Complaint requirements and ex officio application of law

ZK 2012 665Tribunale superiore / Camera civile5 mar 2013

Estratto da Omnilex

Sintesi Omnilex

X appealed an order concerning an advance on costs. The Bern Cantonal High Court held that a complaint under Art. 321(1) CPC must be reasoned, but that this does not follow a strict BGG-style issue-preclusion principle. Even if the reasoning is somewhat unclear, the appeal court may still identify the alleged legal errors and must apply the law ex officio under Art. 57 CPC. The excerpt states that the appeal was sufficiently reasoned and therefore admissible.

Massima Omnilex

Art. 321 Abs. 1 ZPO; Art. 57 ZPO; requirements for reasoning of an appeal and ex officio application of the law. The appeal must be filed in writing and reasoned; where incorrect application of law is invoked, the pleading must indicate the norm allegedly misapplied and the manner of the error. However, no BGG-style issue-preservation principle applies in civil appeal proceedings: the appellate court applies the law ex officio (iura novit curia) and may also identify legal violations not expressly pleaded (consid. 4). A less than stringent reasoning can suffice if the court can infer the alleged legal grievances and the submission is otherwise timely and formalized.

Testo completo

ZK 12 665, publiziert Mai 2013

Entscheid der 2. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons Bern

vom 05. März 2013

Besetzung

Oberrichter Bähler (Referent), Oberrichterin Apolloni Meier und Oberrichter Kiener

Gerichtsschreiberin Holzapfel Pürro

Verfahrensbeteiligte

X

vertreten durch Fürsprecher A

Klägerin/Beschwerdeführerin

gegen

Y

vertreten durch Rechtsanwalt B

Beklagte/Beschwerdegegnerin

Gegenstand

Kostenvorschuss

Regeste:

Art. 321 Abs. 1 ZPO; Art. 59 ZPO

Anforderungen an die Begründung einer Beschwerde: Wird eine unrichtige Rechts­an­wendung geltend gemacht, ist zwar darzulegen, welche Rechtsnorm nicht richtig angewendet worden ist und inwiefern dies der Fall sein soll. Es besteht jedoch kein Rügeprinzip im Sinne von Art. 106 Abs. 2 BGG, wonach nur explizit gerügte Rechts­verletzungen beurteilt werden. Vielmehr gilt auch im Beschwerdeverfahren der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen.

Auszug aus den Erwägungen:

(...)

II.

(…)

4. Die Beschwerde ist schriftlich und begründet einzureichen (Art. 321 Abs. 1 ZPO). Wird eine unrichtige Rechtsanwendung geltend gemacht, ist darzulegen, welche Rechtsnorm nicht richtig angewendet worden ist und inwiefern dies der Fall sein soll (Sterchi, in: Berner Kommentar, Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Schweizerische Zivilprozessordnung Art. 1 – 149 ZPO, Band I, Hausheer/Walter [Hrsg.], Bern 2012, N. 14 zu Art. 321 ZPO [nachfolgend zit. BK-Sterchi]). Es besteht jedoch kein Rügeprinzip im Sinne von Art. 106 Abs. 2 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110), wonach nur explizit gerügte Rechtsverletzungen beurteilt werden. Vielmehr gilt auch im Beschwerdeverfahren der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen („iura novit curia“, Art. 57 ZPO). Die Beschwerdeinstanz kann also auch Rechtsverletzungen feststellen, die in der Beschwerdebegründung nicht vorgebracht wurden.

Die rechtliche Begründung der Beschwerde ist wenig stringent. Es kann aus ihr jedoch heraus gelesen werden, dass die Beschwerdeführerin Art. 114 Bst. c ZPO verletzt sieht, weil die Vorinstanz nach der Reduktion der Rechtsbegehren das Verfahren nicht als kostenloses weiter geführt hat, dass sie der Auffassung ist, bezüglich des Streitwertes des Rechtsbegehrens betreffend Arbeitszeugnis liege keine Einigung vor und die entgegengesetzte Auffassung der Vorinstanz verletze Art. 91 Abs. 2 ZPO, und dass sie der Meinung ist, Art. 98 ZPO sei verletzt, weil die Vorinstanz bei der Bestimmung des Kostenvorschusses der Reduktion der Rechtsbegehren, ihren wirtschaftlichen Verhältnissen und dem finanziellen Ungleichgewicht der Parteien nicht Rechnung trug.

Diese Begründung ist ausreichend, so dass auf die form- und fristgerechte Beschwerde eingetreten werden kann.

(...)

Hinweis:

Der Entscheid ist rechtskräftig.

Parole chiave

appeal reasoningex officio application of lawcost advanceadmissibilitycivil procedure

Estratto da Omnilex

Questione giuridica chiave

Whether the appeal was sufficiently reasoned under Art. 321(1) CPC despite being inexact and partly implicit.

Decisione estratta

The appeal was sufficiently reasoned to allow review; the court could understand the asserted legal errors.

Motivazione estratta

Although the reasoning was not very coherent, it could be read as alleging several specific misapplications of law. Under Art. 321(1) CPC the appeal must be written and reasoned, but there is no strict issue-preservation principle like Art. 106(2) BGG; the appeal court applies the law ex officio under Art. 57 CPC.

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