2 février 1995
N
326
Motion du groupe Adl/PEP
94.3283
Motion der LdU/EVP-Fraktion Entflechtung der öffentlichen Haushalte Motion du groupe AdI/PEP Budget fédéral et budgets cantonaux. Cloisonnement
Wortlaut der Motion vom 17. Juni 1994
Der Bundesrat wird beauftragt, den eidgenössischen Räten innerhalb von zwei Jahren nach Annahme dieser Motion eine Vorlage zur Entflechtung der öffentlichen Haushalte zu unter- breiten. Diese Vorlage soll sich an folgenden Zielen orien- tieren:
a. Beiträge zur freien Verwendung in der Form von Anteilen an Bundeseinnahmen als Instrumente des Finanzausgleichs;
b. Abgeltungen konkreter Leistungen der Kantone zugunsten des Bundes (z. B. in Bereichen wie Militär, Asyl).
Subventionen für bestimmte Aufgaben sind auf ein Mini- mum zu beschränken. Sie sind nicht nach Finanzkraft abzu- stufen.
Zahlungen der Kantone an den Bund sind auf ein Minimum zu beschränken. Sie sind nur als Entgelte für konkrete Leistun- gen des Bundes an die Kantone vorzusehen.
Die Subventionen gemäss Punkt 2 sind innerhalb von fünf Jahren auf die Hälfte des heutigen Standes abzubauen.
Texte de la motion du 17 juin 1994
Le Conseil fédéral est chargé de soumettre aux Chambres fé- dérales dans les deux ans suivant l'acceptation de cette mo- tion un projet visant à dissocier les budgets de la Confédéra- tion et des cantons. Ce projet devra poursuivre les buts suivants:
b. indemnités portant sur des prestations des cantons en fa- veur de la Confédération (dans des domaines comme le mili- taire, l'asile, etc.).
Les subventions portant sur certaines tâches doivent être li- mitées au maximum et ne pas être différenciées selon la capa- cité financière des cantons.
Les versements des cantons à la Confédération doivent être limités autant que possible et n'être envisagés que comme la rémunération de prestations fédérales concrètes.
Les subventions mentionnées au point 2 doivent être dimi- nuées de moitié en l'espace de cinq ans.
Sprecher - Porte-parole: Dünki
Schriftliche Begründung
Die Transferzahlungen zwischen Bund und Kantonen haben sich zu einem wahren Dschungel entwickelt. Weder die Effizi- enz noch die Finanzausgleichswirkungen dieser Transfer- ströme sind noch kontrollierbar. Der administrative Aufwand auf beiden Seiten wächst, sei es als Begründungs- und Ab- rechnungsaufwand beim Empfänger, sei es als Entschei- dungs- und Kontrollaufwand beim Geber.
Zugleich werden die Verantwortlichkeiten für bestimmte Aus- gaben immer mehr verwischt. Ausgaben werden beschlos- sen, weil sonst keine Subventionen fliessen, teure Varianten erhalten den Vorzug, weil man ja ohnehin nur einen kleinen Teil der effektiven Ausgabe bezahlen muss, da der Rest sub- ventioniert wird. Vorschriften, die an die Subventionsgewäh- rung geknüpft sind, führen oft zu teureren Lösungen. Alle
diese rufen nach einer Entflechtung des ganzen Transfersy- stems. (Wir verweisen auf die Expertise Frey et al., «Der Finanz- ausgleich zwischen Bund und Kantonen», die dem Bundesrat vorliegt )
Zu den einzelnen Punkten:
1a. Mit derartigen Beiträgen wird die Eigenverantwortung der Kantone gestärkt. Sie können selber entscheiden, welche Mit- telverwendungen für ihre Bevölkerung den grössten Wohl- fahrtszuwachs bringt
1b. Wo der Bund den Kantonen konkrete Aufgaben überträgt, deren Kosten er weitgehend selber bestimmt, muss er die ent- sprechenden Kosten übernehmen. Hier verhält sich der Bund gegenüber den Kantonen nicht anders als gegenüber Priva- ten, denen er einen bestimmten Auftrag gibt.
Zweckgebundene Subventionen sind auf ein Minimum zu beschränken. Sie führen zu ineffizienter Aufgabenlösung und falscher Allokation von Ressourcen. Derartige Subventionen sind nicht mehr nach Finanzkraft abzustufen, da der Finanz- ausgleich über Zahlungen nach Punkt 1a erfolgt In Einzelfäl- len können derartige Zahlungen nötig sein, wenn es gilt, den Anstoss zu einer raschen Lösung einer Aufgabe zu geben.
Der Hauptstrom der Transferzahlungen fliesst vom Bund zu den Kantonen bzw. Gemeinden. Der schwächere Strom in umgekehrter Richtung liesse sich dann rechtfertigen, wenn damit ein Finanzausgleich erreicht würde. Dazu sind diese Summen aber zu unbedeutend. Übrig bleibt nur ein unnötiger finanzieller Aufwand.
Eine Reform des Transferwesens ist mit vielen Schwierigkei- ten verbunden. Der heutige Zustand ist zwar für die Allgemein- heit unbefriedigend, aber er bringt einzelnen Interessengrup- pen Vorteile. Es muss deshalb ein klares Ziel vorgegeben wer- den. Der Abbau der gebundenen Subventionen kann durch entsprechende Erhöhungen der Kantonsanteile an Bundes- einnahmen ausgeglichen werden. Der Wegfall der administra- tiven Kosten führt sowohl für den Bund als auch für die Kan- tone zu einer Entlastung.
Développement par écrit
Les transferts de fonds entre la Confédération et les cantons sont devenus un inextricable écheveau dont ni l'efficacité ni l'effet sur le plan de la péréquation ne peuvent être contrôlés. Les frais administratifs augmentent de part et d'autre, qu'il s'agisse de motiver une subvention, de faire un décompte, d'examiner des demandes ou de contrôler l'attribution de fonds.
Parallèlement à cette évolution, les responsabilités de certai- nes tâches tendent à s'estomper. Des projets sont entrepris parce que sans cela, il n'y aurait pas de subvention, des va- riantes plus onéreuses sont choisies du moment que seule une petite partie des dépenses effectives doit être prise en charge, le reste étant payé par la Confédération. Certaines des conditions donnant droit aux subventions entraînent des solu- tions plus coûteuses. Ces arguments montrent bien qu'il faut changer le système et dissocier les budgets de la Confédéra- tion et des cantons (cf. l'étude de Frey et al. intitulée «Der Fi- nanzausgleich zwischen Bund und Kantonen», dont dispose le Conseil fédéral).
Commentaire des points de la motion:
1a. De telles contributions renforcent la responsabilité des cantons, qui peuvent décider eux-mêmes comment répartir au mieux les moyens dont ils disposent.
1b. Lorsque la Confédération attribue aux cantons des tâches dont elle détermine elle-même une grande partie des coûts, elle doit prendre à sa charge les dépenses qui en résultent. Elle doit traiter les cantons comme les particuliers auxquels elle confie des mandats.
Les subventions à affectation spéciale doivent être limitées au maximum, car elles ne permettent pas d'accomplir efficace- ment les tâches et ne sont pas octroyées judicieusement Ce type de subventions ne doit plus dépendre de la capacité fi- nancière des cantons puisque la péréquation est assurée conformément au point 1. Dans certains cas, de tels verse- ments peuvent se révéler nécessaires lorsqu'il s'agit d'accélé- rer la réalisation d'un projet.
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Motion der LdU/EVP-Fraktion
Les fonds circulent principalement de la Confédération vers les cantons et les communes. Le flux inverse, qui est faible, ne se justifierait que s'il permettait une péréquation. Or les som- mes en jeu sont trop peu importantes. Il n'en résulte que des frais inutiles.
Réformer le système présente de nombreuses difficultés, car si la situation actuelle n'est pas satisfaisante pour la col- lectivité, elle favorise cependant certains groupes d'intérêts. C'est pourquoi il convient de définir clairement un but. La ré- duction des subventions à affectation spéciale peut être com- pensée par une augmentation de la part des cantons aux re- cettes de la Confédération; la suppression des coûts qui en résulterait profiterait aussi bien aux cantons qu'à la Confédé- ration.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
vom 31. August 1994
Gestützt auf eine vom Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) und der Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren (FDK) gemeinsam in Auftrag gegebene Expertise zum Fi- nanzausgleich zwischen Bund und Kantonen vom März die- ses Jahres und auf einen Antrag des EFD hat der Bundesrat im Juni das Grünlicht für eine grundlegende Reform des Transfersystems Bund/Kantone erteilt. Gleichzeitig hat er die strategischen Ziele und Hauptstossrichtungen der Reform vorgegeben.
Bei der Ausarbeitung der Vorschläge für eine Neuordnung des Finanzausgleichs sind insbesondere folgende Stossrichtun- gen ins Auge zu fassen:
Es sind die Aufgaben festzulegen, die gemäss dem Subsi- diaritäts- und Nutzniesserprinzip grundsätzlich in die Finanzie- rungsverantwortung einerseits der Kantone und andererseits des Bundes fallen müssen.
Zur Finanzierung von kantonalen Aufgaben mit Nutznies- sung durch mehrere Kantone ist ein möglichst einfaches, auf Konventionen basierendes Modell eines interkantonalen La- stenausgleichs zu entwickeln und in seinen konkreten Ausge- staltungsmöglichkeiten darzustellen.
Bezüglich der Aufgaben, für die ein finanzpolitisches Zusam- menspiel zwischen Bund und Kantonen unerlässlich bleibt, sind die verschiedenen Rollen des Bundes (Leistungsverant- wortung; strategische Führungsverantwortung; Förderung bzw. Impulsgebung; Vorgabe von Minimalstandards; Koordi- nation usw.) zu klären, und es sind die adäquaten finanzpoliti- schen Mechanismen zwischen Bund und Kantonen im Detail auszuarbeiten. Anzustreben ist eine deutliche Effizienzsteige- rung sowohl bei der Aufgabenerfüllung als auch hinsichtlich des finanziellen Mitteleinsatzes von Bund und Kantonen ins- gesamt.
Die Auswirkungen einer Ablösung der Finanzkraftabstufung der Bundesbeiträge durch frei verfügbare Mittel sind in qualita- tiver und quantitativer Hinsicht eingehend darzustellen. Aufzu- zeigen sind insbesondere auch die finanziellen Folgen für den Bund und die einzelnen Kantone in einer dynamischen Be- trachtung.
Es ist ein transparentes System eines interkantonalen Res- sourcenausgleichs zu erarbeiten, welches erlaubt, politische Zielvorgaben auf möglichst einfache Weise umzusetzen, die Unterschiede bei der finanziellen Leistungsfähigkeit der ein- zelnen Kantone langfristig innerhalb bestimmter Grenzen zu halten und die erwünschten Umverteilungen mit insgesamt möglichst geringem finanziellen Mitteleinsatz zu realisieren. Das Konzept des Bundesrates schliesst somit die beiden Hauptanliegen der Motion mit ein: Die Finanzströme zwischen Bund und Kantonen sollen entflochten und die Finanzkraftab- stufungen der Bundesbeiträge an die Kantone sollen durch zweckfreie Transfers abgelöst werden. Auch in zeitlicher Hin- sicht hat der Bundesrat ähnliche Vorstellungen wie die Motio- näre: Er hat das federführende EFD beauftragt, ihm die Grund- züge der Neuordnung bis im Dezember des nächsten Jahres zu unterbreiten. Die detaillierten Vorschläge für eine Neuord- nung sollen dem Bundesrat dann im Herbst 1996 vorgelegt werden.
Der Bundesrat kann sich den Stossrichtungen der Motion weitgehend anschliessen. Damit jedoch eine möglichst konsi-
stente Neuordnung erarbeitet werden kann, müssen die mate- riellen Vorgaben unbedingt auf jene des Bundesrates vom Juni dieses Jahres beschränkt bleiben. Jegliche Präjudizien in Teilbereichen der Reform müssen vermieden werden. In die- sem Lichte ist aus heutiger Sicht namentlich der Punkt 4 der Motion abzulehnen, der einen Abbau der Subventionen des Bundes an die Kantone innert fünf Jahren auf die Hälfte des heutigen Standes verlangt. Bevor quantitative Übergangsre- gelungen festgelegt werden können, muss im Detail Klarheit über die Neuordnung des Subventionssystems gewonnen werden.
In diesem Zusammenhang muss daran erinnert werden, dass das Subventionsgesetz eine periodische Überprüfung der Fi- nanzhilfen und Abgeltungen des Bundes auf deren Konformi- tät mit den Grundsätzen des Gesetzes verlangt. In diesem Rahmen beabsichtigt der Bundesrat, einen Subventionsbe- richt mit Anträgen dem Parlament im Verlauf des Jahres 1995 zu unterbreiten.
Rapport écrit du Conseil fédéral du 31 août 1994
Le Conseil fédéral, se fondant sur une expertise de la péréqua- tion financière entre la Confédération et les cantons de mars 1994, effectuée sur mandat conjoint du Département fédéral des finances (DFF) et de la Conférence des directeurs canto- naux des finances, ainsi que sur une proposition du DFF, a donné son accord à une réforme fondamentale du système de transferts entre la Confédération et les cantons. En même temps, il en a défini les objectifs stratégiques et les options principales.
Ainsi, l'élaboration de propositions pour un réaménagement de la péréquation financière devra tenir compte des orienta- tions suivantes:
Il s'agit de déterminer les tâches qui, suivant le principe de subsidiarité et en considération des bénéficiaires, sont fonda- mentalement du domaine de responsabilité financière de la Confédération ou des cantons.
Pour le financement de tâches cantonales au bénéfice de plusieurs cantons, un modèle de compensation intercanto- nale des charges, simple et fondé sur des conventions, est à développer et à présenter dans ses possibilités d'application.
Les différents rôles de la Confédération (responsabilité de la prestation ou de l'orientation stratégique; encouragement ou impulsion; respect de standards minimaux; coordination; etc.) sont à déterminer pour les tâches où un financement conjoint de la Confédération et des cantons reste indispensable et les mécanismes budgétaires adéquats correspondants sont à présenter en détail. L'objectif à viser est un accroissement d'ef- ficacité sensible tant pour l'accomplissement des tâches que pour l'engagement global des ressources financières de la Confédération et des cantons.
Les conséquences du remplacement des subventions fé- dérales octroyées suivant la capacité financière par des res- sources à libre disposition sont à évaluer de manière étendue dans leurs implications quantitatives et qualitatives. En parti- culier, les conséquences financières pour la Confédération et les cantons sont à mettre en évidence dans une vision dy- namique.
Un système transparent de péréquation intercantonale de ressources est à élaborer. Il doit permettre d'atteindre de manière simple des objectifs politiques, de maintenir à long terme les différences de potentiel de financement des can- tons dans des marges déterminées et de réaliser les redistri- butions voulues avec les ressources financières les plus mini- mes possibles.
La conception du Conseil fédéral recouvre ainsi les deux élé- ments principaux de la motion: les flux financiers entre la Confédération et les cantons doivent être désenchevêtrés et l'attribution des contributions fédérales aux cantons d'après leur capacité financière doit être remplacée par des transferts sans affectation. De plus, le calendrier retenu par le Conseil fé- déral est semblable à celui des motionnaires. En effet, il a chargé le département responsable, le DFF, de lui présenter les fondements de la réforme d'ici décembre 1995. Les propo- sitions détaillées du réaménagement de la péréquation finan-
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Motion d'ordre
cière fédérale devront lui être ensuite soumises en automne 1996.
Dès lors, le Conseil fédéral peut largement se rallier à l'orienta- tion de la motion. Cependant, afin d'élaborer un réaménage- ment le plus consistant possible de la péréquation financière, il est indispensable que les objectifs matériels préalables de- meurent ceux retenus en juin de cette année par le Conseil fé- déral. Tout préjudice dans les secteurs de la réforme sont à éviter. Aussi, le point 4 de la motion notamment, qui exige la réduction des subventions de la Confédération aux cantons de moitié par rapport à leur état actuel, dans un délai de cinq ans, est à rejeter. Avant de fixer des règles transitoires quantita- tives, il est nécessaire d'avoir une vue claire détaillée sur le nouvel ordonnancement du système de subventionnement.
Dans ce contexte, on peut rappeler que la loi sur les subven- tions exige un réexamen périodique des aides financières et indemnités de la Confédération et de leur conformité aux prin- cipes de la loi. Le Conseil fédéral a l'intention de soumettre au Parlement au cours de l'année 1995 un rapport sur les subven- tions accompagné de propositions en la matière.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzu- wandeln.
Déclaration écrite du Conseil fédéral Le Conseil fédéral propose de transformer la motion en pos- tulat.
Dünki Max (U, ZH): Wir danken dem Bundesrat, dass er bereit ist, unseren Vorstoss in Form eines Postulates entgegenzu- nehmen. Der Bundesrat schreibt, dass er sich der Stossrich- tung der Motion weitgehend anschliessen kann. Es freut uns natürlich und zeigt, dass unsere Forderungen einem Bedürf- nis entsprechen und realisiert werden müssen. Wir wollen nämlich so rasch wie möglich eine Vorlage zur Entflechtung der öffentlichen Haushalte. Die Massnahmen, die wir vorschla- gen, sind notwendig, um die Bundesfinanzen ins Lot zu brin- gen. Es ist ein Punkt davon.
Der Bundesrat - ich unterstreiche das - lehnt lediglich den Punkt 4 der Motion ab, welcher verlangt, dass die Subventio- nen innerhalb von fünf Jahren auf die Hälfte des heutigen Standes abzubauen sind. Aus diesem Grund nehme ich nur dazu kurz Stellung.
Die missliche Finanzlage des Bundes muss ich Ihnen nicht schildern, sie ist bekannt. Wir haben aber ein enormes Inter- esse daran, dass rasch gehandelt wird, um bald wieder - das ist meine Hoffnung - ein ausgeglichenes Budget präsentieren zu können. Das Volk erwartet das von uns, und wir sind es auch dem Lande gegenüber schuldig.
Wir haben den Tatbeweis zu liefern, und zwar so rasch als möglich. Erkannte Verbesserungsvorschläge dürfen nicht auf die lange Bank geschoben werden, sondern sind sofort zu ver- wirklichen. Wenn wir keine Fristen setzen, passiert in den nächsten Jahren nicht sehr viel. Rasches Handeln ist ein Ge- bot der Stunde. Wir sind überzeugt, dass das Parlament die Pflicht hat, in zeitlicher Hinsicht etwelchen Druck aufzusetzen. Die Zeit ist vorbei, wo die Devise angewandt werden konnte: «Gut Ding will Weile haben».
Die Transferzahlungen zwischen Bund und Kantonen haben sich zu einem wahren Dschungel entwickelt. Zugleich werden die Verantwortlichkeiten für bestimmte Aufgaben immer mehr vermischt. Der Bund soll den Kantonen nur noch Beiträge zur freien Verwendung in Form von Anteilen an Bundeseinnah- men als Instrumente des Finanzausgleiches und zur Abgel- tung konkreter Leistungen zugunsten der Eidgenossenschaft zur Verfügung stellen.
Ich glaube, alle sind sich darin einig, dass die Subventionen für bestimmte Ausgaben auf ein Minimum zu beschränken sind. Wir müssen rasch vom Giesskannenprinzip abkom- men. Unsere Zielvorgabe ist es, dass innerhalb von fünf Jah- ren viele Subventionen des Bundes an die Kantone auf die Hälfte reduziert werden. Da gegen den Subventionsabbau ganz sicher Widerstände zu erwarten sind, müssen Fristen gesetzt werden.
Ich sage nochmals mit Nachdruck: Sonst passiert nichts. Es wäre für den Bundesrat nur von Vorteil, wenn er sich auf das Parlament berufen könnte. Er wird bei seinem Handeln ge- stärkt, wenn er verbindlich weiss, dass er Zeitlimiten einzuhal- ten hat. Wir müssen im Interesse der Sache an der Motion fest- halten. Ein unverbindliches Postulat ist hier nicht der richtige Weg.
Ich erwähne nochmals, dass der Bundesrat im materiellen Be- reich alle Forderungen anerkannt und sich bereit erklärt hat, ihnen zum Durchbruch zu verhelfen. Er will für die Verwirkli- chung nur mehr Zeit zur Verfügung haben. Die Sanierung der Bundesfinanzen verlangt Notstandsmassnahmen. Wenn wir schon Prioritäten setzen - und der baldige Abbau unserer De- fizite darf und muss unter diese Kategorie eingestuft werden -, müssen wir auch dafür sorgen, dass sie prioritär an die Hand genommen werden.
Hier geht es nicht um ein parteipolitisches Anliegen. Alle Frak- tionen haben sich dafür ausgesprochen, dass wir unsere Kasse raschmöglichst in Ordnung bringen. Helfen Sie darum mit, dass der Subventionsdschungel innert fünf Jahren durch- forstet wird! Ich sage nochmals: Die Zeit drängt. Der Bundes- rat wäre uns sicher dankbar, wenn er von uns gezwungen würde, die Verhandlungen mit den Kantonen beförderlichst an die Hand zu nehmen.
Ich danke Ihnen für die Unterstützung und bitte Sie, für die be- rechtigte Motion zu stimmen.
Abstimmung - Vote Für Überweisung der Motion Dagegen
39 Stimmen 54 Stimmen
Ordnungsantrag Maspoli Geschäft 93.434:
Behandlung in Kategorie III
Verschiebung auf die Frühjahressession 1995
Motion d'ordre Maspoli Objet 93.434:
Traitement en catégorie III
Renvoi de la discussion à la session de printemps 1995
Maspoli Flavio (D, TI): Hinter diesem Geschäft 93.434 verbirgt sich etwas, was jedem von uns sehr nahe geht, sehr nahe ge- hen sollte und sehr nahe gehen muss. Ich verstehe deshalb nicht, warum man eine so wichtige Frage in Kategorie IV be- handeln will - praktisch ohne ein Wort zu verlieren, mit einem einfachen Knopfdruck seine Meinung kundzutun. Ich glaube, jeder hätte hier das Recht oder sogar die Pflicht, sich zu äus- sern und kundzutun, warum er ja oder nein sagt, warum er sich zu diesem Geschäft positiv oder negativ äussert Da es nicht geht, dieses Geschäft morgen in Kategorie III zu behandeln, schlage ich Ihnen vor, es auf die Frühjahrssession zu verschie- ben, aber dann unbedingt Kategorie III zu wählen.
Ich könnte mir vorstellen, dass man das auch morgen tun könnte, aber ich habe aus Vorsicht vorgeschlagen, dieses Ge- schäft, auch in bezug auf die Vorbereitung, auf die Frühjahrs- session zu verschieben. Ich glaube, wir sind es den Bürgerin- nen und Bürgern schuldig, dass wir uns zu so einem Geschäft äussern und nicht einfach darüber abstimmen.
Reimann Maximilian (V, AG): Darf ich Ihnen kurz die Meinung der Rechtskommission zur Einteilung in Kategorien in Erinne- rung rufen? In der Kommission gelangten wir seinerzeit zur Er- kenntnis, dass wirklich ein Bedürfnis nach einer vertieften Dis- kussion besteht. In der Kommission hatten sich 5 Mitglieder für Einteilen in Kategorie I ausgesprochen und 15 Mitglieder für Kategorie II. Das Büro sprach sich gegen den Willen unse- rer Kommission für die Kategorie IV aus. In der letzten Herbst- session stellte Kollege Walter Schmied einen Rückkommens- antrag für Kategorie II, den verwarf das Plenum knapp mit 59 zu 67 Stimmen.
Der jetzt vorliegende Antrag von Kollege Maspoli entspricht ei- nem Kompromiss zwischen der Kommission für Rechtsfragen und dem Büro. Ich könnte mich als Präsident, und wahr-
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Ordnungsantrag
scheinlich auch im Sinn und Geist der Mehrheit unserer Frak- tion, diesem Antrag anschliessen.
Der Verschiebung auf die Frühjahrssession steht nun aller- dings unser Reglement entgegen. Wir müssen das Geschäft innert 12 Monaten behandeln. Diese 12 Monate sind gestern abgelaufen. Das spricht dafür, dass wir das Geschäft morgen behandeln, und zwar - wie Sie letzten Herbst beschlossen ha- ben - in Kategorie IV. Wir müssen uns entscheiden über Fol- gegeben oder Nichtfolgegeben, und die Grundsatzdiskussion muss in der zweiten Phase der Behandlung nachgeholt wer- den, wenn wir auf das Geschäft im Detail eintreten.
Schmied Walter (V, BE): Je ne tiens pas à allonger le débat, mais le président de la Commission des affaires juridiques, M. Reimann Maximilian, a expliqué clairement la situation. Le délai, selon l'article 30 alinéa 4 du Règlement du Conseil national que je me permets de rappeler ici: «Le Conseil décide dans un délai d'un an qui suit l'examen préalable par une com- mission de la suite à donner à l'initiative», est de toute manière échu depuis hier.
Si on veut, on peut discuter demain. Mais qu'on discute de- main ou pendant la session de printemps 1995 ne change rien au fait que l'on est en dehors des normes de notre règlement. Je crois que l'on peut sans autre souscrire à la proposition de renvoi de la discussion.
Früh Hans-Rudolf (R, AR): Herr Maspoli, selbstverständlich ist das eine Frage, die man nicht übers Knie bricht. Dass deren Behandlung Gespräche und eine Debatte braucht, ist klar. Ich erinnere Sie aber daran, in welchem Stadium der Behandlung wir uns befinden: Wir befinden uns in der Vorprüfung. Ich möchte Sie bitten, bei der Vorprüfung nicht dauernd die Praxis zu ändern. Wir stehen in der Phase der Vorprüfung dieser In- itiative, und da wird von der Kommission mit 16 zu 3 Stimmen beantragt, dass man ihr Folge geben soll. Dann erst kommt das vertiefte Gespräch in der Kommission, und dem wird das vertiefte Gespräch im Parlament folgen.
Wir haben die Praxis, dass wir in der Vorprüfung parlamentari- sche Initiativen in der Kategorie IV behandeln. Es hat ja keinen Sinn, dass wir hier eine Debatte vom Zaun brechen, bevor die Kommission darüber debattiert hat. Ich glaube, Sie haben ein «Gnusch» in der Reihenfolge. Die Reihenfolge ist aber klar und deutlich. Ich möchte Sie bitten, sie nicht dauernd ändern zu wollen und nun der Behandlung zuzustimmen, welche die Kommission beantragt.
Wir vom Büro beantragen Ihnen, dass man morgen in Katego- rie IV über die Weiterverfolgung der Initiative beschliesst. Dann kommt wieder die Kommission an die Reihe und in der Folge wieder das Plenum.
Halten Sie sich doch an diese Reihenfolge. Dann haben wir auch einen geordneten Ratsbetrieb.
Abstimmung - Vote Für den Ordnungsantrag Maspoli Dagegen
15 Stimmen 100 Stimmen
Schluss der Sitzung um 17.05 Uhr La séance est levée à 17 h 05
42-N
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Année
1995
Anno
Band
I
Volume
Volume
Session
Januarsession
Session
Session de janvier
Sessione
Sessione di gennaio
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
11
Séance Seduta
Geschäftsnummer 94.3283
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
02.02.1995 - 15:00
Date
Data
Seite
326-329
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Pagina
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20 025 302
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