No conciliation required in state liability claims

VO110107Tribunal supérieur6 oct. 2011Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The applicant asked for legal aid in connection with a conciliation proceeding concerning a state liability claim. The president of the Zurich Obergericht held that, despite the entry into force of the Swiss Code of Civil Procedure, no conciliation proceeding is required for state liability claims because they are public-law claims and the cantonal liability act still allows direct filing of the action. As the requested conciliation step is not legally provided for, the application for legal aid was rejected.

Regeste Omnilex

Art. 197 ff. ZPO; § 23 HG/ZH; state liability claims and conciliation: State liability claims are public-law disputes. The federal conciliation requirement under Art. 197 ZPO applies only within its scope of application and does not preclude cantonal procedural rules for state liability where the ZPO itself is inapplicable pursuant to Art. 1 ZPO. A cantonal provision allowing direct action before the court remains effective after the entry into force of the ZPO, provided the cantonal regime concerns a public-law liability scheme. For a conciliation procedure not prescribed by law, legal aid cannot be granted (consid. 2.2.3-2.2.5).

Texte intégral

Art. 197 ZPO, § 23 HG. Durchführung eines Schlichtungsverfahrens bei Staatshaftungsklagen.

Auch nach Inkrafttreten der eidgenössischen Zivilprozessordnung am 1. Januar 2011 ist bei Staatshaftungsklagen kein Schlichtungsverfahren durchzuführen.

Der Gesuchsteller machte bei einem Friedensrichteramt ein Schlichtungsverfah- ren anhängig betreffend eine Staatshaftungsklage. Beim Präsidenten des Ober- gerichts des Kantons Zürich ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren.

(Aus den Erwägungen:) "2.2. Es stellt sich vorab die Frage, ob bei einer Staatshaftungsklage überhaupt ein Schlichtungsverfahren durchzuführen ist. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob § 23 des Haftungsgesetzes des Kantons Zürich vom 14. September 1969 (HG; LS 170.1), welcher die direkte Klageerhebung beim Gericht vorsieht, auch nach Inkrafttreten der eidgenössischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) weiterhin Wirkung entfalten kann. 2.2.1. Gemäss Art. 197 ZPO geht dem Entscheidverfahren ein Schlichtungsge- such vor einer Schlichtungsbehörde voraus. Art. 198 ZPO zählt die Fälle, in denen ein Schlichtungsverfahren obligatorisch entfällt, abschliessend auf, wäh- rend Art. 199 ZPO diejenigen Verfahren nennt, in welchen die Parteien gemein- sam oder der Kläger einseitig auf ein Schlichtungsverfahren verzichten können. 2.2.2. Vorliegend ist keine der in Art. 198 und 199 ZPO formulierten Ausnahmen vom Schlichtungsobligatorium gegeben. Da kantonale Bestimmungen grundsätz- lich hinter dem höherrangigem Bundesrecht zurückzutreten haben (Art. 49 BV), könnte man zum Schluss kommen, § 23 HG habe keine Geltung mehr und somit sei gemäss Art. 197 ZPO auch bei Staatshaftungsklagen ein Schlichtungsverfah- ren durchzuführen.

2.2.3. Bei Ansprüchen aus Staatshaftung handelt es sich jedoch nicht um zivil- rechtliche, sondern klarerweise um öffentlichrechtliche Ansprüche (Jaag, Staats- und Verwaltungsrecht des Kantons Zürich, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2005, N 2137). Zuständig zur Regelung der Haftung von öffentlichen Beamten oder Angestellten und des diesbezüglichen Verfahrens ist der Kanton bzw. bei eidge- nössischen Beamten und Angestellten sowie bei einzelnen Kategorien von kanto- nalen Angestellten und Behörden, welche Bundesrecht vollziehen, der Bund (vgl. den unechten Vorbehalt in Art. 61 Abs. 1 OR; Jaag, a.a.O., N 3107 und 3108). 2.2.4. Der Kanton Zürich hat mit dem Haftungsgesetz eine Haftungsregelung ein- geführt. In § 19 Abs. 1 lit. a HG hat er sich dafür entschieden, Forderungen aus Staatshaftung durch Zivilgerichte beurteilen zu lassen. Ebenfalls möglich wäre aber gewesen, verwaltungsinterne Instanzen und das Verwaltungsgericht für zu ständig zu erklären (Jaag, a.a.O., N 2137). Die eidgenössische Zivilprozessord- nung ist nicht anwendbar auf öffentlichrechtliche Streitigkeiten (vgl. Art. 1 ZPO). Bei Staatshaftungsverfahren kommt sie somit nur aufgrund des Verweises in § 19 Abs. 1 lit. a HG im Rahmen des Verfahrens vor den Zivilgerichten zur Anwen- dung. Es ist dem Kanton deshalb ohne Weiteres möglich, im Bereich der Staats- haftung von der eidgenössischen Zivilprozessordnung abweichende Verfahrens- regelungen vorzusehen. § 23 HG, welcher eine direkte Klageeinleitung beim Gericht vorsieht, entfaltet somit auch nach dem Inkrafttreten der eidgenössischen Zivilprozessordnung Wirkung, und es ist bei Staatshaftungsklagen kein Schlich- tungsverfahren durchzuführen. Dieses wird vielmehr durch das Vorverfahren gemäss § 22 HG ersetzt. 2.2.5. Für ein Schlichtungsverfahren, welches vom Gesetz nicht vorgesehen ist, kann die Rechtswohltat der unentgeltlichen Rechtspflege nicht beansprucht wer- den. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist deshalb abzuweisen."

Obergericht, der Präsident Urteil vom 6. Oktober 2011 Geschäfts-Nr.: VO110107-O/U

Mots-clés

state liabilityconciliationlegal aidpublic lawcantonal procedurecivil procedure

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether a conciliation proceeding must be conducted for a state liability claim after the ZPO entered into force

Solution extraite

No. State liability claims are public-law claims, and the cantonal rule allowing direct filing in court remains effective; no conciliation proceeding is required.

Motifs extraits

The ZPO’s conciliation rules apply to civil disputes and its exceptions are exhaustive, but state liability claims are governed by public law. Because the ZPO does not apply to public-law disputes, the canton may maintain different procedural rules for state liability, including direct filing and a preliminary procedure under cantonal law.

Question juridique clé

Whether legal aid can be granted for a conciliation proceeding not provided for by law

Solution extraite

No. Since no conciliation proceeding is prescribed for this type of claim, legal aid for such a proceeding cannot be claimed.

Motifs extraits

Legal aid presupposes a procedurally available and legally required step; where the law does not provide for conciliation, there is no basis to fund it.

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