Industrial shredder not a dangerous tool under § 224 StGB

BGH 5 StR 574/12Bgh / Criminal Chamber 512 déc. 2012Partially Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court partially upheld the accused’s revision against a Cottbus judgment. It held that an industrial waste shredder was not a dangerous tool within the meaning of the aggravated robbery-extortion provision, because such tools must be movable objects that can be used against a human body by human action. The conviction for count 5 was therefore reduced to simple robbery-extortion. As a result, the five-year-six-month single sentence for that count and the overall six-year-six-month sentence were set aside and the case was remitted for resentencing by a different chamber.

Regeste Omnilex

§§ 255, 249, 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB; dangerous tool requirement: an object qualifies only if it is movable and can be set in motion by human action against a human body. A large fixed processing device whose danger arises from its internal processing mechanism is not a dangerous tool in this sense. The qualification cannot be based merely on the intimidating effect of the threat; that circumstance may, however, be relevant in sentencing (consid. 3). If the legal qualification of one count falls away, the associated individual sentence and aggregate sentence are to be set aside, while the factual findings may remain intact if the error is only one of legal assessment (consid. 5).

Texte intégral

BGH — 5 StR 574/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-12-12

Aktenzeichen: 5 StR 574/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 224 Abs 1 Nr 2 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Cottbus, 31. Mai 2012, Az: 23 KLs 2/12

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Gefährliche Körperverletzung: Industriemüll-Häcksler als gefährliches Werkzeug

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Cottbus vom 31. Mai 2012 nach § 349 Abs. 4 StPO

a) im Schuldspruch dahin geändert, dass der Angeklagte der räuberischen Erpressung in 23 Fällen und der versuchten räuberischen Erpressung schuldig ist,

b) in den Aussprüchen über die im Fall 5 der Urteilsgründe (Tat vom 11. September 2011 in Eisenhüttenstadt) verhängte Einzelstrafe und über die Gesamtstrafe aufgehoben.

Die weitergehende Revision wird nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen räuberischer Erpressung in 22 Fällen, wegen (besonders) schwerer räuberischer Erpressung und wegen versuchter räuberischer Erpressung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die hiergegen gerichtete und auf Verfahrensrügen sowie die allgemeine Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten erzielt den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg. Im Übrigen ist sie aus den Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Nach den zu Fall 5 der Urteilsgründe getroffenen Feststellungen trafen der Angeklagte und ein Mittäter sowie der Geschädigte am 11. September 2011 auf dem Gelände eines Industrieunternehmens in Eisenhüttenstadt zusammen. Sie gingen zu einem „Industriemüll-Häcksler“ (UA S. 12); es handelte sich dabei um ein „größeres Gerät, zum Schreddern von Industriemüll“ (UA S. 25). Der Angeklagte forderte vom Geschädigten die Herausgabe von 400 €, andernfalls er „in dem Häcksler landen werde“. Das Tatopfer fürchtete um sein Leben und übergab dem Angeklagten das Geld.

3 2. Diese Feststellungen tragen nicht den Schuldspruch wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung nach §§ 255, 249, 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB. Nach der insoweit auf § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB übertragbaren Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zum Tatbestand des § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB sind gefährliche Werkzeuge nur solche Gegenstände, die durch menschliche Einwirkung irgendwie gegen einen menschlichen Körper in Bewegung gesetzt werden können (vgl. BGH, Urteile vom 6. September 1968 - 4 StR 320/68, BGHSt 22, 235, 236, und vom 8. März 1988 - 1 StR 18/88, BGHR StGB § 223a Abs. 1 aF Werkzeug 2, Beschluss vom 7. Dezember 1993 - 5 StR 644/93; Stree/Sternberg-Lieben in Schönke/Schröder, StGB, 28. Aufl., § 224 Rn. 7 mwN). Hier wie dort sind demgemäß nur bewegliche Gegenstände erfasst. Für § 250 StGB wird dies zusätzlich daraus deutlich, dass gefährliche Werkzeuge im Sinne der Vorschrift „bei sich geführt“ werden können müssen (§ 250 Abs. 1 Nr. 1a StGB; vgl. zu dem sinngleichen Merkmal in § 30a Abs. 2 Nr. 2 BtMG auch BGH, Urteil vom 15. November 2007 - 4 StR 435/07, BGHSt 52, 89, 92 ff.). Daran fehlt es - trotz eher vager Beschreibung im angefochtenen Urteil - ersichtlich bei dem hier in Frage stehenden Gerät, das nach dem Zusammenhang der Urteilsgründe groß genug war, um einen Menschen aufnehmen zu können, und das seine Gefährlichkeit nicht aus einer Bewegung gegen den Menschen oder eines Menschen gegen das Gerät (vgl. hierzu RGSt 24, 372, 373), sondern aus einem Verarbeitungsvorgang gewinnt (vgl. auch RG aaO S. 375). Davon bleibt unberührt, dass die durch den Angeklagten ausgesprochene besonders markante Drohung im Rahmen der Strafzumessung Berücksichtigung finden kann.

4 Der Angeklagte ist nach alledem auch bei Tat 5 lediglich der nicht weiter qualifizierten räuberischen Erpressung nach §§ 255, 249 StGB schuldig. Der Senat hat den Schuldspruch entsprechend geändert. Der Angeklagte hätte sich hiergegen nicht anders als geschehen verteidigen können.

5 3. Die Schuldspruchänderung entzieht der Einsatzstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe sowie dem Gesamtstrafenausspruch die Grundlage. Weil es sich nur um einen Wertungsfehler handelt, können die Feststellungen bestehen bleiben. Das neue Tatgericht kann ergänzende Feststellungen treffen, sofern sie den bisherigen nicht widersprechen.

Basdorf Schaal Dölp

König Bellay

Mots-clés

dangerous toolrobbery-extortionsentencingrevisionqualification offenseremand

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the industrial shredder was a dangerous tool under § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB for the aggravated robbery-extortion count.

Solution extraite

No. A dangerous tool must be an object that can be moved against a human body by human action; the shredder was a large processing device and not such a movable tool.

Motifs extraits

The court applied its case law on dangerous tools under § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB by analogy. The device gained its dangerousness from a processing mechanism, not from being used against a person as a movable object, so the qualification did not apply.

Question juridique clé

What is the correct conviction for count 5 after removing the qualification?

Solution extraite

The accused is only guilty of unqualified robbery-extortion under §§ 255, 249 StGB for count 5.

Motifs extraits

Once the aggravated element failed, the facts still satisfied the basic offense.

Question juridique clé

Whether the sentence for count 5 and the total sentence could stand after the conviction change.

Solution extraite

No. The modified conviction removed the basis for the single sentence and the aggregate sentence, so both had to be set aside and the case remitted for resentencing.

Motifs extraits

The error concerned only the legal assessment; the findings could remain in place, but the sentencing consequences had to be redetermined by another chamber.

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