Sentence reduced for contradictory treatment of confession

BGH 4 StR 414/13Bgh / Criminal Chamber 49 oct. 2013Modified

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The defendant’s appeal against sentence succeeded. The Federal Court of Justice held that the regional court’s sentencing reasoning was contradictory: it treated the defendant’s confession as irrelevant because it allegedly only confirmed other evidence, while elsewhere stating that the findings were based mainly on the confessions of both defendants and expressly crediting the co-defendant’s confession in mitigation. Because this could have affected the sentence to the defendant’s detriment, the sentence and the related findings were set aside. The case was remitted to another criminal chamber of the Regional Court of Essen for a new sentencing decision, including costs of the appeal.

Regeste Omnilex

§ 46 StGB; sentencing assessment of a confession; a confession may be given reduced mitigating weight if it is guided by tactical considerations or merely repeats proof already established. However, sentencing reasons must be internally consistent. If the court elsewhere relies substantially on the defendant’s confession for the findings and treats a co-defendant’s confession as mitigating, it must explain why the defendant’s confession is said to be irrelevant; otherwise the sentence is vulnerable to reversal (consid. 3–7). Section 354(1a) StPO does not permit the appellate court to uphold the sentence where the adequacy of the sanction cannot be assessed on a complete and reliable sentencing record, especially if new sentencing-relevant facts are introduced after judgment (consid. 9).

Texte intégral

BGH — 4 StR 414/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-10-09

Aktenzeichen: 4 StR 414/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 46 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Essen, 16. Mai 2013, Az: 26 KLs 16/13

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung: Strafmilderung wegen einer nur aus prozesstaktischen Erwägungen abgegebenen geständigen Einlassung

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Essen vom 16. Mai 2013 im Rechtsfolgenausspruch mit den Feststellungen aufgehoben.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von „zwei Jahren und sechs Monaten“ verurteilt. Gegen dieses Urteil wendet sich der Beschwerdeführer mit seiner wirksam auf den Rechtsfolgenausspruch beschränkten Revision und rügt die Verletzung formellen und materiellen Rechts.

2 1. Das wirksam auf den Rechtsfolgenausspruch beschränkte Rechtsmittel hat mit der Sachrüge Erfolg, so dass es einer näheren Erörterung der Verfahrensrüge nicht bedarf.

3 a) Der Strafausspruch kann nicht bestehen bleiben, weil die Strafzumessungserwägungen widersprüchlich sind und zugleich einen Wertungsfehler besorgen lassen.

4 Das Landgericht hat angenommen, das Geständnis des Angeklagten in der Hauptverhandlung habe keine strafmildernde Berücksichtigung finden können, da er lediglich das eingeräumt habe, was ohnehin durch andere Beweismittel bewiesen werden konnte.

5 Zwar ist der Tatrichter nicht gehindert, das strafmildernde Gewicht einer geständigen Einlassung geringer zu bewerten, wenn es von prozesstaktischen Erwägungen bestimmt ist (vgl. BGH, Beschluss vom 8. Mai 2007 – 1 StR 193/07, NStZ-RR 2007, 232). Das gilt auch in dem Fall, in dem der Angeklagte nur das einräumt, was durch die Beweisaufnahme ohnehin schon zur Überzeugung des Gerichts feststeht (BGH, Beschluss vom 21. Februar 1989 – 1 StR 697/88, BGHR StGB § 46 Abs. 2 Verteidigungsverhalten 3).

6 Im vorliegenden Fall steht die das Geständnis des Angeklagten bewertende Erwägung aber im Widerspruch dazu, dass das Landgericht an anderer Stelle ausführt, die tatsächlichen Feststellungen zu der abgeurteilten Tat beruhten im Wesentlichen auf den geständigen und glaubhaften Angaben der beiden Angeklagten. Vor diesem Hintergrund hätte die Einschätzung des Geständnisses des Angeklagten als strafzumessungsrechtlich unerheblich näherer Erläuterung bedurft, zumal die Strafkammer das ebenfalls in der Hauptverhandlung abgelegte Geständnis des Mitangeklagten diesem ausdrücklich strafmildernd zugutegehalten hat.

7 Da nicht auszuschließen ist, dass sich dieser Rechtsfehler bei der Strafzumessung zu Ungunsten des Angeklagten ausgewirkt hat, war das Urteil im Strafausspruch aufzuheben.

8 b) Ergänzend weist der Senat auf die unterschiedlichen Strafhöhen im Tenor des schriftlichen Urteils einerseits, der mit der verkündeten Urteilsformel übereinstimmt, und den Urteilsgründen andererseits hin.

9 2. Der Senat kann entgegen der Auffassung des Generalbundesanwalts nicht gemäß § 354 Abs. 1a StPO von einer Aufhebung absehen, da im vorliegenden Fall die Angemessenheit der verhängten Rechtsfolge vom Revisionsgericht nicht abschließend auf der Grundlage eines vollständigen Strafzumessungssachverhalts beurteilt werden kann (vgl. dazu BVerfG, Beschluss vom 14. Juni 2007 – 2 BvR 1447/05, 2 BvR 136/05, BVerfGE 118, 212, 234). In seiner Gegenerklärung ist der Beschwerdeführer einer solchen Entscheidung mit neuem Sachvortrag zu nach Erlass des landgerichtlichen Urteils eingetretenen Änderungen in seinen persönlichen Verhältnissen entgegen getreten. Diese können für die Strafzumessung bedeutsam sein, weshalb der Senat die zugehörigen Feststellungen ebenfalls aufhebt. Der neue Tatrichter kann so alle strafzumessungserheblichen Umstände umfassend feststellen und bewerten. Hierzu verweist der Senat ergänzend darauf, dass der Umstand, dass ein Betäubungsmittelgeschäft größeren Ausmaßes unter polizeilicher Überwachung stattgefunden hat, neben der Tatsache der Sicherstellung der betreffenden Betäubungsmittel im Regelfall zusätzlich als bestimmender Strafzumessungsgrund gemäß § 267 Abs. 3 Satz 1 StPO zu erörtern ist (vgl. nur BGH, Beschluss vom 3. Mai 2011 – 5 StR 568/10, StV 2011, 622; Weber, BtMG, 4. Aufl., Vor §§ 29 ff. Rn. 966 mwN).

Sost-Scheible Roggenbuck Franke

Mutzbauer Quentin

Mots-clés

sentencingconfessionmitigationinconsistent reasoningdrug offenseremand

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the sentence could stand despite contradictory reasons on the mitigating value of the defendant's confession.

Solution extraite

No. The sentencing reasons were inconsistent and suggested a valuation error; the confession could not simultaneously be treated as irrelevant while the judgment relied heavily on both defendants' admissions.

Motifs extraits

A confession may be given reduced mitigating weight if it is tactical or merely confirms what was otherwise proven. Here, however, the court elsewhere stated that the findings rested mainly on the defendants' confessions, and it even treated the co-defendant's confession as mitigating. That required an explanation, which was lacking.

Question juridique clé

Whether the Federal Court of Justice could leave the sentence undisturbed under Section 354(1a) StPO.

Solution extraite

No. The appropriateness of the sentence could not be finally assessed on the basis of a complete sentencing record, especially in light of new submissions about changed personal circumstances.

Motifs extraits

Because the defendant raised new facts relevant to sentencing after the regional court judgment, the appellate court could not conclusively assess the sentence's adequacy and had to set aside the sentencing findings as well.

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