Interpellation Strahm Rudolf
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Soll der neue Gatt-Vertrag der Volksabstimmung unterbreitet werden? Wenn ja, soll er dem fakultativen oder dem obligatori- schen Referendum unterstellt werden?
Texte de l'interpellation du 1er décembre 1992
Avec la conclusion prochaine du cycle de l'Uruguay, l'accord sur le Gatt sera considérablement élargi. Il en résultera princi- palement une importante diminution de la souveraineté des Etats en matière de politique agricole. En outre, les nouvelles dispositions remettront en question les exigences élevées de la législation suisse sur les denrées alimentaires et autorise- ront sans doute le «brevetage» d'organismes vivants. Le Gatt devrait par ailleurs être transformé en une organisation inter- nationale ou supranationale. Au niveau de la politique inté- rieure, le nouvel accord aura des conséquences plus impor- tantes que l'Accord sur l'EEE. C'est pourquoi je prie le Conseil fédéral de répondre aux questions suivantes:
Le nouvel accord sur le Gatt sera-t-il mis en votation popu- laire? Si oui, sera-t-il soumis au référendum facultatif ou obli- gatoire?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Blatter, Bühler Simeon, Dor- mann, Grossenbacher, Hildbrand, Iten Joseph, Jäggi Paul, Leu Josef, Ruckstuhl, Schnider, Stamm Judith, Wyss William (12)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 17. Februar 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral du 17 février 1993
Der Gatt-Vertrag definiert die grundsätzlichen aussenwirt- schaftlichen Rahmenbedingungen für die konkrete Ausgestal- tung der nationalen Politiken. Er lässt den einzelnen Vertrags- parteien genügend Spielraum, um diese den eigenen Bedürf- nissen anzupassen, solange der Handel dadurch nicht mass- geblich beeinträchtigt wird. Die Souveränität der einzelnen Vertragsparteien wird durch das Resultat der Uruguay-Runde somit nicht in Frage gestellt.
Die Frage, ob das Resultat der Uruguay-Runde einem Refe- rendum zu unterstellen ist und, wenn ja, welcher Art von Refe- rendum, wird - ausgehend von den nachfolgenden Verfas- sungsbestimmungen - nach Vorlage der definitiven Verhand- lungsresultate zu beantworten sein. Der Bundesrat wird dem Parlament diesbezüglich einen Bundesbeschluss über die Genehmigung dieser Resultate unterbreiten.
Artikel 89 der Bundesverfassung sieht folgende Möglichkeiten mit Bezug auf ein eventuelles Referendum vor:
Dem fakultativen Referendum unterstehen gemäss Artikel 89 Absatz 3 völkerrechtliche Verträge, sofern sie
a) unbefristet und unkündbar sind (Bst a);
b) den Beitritt zu einer internationalen Organisation vorsehen (Bst. b);
c) eine multilaterale Rechtsvereinheitlichung herbeiführen (Bst. c).
Durch Beschluss beider Räte können nach Artikel 89 Absatz 4 weitere völkerrechtliche Verträge dem fakultativen Referen- dum unterstellt werden, wenn sie von besonderer Tragweite sind, aber keines der genannten Kriterien erfüllen. Dem obli- gatorischen Referendum untersteht schliesslich nach Artikel 89 Absatz 5 der Beitritt zu Organisationen für kollektive Sicher- heit oder zu supranationalen Gemeinschaften.
Im heutigen Zeitpunkt steht noch nicht endgültig fest, wie die materiellen Ergebnisse der Uruguay-Runde vertraglich und in- stitutionell verankert werden sollen. Die zurzeit im Vorder- grund stehende Schaffung einer multilateralen Handelsorga- nisation zur Ueberführung des immer noch provisorisch ange- wandten Gatt-Vertrages in eine permanente Struktur einer in- ternationalen Organisation böte die Möglichkeit, die Weiter- entwicklung und Ueberwachung der zahlreichen im Rahmen des Gatt bestehenden Spezialabkommen in kohärenter Weise sicherzustellen. Je nach vertraglicher Ausgestaltung wäre ein
Beitritt der Schweiz zu einer solchen Institution nach Artikel 89 Absatz 3 Buchstabe b gegebenenfalls dem fakultativen Staatsvertragsreferendum zu unterstellen.
Eine Umwandlung des Gatt in eine supranationale Organisa- tion steht nicht zur Diskussion. Damit sind auch die Vorausset- zungen für ein obligatorisches Referendum nicht gegeben. In- wiefern die Ergebnisse der Uruguay-Runde - im Gegensatz zu den bisherigen im Rahmen des Gatt abgeschlossenen Ueber- einkommen - eine multilaterale Rechtsvereinheitlichung ge- mäss Artikel 89 Absatz 3 Buchstabe c der Bundesverfassung herbeiführen werden, kann erst nach Abschluss der Verhand- lungen definitiv beurteilt werden. Festzuhalten ist jedoch be- reits heute, dass alle Abkommen im Rahmen des Gatt jeder- zeit kündbar sind. Diese Möglichkeit wird durch die Verhand- lungen im Rahmen der Uruguay-Runde nicht eingeschränkt. Erst nach Abschluss der Verhandlungen wird es möglich sein, zu beurteilen, welche Aenderungen die möglichen Resultate der Uruguay-Runde, namentlich im Landwirtschaftsbereich, für die schweizerische Gesetzgebung erfordern werden und ob allenfalls Artikel 89 Absatz 2 der Bundesverfasssung (fakul- tatives Referendum für Bundesgesetze und allgemeinverbind- liche Bundesbeschlüsse) anzuwenden wäre.
Erklärung des Interpellanten: teilweise befriedigt Déclaration de l'interpellateur: partiellement satisfait
92.3425
Interpellation Strahm Rudolf Haltung der Schweiz in der Uruguay-Runde des Gatt Cycle de l'Uruguay du Gatt. Position de la Suisse
Wortlaut der Interpellation vom 7. Oktober 1992
Der Bundesrat wird gebeten, zur Verhandlungsführung in der Uruguay-Runde des Gatt folgende Fragen zu beantworten:
N
19 mars 1993
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Interpellation Strahm Rudolf
Texte de l'interpellation du 7 octobre 1992
Le Conseil fédéral est prié de répondre aux questions suivan- tes concernant les négociations menées dans le cadre du cy- cle de l'Uruguay du Gatt:
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Bäumlin, Béguelin, Bodenmann, Brügger Cyrill, Brunner Christiane, Bundi, Ca- robbio, Danuser, Eggenberger, Fankhauser, von Felten, Goll, Gross Andreas, Haering Binder, Hämmerle, Herczog, Jean- prêtre, Ledergerber, Leemann, Leuenberger Ernst, Marti Wer- ner, Meyer Theo, Steiger, Tschäppät Alexander, Vollmer (26)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 17. Februar 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral du 17 février 1993
den Gatt-Verhandlungen zu konzentrieren. Es geht dabei darum, die Aenderungsvorschläge (Implementierungsfrist von zehn statt sechs Jahren, allgemeine Tarifizierung erst am Ende der Uebergangsfrist, Verankerung der Multifunktionalität der Landwirtschaft in der Fortsetzungsklausel, Verbesserung des Schutzklauselmechanismus für tarifizierte Produkte), wel- che die Schweiz in ihrer Offerte vom 3. April 1992 gemacht hat, weiterhin geltend zu machen.
In dieser ersten Phase geht es dem Bundesrat um eine ver- stärkte Zusammenarbeit zwischen Handels- und Umweltex- perten, damit künftige Umweltregelungen nicht unnötiger- weise mit Gatt-Regeln kollidieren. Es geht aber auch darum, nach Wegen zu suchen, die es dem multilateralen Handelssy- stem ermöglichen sollten, das zukünftige Handelswachstum, das zur Förderung des weltweiten Wohlstandes notwendig ist, so umweltschonend wie möglich zu erreichen. Der Bundesrat wird sich weiterhin aktiv dafür einsetzen, die Thematik Han- del/Umwelt im Gatt sowie in der OECD weiterzuentwickeln, da- mit den ökologischen Anliegen im Aussenwirtschaftsbereich in Zukunft ein höherer Stellenwert eingeräumt wird.
Der Entwurf der Schlussakte der Uruguay-Runde vom 20. De- zember 1991 sieht bereits heute in verschiedenen Bereichen einen verstärkten Einbezug der Umweltaspekte vor, so z. B. im Entwurf für ein Abkommen über den Handel mit Dienstleistun gen, im Entwurf für ein Abkommen über die technischen Han- delshemmnisse und im Entwurf des Abkommens über sani- täre und phytosanitäre Massnahmen. Die vom Interpellanten angesprochene «green box» ist ein Bestandteil des Landwirt- schaftsabkommens im Entwurf der Schlussakte. Die «green box» (grüne Kategorie) umfasst dabei alle internen Stützungs- massnahmen, welche keiner Reduktionspflicht unterliegen, da sie bestimmten Kriterien entsprechen. Zu diesen Mass- nahmen gehören auch die ökologisch motivierten Direkt- zahlungen.
Erklärung des Interpellanten: teilweise befriedigt Déclaration de l'interpellateur: partiellement satisfait
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Interpellation Strahm Rudolf Haltung der Schweiz in der Uruguay-Runde des Gatt Interpellation Strahm Rudolf Cycle de l'Uruguay du Gatt. Position de la Suisse
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Jahr
1993
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Anno
Band
I
Volume
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Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 92.3425
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 19.03.1993 - 08:00
Date
Data
Seite
613-614
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Pagina
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20 022 482
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