Air passenger compensation for missed connection after short feeder delay

BGH X ZR 150/10Bgh / Civil Chamber 1017 sept. 2013Modified

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court overturned the lower-court judgments and entered judgment for the passenger. It held that Regulation 261/2004 applied because the journey began in Frankfurt, and that compensation is due when a passenger reaches the final destination at least three hours late, even if the initial feeder flight was delayed by less than three hours and the missed connection caused the final delay. The defendant airline was ordered to pay EUR 1,200 for the plaintiff and his wife’s assigned claim, plus interest, EUR 223.72 in pre-litigation legal fees, and the costs of the proceedings.

Regeste Omnilex

Art. 3(1)(a) and Art. 7(1)(c) Regulation (EC) No. 261/2004; missed connection after delay of less than three hours on feeder flight; compensation is owed when the passenger reaches the final destination at least three hours late. The entitlement depends on the delay at the individual final destination, not on whether the delay of the initially delayed flight met the thresholds of Art. 6. It is irrelevant whether the late arrival results from missing a connecting flight that itself was not delayed. The decisive criterion is the actual arrival delay at the passenger’s booked final destination (consid. 6-8).

Texte intégral

BGH — X ZR 150/10, Urteil

Entscheidungsdatum: 2013-09-17

Aktenzeichen: X ZR 150/10

Dokumenttyp: Urteil

Normen: Art 3 Abs 1 EGV 216/2004, Art 7 Abs 1 Buchst c EGV 261/2004

Vorinstanz: vorgehend EuGH, 22. Mai 2013, Az: C-436/11 und C-437/11vorgehend BGH, 16. Juni 2011, Az: X ZR 150/10, EuGH-Vorlagevorgehend LG Frankfurt, 25. November 2010, Az: 2-24 S 88/10vorgehend AG Frankfurt, 11. Mai 2010, Az: 30 C 142/10 - 71

Spruchkörper: 10. Zivilsenat

Titelzeile

Fluggastrechte: Ausgleichsleistungsanspruch bei Versäumung eines Anschlussfluges infolge eines weniger als drei Stunden verspäteten Zubringerflugs; Verspätung von mehr als drei Stunden bei Erreichen des Endziels

Tenor

Auf die Rechtsmittel des Klägers werden das Urteil der 24. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt am Main vom 25. November 2010 aufgehoben und das Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom 11. Mai 2010 abgeändert.

Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 1.200 € nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 22. Dezember 2009 sowie vorgerichtlich entstandene Anwaltskosten in Höhe von 223,72 € nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 9. Januar 2010 zu zahlen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden der Beklagten auferlegt.

Von Rechts wegen

Tatbestand

1 Der Kläger buchte bei dem beklagten Luftverkehrsunternehmen für sich und seine Ehefrau Hin- und Rückflüge für die Strecke Frankfurt am Main - Lissabon - Recife. Der Flug von Frankfurt am Main nach Lissabon sollte am 29. Oktober 2009 um 13.30 Uhr starten, der Abflug verzögerte sich jedoch um 1 Stunde und 40 Minuten. Bei der Landung in Lissabon war der vorgesehene Anschlussflug bereits gestartet. Die Beklagte beförderte den Kläger und seine Ehefrau am folgenden Tag. Sie erreichten Recife infolgedessen mit einer Verspätung von 25 Stunden.

2 Der Kläger verlangt für sich und aus abgetretenem Recht seiner Ehefrau eine Ausgleichszahlung von je 600 € nach der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 295/91 (im Folgenden: Fluggastrechteverordnung) nebst Zinsen und vorgerichtlichen Anwaltskosten.

3 Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Die Berufung des Klägers ist ohne Erfolg geblieben. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgt der Kläger sein Klageziel weiter. Die Beklagte tritt dem Rechtsmittel entgegen.

Entscheidungsgründe

4 I. Das Berufungsgericht hat die Voraussetzungen für einen Ausgleichsanspruch wegen Verspätung verneint. Bei der Flugreise von Frankfurt am Main nach Recife via Lissabon handele es sich entgegen der Auffassung des Klägers nicht um einen einheitlichen Flug; die Reise habe vielmehr aus zwei getrennt zu betrachtenden Flügen bestanden. Selbst wenn man die beiden Flüge als Einheit betrachten wolle, löse allein eine um mehr als drei Stunden verspätete Ankunft den Ausgleichsanspruch nicht aus. Verspätete Flüge im Sinne der Fluggastrechteverordnung seien nur solche, bei denen sich der Abflug - wie hier nicht - um eine in Art. 6 FluggastrechteVO genannte Zeitdauer verzögere.

5 II. Diese Beurteilung hält der revisionsrechtlichen Nachprüfung nicht stand. Da der Rechtsstreit auf der Grundlage der getroffenen Feststellungen zur Endentscheidung reif ist, hat der Senat in der Sache selbst zu entscheiden und die Klage zuzusprechen.

6 1. Die Fluggastrechteverordnung ist, wie auch das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, anwendbar, da die Reisenden auf einem Flughafen in Deutschland einen Flug, nämlich den ersten gebuchten Flug von Frankfurt am Main nach Lissabon, angetreten haben (Art. 3 Abs. 1 Buchst. a FluggastrechteVO).

7 2. Der verspätete Abflug dieses Flugs hat dazu geführt, dass die Reisenden ihr Endziel Recife erst einen Tag nach der geplanten Ankunft erreicht haben. Dies begründet den mit der Klage geltend gemachten Ausgleichsanspruch nach Art. 7 Abs. 1 Buchst. c FluggastrechteVO.

8 Den Fluggästen eines verspäteten Flugs steht ein Ausgleichsanspruch nach Art. 7 der Verordnung zu, soweit sie infolge der Flugverspätung ihr individuelles Endziel mit einer Verspätung von mindestens drei Stunden erreichen. Die Ausgleichsleistung ist, wie der Senat nach Erlass des Berufungsurteils entschieden hat, davon unabhängig, ob die verspätete Erreichung des Endziels darauf beruht, dass sich der Abflug des verspäteten Flugs um die in Art. 6 Abs. 1 Buchst. a bis c FluggastrechteVO genannten Zeiten verzögert hat, und von dem Luftverkehrsunternehmen auch dann zu erbringen, wenn die verspätete Ankunft am Endziel darauf beruht, dass infolge der Flugverspätung ein selbst nicht verspäteter Anschlussflug verpasst worden ist (BGH, Urteil vom 7. Mai 2013 - X ZR 127/11, NJW-RR 2013, 1065 im Anschluss an EuGH, Urteil vom 19. November 2009 - C-402/07, NJW 2010, 43 = RRa 2009, 282 - Sturgeon/Condor; Urteil vom 23. Oktober 2012 - C581/10 - Nelson/Lufthansa; Urteil vom 26. Februar 2013 - C11/11 - Air France/Folkerts). Bedenken gegen diese Auslegung der Fluggastrechteverordnung ergeben sich weder aus dem Primärrecht der Europäischen Union noch aus dem Grundgesetz (BGH aaO Rn. 14 ff.).

9 III. Die Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 286 Abs. 1, 288 BGB, § 91 Abs. 1 ZPO.

| Meier-Beck | | Mühlens | | Richter am Bundesgerichtshof Gröning kann wegen Urlaubs nicht unterschreiben. | | --- | --- | --- | --- | --- | | | | | | Meier-Beck | | | Schuster | | Deichfuß | |

Mots-clés

air passenger rightsmissed connectionflight delaycompensationfinal destinationinterestattorney feescosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether Regulation 261/2004 applies to the itinerary and missed connection.

Solution extraite

Yes. The first flight departed from an airport in Germany, so the regulation applied.

Motifs extraits

The passengers began their journey on a flight departing from Frankfurt am Main, which brought the case within Article 3(1)(a) of the Regulation.

Question juridique clé

Whether a delay of less than three hours on the feeder flight can trigger compensation when the arrival at the final destination is at least three hours late because the connection was missed.

Solution extraite

Yes. Compensation is owed if the passenger reaches the final destination at least three hours late, even if the initial delay was under three hours and a scheduled connection was missed.

Motifs extraits

The Court followed its post-judgment case law and the Court of Justice: the decisive factor is the delay at the individual final destination, not whether the departure delay fell within Article 6 thresholds.

Question juridique clé

Whether the plaintiff was entitled to default interest and pre-litigation attorney fees.

Solution extraite

Yes, interest and reimbursement of pre-litigation legal costs were awarded as claimed.

Motifs extraits

The ancillary claims followed from the defendant’s payment obligation and were based on the applicable German civil-law provisions.

Poursuivez vos recherches dans ChatGPT ou Claude

Connectez Omnilex pour rechercher dans le corpus juridique depuis votre assistant IA.