Recognition and conversion of a Dutch traffic-fine decision

29 Gs 2/12Tribunal de première instance27 févr. 2012Entraide judiciaireAdmis

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Office of Justice applied to Bochum Local Court to convert a Dutch €180 sanction for a red-light violation after the Dutch Central Judicial Collection Agency requested recognition and enforcement. The court declared the 21 May 2011 decision enforceable and converted the sanction into a €180 domestic fine. It found no enforcement bar: double criminality did not need to be examined for this traffic offence, the threshold was exceeded, and payment or collection was not established. Although the case involved vehicle-owner liability, the affected entity had not claimed that it was not responsible. The affected person was ordered to bear the procedural costs and necessary expenses.

Regeste Omnilex

§§ 87b, 87i IRG; recognition and enforcement of a foreign monetary sanction and its conversion into a domestic fine. For conduct in a category listed in the relevant framework decision, double criminality need not be examined. Enforcement is also subject to the statutory threshold and to the absence of proof that the sanction has already been paid or collected. The enforcement bar concerning a person’s opportunity to contest responsibility for the conduct applies where the person lacked that opportunity and raised the matter with the competent authority. In a case involving vehicle-owner liability, that bar does not apply if the affected person did not assert lack of responsibility in the foreign proceedings or before the competent authority. Once the foreign decision is declared enforceable, the sanction is converted into the fine applicable to the corresponding domestic offence; its amount is adjusted only where the statutory grounds for adjustment are present.

Texte intégral

Amtsgericht Bochum — 29 Gs 2/12 — Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-02-27

Aktenzeichen: 29 Gs 2/12

ECLI: ECLI:DE:AGBO:2012:0227.29GS2.12.00

Dokumenttyp: Beschluss

Spruchkörper: 29. Abteilung des Amtsgerichts

Normen: §§ 87b, 87i IRG

Tenor

Die Entscheidung des Centraal Justitieel Incassobureau Leewarden/Niederlande vom 21. Mai 2011 wird für vollstreckbar erklärt.

Die in der zu Ziffer 01. genannten Entscheidung vorgesehene Geldsanktion wird umgewandelt in eine Geldbuße in Höhe von 180,00 Euro.

Die Betroffene hat die Kosten des Verfahrens und ihre notwendigen Auslagen zu tragen.

Gründe:

I.

Gegen die Betroffene ist am 21.05.2011 die im Tenor zu Ziffer 01. genannte rechtskräftige Entscheidung ergangen, durch die ein Rotlichtverstoß in den Niederlanden mit einer Geldsanktion in Höhe von 180,00 Euro belegt worden ist. Das Centraal Justitieel Incassobureau hat das Bundesamt für Justiz um Anerkennung und Vollstreckung dieser Geldsanktion nach Maßgabe des Rahmenbeschlusses 2005/214/JI des Rates vom 24.02.2005 ersucht. Demgemäß hat das Bundesamt für Justiz beim hiesigen Amtsgericht den Antrag auf gerichtliche Umwandlung dieser Geldsanktion gemäß § 87 i IRG gestellt.

II.

Dieser Antrag ist begründet. Die Voraussetzungen, diese Entscheidung für vollstreckbar zu erklären und die Geldsanktion umzuwandeln, die in § 87 i Absatz 1 Ziffer 2, Absatz 3 IRG vorgesehen sind, sind hier erfüllt.

Die Vollstreckung der Entscheidung wie im Tenor zu Ziffer 01. genannt in Deutschland ist zulässig. Die Voraussetzungen, die als Zulässigkeit für die Vollstreckung in § 87 b IRG hier genannt werden, sind erfüllt. Gemäß § 87 b Absatz 1 Satz 2 IRG in Verbindung mit Artikel 5 Absatz 1 Spiegelstrich 33 des Rahmenbeschlusses zu 1005/214/JI des Rates vom 24.02.2005 ist eine beiderseitige Sanktionierbarkeit nicht zu prüfen, da es sich um einen Rotlichtverstoß und damit eine gegen die den Straßenverkehr regelnde Vorschrift verstoßende Verhaltensweise handelt. Ebenso ist nicht ersichtlich, dass die Geldsanktion mittlerweile gezahlt oder beigetrieben worden ist (§ 87 b Absatz 2 IRG).

Auch ein Vollstreckungshindernis nach § 87 b Absatz 3 IRG liegt nicht vor. Insbesondere handelt es sich nach Ziffer 2 dieser Vorschrift um eine Geldsanktion, die den Betrag von 70,00 Euro überschreitet.

Ein weiteres der dort genannten Vollstreckungshindernisse liegt ebenfalls nicht vor. Insbesondere steht nicht das in Nummer 9 der genannten Vorschrift genannte Vollstreckungshindernis entgegen. Es greift ein, wenn die betroffene Person in einem ausländischen Verfahren keine Gelegenheit hatte einzuwenden, für die der Entscheidung zugrundeliegende Handlung nicht verantwortlich zu sein und dies gegenüber der Bewilligungsbehörde geltend gemacht hat. Zwar liegt hier erkennbar ein Fall der sogenannten Halterhaftung vor, da Betroffene als juristische Person und offensichtlich Halter des Fahrzeuges, mit dem der Verstoß begangen wurde, das Fahrzeug zur Tatzeit nicht geführt haben kann. Da die Betroffene aber weder im ausländischen Verfahren noch im Rahmen des hiesigen Rechtshilfeverfahrens gegenüber der Bewilligungsbehörde geltend gemacht hat, für die Handlung nicht verantwortlich zu sein, ist schon aus diesem Grunde dieses Vollstreckungshindernis hier nicht einschlägig.

Die Bewilligungsbehörde hat im Antrag vom 18.01.2012 erklärt, gemäß § 87 i Absatz 2 IRG keine Bewilligungshindernisse gemäß § 87 d IRG geltend zu machen. Diese Entscheidung ist ermessensfehlerfrei, da erkennbar keiner der in § 87 d IRG genannten Gründe hier vorliegt.

Da die ausländische Entscheidung für vollstreckbar erklärt wurde, war die dort festgesetzte Geldsanktion entsprechend umzuwandeln. Hier war die niederländische Geldsanktion in eine Geldbuße umzuwandeln, die für eine entsprechende Verkehrsordnungswidrigkeit im Inland zu verhängen wäre. Anhaltspunkte für eine Anpassung der Höhe der Geldsanktion gemäß §§ 87 i Absatz 3 Satz 3, 87 f Absatz 2, 54 Absatz 1 IRG waren nicht ersichtlich.

Mots-clés

recognition and enforcementforeign monetary sanctiontraffic violationdouble criminalityvehicle-owner liabilityconversion of fines

The statutory requirements for recognition and enforcement were met; no enforcement bar applied.

The traffic violation falls within the category for which double criminality need not be examined. The sanction exceeded €70 and had not been shown to have been paid or collected. Although the case involved owner liability, the affected entity had not asserted that it was not responsible.

The sanction was converted into a €180 fine.

The foreign sanction was converted to the fine applicable to a corresponding domestic traffic offence; there was no basis to adjust its amount.

The affected person must bear the costs of the proceedings and her necessary expenses.

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