Revision admissible but dismissed; no reopening for defective procedural complaints

BGH 1 StR 593/12Bgh / Ire chambre pénale18 déc. 2012Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The defendant appealed a conviction for aiding tax evasion. The Federal Court held the revision admissible because the written reasons, although containing several inadmissible procedural complaints, also disclosed a general substantive challenge. However, the procedural complaints were inadmissible, and reinstatement to cure them was refused because no rectifiable fault by court staff was shown. On full review of the merits, the court found no legal error. The revision was therefore dismissed and the defendant ordered to bear the costs.

Regeste Omnilex

§ 345 Abs. 2 StPO, § 44 StPO, Art. 101 Abs. 1 GG; revision reasoning filed at the registry may be construed as containing the general substantive complaint if it attacks the challenged judgment on the merits. Procedural complaints that are objectively inadmissible cannot be cured by reinstatement absent a court-attributable procedural fault or a duty-breaching omission by court staff. Mere assistance by registry personnel in recording obviously inadmissible complaints does not establish a compensable impediment; the staff should refuse such recording. A comprehensive review on the Sachrüge remains decisive where admissibility is otherwise given (consid. 1-3).

Texte intégral

BGH — 1 StR 593/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-12-18

Aktenzeichen: 1 StR 593/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 44 StPO, § 345 Abs 2 StPO, Art 101 Abs 1 GG

Vorinstanz: vorgehend LG Kaiserslautern, 22. August 2012, Az: 7 KLs 6056 Js 18314/10

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Revision im Strafverfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung: Wiedereinsetzung wegen Protokollierung unzulässiger Verfahrensrügen durch den Rechtspfleger der Rechtsantragsstelle

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Kaiserslautern vom 22. August 2012 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils aufgrund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

  1. Die Revision ist zulässig.

Der Senat entnimmt der zu Protokoll der Geschäftsstelle (§ 345 Abs. 2 StPO) des Landgerichts abgegebenen Revisionsbegründung, mit der der Angeklagte u.a. die Anwendung der Vorschriften der Abgabenordnung rügt, dass das angefochtene Urteil auch sachlich-rechtlich beanstandet werden sollte. Das Vorbringen enthielt damit jedenfalls die Erhebung der allgemeinen Sachrüge.

  1. Die Revision ist unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).

a) Die erhobenen Verfahrensrügen sind aus den vom Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift vom 20. November 2012 zutreffend dargelegten Gründen unzulässig.

b) Eine Wiedereinsetzung zur Nachholung oder Nachbesserung von Verfahrensrügen kommt nicht in Betracht, da keine Umstände vorgetragen oder sonst erkennbar sind, die einen Anspruch auf Nachbesserung wegen Pflichtverletzung der Rechtspflegerin rechtfertigen könnten (vgl. BGHR StPO § 44 Verfahrensrüge 6, 13). Der Umstand, dass bei der Formulierung der als unzulässig bewerteten Verfahrensrügen zur Unterstützung des Angeklagten sachkundiges Justizpersonal mitgewirkt hat, offenbart hier keinen dem Gericht anzulastenden Fehler zum Nachteil des Angeklagten (vgl. BVerfG NJW 2005, 3629). Die Urkundsbeamtin hatte die Verfahrensrügen erkennbar allein deshalb in die Niederschrift aufgenommen, weil der Angeklagte - wie protokolliert - auf deren Niederschrift bestanden hatte. Richtigerweise hätte sie die Aufnahme der offensichtlich unzulässigen Verfahrensrügen nicht nur verweigern können, sondern auch verweigern müssen. Denn der Urkundsbeamte der Geschäftsstelle hat sich nicht nur deswegen an der Anfertigung der Revisionsbegründung gestaltend zu beteiligen und die Verantwortung für den Inhalt zu übernehmen, damit die Interessen des Angeklagten auf eine formgerechte und zulässige Revisionsbegründung gewahrt werden, vielmehr soll hierdurch auch gewährleistet werden, dass dem Revisionsgericht die Prüfung grundloser oder unverständlicher Anträge erspart wird (vgl. BGHR StPO § 345 Abs. 2 Begründungsschrift 5). Eine Mitwirkung an der Anbringung von Verfahrensrügen, mit denen u.a. geltend gemacht werden sollte, das Landgericht sei ein nach Art. 101 Abs. 1 GG unzulässiges Ausnahmegericht, die Strafprozessordnung dürfe nicht mehr angewendet werden, die Abgabenordnung sei noch nie gültig gewesen und die zwangsweise Vertretung durch einen Anwalt vor dem Landgericht verletze die Postulationsfähigkeit des Angeklagten und fuße auf nationalsozialistischem Unrecht, hätte die Rechtspflegerin daher verweigern müssen.

c) Die umfassende Nachprüfung des angefochtenen Urteils auf die Sachrüge hin hat keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben.

  1. Der Senat kann durch Beschluss gemäß § 349 Abs. 2 StPO entscheiden, da die primär auf eine Revisionsverwerfung als unzulässig gemäß § 349 Abs. 1 StPO gerichtete Antragsschrift des Generalbundesanwalts für den Fall, dass der Senat die Revision für zulässig erachtet, auch einen Verwerfungsantrag nach § 349 Abs. 2 StPO enthält.

Nack Rothfuß Jäger

Cirener Radtke

Mots-clés

revisionprocedural complaintsreinstatementadmissibilitygeneral substantive challengecourt registrytax evasioncosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the revision was admissible despite the form of the statement filed at the registry.

Solution extraite

Yes. The submission, though containing objections to tax-law application, also showed at least a general challenge on the merits.

Motifs extraits

The court construed the filed reasons as including the general Sachrüge because the defendant attacked the application of tax provisions and thus also intended a substantive challenge.

Question juridique clé

Whether the procedural complaints were admissible.

Solution extraite

No. The procedural complaints were inadmissible for the reasons stated by the Federal Prosecutor General.

Motifs extraits

The complaints did not satisfy the requirements for a properly reasoned appeal.

Question juridique clé

Whether reinstatement could be granted to cure or supplement the procedural complaints.

Solution extraite

No. No circumstances showed a compensable procedural fault by court staff or any entitlement to supplementation.

Motifs extraits

Court staff had merely recorded the objections at the defendant’s insistence; they were obviously inadmissible and should not have been accepted. Mere assistance by legal staff does not create a rectifiable court error.

Question juridique clé

Whether the conviction could be disturbed on the merits review.

Solution extraite

No. Full review on the general substantive challenge revealed no legal error to the defendant’s detriment.

Motifs extraits

The court found no reversible mistake in the challenged judgment after examining the record on the Sachrüge.

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