valoir un intérêt digne de protection ou si, à l'avenir, les données seront encore utilisées par les autorités. Dans le cas des fichiers spéciaux, les person- nes concernées ne peuvent donc pas faire valoir de préten- tions juridiques à être informées d'office.
Indépendamment de l'argumentation juridique, l'information d'office des personnes concernées n'aurait été possible que pour une petite partie d'entre elles, car leurs adresses ne figu- rent pas ou n'ont pas été mises à jour. En outre, les auteurs de la motion meconnaissent que les personnes enregistrées dans plusieurs fichiers spéciaux sont des étrangers dont le lieu de séjour actuel ne peut pas être déterminé même avec les meilleures recherches.
Le fait que des personnes enregistrées dans les fichiers mis à l'écart puissent ne pas figurer dans le fichier principal du Minis- tère public de la Confédération, mais seulement dans les fi- chiers spéciaux ne change rien à l'appréciation juridique et matérielle. Il pourrait très bien s'agir de personnes dont la fi- che, jugée caduque, aurait été retirée du fichier principal. Avant l'ordre du Chef du DFJP de ne détruire aucun acte pro- venant du Ministère public de la Confédération, la mise aux archives ou la destruction d'actes devenus définitivement inu- tiles aurait parfaitement correspondu à une exigence bien-fon- dée de la protection des données. Cette procédure n'a pas été appliquée suffisamment systématiquement par le Ministère public de la Confédération, il s'agit justement d'une lacune qui lui a été reprochée avec raison.
Cette règle souffre une exception à l'égard des personnes dont la demande de consultation a été présentée avant le 15 février 1990, s'agissant du fichier des terroristes et du fichier du Jura, qui n'ont été portés qu'après coup dans l'inventaire des fiches. Les personnes qui ne faisaient l'objet d'aucune ins-
Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion
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cription dans le fichier principal ont été informées qu'elles n'y étaient pas enregistrées, mais qu'elles pouvaient éventuelle- ment figurer dans le fichier des terroristes ou dans celui du Jura. Si tel devait s'avérer être le cas, elles en seraient infor- mées d'office, dès l'achèvement du recensement des fiches. En résumé, le Conseil fédéral reste de l'avis que la procédure d'information impliquant une demande des personnes concernées est adéquate et conforme à la constitution.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Der Bundesrat beantragt, die Motion abzulehnen.
Déclaration écrite du Conseil fédéral Le Conseil fédéral propose de rejeter la motion.
Hubacher: Die Motion verlangt, dass die Verordnung volle Einsicht gewährt. Nachdem Sie gestern bei Geschäft 91.062 (Akten der Bundesanwaltschaft. Einsicht) Artikel 4 des Be- schlussentwurfes gemäss Minderheit entschieden haben, kann ich Sie nur noch auffordern, in sich zu gehen, zu beten und zu hoffen, dass der Ständerat an seinem Entschluss fest- halten und uns eine zweite Chance zur Besinnung geben wird. Ich ziehe die Motion zurück.
Zurückgezogen - Retiré
90.537
Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion Vorkommnisse in der Bundesanwaltschaft Interpellation du groupe socialiste Ministère public de la Confédération. Fichiers spéciaux
Wortlaut der Interpellation vom 7. Juni 1990
Aufgrund der Lektüre des Ergänzungsberichtes der PUK 1 drängen sich folgende Fragen auf:
Ist der Bundesrat bereit, alle in Spezialkarteien wie Verdäch- tigenlisten, Verdächtigen- und Extremistenkartei Verzeichne- ten analog dem EMD zu informieren?
Ist der Bundesrat bereit, sich auf die Suche nach den Mikro- filmen zu machen, von denen offensichtlich drei Kopien erstellt wurden und nur mehr der Aufenthaltsort einer einzigen be- kannt ist, und das Parlament zu informieren?
Dem Zusatzbericht der PUK ist zu entnehmen, dass sich der für die Durchführung der untersuchten Operationen verant- wortliche Beamte der Bundesanwaltschaft wegen «Gefahr der Selbstbelastung» auf das Zeugnisverweigerungsrecht beruft. Ist der Bundesrat bereit, den Verdacht auf strafbare Handlun- gen durch Beamte der Bundesanwaltschaft in diesem Fall und generell untersuchen zu lassen, und zwar durch eine Person, bei welcher die nötige Unabhängigkeit von der Bundesanwalt- schaft gewährleistet ist? Ist er bereit, die Beamten, bei denen ein Verdacht unkorrekter oder illegaler Handlungen besteht, unverzüglich vom Dienst zu suspendieren? Welche Massnah- men kehrt der Bundesrat vor, um der Gefahr der Spurenverwi- schung in der Bundesanwaltschaft entgegenzutreten?
Wieso wurden - wie dies der Zusatzbericht der PUK 1 fest- hält - deren Arbeiten durch den Bundesrat behindert? Ist der Bundesrat bereit, künftig, etwa gegenüber der PUK 2, darauf zu verzichten, die parlamentarische Arbeit unnötig zu er- schweren?
Wie erklärt sich der Bundesrat den Umstand, dass alle ad- ministrativ und politisch Verantwortlichen sich an nichts mehr erinnern können?
Aufgrund des Zusatzberichtes der PUK 1 wurden Tele- gramme systematisch und widerrechtlich kopiert und der Bun- desanwaltschaft zugestellt. Kann der Bundesrat ausschlies- sen, dass auch Telefongespräche illegal abgehört worden sind? Hat er sich in den vergangenen Monaten einen Ueber- blick über die von der Bundesanwaltschaft getätigten Opera- tionen verschafft?
Texte de l'interpellation du 7 juin 1990
Suite à la lecture du rapport complémentaire de la CEP 1, nous posons les questions suivantes au Conseil fédéral:
Est-il prêt, comme le DMF, à informer toutes les personnes figurant sur les fichiers spéciaux, qu'il s'agisse de suspects ou d'individus considérés comme extrémistes?
Est-il disposé à faire rechercher les microfilms, dont il existe apparemment trois copies alors que l'emplacement d'un seul est connu, et à informer le Parlement?
Selon le rapport complémentaire, le fonctionnaire respon- sable de l'exécution des opérations au MPC aurait invoqué le droit de refuser de témoigner parce qu'il courrait le risque de se mettre en accusation. Le gouvernement est-il disposé à charger une personne ayant la nécessaire indépendance à l'égard du MPC d'enquêter, dans ce cas et de façon générale, afin de déterminer quels agents de la Confédération se sont rendus coupables d'actes répréhensibles? Est-il prêt à sus- pendre immédiatement de leur fonction les agents soupçon- nés d'actions incorrectes ou illégales? Quelles mesures prend-il pour parer au risque d'élimination de preuves maté- rielles au MPC?
Comment se fait-il que les travaux de la CEP aient été entra- vés par le Conseil fédéral, comme l'affirme le rapport complé- mentaire? Le gouvernement est-il disposé à éviter à l'avenir de gêner inutilement les travaux parlementaires, notamment à l'égard de la CEP 2?
Comment le Conseil fédéral explique-t-il que les responsa- bles administratifs et politiques ne se rappellent rien?
Toujours selon le rapport complémentaire, des télégram- mes ont été systématiquement et illégalement copiés et trans- mis au MPC. Le gouvernement peut-il affirmer qu'aucune écoute téléphonique illégale n'a été effectuée? Est-il parvenu ces derniers mois à se faire une vue d'ensemble des opéra- tions engagées par le MPC?
Sprecher - Porte-parole: Bodenmann
Schriftliche Begründung Die Urheber verzichten auf eine Begründung und wünschen eine schriftliche Antwort.
Développement par écrit Les auteurs renoncent au développement et demandent une réponse écrite.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 24. September 1990
Wir verweisen auf die Stellungnahme zur Motion der sozial- demokratischen Fraktion: «Spezialkarteien. Benachrichtigung der verzeichneten Personen» (90.543 vom 8. Juni 1990).
Der Bundesrat hat keinen konkreten Hinweis, dass mehr als zwei Exemplare der Mikrofilme existieren. Beide sind heute in der Obhut des Sonderbeauftragten für die Behandlung der Staatsschutzakten.
Der Bundesrat hat am 18. Juni 1990 einen besonderen Ver- treter des Bundesanwalts eingesetzt, der den von der PUK vor- gebrachten Verdacht auf strafbares Verhalten gerichtspolizei- lich abklärt. Ob Beamte, die einer unkorrekten Handlung be- schuldigt werden, im Dienst eingestellt werden müssen, ist im Einzelfall zu prüfen und kann nicht generell verfügt werden. Die wichtigsten Personen, die in das gerichtspolizeiliche Er- mittlungsverfahren einbezogen werden, arbeiten nicht mehr bei der Bundesanwaltschaft. Die Gefahr der Spurenverwi- schung besteht nicht, weil alle in Frage stehenden Dossiers vollständig dem besonderen Vertreter übergeben wurden.
Der Bundesrat hat bei der Beratung des Ergänzungsbe- richts der PUK einlässlich begründet, dass er die Arbeit der PUK in keiner Weise behindert hat.
5-N
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Motion der sozialdemokratischen Fraktion Spezialkarteien. Benachrichtigung der verzeichneten Personen
Motion du groupe socialiste Fichiers spéciaux. Notification d'office aux personnes enregistrées
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Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
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1992
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Rat
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Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
02
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.543
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Datum 02.06.1992 - 08:00
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