Testo completo
OGH 15Ns22/97
- Dokumenttyp: Entscheidungstext
- Entscheidungsdatum: 13.11.1997
Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 13.November 1997 durch den Vizepräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr.Reisenleitner als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Mag.Strieder, Dr.Rouschal, Dr.Schmucker und Dr.Zehetner als weitere Richter, in Gegenwart des Richteramtsanwärters Mag.Kubiczek als Schriftführer, zu den beim Obersten Gerichtshof zum AZ 12 Os 146/97 sowie AZ 12 Os 153,154/97 anhängigen, vom Generalprokurator gegen den Beschluß des Oberlandesgerichtes Wien vom 23.Mai 1996, AZ 22 Bs 175/96 (= GZ 27 a Vr 13684/95-10 des Landesgerichtes für Strafsachen Wien) sowie gegen das Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Wien vom 21.März 1997, GZ 1 d E Vr 13684/95-35, und den Beschluß dieses Gerichtes vom 23.Mai 1997, GZ 1 d E Vr 13684/95-39, erhobenen Nichtigkeitsbeschwerden zur Wahrung des Gesetzes, über die Befangenheitsanzeigen des Vorsitzenden Senatspräsident des Obersten Gerichtshofes Dr.R*****, und des Senatsmitgliedes Hofrat des Obersten Gerichtshofes Dr.H***** in nichtöffentlicher Sitzung den
Beschluß
gefaßt:
Spruch
Senatspräsident des Obersten Gerichtshofes Dr.R***** und Hofrat des Obersten Gerichtshofes Dr.H***** sind in diesen Strafsachen befangen.
Begründung
Gründe:
Senatspräsident des Obersten Gerichtshofes Dr.R***** und Hofrat des Obersten Gerichtshofes Dr.H***** zeigten am 5.November 1997 gemäß § 72 Abs 2 StPO ihre Befangenheit an.
In der Strafsache gegen Dr.Marion K***** wegen des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1 und 2 StGB, AZ 1 d E Vr 13.684/95 des Landesgerichtes für Strafsachen Wien, sind dem Senat 12 des Obersten Gerichtshofes zwei zur Wahrung des Gesetzes erhobene Nichtigkeitsbeschwerden zur Entscheidung angefallen, die zumindest teilweise über bloß rechtstheoretische Aspekte hinaus das Kosteninteresse der rechtskräftig von den Anschuldigungen freigesprochenen Dr.K***** berühren.
Bei Dr.Marion K***** handelt es sich um die Ehegattin des im Ruhestand befindlichen Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr.Herbert K*****, mit dem sowohl Senatspräsident des Obersten Gerichtshofes Dr.R***** als auch Hofrat des Obersten Gerichtshofes Dr.H***** langjährige private freundschaftliche Kontakte verbinden.
Die Befangenheitsanzeige ist berechtigt, weil schon der entsprechend objektivierte äußere Anschein der Befangenheit genügt (§ 72 StPO, Art 6 EMRK) und bei der gegebenen Konstellation Anhaltspunkte vorliegen, welche die volle Unbefangenheit der genannten Richter nicht gewährleistet erscheinen lassen könnten.