Notification requirement for judicial witness examination

BGH 3 StR 34/11Bgh / IIIe chambre pénale3 mars 2011Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court rejected the defendant's revision against the Oldenburg Regional Court judgment. It held that the victim's prior judicial statement could not be used because the defendant had not been notified of the witness-hearing date under § 168c(5) StPO, and the lower court also failed to explain adequately why parts of the witness testimony were distrusted while other parts were relied upon. Nevertheless, the conviction stood because the trial court's assessment was based primarily on the defendant's own statements in the investigation stage, so the errors were harmless. Costs of the remedy and the private complainant's necessary expenses were imposed on the defendant.

Regeste Omnilex

§ 168c Abs. 5 StPO, § 252 StPO; notification of the accused of the date of a judicial examination of a witness is mandatory and cannot be replaced by a discretionary balancing once notice was omitted, even where an exclusion ground under § 168c Abs. 3 StPO exists. The notice serves to safeguard procedural rights beyond mere attendance. A witness statement obtained in violation of this rule is unusable where the witness later invokes the right to refuse testimony. Separately, evidence assessment is defective if the court treats parts of a witness account as unreliable without explaining why the remaining parts retain probative value (consid. 1-2). Such defects do not require reversal if the appellate court can exclude that the judgment rested on the challenged evidence (consid. 3).

Texte intégral

BGH — 3 StR 34/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-03-03

Aktenzeichen: 3 StR 34/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 168c Abs 3 StPO, § 168c Abs 5 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Oldenburg (Oldenburg), 23. September 2010, Az: 1 KLs 25/10 - 511 Js 64574/09, Urteil

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren: Benachrichtigung des Beschuldigten vom Termin zur richterlichen Vernehmung eines Zeugen

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 23. September 2010 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen durchgreifenden Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend zur Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:

Soweit das Landgericht seine Überzeugung, der Angeklagte habe sich vor dem Haftrichter wahrheitsgemäß eingelassen, auch mit dem Inhalt der Aussage der Geschädigten bei ihrer Vernehmung durch den Zeugen Richter am Amtsgericht S. begründet, ist das Urteil nicht frei von Rechtsfehlern.

  1. Die Beweiswürdigung begegnet bereits sachlich-rechtlichen Bedenken. Sachverständig beraten hat das Landgericht die Geschädigte für glaubwürdig und ihre vom Zeugen wiedergegebene Aussage für glaubhaft erachtet. Gleichwohl hat es sich nicht davon überzeugen können, dass der Angeklagte mit der Geschädigten - wie von ihr geschildert - auch in den Fällen II. 2. und 3. der Urteilsgründe den vaginalen Geschlechtsverkehr vollzog (UA S. 17). Weshalb es den Angaben der Geschädigten in diesen Fällen nur teilweise, im Falle II. 1. dagegen insgesamt gefolgt ist, legt es nicht dar. Diesen Widerspruch aufzulösen hätte es sich indes veranlasst sehen müssen. Hat der Tatrichter Zweifel an der Glaubhaftigkeit einzelner Teile einer Zeugenaussage, so muss er dem Revisionsgericht die Überprüfung ermöglichen, ob seine Annahme, dies lasse deren Beweiswert im Übrigen unberührt und stelle deren Tauglichkeit nicht insgesamt in Frage, auf rechtsfehlerfreien Erwägungen beruht.

  2. Darüber hinaus rügt die Revision zu Recht, dass das Landgericht diese Aussage nach § 252 StPO nicht hätte verwerten dürfen. Die Geschädigte hat in der Hauptverhandlung von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht (§ 52 Abs. 1 Nr. 3 StPO) Gebrauch gemacht. Der Behandlung ihrer Vernehmung durch Richter am Amtsgericht S. als richterliche - und damit dessen Vernehmung zum Inhalt der Aussage - steht entgegen, dass der Beschwerdeführer von dem Termin nicht gemäß § 168c Abs. 5 Satz 1 StPO benachrichtigt worden ist; Raum für eine Abwägung, ob die Umstände des Einzelfalles die Annahme eines Verwertungsverbots gebieten, verbleibt in einem solchen Falle nicht (vgl. Meyer-Goßner, StPO, 53. Aufl., § 168c Rn. 6 mwN). Allein das Vorliegen eines Ausschlussgrundes nach § 168c Abs. 3 StPO macht die Benachrichtigung des Beschuldigten vom Termin zur richterlichen Vernehmung eines Zeugen oder Sachverständigen nicht entbehrlich, denn sie dient der Wahrung seiner Rechte auch über ein Ermöglichen des Erscheinens hinaus (LR-Erb, StPO, 26. Aufl., § 168c Rn. 37). Ob etwas anderes dann gilt, wenn der Beschuldigte bereits ausgeschlossen worden ist (vgl. BGH, Urteil vom 3. November 1982 - 2 StR 434/82, BGHSt 31, 140, 142), kann offen bleiben. Dass nicht nur die Anwesenheit des Beschwerdeführers bei der Vernehmung, sondern auch schon dessen Benachrichtigung vom Termin den Untersuchungserfolg gefährdet hätte (§ 168c Abs. 5 Satz 2 StPO), legt das Landgericht in seinem den Widerspruch gegen die Verwertung zurückweisenden Beschluss nicht dar.

  3. Der Senat schließt indes aus, dass das Urteil auf diesen Rechtsfehlern beruht, denn das Landgericht stützt sich bei seiner Würdigung der Beweise in erster Linie auf das Einlassungsverhalten des Angeklagten im Ermittlungsverfahren. Der Aussage der Geschädigten misst es demgegenüber ersichtlich keine entscheidende Bedeutung bei.

Der Schriftsatz des Verteidigers vom 2. März 2011 hat dem Senat vorgelegen.

Becker von Lienen Hubert

Schäfer Mayer

Mots-clés

revisionwitness statementright to refuse testimonynotification requirementevidence assessmentharmless errorcriminal procedure

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the victim's prior statement before a judge could be used after she invoked her right to refuse testimony at trial despite lack of notice under § 168c(5) StPO.

Solution extraite

The statement was not admissible because the defendant had not been notified of the hearing; no balancing could replace that defect.

Motifs extraits

Notification of the defendant serves to protect his rights beyond merely enabling attendance. A statutory exclusion ground under § 168c(3) StPO does not dispense with notice. The lower court also did not show that even notice would have endangered the investigation.

Question juridique clé

Whether the judgment suffered from an insufficiently reasoned evaluation of parts of the victim's testimony.

Solution extraite

Yes, the assessment was internally inconsistent because the court credited the witness overall while rejecting decisive parts without explaining the distinction.

Motifs extraits

If a trier of fact doubts parts of a witness statement, it must explain why those doubts do not undermine the statement's overall probative value. The judgment failed to resolve the contradiction.

Question juridique clé

Whether the identified errors required reversal of the conviction.

Solution extraite

No. The errors were harmless because the trial court relied primarily on the defendant's own statements during the investigation, not on the challenged witness evidence.

Motifs extraits

The challenged testimony was not of decisive importance in the overall evidentiary assessment, so the court excluded causation for the judgment outcome.

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